Digitale Landesbibliothek Berlin Logo
  • Show double pages
Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1919, 28. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Bibliographic data

fullscreen: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1919, 28. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Monograph

Author:
Kretzer, Max
Title:
Im Riesennest : Berliner Geschichten / von Max Kretzer
Edition:
Dritte Auflage
Publication:
Leipzig: Verlag von Paul List, [1912?]
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2024
Scope:
165 Seiten
Berlin:
B 328 Literatur: Romane, Erzählungen über Berlin
DDC Group:
830 Deutsche Literatur
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15492541
Collection:
Berlin Dialect,Literature,Literary Life
Location:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Shelfmark:
B 328 Kretz
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1919, 28. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Sondernummer. Berliner Sturmtage
  • Nr. 1, 5. Januar 1919
  • Nr. 2, 12. Januar 1919
  • Nr. 3, 19. Januar 1919
  • Nr. 4, 26. Januar 1919
  • Nr. 7, 16. Februar 1919
  • Nr. 13, 30. März 1919
  • Nr. 14, 6. April 1919
  • Nr. 15, 13. April 1919
  • Nr. 16, 20. April 1919
  • Nr. 17, 27. April 1919
  • Nr. 18, 4. Mai 1919
  • Nr. 19, 11. Mai 1919
  • Nr. 20, 18. Mai 1919
  • Nr. 21, 25. Mai 1919
  • Nr. 22, 1. Juni 1919
  • Nr. 23, 8. Juni 1919
  • Nr. 24, 15. Juni 1919
  • Nr. 25, 22. Juni 1919
  • Nr. 26, 29. Juni 1919
  • Nr. 27, 6. Juli 1919
  • Nr. 28, 13. Juli 1919
  • Nr. 29, 20. Juli 1919
  • Nr. 30, 27. Juli 1919
  • Nr. 31, 3. August 1919
  • Nr. 32, 10. August 1919
  • Nr. 33, 17. August 1919
  • Nr. 34, 24. August 1919
  • Nr. 35, 31. August 1919
  • Nr. 36, 7. September 1919
  • Nr. 37, 14. September 1919
  • Nr. 38, 21. September 1919
  • Nr. 39, 28. September 1919
  • Nr. 40, 5. Oktober 1919
  • Nr. 41, 12. Oktober 1919
  • Nr. 42, 19. Oktober 1919
  • Nr. 43, 26. Oktober 1919
  • Nr. 44, 2. November 1919
  • Nr. 45, 9. November 1919
  • Nr. 46, 16. November 1919
  • Nr. 47, 23. November 1919
  • Nr. 48, 30. November 1919
  • Nr. 49, 7. Dezember 1919
  • Nr. 50, 14. Dezember 1919
  • Nr. 51, 21. Dezember 1919
  • Nr. 52, 28. Dezember 1919
  • ColorChart

Full text

—X Berliner Ilustrirte Zeitung. 
DoOKfor BesselIs VcE 
R O MAM 
XVVC 
. DU D WVI6 
L Fortsetzung. — Nachdrud verboten. 
F5rau Helene Bessel erhält aus Bukarest ein Telegramm 
hres Gatten, des Doktors Alezander Bessel. Er meldet 
hr, daß er auf Kriegsurlaub nach Berlin kommen wird 
Sie begibt sich zu dem Mann, den sie liebt, dem Por— 
rätmaler Thorsten Gleerup, einem jungen Schweden. 
Denn sie muß, so glaubt sie, ihrem Gatten jetzt die Wahr⸗ 
)eit sagen. Thorsten, in dessen Atelier sie ein weibliches 
Modell trifft, die Schwedin Fräulein Lundbye, drängt 
eidenschaftlich in sie, sich zu entscheiden. Aber sie ist 
nutlos, sie scheut sich, ihrem Gatten den großen Schmerz 
anzutun. Mutlos geht sie zu einer Verwandten, der alten 
Frau Dora Mielentz, der sie gesteht, was sie quält. Mil 
erber Offenheit sucht Frau Mielentz sie aus ihrer Ge— 
ftühlswirrnis zum Alltag des Lebens zurüchuführen. 
berfiel sie lähmend ein entsetzlicher Gedanke, der ihre 
dände schlaff in den Schoß sinken ließ. Wenn es nicht 
nöglich war, noch heute abend ihrem Mann die 
anze Wahrheit zu sagen? Wenn sie die Abrechnung 
elleicht erst morgen oder übermorgen halten konnte? 
wischen heute und morgen lag eine lange Nacht 
Bie konnte sie, mit dieser Last auf dem Herzen. 
hrem Mann angehören? Es wäre feiger, schimpf— 
icher Betrug, ihm und Thorsten gegenüber. 
Sie sprang auf, mit gelösten Haaren, und liej 
zum Telephon, um Onkel Mielentz anzurufen. 
„Hallo! Bist Du's, Onkel Hermann? Hier 
delene. Guten Tag. Sör' mal, Onkel Hermann, 
oeben ist ein Telegramm von Alex eingetroffen. Er 
ommt heute, sechs Uhr dreißig, Bahnhof Friedrich—⸗ 
traße an. Ich fühle mich nicht ganz wohl. Willsi 
)u ihn nicht abholen? Ach bitte, lieber, guter Onkel 
dermann, tu's doch! Ja? Schönsten Dank.“ 
Wie klein und schäbig ist dies alles, dachte sie 
jedemütigt, während sie langsam in das Schlaf⸗ 
immer ging, um sich ins Bett zu legen. 
rau Mielentz rief gutmütig: „Sei bloß nicht 
B beleidigt! Ich habe mir nur erlaubt, Dir 
nen guten Rat zu geben. Ob Du ihn befolgen 
villst, ist Deine Sache, geht mich auch weiter nichts 
an. Von mir aus mach, was De willst. Ich hab' 
es gut mit Dir gemeint, und von Deiner alten Tante 
lannste Dir ruhig mal was sagen lassen, ohne die 
gekränkte Leberwurst zu spielen.“ 
⸗Ich bin nicht gekränkt,“ verteidigte sich Frau 
Bessel. „Es tut mir nur weh, daß Du mein Leid 
nricht verstehen. willst.“ 
„Ich verstehe alles, auch Dein Leid, wie Du 
Dich so hübsch ausdrückst. Ich bin nicht auf 'n Kopp 
zefallen. Was ich nicht begreifen will, ist, daß man 
vegen so'n bißken Aufruhr im Blut gleich 'n großes 
khedrama inszeniert. Die Geschichte von der umn— 
erstandenen jungen Frau und dem schwedischen 
cdunstmaler seh' ich mir im Kientopp an, aber wenn 
De mir den Film in Wirklichkeit vorspielen willst, 
u' ich nicht mit.“ 
Sie küßte ihre Nichte auf die Stirn. „Nee, 
zind, Du daͤrfst Dich nicht lächerlich machen. Wentf 
er wenigstens 'n Bankdirektor wäre, aber Kunstmaler 
nis Schweden, — es geht wirklich nicht, glaub' mir. 
Na, lebwohl, Lene, und komm' bald wieder.“ 
Frau Bessel war sehr niedergeschlagen, als sie 
das Haus der Tante verließ. Statt der Hilfe, die 
ie erwartet hatte, brachte sie Enttäuschung und den 
Trost platter Lebensklugheit heim. 
Erschöpft und müde kam sie nach Haus, aß 
widerstrebend ein paar Bissen und verkroch sich dann 
mn fernsten Winkel /des Gartens. Hier war es still 
and eensam. Selbst die Vögel schwiegen in dieser 
heißen Stunde. 
Die junge Frau versuchte zu schlafen, aber es 
var unmöglich. Alles, was Tante Mielentz gesagt 
hatte, zog wieder vorüber. Sie wurde schamrot, als 
ie sich einzelner Worte erinnerte, die die Reinheit 
hrer Liebe in den Kot zogen. Es handelte sich nic: 
im einen Aufruhr des Blutes, es 
zing nicht darum, einen ahnungs⸗ 
osen und vertrauensvollen Gatten 
muf schlaue Weise zu betrügen, es galt 
den Kampf um ein neues Leben mit 
einem Mann, den sie liebte. 
Diesen Kampf aufzunehmen und 
durchzuführen war sie jetzt fest ent⸗ 
schlossen. Auf reinliche Art, ohne 
Umwege und Verdrehungen, wollte 
ie ihr Glück erzwingen. Wenn sie 
cheiterte, war es ein ehrenvolles 
Unterliegen, dessen man sich nicht zu 
ichümen brauchte. 
Plötzlich fielen ihr die Augen zu. 
Fin dummer Traum zuckte vorüber. 
Sie stand nackt, mit vorgeneigtem 
Iberkörper, auf dem Podium, als 
Fräulein Lundbye in das Altelier 
rat. Thorsten hörte sogleich zu 
nalen auf und unterhielt sich mit 
hem Gast. Es war Qual ohnegleichen. 
kentsetzt fuhr Frau Bessel auf und 
»etastete ihre Kleider. 
Eine Uhr schlug irgendwo. Es 
var Zeit, zum Bahnhof zu fahren. 
Sie erhob sich und ging, um sich um⸗ 
zjukleiden, ins Haus. 
Während sie ihr Haar ordnete, 
III. 
Hermann Mielentz marschierte mit kleinen, ab— 
ehackten Schritten auf dem Bahnsteig, eifrig mit sich 
elber sprechend, wie es seine Art war, und die Arme 
inter dem Rücken verschränkt. Er war ein dünnes, 
ageres Männchen und trug zu allen Jahreszeiten, 
m Krieg und im Frieden, graue Gamaschen, die ihm 
ine unbezweifelbare Sonderstellung verschafften. 
„Fünfunddreißig Minuten Verspätung, hat die 
zeamtin gesagt. Na schön. Kannste nichts machen. 
lbwarten und Tee trinken.“ Er wackelte mit dem 
dopf. „Teetrinken ist leicht gesagt. Wo nimmt man 
ee her? Freudensprung hat mir zwar Tee ver— 
prochen, aber wer weiß, ob der Schieber Wort hält? 
Mehr als siebzig Mark fürs Pfund zahle ich unter 
zar keinen Umständen. Fällt mir nicht im Traum 
in. Höchstens achtzig Mark.“ 
Eine junge hübsche Dame kam ihm entgegen. 
„Schick is se,“ erklärte Onkel Mielentz sach⸗ 
erständig und nickte ihr Beifall zu. Das Fräulein 
ächelte geschmeichelte „Na, was hat se schon davon? 
zin zehn Jahren wird se nicht mehr schick sein. So 
s das Leben. C'est la vie.“ Ein Herrt mitwallen. 
em Vollbart blickte ihn drohend an. „Such is life,“ 
uhr Hermann Mielentz unbekümmert fort. 
Aus einem einlaufenden Zug stiegen Urlauber. 
der alte Herr sah ihnen nach und sagte: „Mert. 
vürdigl Ich kann mir Frieden gar nicht mehr vor⸗ 
tellen. Was macht man im Frieden? Wie lebt 
nan ohne Belagerungszustand? Na, man wird sich 
Der Dieb. 
Nach einem Originalholzschnitt von Wilhelm Plünnecke. 
—AndlIum 
12 
O Ln 
J 
Amerikanisches Copyrighi 18918. by Dilstein & Co“ 
auch daran gewöhnen. Gewohnheit ist aller Laster 
Anfang.“ 
Mit solchen und ähnlichen Gesprächen vertrieb 
ich Onkel Mielentz die Zeit bis zur Ankunft des 
Zuges, der Alexander Bessel brachte. 
Der Doktor stand in der offenen Wagentür und 
pähte mit suchenden Augen den Bahnsteig entlang. 
Hermann Mielentz lief neben dem einrollenden 
Zug und schrie aus Leibeskräften: „Tag, Alexander!“ 
Bessel erblickte den alten Herrn und winkte 
ihm zu. 
„Tag, Alexander! Wie geht's? Wie steht's? 
Was tut sich in Bukarest?“ 
Der Doktor verließ lächelnd den Wagen und be— 
zrüßte Mielentz. „Guten Tag, Onkel Hermann. Wo 
ist Lene?“ 
„Deine Frau läßt sich entschuldigen. Sie ist 
zu Schiff nach Frankreich.“ 
„Sprich keinen Unsinn. Was ist mit ihr?“ 
„Sie ist ein wenig unpäßlich, marod, unwohl 
»der so. Du brauchst Dich nicht aufzuregen. Es ist 
richts von Bedeutung.“ 
Bessel packte ihn am Arm. „Wirklich nichts?“ 
„Spaß! Wie verliebt der alte Herr ist,“ lachte 
Inkel Mielentz. „Du kannst ruhig meinen Ärm los— 
assen, es fehlt ihr wirklich nichts“ 
Der Doktor atmete auf. „Wie geht's Dir immer, 
Inkel Hermann?“ 
„Nahrungsmittelmäßig.“ 
„Na, Du verhungerst nicht, wie ich Dich kenne.“ 
„Verhungern soll ich auch noch? Du gefällst mir. 
Berhungern, verhungern,“ brummelte er eine ganze 
Weile vor sich hin. „Was das nur für Ausdrücke 
ind! Verhungern.“ Dann musterte er den Neffen 
von allen Seiten mit begehrlichen Augen. HHaste 
aichts mitgebracht, Alex?“ 
Bessel zuckte bedauernd die Achseln. 
„Gar nichts? In Rumänien muß es doch noch 
was geben. Kaffee, Seife, Tee?“ 
„Die Leute haben selber nichts.“ 
Hermann Mielenz schüttelte ungläubig den Kopf. 
Sein Interesse für den heimgekehrten Neffen war 
erschöpft. 
Als sie aus“dem Bahnhof traten, fragte der 
Dottor: „Auto gibt's wohl nicht?“ 
„Ich höre immer Auto,“ erwiderte der alte 
derr giftig. „Nee, mein Junge, da hättst Du Dir 
chon Deinen eigenen Wagen mitbringen müssen.“ 
Sie gingen langsam durch die Friedrichstraße. 
Alexander Bessel blickte ganz unbewußt zu den 
Dächern auf. 
Onkel Mielentz ertappte den Blick und sagte: 
„Du suchst immer noch Eure Lichtreklame: Raucht 
Bessel-Zigaretten!“ . .. Der Doktor 
lächelte. Er hatte wirklich gewohn⸗ 
heitsmäßig nach den sich drehenden 
Feuerrädern und nach der aufglim⸗ 
menden Bessel-Zigarette ausgefpäht. 
„Es geht auch so, lieber Alex, 
ohne den Feuerzaubẽr. Und wahr—. 
scheinlich noch viel besser. Dein Valer 
kann Dir erzählen, was Ihr im letz ; 
ten Jahr verdient habt. Es reicht 
aufs Butterbrot, trotz den heutigen 
Butterpreisen.“ 
Bessel blieb vor einem Zigarren⸗ 
laden stehen. „Ich muß mir was zum 
Rauchen kaufen, Onkel Hermann.“ 
Mielentz begleitete den Neffen. 
Der Doktor verlangte von der 
Verkäuferin eine Marke der Firma 
Bessel. Das Fräulein legte zwei 
Schachteln vor ihn hin und fagte 
mechanisch: „Es gibt die Khedive zu 
zwanzig und die Hedschira zu fünf— 
undzwanzig.“ 
„Wie?“ fragte Bessel verblüfft 
und blickte ungläͤubig von dem Mäd— 
chen zu Onkel Mielentz, der spöttisch 
grinste. 
Die Verkäuferin wiederholte un⸗ 
geduldig die Preise,
	        

Downloads

Downloads

Full record

METS (entire work)
TOC

Image fragment

Link to the viewer page with highlighted frame Link to IIIF image fragment

Formats and links

Formats and links

The metadata is available in various formats. There are also links to external systems.

Formats

METS METS (entire work) MARC XML Dublin Core

Links

OPAC DFG-Viewer Mirador

Cite

Cite

The following citation links are available for the entire work or the page displayed:

Full record

This page

Citation recommendation

Please check the citation before using it.

Search results

Search results

Amtliches Fernsprechbuch
16 / 2
Volume
Back to search results Back to search results

Image manipulation tools

Tools not available

Share image region

Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Contact

Have you found an error? Do you have any suggestions for making our service even better or any other questions about this page? Please write to us and we'll make sure we get back to you.

What is the fifth month of the year?:

I hereby confirm the use of my personal data within the context of the enquiry made.