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Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 12.1909 (Public Domain)

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Metadata: Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 12.1909 (Public Domain)

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Monograph

Title:
Geologische Übersichtskarte der Umgegend von Berlin / [herausgegeben von der Preussischen Geologischen Landesanstalt]
Other titles:
Geologische Übersichtskarte der Umgegend von Berlin
Date of Archiving:
2024
Publisher:
Königlich Preussischen Geologischen Landesanst.
Publication:
Berlin: Verlag von Gebrüder Borntraeger, [1926]
Language:
German
Scope:
1 Karte + 3 Anlagen
Scale:
1:100 000
Note:
In der Digitalisierungsvorlage fehlt: Farben-Erklärung für Blatt 2
Series:
Hochschulexkursions-Karten ; 1
Keywords:
Karte
Berlin:
B 65 Natur. Landschaft: Geophysik. Geologie. Mineralogie. Petrographie. Paläontologie
DDC Group:
914.3 Landeskunde Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15486864
Collection:
Berlin Plans and Maps
General Regional Studies
Location:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Shelfmark:
B 65/19
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Chapter

Title:
Farben-Erklärung für Blatt 3

Contents

Table of contents

  • Berliner Leben (Public Domain)
  • Ausgabe 12.1909 (Public Domain)
  • H. [1]
  • H. [2]
  • H. [3]
  • H. [4]
  • H. [5]
  • H. [6]
  • H. [7]
  • H. [8]
  • H. [9]
  • H. [10]
  • H. [11]
  • H. [12]

Full text

Und eines Abends gondelte Emanuel 
mit seinem Rodelschlitten wirklich los. 
Freunde und Bekannte hatten sich auf dem 
Bahnhofe eingefunden, um diesen denk 
würdigen Moment zu gemessen. Als der 
Zug sich in Bewegung setzte, steckte 
Emanuel noch einmal seinen Kopf aus 
dem Fenster und rief: 
„Ihr werdet Euch wundern, wenn ich 
wiederkomme!“ 
Mit frohbewegtem Herzen zog Emanuel 
in Tegernsee ein. Er mietete sich ein 
Stübchen und traf dann ungesäumt seine 
Vorbereitungen zur „grossen Fahrt“. 
Als er am nächsten Morgen mit seinem 
Schlitten hinauszog, steckte er in einem 
Kostüm, in dem er allen Kältegraden des 
Nordpols hätte Trotz bieten können. 
„Na, lieber Freund, wo kann man denn 
hier rodeln?“ fragte er draussen den 
ersten Eingeborenen. 
„Da drüben müssen’s nauf“, sagte der 
nur und und besah sich staunend das 
Wollenbündel, aus dem Emanuels Mond 
gesicht recht vergnügt hervorschaute. 
Mit anerkennenswertem Eifer ging 
Emanuel au das schwere Werk, seinen 
Schlitten auf die Höhe zu transportieren. 
Es war ein herrlicher Tag, keine Wolke 
war am Himmel zu sehen. Die Sonne 
meinte es für diese Jahreszeit recht gut. 
Sie strahlte mit blendendem Glanze auf die unendlichen 
Schneeflächen nieder. Herrn Emanuel Müller wurde es 
heisser und immerheisser unterseinem dauerhaften Habit. 
Dazu quälte der leuchtende Schnee seine stumpfen 
Augen, bis er sie fest zukniff und so fast blindlings 
aufwärts stolperte. 
Plötzlich war es ihm, als hörte er einen Ruf, irgend 
woher. Ehe er aber seine schmerzenden Augen auf 
gerissen hat, sauste ihm etwas mit solcher Wucht 
gegen die Schienbeine, dass er mit einem Schmerzens 
schrei zusammenknickte und alsdann wie ein wild ge 
wordener Wollknäuel eine ganze Strecke hinabkugelte. 
Kräftige bajuvarische Worte weckten ihn aus seiner 
Betäubung. „Soll halt die Aug’n aufsperrn, der Stadt 
frack, der damische . . .“ Der Bauernbursche, der bei 
der Karambolage sehr unsanft über Bord geflogen 
war, richtete seinen rohgezimmerten Schlitten wieder 
auf und suchte einige Holzkloben zusammen, die bei 
dieser Gelegenheit ihren eigenen Weg gegangen 
waren. Dann brachte er seinen Schlitten wieder in 
Schwung und sauste an Emanuels Schmerzenslager 
vorüber, nicht ohne ihm noch einige wütende Blicke 
zuzuwerfen. 
Emanuel richtete sich ächzend auf, musste aber 
dabei die traurige Entdeckung machen, dass seine ge 
schundenen Beine an Gebrauchsfähigkeit erheblich ein- 
gebiisst hatten. Wieder knickte er zusammen und auf 
Geh. Mediz.-Rat Prof. Dr. Theod. Wilh. Engelmann 
Direktor des physiolog-. Institut der Universität. 
einmal sass er auf seiner Kehrseite, kam ins Rutschen 
und rutschte wie in jüngeren, glücklicheren Tagen auf 
seinen Hosen in die Tiefe. Wenn er auch oft mit 
den Händen nachhelfen musste, so kam er doch end 
lich in Regionen, wo ihn gutmütige Menschen auflasen 
und für seine Heimbeförderung sorgten. 
Das war das Ende von Emanuels grosser Fahrt! 
Der Arzt kam, befühlte und beklopfte Emanuels 
Beine und zog seine Stirn in Falten. 
„Gebrochen ist nix, aber arg verstaucht. So an die 
vier Wochen werden Sie wohl still liegen müssen.“ 
Auf Emanuels entzündete Augen warf der Arzt nur 
einen flüchtigen Blick. 
„Das macht der Schnee und die Sonne, das wird 
von selbst wieder besser.“ 
So schnell kam die Besserung aber nicht, wie 
Emanuel gehofft hatte. Am nächsten Morgen dachte 
er garnicht mehr an seine Beine, denn seine Augen 
brannten, als wären sie mit einer tüchtigen Dosis 
Pfeffer und Schnupftabak behandelt worden. Emanuels 
Verzweiflung erreichte einen bedenklichen Höhegrad 
und nur das gute Essen, das ihm seine Hauswirtin 
besorgte, sowie das Erzeugnis des herzoglichen Bräu 
hauses hielten seinen Lebensmut noch einigermassen 
aufrecht. Von dem letztgenannten Trostmittel machte 
fihot. E. Hamm-, Berlin. 
er nicht nur in diesen Tagen, sondern in 
seiner ganzen Leidenszeit fleissigen Ge 
brauch. 
So kam der Hochzeitstag heran, an dem 
er seine Tanzfertigkeit hätte beweisen 
sollen. Der angehende Ehemann wunderte 
sich nicht wenig, seinen Bruder in solcher 
Verfassung wiederzufinden. Mit Vorsicht 
und Zartgefühl wurde der Patient in das 
Hochzeitshaus gebracht, wo er für sich und 
sein verknaxtes Bein einen bequemen Platz 
erhielt uud im übrigen mit Speise und 
Trank reichlich versorgt wurde. Von 
diesem Platze aus durfte er auch Fräulein 
Käthe — so hiess die bewusste Schwester 
— in ihrer Tanzkunst bewundern. Und 
er fluchte im stillen. Die Sache hatte er 
sich doch erheblich anders ausgemalt. 
Die Hochzeitsfreuden waren vorüber. 
Mit einer Mahnung zur Vorsicht hatte das 
junge Ehepaar den armen Emanuel im 
Stich gelassen. Mit einigen bedauernden 
Worten entschwand auch Fräulein Käthe 
seinem Gesichtskreise. Nun sass er wieder 
in seinem Stübchen, pflegte sein Bein und 
liess sich inzwischen den Masskrug fleissig 
füllen 
Endlich schlug seine Abschiedsstunde 
und mit wirklicher Rührung nahm er Ab 
schied von Tegernsee und seinen Bergen. 
Treue Freunde bereiteten ihm einen 
festlichen Empfang, als er in Berlin mit unsicheren, 
vorsichtigen Tritten aus dem Zuge kletterte. Wie er 
es geahnt hatte, wunderten sie sich wirklich über ihn. 
Sie wunderten sich sogar sehr. 
„Mensch, bist Du aber dick geworden!“ 
Wozu Emanuel Müller ein gar saures Gesicht 
machte. 
Gern hätte er sein Tegernseer Abenteuer ver 
schwiegen, aber die teilnehmenden Erkundigungen der 
Freunde lösten ihm sehr bald die Zunge. 
„Wisst Ihr“, sagte er traurig, „ich habe viel aus- 
halten müssen. Das gemeinste aber ist, dass es so 
ein ganz gewöhnlicher Bauernschlitten war, der mich 
angefahren hat. Ja, wenn es noch ein Bobsleigh ge 
wesen wäre. . .“
	        

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  • Werthauer, Johannes
    73

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