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Illustrirtes Panorama (Public Domain) Ausgabe 5.1865 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

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Monografie

Urheber (Körperschaft):
Große National-Mutterloge Zu den Drei Weltkugeln
Titel:
Bundesgesetze der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln : nach der Revision vom Jahre 1883/84 unter Berücksichtigung der späteren Änderungen und Ergänzungen / Große National-Mutterloge Zu den Drei Weltkugeln
Datum der Archivierung:
2023
Erschienen:
Berlin: Brr. Denter & Nicolas, 1908
Sprache:
Deutsch
Umfang:
228 Seiten
Fußnote:
Doppelt vergebene Seitennummern: S. 11, 18, 78, 128
Berlin:
B 709 Gesellschaft: Freimaurer. Geheimbünde
Dewey-Dezimalklassifikation:
060 Organisationen, Museumswissenschaft
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15484378
Sammlung:
Gesellschaft, Bevölkerung, Soziales, Gesundheit
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Signatur:
B 709 GN 12
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

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Volltext

139 
Illu flrirtrs 
Panorama. 
18 
Festes erreicht. — Ein sanft abfallender Thalkessel ist der 
auserwählte Platz und das weiße Zelt empfängt die schon 
etwas, ermüdeten Gäste. Nach einiger Ruhe schreitet man zu 
der Ausführung der „olympischen Spiele". Jeder Eselbesitzer 
muß wieder aufsteigen, die Gensd'armes schieben, treten und 
puffen die geduldigen Thiere in eine lange Reihe, das Ziel 
wird einige hundert Schritte weit aufgesteckt; „vorwärts!" com- 
mandirt der Ceremonienmeister, ein Hagel von Hieben ver 
setzt die Esel in einige Aufregung, sie stürmen vorwärts wie 
— losgelassene Wanzen, einer hierhin, einer dorthin, weder 
Eandare noch Trense hilft, sie laufen in Richtungen, die sie 
gerade für die passendsten halten, einige belieben auch dicht 
am Ziel trotz der liebevollsten Prügel schnurstracks umzukeh- 
ren; von den Vielen erreicht nur ein Einziger das Ziel, ein 
Berliner, der sich einen angehenden Lazzaroni mitgenomnren, 
welch letzterer hinter dem Esel laufen und ihn durch richtig 
angebrachte Prügel an jedem Abweichen von der vorgeschrie 
benen Richtung hindern muß. Im Triumph wird er vor 
den König geführt, der die Preise von erhöhtem Sitze zu 
vertheilen bereit ist. Er gestattet dem Hofpoeteu das Wort, 
und dieser spricht zu den Versammelten: 
„Seht, liebe» Freunde, zum Nutzen und Frommen, 
Dieser Sieger ist durch den Esel zum Ziele gekommen!" 
zum knieenden Sieger: 
„Nimm diese Gabe und stets denke d'ran, 
Daß man auch durch Esel fortkommen kann!" 
Demüthigst enipfängt der Sieger einen großen gewöhn- 
llchen irdenen Topf, aus den mit rauhem Pinsel etrurische 
Figuren gemalt sind. Um deni König zu danken, muß er ihn 
mit Wein füllen lassen und austrinken. Doch — trotz seines 
ewig trockenen, gut geschulten Berliner Magens erstirbt der 
Dank auf seinen Lippen — sein Geist gehört schon anderen 
Regionen, mit schwerer Zunge und müden Augen wird er 
zur Todtenkammer geschafft. 
Spiele folgen, Sacklaufen, Wettrennen und zuletzt unter 
allgemeinem Jauchzen Speere werfen nach dem wohl zehn 
Fuß hohen Conterfei des Kladderadatsch, dessen Nase bei der 
brennenden italischen Sonne noch purpurner zu glänzen scheint, 
der aber auch hier, trotz des grausamen Spieles, gutmüthig 
herablächelt auf die stille Campagna und ihre lauten Besucher. 
Jeder Sieger wird dem Hofpoeten vorgeführt, jeder erhält 
einen treffenden Vers und jeder muß seine Amphore bis zur 
Nagelprohe leeren. Aber welcher Stolz den Siegern aus den 
Äugen leuchtet beim Anblick des Topfes! Fern in die Heimath 
soll er mitgenommen werden, um da zu erzählen vom deutschen 
srohen Feste in Roms ernster Campagna. 
Die Spiele sind beendet; man geht zur Tafel, die aus 
der Erde unter dem Zelte bereitet ist. Heitere Erzählungen 
wechseln mit unvermeidlichen Tischreden. „Schade, daß Par- 
king, der Engländer, nicht hier ist," ruft einer der Gäste; 
„vielleicht hätte er, wie im vorigen Jahre, einem von uns 
die Siegesvase abgekauft für zehn Pfund. Heute würde ich 
sie ihm ablassen, ich habe ja schon eine. Ich Narr, daß ich 
im vorigen Jahre seinen Vorschlag nicht annahm! Und wie 
schön hätte er für sein Geld in Old England sich einen 
Sieg dazu erlügen können." 
„Das ist nicht das Tollste, was er gemacht. Kennt Ihr 
denn nicht seine Geschichte mit der Lucia Baratta?" 
„Nein, nein, erzähle!" rufen Alle. 
„Also kurz," fährt der Angeredete fort, „Mr. Parking 
verliebte sich sterblich in besagtes Mädchen, das, beiläufig er 
wähnt, reizend, jedoch ohne Vermögen war. Der kurze Weg 
ist der beste, dachte Parking, setzt sich mit einem Freunde 
und dessen Frau in einen Wagen, sagt gar nichts von seinem 
Vorhaben und fährt hinaus zur Porta del Popolo nach der 
Vigna des Vaters seiner Liebe. Er trifft ihn im Garte», 
die Lucia daneben, Vuon giomo, Signore! sagt er mit 
einer ihm sonst fremden Liebenswürdigkeit. Meine Name ist 
Parking, ich bin Engländer und unverheirathet, habe l 0,000 
Pfund jährliche Renten, und wünsche Ihre Fräulein Tochter 
zur Frau. Der Alte steht ganz verdutzt, endlich sagt er zu 
seiner Tochter gewendet: Kennst Du den Herrn? Ja. von 
Ansehen, war die Antwort, er folgt mir auf Schritt und 
Tritt, wo ich mich auch in der Stadt sehen lasse. 
Niein Herr, sagt der Alte, ich bedaure, Ihrem so be 
scheidenen Wunsche nicht willfahren zu können, glaube auch 
nicht, daß meine Tochter deshalb ungehalten sein wird, da 
sie mit dem Maler Herrn Larchois aus Paris bereits ver 
lobt ist! Ich empfehle mich Ihnen! Und der Alte band 
seine Neben weiter, als wäre nichts vorgefallen. Mit Larchois? 
rief Parking entrüstet, das ist ein armer Mensch, der nichts 
hat; Goddam, fügte er wüthend hinzu, Larchois ist ein Esel, 
darauf ging er seines Weges. Fräulein Lucia mußte dieser 
Schmeichelname ihres Geliebten wohl nicht zugesagt haben, 
denn zwei Tage darauf meldete sich ein Herr bei Parking, 
der ihn im Namen des Herrn Larchois auf Pistolen forderte. 
'Well! sagte Parking, und ich hatte die Ehre, von ihm zum 
Secundanten gewählt zu werden. Man traf sich am Torre 
quiuto, jener alten einsamen Ruine, inmitten der Campagna; 
die nöthigen Formen wurden beobachtet und Parking that 
den ersten Schuß. Er ging fehl. Larchois setzte sich in 
Stellung. Halt! commandirte Parking. Erstaunt traten wir 
Secundanten dazwischen. Was wünschen Sie? 
Ich wünsche dem Herrn, welcher so eben die Absicht hat, 
mich todtzuschießen, die Kugel in seiner Pistole abzukaufen. 
Morbleu! rief wüthend der Franzose, halten Sie mich 
für so feig, daß ich eine Ehrensache verkaufen werde? 
Ein Stück Blei ist keine Ehrensache! erwiderte ruhig 
Parking, ich gebe Ihnen tausend Pfund Sterling. 
Merci, Monsieur! Und drohend ließ er den Kaufsüch 
tigen in die fatale Mündung blicken. 
Ich gebe zweilanseud! 
Nein! 
Auch nicht fünftausend? 
Nein! 
Ich gebe zehntausend, das Einkommen eines ganzen Jahres! 
Eli bien, cela s’accepte! erwidert lachend Larchois, aber 
ein gutes Frühstück für alle meine Freunde, wobei Sie mir 
die Beleidigung abbitten! 
Das Frühstück zugegeben, doch um Verzeihung will ich 
hier bitten. — Auch das wurde angenommen; Parking nahm 
die Pistole, entfernte sorgfältig das Zündhütchen, zog die 
Kugel heraus, wog sie ruhig auf der Hand und sagte: „nuieh 
monney, Sir!“ 
Tags darauf erhielt Larchois das Geld in Anweisungen, 
Parking gab das Frühstück und reiste ab, um nicht wieder 
nach Rom zu kommen, wo — das Blei so theuer!" — 
Allgemeiner Jubel begleitete den Schluß der Erzählung. 
Die Sonne neigte sich ihrem Untergänge, aus der Todten - 
kammer wurden die Viertel-, Halb- und Ganztodteu auf die 
Wagen geladen ilnd der Rückweg nun mit ungestörter Lust 
angetreten. Doch vor dem Thore Roms erwartete die Ge 
sellschaft noch eine freudige Ueberraschung, nämlick die echte 
wirkliche römische Polizei, vertreten durch eine Abtheilung 
Gensd'armkn, deren Führer dem Zuge entgegeuritt, und Allen 
mit lauter Stimme mittheilte, daß er im Namen Seiner päpst 
lichen Heiligkeit diese Festlichkeit verbiete, da man unterlassen, 
dieselbe der Polizei zu melden, und würde jeder Zuwider 
handelnde in eine Strafe von zehn Scudi, eventualiter acht 
Tage Gefängniß, genommen werden. Jeder versprach mit 
verbissenem Lachen, sich sofort nach — Hause zu begeben 
und die Festlichkeit zu unterlassen. Sicherlich hat Keiner — 
schon vor Müdigkeit — dagegen gehandelt! 
C. F. Liebe treu.
	        

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