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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

Volltext: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

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Monografie

Verfasser:
Fuhr, Lina
Titel:
Von Sorgen und Sonne : Erinnerungen aus Kunst und Leben / Lina Fuhr ; Bearbeitet von Dr. Heinr. Hub. Houben
Weitere Beteiligte:
Houben, Heinrich Hubert
Ausgabe:
2. Auflage
Erschienen:
Berlin: B. Behr's Verlag, 1908
Sprache:
Deutsch
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2023
Umfang:
VIII, 322 Seiten
Berlin:
B 252 Biographie: Einzelbiographien und Familienbiographien
Dewey-Dezimalklassifikation:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15479425
Sammlung:
Berlinerinnen, Berliner
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Signatur:
B 252 Fuhr 1
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

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  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)
  • Nummer 1, 2. Januar 1893
  • Nummer 2, 9. Januar 1893
  • Nummer 3, 16. Januar 1893
  • Nummer 4, 22. Januar 1893
  • Nummer 5, 29. Januar 1893
  • Nummer 6, 5. Februar 1893
  • Nummer 7, 12. Februar 1893
  • Nummer 8, 19. Februar 1893
  • Nummer 9, 26. Februar 1893
  • Nummer 10, 5. März 1893
  • Nummer 11, 12. März 1893
  • Nummer 12, 19. März 1893
  • Nummer 13, 26. März 1893
  • Nummer 14, 2. April 1893
  • Nummer 15, 9. April 1893
  • Nummer 16, 16. April 1893
  • Nummer 17, 23. April 1893
  • Nummer 18, 30. April 1893
  • Nummer 19, 7. Mai 1893
  • Nummer 20, 14. Mai 1893
  • Nummer 21, 21. Mai 1893
  • Nummer 22, 28. Mai 1893
  • Nummer 23, 4. Juni 1893
  • Nummer 24, 11. Juni 1893
  • Nummer 25, 18. Juni 1893
  • Nummer 26, 25. Juni 1893
  • Nummer 27, 2. Juli 1893
  • Nummer 28, 9. Juli 1893
  • Nummer 29, 16. Juli 1893
  • Nummer 30, 23. Juli 1893
  • Nummer 31, 30. Juli 1893
  • Nummer 32, 6. August 1893
  • Nummer 33, 13. August 1893
  • Nummer 34, 20. August 1893
  • Nummer 35, 27. August 1893
  • Nummer 36, 3. September 1893
  • Nummer 37, 10. September 1893
  • Nummer 38, 17. September 1893
  • Nummer 39, 24. September 1893
  • Nummer 40, 1. Oktober 1893
  • Nummer 41, 8. Oktober 1893
  • Nummer 42, 15. Oktober 1893
  • Nummer 43, 22. Oktober 1893
  • Nummer 44, 29. Oktober 1893
  • Nummer 45, 5. November 1893
  • Nummer 46, 12. November 1893
  • Nummer 47, 19. November 1893
  • Nummer 48, 26. November 1893
  • Nummer 49, 3. Dezember 1893
  • Nummer 50, 10. Dezember 1893
  • Nummer 51, 17. Dezember 1893
  • Nummer 52, 24. Dezember 1893
  • Nummer 53, 31. Dezember 1893
  • Farbkarte

Volltext

Ar 36. 
Ossip Petrowitsch, ein Fürst ist so leicht nicht wieder 
zu sinden“ ... 
Knjäs, gieb den Weg frei, oder ich überfahre 
Dich!“ donnerte der Gastwirth zitternd vor Wuth; 
seine Hand umspannte fester den Peitschenstiel, mit 
hem er zum Schlage ausholt. Der Fürst hält es 
für raihsam, nun doch auszuweichen; er lenkt seinen 
Wagen ein wenig zur Seite. 
Und wie geht dem Kolja, Deinem braven 
Sohn, dem zukünftigen Minister? Du wirst doch 
rine Schulden bezahlt haben, wie? .. Was schaust 
du mich denn so verblüfft an? Meinst wohl, ich 
habe Spione? Bin nicht neugierig auf Deine Ge—⸗ 
Zeimnisse, habe mich bloß von Matwei, Deinem 
hausgeisi, etwas anschwätzen lassen“ 4 Also der 
Junge hat Schulden gemacht; er besucht wohl auch 
Zeber das Trinkgelage als die Hochschule? Hehehe! 
Was habe ich Dir vor einiger Zeit gesagt, alter 
Rarr?“ Habe ich's nicht gewußt?“ Wer hat Recht, 
ich oder Du?“ 
Ossip Petrowitsch versetzt seinem Pferde einen 
Hieb, daßz es sich hoch aufbaäumt; dann geht es im 
RFalopp die Straße hinab, dem Dorfe zu. In die 
Staubwolken hinein, die hinter dem Wagen auf⸗ 
wirbeln, schreit der Bojar noch eine Menge, Hohn⸗ 
worte und lacht aus voller Kehle, bis das Gefährt 
hinter Gebüsch und Ackerzäunen verschwindet. 
Im Laufe der folgenden Tage ging dem Bojaren 
von Wolkonstje eine Mittheilung zu, die ihm wieder 
unbändigen Spaß machte. Er erfuhr, daß sein Sieg 
iber den bäuerlichen Feind gewissermaßen ein voll⸗ 
laͤndiger sei, in Folge eines Geschehnisses, wovon 
er bisher nichts gewüßt. 
Der Fuͤrst haͤtte Mitja, seinen Stallknecht, be— 
aufiragt, er solle schleunigst seine alte Mutter in 
Popelnja besuchen, dabei aber nicht versäumen hin⸗ 
zuhorchen, was die Dorfleute Neues sprächen über 
Sffip Petrowilsch, und nicht vergessen, im Wirths- 
haus einzukehren und nachzusehen, wie es, dem 
Ilien gehe, was er thue und rede. Da Mitja ein 
pfiffiger Bursche war, der den Kern seiner Mission 
holl ꝰerfaßte, konnte er seinem Brotherrn mit fol⸗ 
gender Nachricht aufwarten: 
Kolja, der Student in Moskau, sitze dort im 
Gefangniß, sonst hätte ihn der Vater gleich Lenuschka 
mit nach Hause gebracht, um ihn hier bei Wasser 
ind Brot ainzusperren oder an den Pflug zu binden 
ind Vauer werden zu lassen. Er siße in Haft 
wegen Auflehnung gegen die Gesetze des Zaren. 
Der Vater habe ihn gar nicht gesehen, sondern Be⸗ 
scheid beim Pedell der Hochschule erfahren. Kolja 
ind mit ihm eine große Anzahl Studenten hätten 
an der Universität eine Empörung veranstaltet; nun 
harrten sie ihrer Strafe entgegen, die wohl auf 
Sibirien lauten werde. D Graus, habe da der 
AÄlte gewüthet und getobt! Nun schleiche er, ge— 
drochen und hohlwangig, wie ein Gespenst einher. 
Jungfer Lenuschka, die in der Hauptstadt, wie man 
Zus des Alten Fluchen und Klagen verstehe, einen 
unsittlichen Lebenswandel eingeschlagen haben müsse 
Ddie sitze und weine Tag und Nacht. Es herrsche 
eine Stimmung im Gasthause, als wenn noch 
größeres Unglück bevorstaͤnde. Der Alte benehme 
ach so sonderbar, daßz man glauben müsse, er sei nicht 
recht bei Sinnen. Er wüthe und schluchze zugleich, 
und dabei rufe er oft des Fürsten Namen. 
„Mein Reitpferd, Mitja, rasch mein Reitpferd“, 
befahl Anatol Wassijewitsch erregt, nachdem er den 
Bexicht angehört. . 
Zu Befehl, Erlaucht!“ 
gie der Reitknecht hinausgeeilt war, begann der 
Fürst sein Arbeitskabinet zu durchmessen — so 
sugendlich-elastischen Schritts, so freudig bewegt 
wie ein Feldherr, dem soeben über eine gewonnene 
Schlacht rapportirt worden. 
VAEr rieb sich die Hände, schlug sich klatschend 
auf die Lenden, riß die Augen auf und schloß sie 
vieder. Das Pferd schien ihm nicht schnell genug 
zu kommen, er riß das Fenster auf und schrie 
Jerunter: 
„Mitja, Stepom, Iwan, verdammte Schlingel, 
wenn der Jermak nicht gleich vor der Treppe steht, 
setzt es Maulschellen.“ 
Der Jermakt stand noch nicht vor der Freitreppe, 
als sich klimperndes Schellengeläute und Räder⸗ 
rollen vernehmen ließ; aus der schattigen Allee kam 
ein hoher, offener, blauangestrichener Postwagen, 
8 zwei mageren, abgetriebenen Gäulen gezogen, 
daher. 
Die Kutsche blieb mit rutschendem, klappernden 
Ruck, sozusagen dummdreist, vor dem hohen, vor⸗ 
nehmen Schloßportal stehen. 
Aus dem von langem Stroh starrenden Innern 
des Wagens sprang leicht und gewandt ein junger 
Mann herab. Den alten Fürsten am Fenster ge— 
wahrend, grüßte er mit lebhaftem Hutschwenken 
dinauf, zahite dem Postillon ein Trinkgeld und wies 
Jen beiden Bedienten, die nun herbeieilten, sein ge— 
ringes Gepäck an. Bald stand die schlanke Gestalt 
dem Fürsten gegenüber. 
„Wo kommst Du her, Wolodja?“ rief Letzterer 
überrascht aus. 
Von Moskau, Vater,“ erwiderte der junge 
Fürft lachend und umarmte den Erstaunten; „von 
Berliner Zllustrirle Zeitung. 
Noskau, und wenn Du es näher erfahren willst: 
ius dem Polizeigefängniß!“ 
„Was soll das heißen, Wolodja?“ 
RKun, nun, denke nur nicht gleich das Schlimmste, 
vater; eingebrochen bin ich nicht, todtgeschlagen 
sabe ich auch Niemand, ebensowenig bin ich aus 
em Gefängniß entflohen. .. Hast Du denn über 
insere litzten Unruhen an der Universität noch 
rnichts gelesen?“ 
Iga wohl, heute; aber es soll ja eine nieder⸗ 
rächtige demokratische Revolte gegen administrative 
Zerfügungen gewesen sein, gestiftet und ausgeführt 
son piebejischen Elementen der Hochschule .. Du 
virst doch nicht —“ 
Daran theilgenommen haben?“ ergänzte Fürst 
Volodja mit leichter Ironie, das Haupt keck und 
elbstbewußt aufrichtend. „Das habe ich nun wohl, 
zater; daraus kannst Du aber ersehen, daß die An⸗ 
lifter jener „niederträchtigen Revolte“ keine Plebejer 
der daß die Plebejer Aristokraten waren. Der 
—D 
die den Arisiokraten fein Adel nicht vor der Theil— 
ahme an den demokratischen Auflehnungen gegen 
administrative Verfügungen“ schützen kann. Dafür 
in lebendiges Exemplar vor Dir, liebes Väterchen.“ 
Der alte Bojaͤr musterte dieses „lebende Exempel“ 
om Scheitel bis zur Sohle; dann wich er langsam, 
hHlürfenden Schriltes zurück, bis sein Rücken das 
Fensterbrett berührte, an das er sich halbsitzend 
lützte; er kreuzte die Arme über der Brust. 
„Erzählen, erklären, Jungel!“ stieß er kurz hervor. 
Aber liebes, theures Vaͤterchen, Du scheinst die 
zache furchtbar tragisch zu nehmen!“ rief der junge 
rürst aus; auf den Vater zutretend, erfaßte er dessen 
cide Hände und schaute ihm lächelnd, bittend und 
uͤgleich mit spöttisch-kühner Ueberlegenheit in's Ge⸗ 
Ht. „Es giebt heutzutage Dinge, die Ihr Alten 
icht recht verstehi, mindestens nicht richtig beur⸗ 
jeilen könnt. Es handelt sich um einen ganz ge⸗ 
zöhnlichen ministeriellen Erlaß zur Unterdrückung 
er gewöhnlichsten Geistesfreiheit. Also lauter harm⸗ 
ose, alltägliche Sachen“ . 
„Harmlose alltägliche Sachen“, rasselte Anatol 
gafftlsewitsch, und sein eisgraues Bärengesicht 
irbie sich dunkelroth; „Junge, Du spricht ja wie 
in alter gewiegter Revolutionär und Verschwörer! 
Venn ich nicht wüßte, daß Du Dir einen groben, 
ewissenlosen Scherz exlaubst mit Deinem alten 
Zater, ich müßte wahrlich denken, Du seiest unter 
as umfrürzlerische Lumpengesindel gerathen, das 
ch in Folge der größeren Freiheit überall breitzu⸗ 
nachen beginnt. Junge, was hat ein Fürst Wol⸗ 
onsty mit Protesten gegen ministerielle Erlasse zu 
haffen? Antworte!, Und was verstehst Du unter 
Jeiflesfreiheit, sprich!“ 
Vaͤlerchen, ich kann Dir vorläufig nur sagen, 
aß wir Muße genug haben werden, über Politik 
u diskuriren. Mein Urtheil lautet nämlich: „Ent— 
ernung von der Hochschule für dieses und kommendes 
albjahr“ . .. Das, gleiche Schicksal hat meinen 
eben Freund und Gesinnungsgenossen Kolja 
ssipowilsch ereilt und der Alte von Popelnja wird 
hohl auch wenig erbaut sein davon. Nun, wir 
zaͤler und Söhne, wir müssen uns allesammt trösten, 
is es besffer wird im heiligen Rußland, das wir 
aalle gleich heiß lieben. . Uebrigens, Vater, ich 
ehe Milja Dein Reitpferd draußzen vorführen; Du 
ʒcabfichtigst einen Spazierritt, ich möchte Dich nicht 
rufhalten; ich muß Sophie Nikolajewna begrüßen, 
nich dann umkleiden und meinem knurrenden 
Studentenmagen Gerechtigkeit widerfahren lassen. .. 
uf heiteres Wiedersehen, Vater; wir werden noch 
dieles und Wichtiges mit einauder zu besprechen 
saben! ... Auf Wiedersehen später!“ 
Sprach's und eilte frisch-fröhlich, elastischen 
zchriites, den braunen Lockenkopf leicht hin und 
serwiegend, hinaus. Das personifizirte reine Ge⸗ 
vissen“ . .. 
Wuthausbrüche nahmen bei Anatol Wassiljewitsch 
„ftmals einen ganz unerwarteten Verlauf. Lächer— 
iche Kleinigkeiten konnten ihn in Raserei bringen, 
el wirklich gewichtigen Anlässen blieb er dagegen 
uhig, unbeweglich. Freilich waren es dann Mo— 
nente überwäluͤgenden Jähzorns, einer Wuth, die 
in einfach erstarren, stumm und ohnmächtig werden 
cß. So auch jetzt. Er bewegte nur den Mund, 
eine Augen siartten die Thüre an, hinter welcher 
zürst Woladja verschwunden, die Arme zuckten und 
ie Hände ballten sich; doch keinen Laul brachte er 
servor. Und welch' einen Grund hatte er nicht 
um Aufbrausen, zu einer fürchterlichen Gewitter⸗ 
nlladung! Sein Sohn, ein Fürst Wolkonsty, von 
er Hochschule entfernt wegen „demagogischer Um— 
ebee An denen er theilgenommen hat, mit jenem 
zauernlümmel von Popelnja, den er seinen lieben 
zreund, seinen Gesinnungsgenossen nannte, mit 
em er eine gleiche Strafe erlitten, also auf gleicher 
Ziufe stand! . . Das Reitpferd stand draußen bereit; 
rnatol Wassiljewitsch hatte sich nach Popelnja be⸗ 
seben wollen um den grimmen Alten nach Herzens⸗ 
ust zu hänseln und zu höhnen wegen seines un— 
erathenen Sohnes, der schon so tief gesunken, daß 
rosich gegen die Gesetze des Zaren empört hatte 
ind als Aufwiegler und Terrorist im Gefängniß 
aß! Und nun — des Fürsten eigener Sohn... 
5 da schlage doch der Bliß ein und zertrümmere 
les, was nicht niet- und nagelfest ist! ... Aber, 
vie gesagt, der Blitz schlug diesmal nicht ein. 
Lürst Angtol rannte nur zur Thüre hinaus, schwang 
ich unten auf's Pferd und jagte davon wie ein 
vilder ungestümer Gedanke. . Nach Popelnja ritt 
r freilich nicht; aber als er nach anderthalb Stunden 
tuf keuchendem, schaumbedeckten Roß wieder ankam, 
nnte er sich auch nicht entsinnen, welche Wege und 
Zehege er unsicher gemacht, welche Leute er in 
—„chrecken versetzt. .. 
Gleich nach der Ankunft ließ er seinen Sohn zu 
ich in sein Arbeitskabinet bescheiden. Mit sichtlicher 
kustrengung bemühte er sich, ruhig, kühl und wä— 
jend, väterlich nachsichtig zu erscheinen; er beschloß 
ie unerschütlerlich wohlwollende Autorität in den 
bordergrund zu siellen, denn er wußte zu gut, daß 
sei dem jungen Fürsten starre, gewaltsame Strenge 
nie etwas ausgerichtet hatte. 
Wolodja erschien aufgeräumt und, munter wie 
er den Vaͤter verlassen.“Er erkundigte sich höflich 
ind Kebenswürdig, wie letzterem der Spagierritt 
zekommen und maächte es sich in einem Sessel, dem 
Alten gegenüber, bequem. 
Fortsetzung folgt.) 
Anterwegs. 
Novellette von Hermann Dupont. 
Machdruck verboten.) 
* 
H eh' denn,“ hatte er gesagt, „es mag in der That 
auch besser sein fur Bich und — für mich, 
venn Du für einige Zeit Dich wieder von der Groß— 
tadtluft umwehen läßt, zu Deiner Mutter zurück— 
ehrst, bis — —“ 
Er hatte nicht vollendet, sondern sich abgewendet 
ind zum Fenster hinausgesehen. 
„ünd Su zürnst mir' nicht?“ hatte sie zaghaft 
sefragt, weil sie denn doch zugeben mußte, daß, 
venn er es that, er im Recht dazu war. 
„Ich Dir zürnen? Warum? Weil Du Dich 
iufchteft, als Du glaubtest, daß Deine diebe Dir 
Ibst den Aufenthaft in der kleinen Landstadt er— 
räglich machen würde? Und weil Du einsiehst, daß 
du' Dir zuviel zugemuthet hast? Keineswegs! Ich 
sätte ja auch wohl darauf gefaßt sein müssen.“ 
Und so ruhig, überlegen sagte er's, daß er sie 
ast zornig machle, sie nun ihm zürnte. Ja, wenn 
rsie mit Worlen der Liebe beschworen hätte, zu 
Jeiben, wenn er das Recht des Mannes geltend 
emacht hätte, das Recht zu verlangen, daß sein 
veib da ausharre neben ihm, wo sein Beruf ihn 
aingestellt, sie hätte sich wohl gefügt. Aber so war 
ie im Trotz von ihm gegangen. 
Und nun saß sie im dahinrollenden Eisenbahn⸗ 
vagen und jede Minute brachte sie dem Ziel ihrer 
zehnsucht: der großen Stadt, der Stadt ihrer Ge⸗ 
urt, der Mutter, den Freunden, entgegen. 
Vor vier kurzen Monaten erst saß sie ebenfalls 
m Bahnwagen.“ Und Winter war's und Schnee 
seckte die Felder, auf denen es nun überall empor⸗ 
eimle und »sproß von junger lichtgrüner Saat. 
damals aber saß sie nicht allein, sondern dicht an 
en Mann geschmiegt, dem sie vor wenigen Minuten 
sch angelobt hatte für's Leben, für gute und böse 
Zlunden. Der Frühling lebte damals in ihrem 
herzen und nun ... 
Sie legte sich in das Polster zurück und schloß 
»ie Augen. Sie überdachte im Fluge die vergan—⸗ 
gene kurze Zeit ihrer Ehe. 
Anfänglich schien sich Alles erfüllen zu wollen, 
vas sie erträumt, ersehnte. Wie ein Kind hatte sie 
ich gefreut, als sie zum ersten Mal die Schwelle 
hres eigenen Heims überschritten. Von einem Ent⸗ 
uͤcken war fie in's andere gefallen. Nicht einmal 
ie Zeit nahm sie sich, die Reisekleider abzulegen. 
durch alle Zimmer war sie gelaufen und von dort 
ndie Küche. Sie selbst hatte ja in Berlin die 
Nöbel, die Teppiche, die Vorhänge gekaust. Aber 
sier wirkle das Alles mit dem Reiz der Neuheit 
uf sie. Man erkannte die liebevoll⸗ordnende Hand, 
inen feinfinnigen Geschmack in dieser Auf— und 
ufammenstellung. Sie war überzeugt gewesen, 
aß das, was sie vorfände, nur den Charakter des 
Frovisoriums an sich tragen würde und erst sie 
Thic“ in das Ganze hineinbringen müsse. Und 
uu sand sie nichts mehr nachzuordnen, nichts mehr 
u verändern; so wie es war, mußte Alles stehen 
ind liegen bleiben, um über alle Begriffe behaglich 
ind anheimelnd zu sein. Und sie war dem geliebten 
RNann in ihrer Herzensfreude um den Hals ge— 
aien und sie halten sich unter Lachen geküßt und 
elacht unter Küssen, bis sie ruhiger geworden 
haren und sich Hand in Hand vor das lustig 
rasselnde Ofenfeuer setzten und Träume hinüber⸗ 
onnen in eine lange, glückgesegnete Zukunft.
	        

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