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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1909, XVIII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Bibliographic data

fullscreen: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1909, XVIII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Periodical

Title:
Berliner illustrierte Zeitung
Publication:
Berlin: Dt. Verl., 1891-1945 -
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2025
Dates of Publication:
1891, 1. Probenummer (14. December 1891) - 1891, 2. Probenummer (21. December 1891) ; 1.1892 - 29.1920,52; 34.1925,35-52; 44.1935,1-5u.9-10u.12-14u.18-22u.24u.28-52; 45.1936,1-41; 50.1941,1-25
Holdings:
1891, [Probenr.]; 1.1892 - 29.1920
Note:
Mehr nicht digitalisiert
Periodizität: wöchentl.
Weitere Digital. Ausg.: Fulda : Hochschul- und Landesbibl., 2010
-1936, Berlin, Ullstein
ZDB-ID:
2585264-4 ZDB
Keywords:
Berlin ; Zeitung ; Familienzeitschrift ; Zeitschrift ; Zeitung
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
943 Geschichte Deutschlands
Collection:
Berlin Newspapers and Journals
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1909
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2025
Note:
In der Digitalisierungsvorlage fehlen die Seiten: 897-898
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
943 Geschichte Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15512213
Location:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
Berlin Newspapers and Journals

Issue

Title:
Nr. 31, 1. August 1909

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1909, XVIII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Contents
  • Nr. 1, 3. Januar 1909
  • Nr. 2, 10. Januar 1909
  • Nr. 3, 17. Januar 1909
  • Nr. 4, 24. Januar 1909
  • Nr. 5, 31. Januar 1909
  • Nr. 6, 7. Februar 1909
  • Nr. 7, 14. Februar 1909
  • Nr. 8, 21. Februar 1909
  • Nr. 9, 28. Februar 1909
  • Nr. 10, 7. März 1909
  • Nr. 11, 14. März 1909
  • Nr. 12, 21. März 1909
  • Nr. 13, 28. März 1909
  • Nr. 14, 1. April 1909
  • Nr. 15, 11. April 1909
  • Nr. 16, 18. April 1909
  • Nr. 17, 25. April 1909
  • Nr. 18, 2. Mai 1909
  • Nr. 19, 9. Mai 1909
  • Nr. 20, 16. Mai 1909
  • Nr. 21, 23. Mai 1909
  • Nr. 22, 30. Mai 1909
  • Nr. 23, 6. Juni 1909
  • Nr. 24, 13. Juni 1909
  • Nr. 25, 20. Juni 1909
  • Nr. 26, 27. Juni 1909
  • Nr. 27, 4. Juli 1909
  • Nr. 28, 11. Juli 1909
  • Nr. 29, 18. Juli 1909
  • Nr. 30, 25. Juli 1909
  • Nr. 31, 1. August 1909
  • Nr. 32, 8. August 1909
  • Nr. 33, 15. August 1909
  • Nr. 34, 22. August 1909
  • Nr. 35, 29. August 1909
  • Nr. 36, 5. September 1909
  • Nr. 37, 12. September 1909
  • Nr. 38, 19. September 1909
  • Nr. 39, 26. September 1909
  • Nr. 40, 3. Oktober 1909
  • Nr. 41, 10. Oktober 1909
  • Nr. 42, 17. Oktober 1909
  • Nr. 43, 24. Oktober 1909
  • Nr. 44, 31. Oktober 1909
  • Nr. 45, 7. November 1909
  • Nr. 46, 14. November 1909
  • Nr. 47, 21. November 1909
  • Nr. 48, 28. November 1909
  • Nr. 49, 5. November 1909
  • Nr. 50, 12. Dezember 1909
  • Nr. 51, 19. Dezember 1909
  • Nr. 52, 26. Dezember 1909
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Full text

302 
Schenkungsurkunde über das Terrain an der 
See war von den Everstedts, Vater und Sohn, 
zereits ausgefertigt worden, und nun hatte auch die 
Frau Oberbürgermeister — man denke, die Frau 
Dberbürgermeister! — eine Sammelstelle errichtet 
ind hatte vorläufig nichts weiter zu tun, als milde 
Zaben einzukasfieren. Das Geld floß in Strömen. 
Die Bewegung zum Besten verwaister unehelicher 
dinder hatte mit einem Schlage eine Bedeutung 
zewonnen, die man vorher gar nicht geahnt hatte. 
Bang Deutschland griff ein; die berühmtesten Namen 
zehörten zu dem unförmlich angeschwollenen 
domitee; auch eine eben erschienene Broschüre eines 
Lrofessors der Volkswirtschaft beschäftigte sich mit 
»er Angelegenheit und pries mit begeisterten Worten 
das mutige Vorgehen der freien Stadt: „dieses 
demokratischen Gemeinwesens, das mit fester Hand 
eine schwere Wunde am Lebenskörper der Mensch— 
heit bloßgelegt und zu ihrer Heilung die erste tat— 
räftige Anregung gegeben hat.“ Es war ein glän— 
zender Sieg. Wenn man Evachen hörte, konnte man 
der Ansicht sein, daß sie sich Zeit ihres Lebens mit 
nichts anderem als mit den gewichtigsten sozialen 
Fragen befaßt hätte. 
Das Sommerfest war nun definitiv auf den 
echzehnten August verlegt worden. Der Oberbürger— 
meister hatte Niels Kruse zu sich gebeten, um mit 
hm die Vorbereitungen zu besprechen, und war mit 
allem einverstanden gewesen. Den Märchenzug 
sollte Kruse ganz nach seinen eigenen Intentionen 
arrangieren. — „Traute,“ rief Eva, „die Welt dreht 
sich um!“ Und dann fiel ihr noch etwas ein. Man 
erzählte in der Stadt von einem Krakehl zwischen 
Kruse und Everstedt. Ein paar sagten, sie hätten sich 
zeprügelt; ein paar sagten, sie hätten sich geschossen. 
Niemand wisse Bestimmtes; aber viel könne an der 
Geschichte nicht sein, denn erst gestern habe man die 
beiden Arm in Arm auf der Promenade gesehen. 
Das beruhigte Traute wieder, die anfänglich 
ein ungewisses Schreckgefühl bei dieser Nachricht 
nicht hatte unterdrücken können. Und dann fragte 
sie, wie es denn nun eigentlich mit der Verlobung 
Everstedts stehe. Auch davon munkele man überall, 
erwiderte Eva, aber aus dem Everstedt werde man 
ja nicht klug; jedenfalls lasse er sich nichts merken, 
und die Komteß sei hochnäsig wie immer. 
Nun aber die Hauptsache: Traute müsse endlich 
aus ihrer Klausur heraus. Man vermisse sie schmerz⸗ 
ich, und die Proben zu dem Kostümfest seien schon 
m vollen Gange. Auf Kruses Veranlassung habe 
Alen Meier vorläufig die Rolle der Märchenkönigin 
ibernommen; aber das sei nur ein schwacher Ersatz: 
Ellen benehme sich unaussprechlich dämlich, und die 
⸗aar Verse die sie zu deklamieren habe, spreche sie 
vie ein Schulmädel. Nun geriet Traute wieder in 
schwankende Stimmung. Es war doch eigentlich eine 
Ehre für sie, daß sie vermißt wurde und daß Kruse 
immer noch auf sie rechnete. Sie fragte nach den 
Lersen (Mursitmnga, war der Dichter), und ob sie 
schön seien, und dann bat sie Eva, man solle ihr 
nächst einmal die Rolle zusenden. 
Das geschah schon am folgenden Tage. Es war 
keine schwierige Aufgabe, die wenigen Zeilen zu 
lernen: eine gereimte Antwort auf den Huldigungs— 
reigen der Märchengestalten. Aber Traute hielt sich 
ihren Entschluß noch frei — im entscheidenden 
Augenblick konnte sie ja immer noch einspringen. 
Sie scheute sich vor einer bestimmten Zusage. 
In ihrem armen kleinen Kopf strudelten die 
Vorsätze durcheinander. Einmal war sie schon bei— 
nahe so weit, an Fritz Eggenolph zu schreiben, daß 
ie die Werbung Fred Dewas annehme und sich als 
seine Braut fühle. Sie malte sich aus, was wohl 
Fverstedt zu dieser Verlobung sagen würde, und 
entwarf sich in ihrer Phantasie ein romantisches 
Zukunftsbild. Sie wollte Fred die beste, edelste und 
aufopferungsvollste Gattin sein; sie wollte aber auch 
in glänzendes Haus führen — Fred war ja reich 
zenug. Alle Welt sollte von dem entzückenden Heim 
»er Dewas sprechen und sich nach ihren Gesellschaften 
drängen. Aber selbstverständlich: Everstedt mit 
einer jungen Frau würde nie eingeladen werden. 
Oder vielleicht doch. Ah ja — er sollte ihr Glück 
iehen und neidisch werden; denn das war ja klar, daß 
er an der Seite der Komteß Andrea niemals glück— 
lich werden konnte .... 
Inzwischen rückte der Ankunftstag des Mister 
Brigham näher, und die innere Aufregung Köhlers 
teigerte sich. Er hatte beim Schiffsbureau des Lloyd 
bereits genaue Erkundigungen eingezogen: es war 
cichtig — der „Wafhington“ sollte am 24. vormittags 
zehn Uhr eintreffen, und da keine Stürme gemeldet 
vorden waren, so war auch keine erhebliche Ver— 
spätung zu fürchten. Der kleine Köhler schlich in 
Berliner Illustrirte Zeitung. 
erzweiflungsvoller Stimmung umher; selbst die ge— 
eime Leidenschaft seines Kautabaks wollte ihm nicht 
iehr munden. Die amerikanische Krise beeinflußte 
»en Weltmarkt noch immer, und es gab vorläufig 
eine Aussicht auf Besserung. In der Branche 
döhlers hatten erst kürzlich zwei kleine Geschäfts— 
eute ihren Bankerott erklären müssen; das erfüllte 
hn mit Entsetzen. 
Jeden Morgen, wenn Köhler aufstand, nahm er 
ich vor, mi. Traute zu sprechen. Und immer wieder 
erschob er die Aussprache. Er hatte Angst vor seiner 
dochter. Wenn sie die Verbindung mit Brigham 
cblehnte, war seine letzte Hoffnung zertrümmert. 
xr hatte seine Frau gebeten, sich Traute gelegent— 
ich vorzunehmen. Aber auch Frau Auguste war 
cheu geworden; ihr bangte vor der Entscheidung. 
da trat am 22. ein Geschehnis ein, das zur Er— 
lärung führte. 
Ein Laufmädchen aus dem Atelier von Lina 
ȟbner, bei der die vornehmere Damenwelt schneidern 
ieß, brachte einen großen Karton für Traute. Und 
ils Traute ihn öffnete, sah sie in Seidenpapier hin— 
ingefältet ein wunderschönes, elfenbeinfarbenes 
dostüm mit türkisblauem Saum am Rocke und türkis— 
lauem Kragen am Jäckchen. Sie wußte natürlich 
ofort, daß dies das gemeinsame Strandkostüm war 
ind daß es wahrscheinlich Eva Delbrück für sie bestellt 
atte; sie war zu gleicher Zeit entzückt und wütend, 
ind als sie am Boden des Kartons eine Rechnung 
ber einhundertundfünfundachtzig Mark fand, sank 
ie völlig entgeistert auf den nächsten Stuhl. Du 
jeber Himmel, was würde der Vater sagen! Der Zufall 
ügte, daß der Vater heute früher als sonst aus dem 
dontor kam, wo die Mutter ihn abgeholt hatte — 
ind beide sahen nun mit großen Augen auf die 
lfenbeinfarbene Pracht und das türkisblaue Wunder, 
ind der Wachtmeisterblick der Mutter hatte auch schon 
»ie Rechnung entdeckt, und ihr Auge durchfurchte 
örmlich das erblassende Gesicht Trautes. 
„Traute,“ schrie sie auf; „ja, nu sage doch bloß: 
„ist du rein von Gott verlassen?! Ist das denn mög— 
ich: du hast dir dies teure Kostüm bestellt?!“ 
Jetzt hatte auch Köhler die Rechnung genommen; 
er starrte sie an, und die Muskeln um seinen Mund 
z»egannen zu arbeiten. „Einhundertfünfundachtzig 
Mark,“ stammelte er und fuhr sich über die Stirn 
„Träume ich? Und so etwas — so etwas bestellst 
zu dir, ohne uns vorher zu fragen?“ 
Trautes Augen begannen zu tränen. Mit 
chluchzender Stimme begann sie zu erzählen, das sei 
in Gewaltstreich von Eva Delbrück; sie habe sich da— 
egen gewehrt; Eva Delbrück habe das Kleid hinter 
hrem Rücken bestellt; aber sie nehme es keinesfalls 
in; sie werde noch heute alles wieder zusammenpacken 
ind ohne weiteres zurückschicken. 
Nun keifte die Mutter gegen Eva Delbrück los 
ind gegen den ganzen Verkehr Trautes. Das sei ihr 
Inglück, verschlinge eine Unsumme Geld, bringe die 
janze Familie an den Bettelstab, ruiniere Haus und 
Firma. Und während sie so schimpfte, untersuchte 
ie das Kostüm, ließ den Stoff durch die Finger 
Jleiten, betastete den hübschen gestickten Saum — 
und ihre Worte versiegten allmählich. Plötzlich wurde 
ie ganz still. Dann nickte sie wohlgefällig, und ihr 
Besicht erheiterte sich 
Den neuesten Schlager 
Teppelin kommt 
Marsch von Bogumil Zepler 
mit Text von Rudolph Schanzer 
eanthält das soeben erschienene 
August-Heft der „Musik für 
Alie“. Dasselbe Heft bringt 10 
Armee-Marsche Deutschlands 
und anderer Nationen, und den 
Baumblũten-Marsch 
von Paul Lineke 
Das Heft ist zum Preise von 
50 Pfennig 
zu beziehen durch sämtliche Buch- 
aund Musikalien-Handlungen, sc vie 
auch direkt vom Verlac 
Ullstein & Co, Berlin 
Kochstrasse 22-25 
Nr. 81 
„Die Hübner hat's raus,“ meinte sie; „das muß 
nan sagen: schick arbeitet ste immer. Paßt dir's 
denn wenigstens?“ — 
Köhler war auf und ab gegangen, die Arme ver⸗ 
chränkt, mit auswärts geschobenen Knien und weiten 
Schritten. Im Faltenspiel seiner Wangen verriet 
ich der große Entschluß. Jetzt blieb er stehen, dicht 
»or Traute, die mit dem Taschentuch ihre Augen 
»etupfte. 
„Das Kleid ist einmal da,“ sagte er, „und mag 
auch bleiben. Ich werde die Rechnung bezahlen. 
Aber, mein Kind, ich muß ernsthaft mit dir sprechen. 
Es steht sehr schlimm mit uns — viel schlimmer, 
ils du ahnen kannst. Wenn nicht rasche Hilfe kommt, 
bin ich fallit.“ 
„Herrgott, Vater ,—— 
„Laß mich aussprechen. Eine Hilfe ist nahe: 
zie Ketzte. Uebermorgen erwarte ich Mister Brigham. 
Du weißt, daß er ernstlich um dich wirbt. Er sucht 
ine Frau, und dein Bild hat ihm gefallen. Ich 
zwinge dich nicht. Das kann ich ja natürlich nicht. 
Aber ich bitte dich, dir zu überlegen, daß deine Zu— 
age deine ganze Familie vor einem sicheren Unter— 
Jgang retten würde. Ich bitte dich auch, zu überlegen, 
»aß dir hier zum zweiten Male eine glängende Zu— 
kunft geboten wird. Verschlage sie dir nicht wieder 
vie bei Herrn Roeßler. Gehe einmal verständig mit 
»ir zu Rate und ziehe alle Vorteile in Betracht. 
daß du hier am Platze eine Partie finden wirst, 
oie du sie dir vielleicht denkst, halte ich für aus—⸗ 
geschlossen.“ 
Nun kam auch die Mutter an die Reihe. Auf 
»en Fettpolstern ihres Gesichts lag Rührung. Sie 
üßte ihr Kind. „Es wird mir ja sehr schwer, dich so 
veit über das Wasser zu lassen,“ sagte sie weich, 
„aber sieh mal: erstens bekommst du einen sehr 
reichen Mann und noch dazu einen, der dich liebt, 
ind zweitens machst du es deinem Vater möglich, sein 
Beschäft weiterzuführen und die augenblickliche 
Qrisis zu überwinden, die uns sonst einfach bankerott 
nachen würde. Ja wohl, so ist es — es muß aus⸗ 
zesprochen werden. Und weil die Lage so ernst ist, 
virst du auch vernünftig sein, Trautchen. Nicht 
vahr?“ 
Sie streichelte ihr die Wangen. Traute hatte 
eine Träne mehr. In dem Augenblick, da die fürch— 
erliche Notwendigkeit vor ihr Auge trat, sich opfern 
zu müssen, war eisige Ruhe über sie gekommen. 
Sie begriff ohne weiteres das Tragische der Situa— 
tion. Sie hatte sich immer unglücklich im Eltern— 
sjause gefühlt; aber sie wußte, daß Vater und Mutter 
ie liebten. Und der Ruin des Vaters war auch der 
des ganzen Hauses. 
„Eine Frage, Vater,“ sagte sie. „Steht es fest, 
daß Herr Brigham dir helfen wird, wenn ich seine 
Frau werde?“ 
„Absolut fest,“ antwortete Köhler eifrig. „Er 
st ein Ehrenmann. Er wird mir nicht nur meine 
Schuld stunden, sondern mich auch an anderen, sehr 
russichtsreichen Geschäften beteiligen. Da ist zum 
Beispiel ...“ 
Und er begann zu erzählen: vor allem von der 
bevorstehenden Umwälzung auf dem Kautschukmarkt 
— dann von der großartigen Kakaospekulation, die 
Mister Brigham plante — von einem Riesengeschäft 
in Farbhölzern — von der Konzentration des Ba— 
nanenhandels — von neuen Tabakplantagen. Die 
Phantasie galoppierte mit ihm davon; er schwelgte in 
Zukunftsmusik; er gestikulierte, und die ganze Falten— 
draperie seines ehrlichen, alten Gesichts geriet in Be— 
wegung. 
Traute hörte ruhig zu, und als der Vater ge— 
endet hatte, erklärte sie mit fester Stimme: 
„Ich werde Herrn Brigham mein Jawort geben.“ 
Neue Umarmungen folgten. Die Mutter weinte; 
auch der Vater wischte sich eine Träne aus dem 
Augenwinkel und wollte sogleich zu Friedrich gehen, 
um ihm das Einverständnis Trautes zu ergählen. 
Aber Traute bat darum, das nicht zu tun; man möge 
Herrn Brigham abwarten und bis dahin so wenig 
wie möglich von der ganzen Geschichte sprechen. 
„Jawohl,“ sagle die Mutter zustimmend, „warten 
wir erst einmal ab. Herr des Himmels, wenn er 
nur nicht noch im letzten Moment mit einem Neim 
kommt!“ 
Da lächelte Traute schwach und schüttelte den 
Kopf. 
„Beruhige dich, Mama,“ entgegnete sie, „er sagt 
aicht Nein. Er nimmt mich — verlaß dich darauf.“ 
Sie ging in ihr Zimmer und nahm den Karton 
nit dem elfenbeinfarbenen Kleide mit. Sie stellte 
hn auf ihr Bett und setzte sich daneben und sagte sich, 
daß nunmehr ihr Leben klar vorgezeichnet sei. Der 
Hater war nicht die Natur darnach, sich nach dem
	        

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