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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1896, V. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

Inhaltsverzeichnis: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1896, V. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

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Zeitschrift

Urheber (Körperschaft):
Berlin
Sonstige Beteiligte:
Berlin (West). Senatsverwaltung für Finanzen
Berlin (West). Senator für Finanzen
Titel:
Amtsblatt für Berlin / Herausgeber: Senatsverwaltung für Finanzen
Unterreihe:
Teil II, Steuer- und Zollblatt
Weitere Titel:
Amtsblatt für Berlin / 2
Steuer- und Zollblatt für Berlin
Erschienen:
Berlin: Kulturbuch-Verlag 1991
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2020
Erscheinungsverlauf:
16. Jahrgang, Nummer 1 (5. Januar 1966)-41. Jahrgang, Nr. 17 (28. Februar 1991) ; damit Erscheinen eingestellt
Fußnote:
Herausgeber früher: Senator für Finanzen
ZDB-ID:
3048473-X ZDB
Frühere Titel:
Steuer- und Zollblatt für Berlin
Berlin:
B 767 Staat. Politik. Verwaltung: Senatsbehörden. Magistratsbehörden. Landesbehörden
Dewey-Dezimalklassifikation:
340 Recht
Sammlung:
Staat, Politik, Verwaltung, Recht
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

Band

Erschienen:
1987
Sprache:
Deutsch
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2020
Berlin:
B 767 Staat. Politik. Verwaltung: Senatsbehörden. Magistratsbehörden. Landesbehörden
Dewey-Dezimalklassifikation:
340 Recht
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15423951
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang
Sammlung:
Staat, Politik, Verwaltung, Recht

Ausgabe

Titel:
Nr. 4, 30. Januar 1987
Erschienen:
, 1987-01-30

Schnellzugriff

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  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1896, V. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Nr. 1, 5. Januar 1896
  • Nr. 2, 12. Januar 1896
  • Nr. 3, 19. Januar 1896
  • Nr. 4, 26. Januar 1896
  • Nr. 5, 2. Februar 1896
  • Nr. 6, 9. Februar 1896
  • Nr. 7, 16. Februar 1896
  • Nr. 8, 23. Februar 1896
  • Nr. 9, 1. März 1896
  • Nr. 10, 8. März 1896
  • Nr. 11, 15. März 1896
  • Nr. 12, 22. März 1896
  • Nr. 13, 29. März 1896
  • Nr. 14, 5. April 1896
  • Nr. 15, 12. April 1896
  • Nr. 16, 19. April 1896
  • Nr. 17, 26. April 1896
  • Nr. 18, 3. Mai 1896
  • Nr. 19, 10. Mai 1896
  • Nr. 20, 17. Mai 1896
  • Nr. 21, 24. Mai 1896
  • Nr. 22, 31. Mai 1896
  • Nr. 23, 7. Juni 1896
  • Nr. 24, 14. Juni 1896
  • Nr. 25, 21. Juni 1896
  • Nr. 26, 28. Juni 1896
  • Nr. 27, 5. Juli 1896
  • Nr. 28, 12. Juli 1896
  • Nr. 29, 19. Juli 1896
  • Nr. 30, 26. Juli 1896
  • Nr. 31, 2. August 1896
  • Nr. 32, 9. August 1896
  • Nr. 33, 16. August 1896
  • Nr. 34, 23. August 1896
  • Nr. 35, 30. August 1896
  • Nr. 36, 6. September 1896
  • Nr. 37, 13. September 1896
  • Nr. 38, 20. September 1896
  • Nr. 39, 27. September 1896
  • Nr. 40, 4. Oktober 1896
  • Nr. 41, 11. Oktober 1896
  • Nr. 42, 18. Oktober 1896
  • Nr. 43, 25. Oktober 1896
  • Nr. 44, 1. November 1896
  • Nr. 45, 8. November 1896
  • Nr. 46, 15. November 1896
  • Nr. 47, 22. November 1896
  • Nr. 48, 29. November 1896
  • Nr. 49, 6. Dezember 1896
  • Nr. 50, 13. Dezember 1896
  • Nr. 51, 20. Dezember 1896
  • Nr. 52, 27. Dezember 1896
  • Farbkarte

Volltext

Herliner Illustrirte Zeitung. 
zu flüstern. Er fuhr zusammen und starrte mit 
weit aufgerissenen Augen im Zimmer umher. 
Er sah sich im Gefaͤngniß, man hatte ihn mit einer 
Kette um den Hals an seine Gruppe geschmiedet. 
die Göoͤttin der Wahrheit schwankte uͤnd drohte 
über ihn hinzufallen, ihm zux Seite stand die 
weinende Dagny, sie stützte die Gruppe. Er wollte 
iich sosreißen, — da stürzte Alles mit entsetzlichem 
Getöse über ihm zusammen! 
Er erwachte mit einem Schrei, kalter Schweiß 
perlte guf seiner Stirn, an seinen Lager stand eine 
ente Gestalt. — 
Entschuldige, daß die Thür so hart in's, Schloß 
siel, der Wind riß sie mir aus der Hand,“, sagte 
Andreas Bache ruhig und nahm auf einem Stuhle 
platz „Er hat ein schlechtes Gewissen,“ dachte er, 
sonst könnte er, nicht so schreckhaft sein.“ 
Hialmar versuchte sich zu ermuntern, er wußte, 
daß es jetzt galt, einen Strauß auszufechten. 
„Welch' seltene Ehre!“ sagte er, so ruhig er es 
vermochte, „wir sahen uns wohl nicht seit —“ 
„Seit Deinem Besuch bei mir, ich exinnere mich 
dessen wohl, ich weiß heüte, auch, was Du gemeint, 
als Du saͤgtest, daß ich Dich indirekt zwänge, einen 
Schritt zu thun, der wohl kaum zu Deinem und 
Ddagnyes Gluck und Frieden führen würde. Ich 
versiand Dich damals nur nicht.“ 
Hjalmar's ganzen Körper überlief es heiß. Er 
hatte jene unvorsichtige Aeußerung bereits vergessen. 
„Natürlich —verstandest — Du mich — nicht 
ganz,“ stammelte er. 
Der Andere beobachtete ihn mit forschendem 
Blick. „Wie steht es jetzt, Hjalmar?“ 
Der Bildhauer ging zum Rauchtisch, um den 
orschenden Angen des Freundes auszuweichen, er 
machte sich daran, eine Pfeife zu stopfen. 
Danke, jetzt nachdem mein Buch erschienen ist, 
werbe ich mehr Ruhe genießen und alles wird sich 
hefriedigend gestalten.“ 
Da hast mit dem Buch wohl ein gutes Geschäft 
zemacht?“ warf Andreas hin. 
„Ach, das ist nicht bedeutend.“ 
Und Deine Gruppe?“ 
Die nähert sich mit raschen Schritten ihrer 
Vollendung — ich war so gluͤcklich, von der Spar— 
taffe Geld zu erhalten.“ Wie gut, daß es fast finster 
im Zimmer war, denn seine Wangen brannten, als 
x diese Lüge aussprach. 5 
So — wirklich, das traf sich ja sehr glücklich,“ 
agte Andreas. 
„Ja, in der That, und wie ist es Dir ergangen, 
vie weit bist Du mit Frau Brun's Portrait?“ 
„Es ist beinahe fertig.“ 
Ein interessauter Kopf, nicht wahrꝰ Ueberhaupt 
in interessantes Frauenzimmer. Mögen die Leute 
agen, was sie wollen, ich halte sie fuͤr tugendhaft. 
Frei von aller Zierexei, nennt sie jedes Ding beim 
echten Namen, sie ist gerade so, wie ich die Frauen 
haben will.“ 
„Sie muß eine merkwürdige Doppelnatur be— 
sitzen,“ sagte Andreas, „denn mir gegenüber ist sie 
gerade das Gegentheil von dem, was sie Dir gilt. 
Es ift mir noch heute ein Räthsel, wie sie sich da⸗ 
zu hergeben konnte, Dein Manuskript zu lesen, und 
eben so nnverstaͤndlich finde ich es, sie Dich zu 
dieser Schreiberei ermuntern konnte.“ 
Du meinst also, daß ich meine „Theodora“ 
nicht haͤtte schreiben sollen?“ fragte Thorslien mit 
gemachter Unbefangenheit. 
Ach ja, ich denke, es wäre das beste gewesen, 
und ich meine, wenn Du aufrichtig sein n mußt 
Du zugeben, daß diese Art Literatur ziemlich über— 
flüssig ist.“ 
Der Bildhauer dugte die Achseln. 
Entschuldige, heber Freund, das ist wirklich 
eine eigenthümliche Frage!, Wenn ich selbst es für 
uberflüssig gehalten hätte, Teufel auch — dann hätte 
ich es doch nicht geschrieben.“ 
Andreas ging Ppfeifend, die Hände in den Taschen, 
uuf und nieder. „Ich traf in Berlin den Dichter 
Dirichs!“ sagte er nach einer Pause. „Wir unter⸗ 
seen uͤns uͤber die Zustände in unserem Vater— 
lande und den Skandal, welchen Knudson mit seinem 
Zerrbild“ angerichtet.“ „Glauben Sie wirklich, 
haß vernünftige Leute solche Bücher en zů 
irgend einem änderen Zweck, als um eld zu ver⸗ 
dienen?“ fragte er mich.“ 
Jetzt konnte Hjalmar sich nicht länger beherrschen. 
Er rief mit donnernder Stimme: 
Ich frage den Teufel danach, was Ihr Beide, 
Du und er, sagt.“ Die Adern schwollen auf seiner 
Stirn und die Augen schofsen Blitze unter den zu⸗ 
sammengezogenen Brauen. 
en Du „Theodora“ gelesen?“ 
Nein, aber —“ 
Run in zehn Teufels Namen, was stehst Du 
denn da und schwatzest verwirrtes Zeug?“ schrie er 
und ließ die geballte Faust donnernd auf den Tischfallen. 
„Du ließest, mich nicht ausreden,“ erwiderte 
Andreas, „ob ich das Buch gelesen oder nicht, 
tommt auf eins heraus, Du' wirst nicht ab— 
leugnen —“ 
Aber Hjalmar Thorslien hörte nicht mehr qn 
hn. IDa haft mein Buch nicht gelesen, das hast 
Du selbst, zugestanden. Du hast Dein Urtheil ge 
ildet nach jenem Schandartikel der Morgenzeitung 
ind chs nach, was dieses Blatt der abgedankten 
Ninister und der alten, zahnlosen Weiber faselt 
du hast, mein Buch nicht gelesen und trotzden 
interstehst Du Dich, mir eine schmachvolle Be 
eidigung in's Angesicht zu schleudern!“ schrie er, 
wenn Dir Dein Recht werden sollte, müßte ich 
d4 zu Boden schlagen auf der Stelle, wo Du 
ehst. 
Keiner von ihnen hatte bemerkt, daß die Thür 
um Nebenzimmer geöffnet worden und Dagny ge— 
äuschlos eingetreten war; todtenbleich stand sie jetzt 
wischen ihnen. Sie hielt Thorslien's Buch, das 
ie i seinem Schreibtisch gefunden hatte, in der 
dand. 
„Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen, aber 
ch habe genug davon!, Hjalmar, Du, hast, durch 
Dein Werk die heiligsten, reinsten Gefühle des 
Nenschen gekränkt und ich brauche wohl nicht hin— 
uzufügen, daß Du Niemand schwerer kränktest als 
nich, Deine Gattin. Jetzt erhebst Du Deine Hand 
gegen Deinen einzigen gufrichtigen Freund, weil er 
dir die Wahrheit sagt. 
„Was willst Du?“ schrie der erregte Mann, jetzt 
chon gn außer sich, „Niemand hat verlangt, 
Deine Meinung zu hören, hier ist kein Ort für 
Veibergeschwätz“ Dagny dir zusammen, als hätte 
nan ihr einen Schlag in's Antlitz versetzt, es war 
»as erste Mal, daß Hialmar's Brutalität sich gegen 
ije wandte. Kein Wort kam über ihre Lippen 
Thorslien fuhr wieder auf Andreas los,. „Wills 
du Deine Peleidigung zurücknehmen?“ schrie er. 
„Ich habe keine Beleidigung ausgesprochen, es 
st nicht meine Schuld, wenn Du das, was ich ge— 
agt haͤbe, so auffassen willst,“ lautete die Antwort 
Der Bildhauer taumelte einen Schritt urüg 
„Geh!“ brüllte er in wilder Raserei, „geh! oder es 
zeschieht ein Unglück!“ Andreas wandte sich von 
hm ab und schritt zur Thüur. 
Und Du!“ waundte sich Hialmar bleich und mit 
zebender Stimme an Dagny, „es ist am besten, Du 
gehst auch — Du auch.“ Er wandte sich von ihr 
ib und ging in das nächste Zimmer. Die junge 
Frau stieß einen herzzerreißenden Schrei aus, sie 
bäre zu Boden gesuünken, wenn Bache nicht rasch zu 
hr getreten wäre, um sie zu stützen. Fast willenlos 
ieß sie sich hinausführen aus ihrer eigenen Woh— 
rung, die Treppe hinab. Andreas winkte eine 
Droschke herbei und so fuhren die Beiden den 
Drammensweg hinaus zu der alten Frau Bache. 
Fortsetzung folgt.) 
Die Furcht vor der Freihrit. 
Skizze von Hermann Dupont. 
»in „Salon“ im modernsten Stil, dessen 
Theilnehmer auf ihren Rang und Namen 
oder p ihxen Tagesruhm hin ausge— 
sucht sind, Keine xaffinirten, materiellen 
und künstlerischen Genüsse. Keine Ver⸗ 
Fflichtung für den Einzelnen, mindestens einmal am 
Abend etwas geistreiches zu sagen. Ein kleiner, im 
oͤheren, Sinne nicht einmal, „gewählter“, Kreis 
raver Menschen, von denen keiner den Anspruch 
nachte, über das Durchschnittsniveau snideacen 
Staft der gaumenreizenden „Stillleben“ auf den 
Zůffets ein solides Butterbrod mit Bier oder Thee, 
tatt der eleganten Causerie eine gemüthliche Unter— 
jaltung, in der jedes Genre erlaubt war, nur nicht 
er liebe Nächste. Der Mittelpunkt des Ganzen 
ie Geheimräthin Hagen, eine liebenswürdige, alte 
Dame, die sich immer schon acht Tage vorber auf 
hren Donnerstag freute. 
Und so saß man auch heute wieder beisammen 
n dem großen, geräumigen Erkerzimmer, da und 
ort, wo Jeder Pinn gefunden hatte. Das , Butter⸗ 
rod“ war absolvirt und einige der Herren hatten 
ioch ein Glas Bier vor sich. Die Unterhaltung 
ntwickelte fich aus allen möglichen Thematas her⸗ 
rus und zersplitterte sich in Unterhaltungen, bis 
nan sich auf dem Boden der Justiz wieder zu— 
ammenfand und von hier auf den Strafvollzug, 
uf Gefängnisse und Zuchthäuser zu sprechen kam 
„Zuchthaus — brr!“ die Sprecherin, eine junge, 
übfsche Frau schüttelte sich, mit derselben kleinen, 
vohlberechneten Koketterie, die alle ihre Bewegungen 
egleitete. „Wie das schon klingt! Wie kann es 
Henschen geben, die jahrelang darin vegetiren 
donnen, denn leben kann man es doch wohl kaum 
iennen.“ 
„Nicht nur jahrelang, sondern sogar für die 
anze Lebenszeit. Und das Zuchthaus konservirt sogar 
nanchmal,“ “warf ein älterer Herr, ein Arat, da— 
wischen. 
Ich bin nur im Zweifel,“ sagte ein Anderer, 
b man diese Menschen noch Nenschen nennen 
Ann“ 
„Ich gar nicht! „Sind mir auch in meiner 
angiahrigen Praxis Kerle vorgekommen, in denen 
nau Mühe hatte, eine Spur ihres ursprünglichen 
Menschthums herauszufinden, so doch, wiederum 
iuch wirkliche Menschen. Und auch sie lebten.“ 
Der das sprach, war ein robuster, graubärtiger 
derr, ein Neuling in der Gesellschaft, den die Ge— 
seimräthin ihren Gästen als Direktor Meerberg 
‚orgestellt hatte. 
Und nun sagte er mit feinem, leisen Lächeln: 
„Ich sehe schon, meine Herrschaften, ich muß die 
Vorstellung unserer verehrten Wirthin ergänzen, ich. 
zin der Direktor a. D. des Zuchthauses zu R.... 
— bitte Gnädigste — Sie bräuchen nicht zu er— 
schrecken, der Umgang mit den Zuchthäuslern hat 
hoffentlich nicht abgefarbt.“ 
Alles lachte und, die junge, kokette Frau er— 
öthete; sie war wirklich unwillkürlich in der ersten 
Aeichung von dem alten Herrn etwas ab— 
gerückt. 
Und nun drang sie in ihn, etwas aus seiner 
Praris zu erzählen. Sie dente es sich „furchtbar 
nteressant“, einmal einen Blick hinter die Mauern 
ines Zuchthauses zu thun, von dem sie sich keine 
Vorstellung machen könne. 
Der, Direktor sträubte sich zuerst. Das Leben 
m Zuchthause sei so eintönig, so mit der Genauig— 
eit eines Uhrwerks geregelt, daß sich dort kaum 
etwas Interessantes ereigne. Und das wenige, was 
m allgemeinen Sinne erzählenswerth wäre, sei so 
rrauriger Natur, daß er fürchten müsse — 
Allgemeine Opposition! 
v Der alte Herr zog seinen Schnurrbart durch die 
inger ... 
Nun gut denn, auf Ihre eigene Verantwortung.“ 
Und dann nach einigen Sekunden des Nachsinnens 
den Kopf aufwerfend: 4 
„Haben Sie schon einmaͤl etwas von der Furcht 
vor der Freiheit gehört?“ 
Man sah sich verwundert an. Gewiß ein 
Paradoxon .. 
„Nein, eine Thatsache; meine Geschichte mag 
Ihnen den Beweis dafür liefern.“ 
Er nahm einen kräftigen Schluck aus seinem 
Blase und fuhr dann fort: 
„Ich sehe den Mann noch vor mir, ich könnte 
sr zeichnen, wenn ich dazu Talent hätte. Nicht 
ben von großer Figur, aber hreitschulterig, mus⸗ 
ulös, mit Händen wie zwei Schmiedehämmer 
Mit diesen Händen hatte er auch seine Frau er 
puͤrgt, weil er Ursache zu haben glaubte, anzunehmen 
sie Dre ihn. 
Die Verhandlung stellte nachher fest, daß die 
Fifersucht des Mannes nicht begründet war, freilich 
ruch, daß er durch eine unglückselige Verkettung von 
Imständen bopecchidt war zu seinem unseligen 
Hlaubeu. Der Mann wurde zu lebenslänglicher 
Zuchthausstrafe verurtheilt. Er war ein Holzknecht 
rus dem Unterlande. 
Als ich den Mann bei seiner Einlieferung zunm 
rsten Maͤle sah, da erkannte ich auf den ersten 
Zlick, daß ein güuüter Kern in ihm steckte. Und es 
hat mir ehrlich leid um ihn. Man brauchte nur 
inen Blick in seine Augen zu thun, um zu er— 
ennen, daß er ehrlich bereute, aber er, winselte und 
ugenklapperte nicht, wie es die meisten der wirk 
ichen Lumpen thaten, die in meine Pension kamen, 
n der dessng sich damit bei mir gut einzuführen, 
vorin sie sich freilich ausnahmslos täuschten. Nut 
ils man ihm den mächtigen Vollbart abschnitt und 
as Kopfhaar rasirte, da verfärbte er sich und er— 
ebte und einen Augenblick schien es mir, als ob 
eine Fauͤuste dem Barbier in's Gesicht fabren 
vürden, aber er bezwang sich. 
Wie gesagt, der Mann that mir, ‚leid. Aber 
nnerhalb des Rahmens meiner Instruktion war für 
Mitleid kein Platz vorgesehen und so mußte er denn 
nit den Anderen Wolle zupfen, schlafen und spazieren 
jehen, wie es die Tagesordnung vorschrieb. Ver— 
zerben konnte selbst der größte Hallunke nichts an 
hm, er würde ja nie Gelegenheit haben, etwaige 
sier erworbene Kenntnisse zu verwerthen, er würde 
a nie wieder das Haus verlassen. 
Und so erschlief mein Interesse an dem Manne, 
is eines Tages mir der Oberaufseher bei dem 
happort meldete, daß Nr. 84 vom Arzt in das 
azareth beordert fei. Ich ließ mir den Arzt 
ommen und befragte ihn nach der Krankheit von 
er. 84. Ja, meinte der, eine genaue Diagnose 
ann ich nicht stellen. Aber, daß. der Mann in 
imem Vierteljahr seine Strafe abgesessen haben, das 
eißt, daß er sterben, richtiger gesaͤgt, eingehen wird, 
vie eine Pflanze, der man die natürliche Feuchtig— 
eit entzogen hat, das verbürge ich. Der Mann 
n der Natur aufgewachsen, die frische Luft ist 
ein Lebenselement. Er kommt mir vor, wie irgend 
in Lebewesen, das man in einen luftdicht abge— 
chlossenen Raum eingeschachtelt hat. 
Mein Interesse an Nr. 84 war wieder erwacht. 
Ich ging nach dem Lazareth und sah mir den Mann 
in DBôer krank sei? Er wüßte es nicht. Aber 
er fühle, daß er sterben oder verrückt würde, wenn 
8 so weiter ginge. 
Und ihm Zlaubte ich
	        

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