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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1905, XIV. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

Inhaltsverzeichnis: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1905, XIV. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Zeitschrift

Titel:
Berliner illustrierte Zeitung
Erschienen:
Berlin: Dt. Verl., 1891-1945 -
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2025
Erscheinungsverlauf:
1891, 1. Probenummer (14. December 1891) - 1891, 2. Probenummer (21. December 1891) ; 1.1892 - 29.1920,52; 34.1925,35-52; 44.1935,1-5u.9-10u.12-14u.18-22u.24u.28-52; 45.1936,1-41; 50.1941,1-25
Bestand:
1891, [Probenr.]; 1.1892 - 29.1920
Fußnote:
Mehr nicht digitalisiert
Periodizität: wöchentl.
Weitere Digital. Ausg.: Fulda : Hochschul- und Landesbibl., 2010
-1936, Berlin, Ullstein
ZDB-ID:
2585264-4 ZDB
Schlagworte:
Berlin ; Zeitung ; Familienzeitschrift ; Zeitschrift ; Zeitung
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
Dewey-Dezimalklassifikation:
943 Geschichte Deutschlands
Sammlung:
Berliner Zeitungen, Zeitschriften
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

Band

Erschienen:
1905
Sprache:
Deutsch
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2025
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
Dewey-Dezimalklassifikation:
943 Geschichte Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-15511342
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang
Sammlung:
Berliner Zeitungen, Zeitschriften

Ausgabe

Titel:
Nr. 8, 19. Februar 1905

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  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1905, XIV. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Nr. 1, 1. Januar 1905
  • Nr. 2, 8. Januar 1905
  • Nr. 3, 15. Januar 1905
  • Nr. 4, 22. Januar 1905
  • Nr. 5, 29. Januar 1905
  • Nr. 6, 5. Februar 1905
  • Nr. 7, 12. Februar 1905
  • Nr. 8, 19. Februar 1905
  • Nr. 9, 26. Februar 1905
  • Nr. 10, 5. März 1905
  • Nr. 11, 12. März 1905
  • Nr. 12, 19. März 1905
  • Nr. 13, 26. März 1905
  • Nr. 14, 1. April 1905
  • Nr. 15, 9. April 1905
  • Nr. 16, 16. April 1905
  • Nr. 17, 23. April 1905
  • Nr. 18, 30. April 1905
  • Nr. 19, 7. Mai 1905
  • Nr. 20, 14. Mai 1905
  • Nr. 21, 21. Mai 1905
  • Nr. 22, 28. Mai 1905
  • Nr. 23, 4. Juni 1905
  • Nr. 24, 11. Juni 1905
  • Nr. 25, 18. Juni 1905
  • Nr. 26, 25. Juni 1905
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  • Nr. 28, 9. Juli 1905
  • Nr. 29, 16. Juli 1905
  • Nr. 30, 23. Juli 1905
  • Nr. 31, 30. Juli 1905
  • Nr. 32, 6. August 1905
  • Nr. 33, 13. August 1905
  • Nr. 34, 20. August 1905
  • Nr. 35, 27. August 1905
  • Nr. 36, 3. September 1905
  • Nr. 37, 10. September 1905
  • Nr. 38, 17. September 1905
  • Nr. 39, 24. September 1905
  • Nr. 40, 1. Oktober 1905
  • Nr. 41, 8. Oktober 1905
  • Nr. 42, 15. Oktober 1905
  • Nr. 43, 22. Oktober 1905
  • Nr. 44, 29. Oktober 1905
  • Nr. 45, 5. November 1905
  • Nr. 46, 12. November 1905
  • Nr. 47, 19. November 1905
  • Nr. 48, 26. November 1905
  • Nr. 49, 3. Dezember 1905
  • Nr. 50, 10. Dezember 1905
  • Nr. 51, 17. Dezember 1905
  • Nr. 52, 24. Dezember 1905
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Volltext

rzingernägel putzte, erschienen ihm plötzlich die Hände 
ioch größer als sonst, und ihre Röte erinnerte ihn 
in das Blut, das er beinahe vergossen hätte. Er 
achte daran, daß diese Hand auch Anna Schiman 
zegüchtigt hatte, am die er heute wie an eine ver— 
örperte Warnung so eindringlich ermahnt worden 
var. Was hatte sich abgespielt hinter seinem Rücken? 
Varen dunkle Mächte gegen ihn im Gange, die her— 
tufgeflattert kamen mit ihren Rabenfittichen, um 
einen hellen Stern zu verdunkeln? Aber es dauerte 
richt lange, so reckte er wieder mutig den Vogelhals, 
»enn er hatte selbst gelernt, zu fliegen. Er wollte 
hnen schon die Flügel beschneiden, daß die Federn 
in alle Winde stoben! 
Als er am andern Morgen früher wie sonst im 
Beschäft erschien, fand, er Bähne bereits in voller 
Tätigkeit, und zwar mit der Miene eines Menschen, 
der an einen unangenehmen Vorfall nicht gern er— 
nnert sein möchte. Gleich nachdem es vorn lebendig 
zgeworden war, hatte der Apotheker den hinteren Aus— 
jang benutzt, um sich zur Stelle zu melden und die 
hordere Tür zu öffnen Wie immer dienerte er vor 
Bläser, und da einer auf das erste Wort des andern 
vartete, ohne daß es kam, sagte keiner etwas. Und 
o schwiegen sie sich gründlich aus wie Leute, die einen 
Lorgang genau kennen, es aber für besser halten, nicht 
nehr daran zu rühren. Nur wenn sich Dähne ge— 
wungen sah, geschäftliche Dinge zu erörtern, glitt 
ein großer Blick auf Gläser und dann beschämt zu 
Boden; denn er verspürte dunkle Regungen in sich, 
ie, aufgewühlt zur Blutwelle, ihm heiß ins Gesicht 
chofsen. 
Nach vierzehn Tagen hatte Gläser das Geschäft 
»erkauft, wobei ein glücklicher Zufall ihm zuftatten 
zekommen war. Sein Vertreter, ein junger Mann, 
er die Postprokura hatte und in das Absatzgebiet ein— 
zeweiht war, stand in verwandtschaftlichen Beziehun— 
jen zu einem etwas beschränkten, aber gutgläubigen 
Provinzler, der sein flüssiges Kapital gern in einem 
Artikel angelegt hätte, der reichlichen Verdienst 
»xächte. Beide verbanden sich zur Uebernahme des 
„Versandhauses“, und so kam Gläser noch glänzend 
ruf seine Hosten, denn das „Magolin“ hatte bereits 
n dem „Nervolin“ Konkurrenz bekommen, die sich 
rohend bemerkbar, machte. Er hatte das Fett ab— 
zeschöpft, mochten seine Nachfolger sich an der wässe— 
igen Brühe weiter stärken!“ 
Endlich hatte er den „Händler“ von sich abge— 
vorfen, konnte er frei das Haupt erheben. Aber noch 
»eim Abbruch dieser Brücke waren die Dummen glän— 
zend von ihm gerupft worden. Und als er in offener 
Droschke dem reichen Westen zufuhr, ließ er den Osten 
vie etwas Unangenehmes hinter sich, an das man 
nicht gern erinnert werden möchte. Wie der Phönix 
rus der Asche durfte er nun auferstehen und seinem 
zroßen Ziele zufliegen. 
XII. 
Die Gründung seiner „Volks-Garantie-Bank“ 
nahm ihn völlig in Anspruch. Er hatte einen Riesen— 
lan ausgeheckt, der an Kühnheit seinesgleichen suchte. 
Volksvermögen und Volksgesundheit sollten zu gleicher 
Zeit gehoben werden. Haͤnd in Hand mit der Bank 
var eine Volls-Landhausstadt im großen gedacht, 
»urch die die Wohnungsfrage für den kleinen Mann 
ndlich gelöst werden sollte. Alles eingezahlte Geld 
ollte mit fünf Progent verzinst werden, sofern die 
Sinlage von einem Jahre nicht gekündigt werde und 
er niedrigste Einschuß hundert Mark betrage. Als 
Sicherheit wurden Anteilscheine auf die Landhaus— 
tadt geboten, die dazu berechtigten, entweder die 
Quadratrute Boden zu einem enorm billigen Preise 
zu erwerben, oder Anspruch auf außerordentlich ge— 
inge Miete in der künftigen Villenstadt zu erheben. 
Baugelder sollten vorgeschossen, ganze Einrichtungen 
ruf Teilzahlungen geliefert und die Tilgung der 
Schuld so bequem als möglich gemacht werden. Es 
var die Selbsthilfe ins Unbegrenzte erdacht, ein Fa— 
nilien⸗-Eden ins Rosenroteste. Wer zehn Anteil⸗ 
cheine à tausend Mark besaß, durfte Sitz und Stimme 
im sogenannten Landhausbau-Rat haben und sich 
ereits Schwarz auf Weiß eines unbeschränkten Be— 
itzes erfreuen. 
Alles klang noch nebelhaft, aber durch diesen 
Nebel drang ein glänzendes Irrlicht, das die Suchen— 
en auf den Pfad lockte, wo sie endlich ihr Heil fin— 
en würden. Gläser arbeitete Tag und Nacht, mit dem 
uinermüdlichen Fleiße eines Mannes, der sich ein— 
redet, daß das alles zum Nutzen seiner Mitmenschen 
jeschehe, und der im Geiste doch nur den Goldregen 
ieht, den er zu eigenen Millionen auffangen werde. 
Bald hatte sich ein Konsortium gebildet, dessen allei— 
riger Mittelpunkt er jedoch war. Gut eingeführten 
Zeitungsnotigen folgten nach und nach Arlikel, bis 
nit einem Schlage sich das ganze Interesse um die 
olks-Garantie-Bank drehte. Er hätte ein eigenes 
Blättchen gegründet, das den seltsamen Titel „Die Lö— 
sung“ führte und in dem er allwöchentlich immer 
ieselbe Wohlfahrtsfrage aufwarf und gleich sorgsam 
jespitzten Pfeilen hinausschickte, die endlich doch 
rgendwo stecken bleiben mußten. Im Handunidrehen 
var er eines Morgens auf dem Plane erschienen, 
zewappnet wie der Ritter zum Kampfe, der wohl— 
veislich sein Visier geschlossen hat, damit nur die 
bertrauten ihn erkennen. 
In eingeweihten Kreisen, dort, wo die Hundert— 
rausende immer bereit liegen, wenn es gilt, fie als 
Berliner Illustrirte Zeitung. 
erheerende Armee in den großen Mammonskampij 
u fchicken, gab es vorläufig immer dieselbe Frage: 
Wer ist Gläser? Kennen Sie den Mann?“ Bis 
in beinahe Wissender mit spöttischer Miene erwiderte: 
Ein reicher Schlesier von der Außenmagnatenlinie 
zr soll Gold gekocht haben.“ Darauf der erste aber— 
rals: „Und andere sollen sich den Mund daran ver— 
rennen. Ich nicht! Verrückte Sache, so ein Pro— 
»ktl Der Mensch tut mir leid.“ Ein dritter war 
ereits besser unterrichtet. „Das sagen Sie nicht, der 
Rann wird seinen Weg machen. Ich kenne ihn. 
zähe wie Leder und brutal wie ein Haifisch, der 
heringe tonnenweise schluckt. Einer von den ganz 
zroßen dieser Sorte... Uebrigens, was wollen 
zie? Er hat schon seine Leute gefunden. Würflér 
on der Monopolbank ist dabei. Prima fein! Daun 
ronsul Zeitig.. Auch ein Regierungsrat a. D. 
oll darunter sein. Und ein Rittergutsbesißer, der 
as Terrain gibt. Uebrigens weiß ich auch aus ganz 
icherer Quelle, daß Finanzrat Knötig stark davon 
ingenommen ist. Alsol Die Namen machen das 
dennen. Wir wollen uns sprechen, wetin der Auf— 
ichtsrat erst posaunt. Und eine klapperige Erzellenz 
äßt sich sicher noch angehen. Der Mann macht'n 
daus, und das zieht.“ 
Man wurde aufmerksamer; und schließlich wuchs 
tus der Legende immer greifbarer die Tatsache 
sergaus, die nicht mehr zu umgehen war. Der Name 
vläser wurde zum Programm des Tages, das man 
enau studierte, um sich für das Für und Wider des 
mhaltes zu entscheiden. An der Börse kannte man 
en Mann mit dem Vogelgesicht besser. Es gab 
eute, die sich sehr wohl noch des sorgsam, Spähenden 
rinnerten, wie er horchend herumlief, ohne etwas zu 
agen, stets sein Notizbuch in der Hand, so tuend, 
Is hätte er Wunder was für Aufträge zu notieren, 
enn alle Augenblicke schrieb er; dann, wie er gleich 
eck den ersten Sprung dat und mit Sicherheit über 
ie Gewinnleine setzte, um allmählich jene starke Zu— 
ersicht zu erlangen, die den großen Spieler aus— 
eichnet. Im Börfenton nannte man das Turkel. 
das war einer, der über die Menge sah, weil er 
— B— 
cichter, und seine Nase roch den angebrannten Braten 
hon, bevor die Sauce ganzg eingekocht war. Er 
aufte bereits, wo andere erst überlegten, und schlug 
iles wieder los, wo die Kurzsichtigen zauderten und 
ber die Tatarennachrichten lächelften. 
Gläser hatte den großen Kurssturg der Hektor— 
iktien vorausgesehen; er pfiff zuerst auf die Alexan 
rinen⸗Hütte, die ein neues Schweißverfahren er— 
unden haben wollte, und deren Aktien nachher Maku— 
aturwert bekamen; und er war der erste, der den 
zusammenbruch des alten, soliden Bankhauses Triesel 
ind Kompagnie verkündete, das einem neuen Boden— 
üngungsverfahren seinen Millionen-Kredit er— 
ffnete und daran zugrunde ging. Jeden Schwindel 
hditterte er schon von weitem, wie Leute mit feinen 
zeruchssnerven Düfte einziehen, die andere kaum ver— 
oüren. Diesen sehnigen Schlesier mit der Ange— 
ohnheit, stets das linke Auge zuzukneifen, sobald er 
twas für faul hielt, hatte man sich gemerkt; und 
un, wo er mit einer Riesengründung in die Erschei— 
ung trat, umflatterte man ihn, wie die Sperlinge 
en Futterplatz, wo gerade die fetten Bissen ausge— 
treut werden. 
Es war immer dieselbe Redensart, die von Mund 
zu Mund ging: „Hören Sie, da ist was zu machen.“ 
— 
18. Abenteuer unseres eifrigen Lesers 
und Abonnenten Professor Biedermann beim 
Studium der „Berliner Illustrirten 
Zeitung“, die beim Postamt abonniert für 
die Monate Februar und März' 90 Pf. kostet. 
Auch Buchhandlungen oder Spediteure und in 
Berlin die unterzeichnete Haupterpedition liefern 
die Zeitung für 10 Pf. wöchentlich frei ins Haus. 
Der Anfang des Romaus wird nen hinzutretenden 
Abonnenten auf Wunsch gegen Einsendung der 
Abonnementsquittung nachgeliefert. 
Verlag Ullstein & Co. 
Haupt-Erpedition: Berlin 8SW., Kochstr. 28/23. 
Nr. 8 
zinanggrößen drängten sich plötzlich an ihn heran 
ie ihn sonst kaum deachtet hatten, weil sie gewohn 
varen, auf die „Pintscher“ herabgzublicken. Diefe Ver 
indung von Volkswohlfahrt mit dem unausblei— 
ichen Profit für die Gründer hatte etwas Appetu 
iches, was zu einem reinen Genuß reizte. Man zo 
hnein, längere Unterredungen, versicherte ihn da 
ersönlichen Wohlwollens und ließ dabei unzweideut— 
urchleuchten, daß man ihm „auch sonst“ mit Rat ug 
kat gerne zur Verfügung stehen werde. Gläser hörn 
uhig zu, nickte verbindlich und steckte alles mit eind 
‚ewissen Gönnermiene ein. Er kannte seine Pappen. 
eimer, die sich plötzlich so leutselig herablasser 
onnten, nachdem sie Wind davon bekommen hatten 
aß man in Regierungskreisen der Entwickelung der 
nternehmens „wohlwollend und abwartend“ zusehe 
Irgend ein vortragender Rat hatte sich ähnlich ge 
sußert, und sofort war von der „Lösung“ die Aeuße 
ung in alle Welt hinausgetragen worden, und zwar 
n einer Form, die das Wort „Staatsinteresse“ an 
»ie Spitze stellte. Mochte man es deuten, wie man 
vollte — der Eindruck blieb hängen und klang als 
ausendfaches Echo zurück. 
Die Bank hatte glängende Räume eröffnet, nach 
»em der Begründer einstimmig zum General-Direktor 
rnannt worden war. Ein Heer von Beamten saf 
ei der Arbeit, denn nachdem man das Terrain der 
randhausstadt in der Nähe von Berlin unter be— 
timmten Klauseln in Aussicht genommen hatte, 
lossen die Gelder von allen Seiten zu. Bauanschlaͤge 
ind Pläne mit Tilgungsrechnungen flogen zeha— 
ausendweise in alle Richtungen, und wer das zier— 
iche, schön ausgestattete Heft in Händen hatte 
räumte sich bereits in den Besitz eines dieser herr— 
ichen Häuschen hinein, oder dünkte sich schon als un— 
ündbarer Mieter, der gegen Lein billiges das Rechl 
er Mitbenutzung all der köstlichen Vergünstigungen 
jabe, die in diesem Gartenparadiese für jeden In— 
saber von Anteilscheinen zur Verfügung stünden. 
Auf Klothildes Anregung hatte Gläser Oskar 
Zerbst als seinen Sekretär in der Bank angestellt 
Es gab gewisse Rechtskniffe zu erledigen, die er nicht 
gerne an die große Glocke brachte, wozu aber der 
rühere Referendar mit seiner Regsamkeit als eine 
Irt Leib⸗Syndikus vortrefflich geeignet erschien. 
Bläser begahlte ihn anständig und behandelte ihn 
chließlich wie einen jungen Freund, dem man Dinge 
anvertrauen dürfe, die andern gegenüber am besten 
erschwiegen würden. 
Agnes Herbst ging ein und aus bei Klothilde, 
ind auch die Frau Professor, eine kleine rundliche 
Ddame mit ewig lachendem Gesichte, tauchte sehr oft 
ingerufen auf. Dazu gesellte sich noch der intime 
ßzerater als ständiger Gast. Zum Dank dafür ver— 
tand Referendar Herbst, sich auffallend angenehm 
u machen, in jener wohl erzogenen, zurückhaltenden 
Veise, die der Abhängige dem großen Herrn und Ge— 
ieter immer in Gegenwart Dritter zeigt. Wenn er, 
tets nach der neusten Mode gekleidet, schlank und 
iegsam, seine stilvolle Verbeugung vor Klothilde 
nachte und sich mit einer gewissen Gezwungenheit 
— — 
mmer aufs neue die Zufriedenheit mit seiner Wahl, 
die ihn längst den „dummen Jungen“ Klothildes 
atte vergessen machen. Im Gegenteil erfüllte es ihn 
nit einem gewissen Stolz, diesen Adjutanten zu be— 
itzen, der ihm. nach Geschäftsschluß geduldig die 
Mappe mit Geheimpapieren nachtrug, sobald die Ein— 
adung zum Abendbrot erfolgt war, was in der: Woche 
egelmäßig dreimal stattfand. Es gab selbst in dieser 
freien Zeit noch Beratungen, die bis in die Nacht 
tunden fortgesetzt wurden. Und Herbst murrte nie 
tapfer hielt er aus, wie ein treuer Jagdhund, der an 
der Seite des Jägers ewig auf dem Anstand sitzt. 
Klothilde war es, die ihn anzog, die für ihn nur 
den Mittelpunkt dieser ganzen luxuriösen Umgebung 
bildete, in der er sich so überaus wohl fühlte. Mit 
der Klugheit der Frau, die endlich das begehrte Ziel 
erreicht hat, war sie ihm bisher aus dem Wege ge— 
zangen, obgleich sie wußte, daß sie nur den kleinen 
Finger zu erheben brauchte, um ihn wieder zu ihren 
Füßen zu sehen. Sie sah es aus seinem Blick, der 
zrennend aufloderte, sobald ihre Augen sich suchten; 
derspürte es an dem heißen Drucke seiner Hand; sie 
merkte es an all den kleinen Dingen, für die der arg— 
ose Ehemann gewöhnlich niemals Sinn hat, die aber 
der Geliebten nie entgehen. Sie haäatte ihn für ver— 
rünftig gehalten, glaubte, daß alles vorüber sei, und 
mußte nun mit heimlichem Schrecken die Auferstehung 
einer alten Neigung erleben. 
Ihre Mutter wohnte jetzt bei ihnen, denn man 
zging bereits dem Winter entgegen. Eines Abends 
wollte es der Zufall, daß Frau Teichert nicht an— 
vesend war, und Herbst vor Gläser eintraf. Als 
tlothilde hörte, daß ihr Mann nicht mitgekommen 
iei, ließ sie sich nicht sehen. Herbst jedoch nahm keck 
zie Gelegenheit wahr und äußerte durch das Kammer— 
nädchen die Bitte, ste wegen einer Bestellung ihres 
Batten sprechen zu dürfen. 
„Nun, was haben Sie mir zu sagen, Herr Re— 
ierendar?“ fragte sie mit verhaltener Exrregung, 
denn zum ersten Male seit langer Zeit standen sie sich 
o gegenüber. Immer hatte sie, es einzurichten ge— 
vußt, ihm zu entgehen. Weil sie ihren Manin 
ürchtete, war sie auch von Furcht vor Oskar er— 
füllt. Was sollte daraus werden, wenn er das ge⸗
	        

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