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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1903, XII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Bibliographic data

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1903, XII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Periodical

Title:
Berliner Adreßbuch : für das Jahr ... : unter Benutzung amtlicher Quellen
Publication:
Berlin: Loewenthal 1896
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2002
Dates of Publication:
1873-1896
ZDB-ID:
2940379-0 ZDB
Previous Title:
Adreßbuch für Berlin mit Einschluß der näheren Umgegend und Charlottenburg
Succeeding Title:
Adressbuch für Berlin und seine Vororte
Keywords:
Berlin ; Adressbuch
Berlin:
B 6 Allgemeines: Adressbücher
DDC Group:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
Collection:
Berlin Address Directories
Berlinerinnen,Berliner
Address Directories 1850-1874
Address Directories 1875-1899
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1895
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2002
Berlin:
B 6 Allgemeines: Adressbücher
DDC Group:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
914.3 Geografie, Reisen (Deutschland)
943 Geschichte Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-719229
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
Berlin Address Directories
Address Directories 1875-1899
Berlinerinnen,Berliner

Chapter

Title:
IV. Königl. Haus u. Königl. Hof, Behörden, Kirchen u. Schulen, Anstalten, Gesellschaften u. Vereine, Zeitungen u. Zeitschriften

Chapter

Title:
F. Kirchen und Schulen

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1903, XII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Nr. 1, 4. Januar 1903
  • Nr. 2, 11. Januar 1903
  • Nr. 3, 18. Januar 1903
  • Nr. 4, 25. Januar 1903
  • Nr. 5, 1. Februar 1903
  • Nr. 6, 8. Februar 1903
  • Nr. 7, 15. Februar 1903
  • Nr. 8, 22. Februar 1903
  • Nr. 9, 1. März 1903
  • Nr. 10, 8. März 1903
  • Nr. 11, 15. März 1903
  • Nr. 12, 22. März 1903
  • Nr. 13, 29. März 1903
  • Nr. 14, April 1903
  • Nr. 15, 12. April 1903
  • Nr. 16, 19. April 1903
  • Nr. 17, 26. April 1903
  • Nr. 18, 3. Mai 1903
  • Nr. 19, 10. Mai 1903
  • Nr. 20, 17. Mai 1903
  • Nr. 21, 24. Mai 1903
  • Nr. 22, 31. Mai 1903
  • Nr. 23, 7. Juni 1903
  • Nr. 24, 14. Juni 1903
  • Nr. 25, 21. Juni 1903
  • Nr. 26, 28. Juni 1903
  • Nr. 27, 5. Juli 1903
  • Nr. 28, 12. Juli 1903
  • Nr. 29, 19. Juli 1903
  • Nr. 30, 26. Juli 1903
  • Nr. 31, 2. August 1903
  • Nr. 32, 9. August 1903
  • Nr. 33, 16. August 1903
  • Nr. 34, 23. August 1903
  • Nr. 35, 30. August 1903
  • Nr. 36, 6. September 1903
  • Nr. 37, 13. September 1903
  • Nr. 38, 20. September 1903
  • Nr. 39, 27. September 1903
  • Nr. 40, 4. Oktober 1903
  • Nr. 41, 11. Oktober 1903
  • Nr. 42, 18. Oktober 1903
  • Nr. 43, 25. Oktober 1903
  • Nr. 44, 1. November 1903
  • Nr. 45, 8. November 1903
  • Nr. 46, 15. November 1903
  • Nr. 47, 22. November 1903
  • Nr. 48, 29. November 1903
  • Nr. 49, 6. Dezember 1903
  • Nr. 50, 13. Dezember 1903
  • Nr. 51, 20. Dezember 1903
  • Nr. 52, 27. Dezember 1903
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Full text

KHlärchen verstand ihn nur zu gut. Schlimmer 
ßorwurf regte sich, Scham, Angst vor diesem Mann, 
em sie sich völlig ausgeliefert. — Sie eilte aus dem 
immer. 
„Ich denke, du kannst mit mir zufrieden sein,“ 
agte Soran zu Johannes. 
Dieser kam stürmisch auf ihn zu und drückte seine 
zand. „Alter Freund, verzeih' meine Torheit von 
Feute Nachmittag. Kennst mich jal — Wir lieben 
ins, das sagt dir alles!“ 
Soran war sichtlich überrascht von diesem Be— 
enntnis, eine feine Röte stieg auf in seinem Antlitz. 
„Himmel! Ich werde doch am Ende damit dir 
nicht “ fragte Johannes. „Das wäre mir wirklich 
nicht wahr, nein, Franz. — — Sie paßt auch 
jar nicht zu dir, — gewiß nicht, — und dann, — 
ffen gesagt. — wir sind doch eigentlich alte Be— 
Innte Klärchen und ichl Das stammt nicht alles 
„on heute, — Franz, rede doch —“ 
Wenn du fertig bistl — Du bist ein Kind, Jo— 
sannes, so sehr du mir, in allem anderen überlegen 
ist. Selbst, wenn ich so fühlte, wie du denkst, — 
i haft mir übrigens keine Zeit dazu gelassen, mir 
ßerliner Illustrirte Zeitung. 
»arüber klar zu werden, — kann ich doch dir keinen 
Zorwurf daraus machen, daß sie dich gewählt. Ich 
nöchte dir nur eines raten, — übereile dich nicht, 
chaffe erst Klarheit zwischen euch, rücksichtslose Klar— 
eit, ehe du weiter gehst.“ 
„Daran haben wir es beide eben nicht fehlen lassen.“ 
„Weiß sie von deinen Vermutungen betreffs 
einer Abkunft?“ 
Johannes Antlitz verdüsterte sich bei dieser Frage. 
Hältst du das für so wichtig?“ 
„Für sehr wichtig!“ 
„Du glaubst also wirklich, daß ein Weib, das 
iebt, darnach fragen könnte? — Armer Franzl! Und 
ast so tapfer gerungen, mit allen Vorurteilen!“ 
„Ein Weib, das liebt, wird dem Geliebten alles 
erzeihen, wenn sie es aus seinem Munde erfährt. 
die Wollust der Großmut, die sie übt, der Stolz über 
ein Vertrauen wird alles Bedenken besiegen, — 
inders, wenn sie es aus einem anderen, fremden 
Nunde erfährt.“ 
„Wie du sprichst! Weiß ich's denn selbst woher 
scch sstamme? — So viel ich weiß, weiß sie auch, — 
zas genügt doch?“ 
139 
„Und die Mutter?“ 
Die werde ich morgen hören. Sie wird nich! 
zurückhalten mit der Wahrheit. Ich bin auf alles ge 
caßt. Und dann soll Klärchen richten, nicht sie. Die 
Toschter Cassans soll richten, sein Fleisch und Blut. 
— und noch wer — du Franz, ja du!“ Er ergriff die 
Hand des Freundes in einem stürmischen Drange. 
„Ein üngleiches Richterpaar, Johannes.“ 
Am so sicherer werde ich gehen, wenn ihr euch 
in einem Spruch einigt, — ind das wird sein, das 
weiß ich.“ 
Die Gesellschaft draußen brach auf. Leise 
flüsternd auf den Fußspitzen verließ man das Haus 
Da war es vor 10 Jahren ganz anders. Das 
var ein Preisfest, die ganze Stadt sprach davon, und 
etzt schlich man davon, wie aus einem Trauerhaus 
Das kam alles von der unglückseligen Wahl, di— 
Marianne getroffen. 
„Nicht Wohltat — Pflicht. Empörend! Das 
Motio allein hätte bei mir für den Pavierkorb ge— 
langt, meinte Großpapa Moseli. 
(Fortsetzung folgt.) 
Schlecht WMetter 
ie war gang außergewöhnlich verwöhnt, die 
schone Juͤlie Rawolt, als damals der Druckerei— 
besitzer Klerk ihre Hand begehrte. Als einsige 
Tochter des reichen Fabrikanten, der fünfgehn 
zimmer bewohnte und Frau und Tochter so oft ver— 
isen ließ, als es ihnen nur paßte, hatte sie von „Ein⸗ 
Hränken“ und „berechnet Leben“ nicht viel kennen ge⸗ 
ernt. Jeder ihrer vielen Wünsche war fast Befehl 
m Haus, und niemals hatte ein Nein ihr die gute 
raune getrübt ... 
Sie war ein vom Schicksal verwöhnter Mensch, 
ind ihre ungewöhnliche Schönheit krönte dieses benei— 
denswerte Dasein. 
Es war ihr deshalb auch nicht leicht geworden, 
zie Bewerbung des kleinen, sehr dicken Herrn Klerk 
inzunehmen. Sie überragte ihn fast um Kopfes— 
äuge, und was sie sich einst vom stolgzen und ele— 
janten Auftreten mit ihrem Gatten zusammen er— 
räumt, das wandelte sich eigentlich ins Komische ... 
ind fast sogar ins Groteskte. Nur eine unendlich 
iebenswürdige Gutmütigkeit strahlte aus seinen 
reuen Augen und den weichen Zügen seines Gefsichts. 
And das nahm für ihn ein, das machte ihn beliebt 
ind angenehm im ageielligen Kreise. aber als 
Batten ...... 
Julie hatte bei dem Gedanken zuerst recht herz⸗ 
ich gelacht. Selbst als man stärker in sie drang, als 
naͤn sie ermunterte, Herrn Klerk freundlicher und 
ernster zu begegnen, hatte sie noch immer den Kopf 
geschüttelt, so . . als könnte es gar nicht mög— 
ich sein. 
Doch das war in jener Zeit, als ihres Vaters 
daar wie über Nacht grau geworden war. Als die 
veiten Säle der prunkvollen Wohnung immer leerer 
ind leerer wurden, als die geschniegelten Offiziere, 
ie untadeligen Assessoren fern blieben, und nach dem 
ebhaften Trubel all der Jahre vorher sich langsam 
sinsamkeit und Eintönigkeit breit machte. 
„Der Vater ist etwas leidend,“ sagte damals 
die Mutter, „er muß sich schoönen! Die Fabrik er— 
fordert zuviel Arbeit und Anstrengung . . . . Er 
nuß Ruhe haben — —“ 
Auch die Mutter war damals bleich und ernst, 
und oft fah Julie sie mit dem Vater heimlich sprechen, 
— 
sich ermutigend zunickten: 
„Es wird schon besser werden!“ 
Und: „Glaubst du?“ fragte dann der Vater zu— 
ück. „Wenn du es glaubst, dann habe auch ich Ver— 
Tauen, denn du hast mir zeitlebens gut geraten.“ 
Julie glaubte noch immer, es bezöge sich das 
illes auf das Leiden des Vaters. Sie sah ja, wie 
r jetzt arbeitete. Selbst in seiner Erholungszeit kamen 
die Herren zu ihm, und in dem vorderen Herren— 
zimmer überlegten und rechneten sie dann — offt 
zis in die tiefe Nacht hinein. 
Daß der Vater bei diesem Leben voll Arbeit 
ktuhe brauchte, leuchtete Julie ein, so sehr ihr Herz 
auch am Vergnügen, an der Zerstreuung hing. Als 
zie Gewohnheit erst Platz gegriffen, murrte sie nicht 
nehr gegen das neue Daäasein, sondern nahm es, 
wie es gerade war. Die Herren, die nach den 
heschäften hinüber ins Wohngzimmer kamen, brachten 
oviel nene Ideen, soviel ernste Gedanken mit, daß 
s der schönen Julie oft schien, als wären ihre Ge— 
präche doch interessanter als all das, was die jungen 
herren auf Bällen und Gesellschaften mit ihr ge— 
prochen hatten. 
Freilich — mitunter fehlten sie ihr doch, besonders 
venn Herr Klerk, der als eingiger mit in das 
ieue Leben gekommen war, mit ihr von den ver— 
zangenen, tollen Jahren sprach. 
Er that es aus gutem Herzen, um sie aufzu— 
jeitern und zu zerstreuen, sie aber nahm die Gedanken 
in ihr stilles Rimmer und hing ihnen nicht ohne 
Vehmut, nach. Schön war es ja damals doch — 
iber wohin war das alles entschwunden! Wo waren 
bie Menschen geblieben, die sie damals umschwärmt, 
die ihr den Hof gemacht und die gewetteifert hatten, 
ich in ihrer Gunst zu befestigen? 
Verschwunden! 
Kaum daß sie einen einmal auf der Straße 
raf. Dann sprachen sie wohl wenige Worte oder 
früßten nur ... sonst blieb alles wie es war. 
Damals erwog die Mutter zum erstenmal eine 
deirat mit Klerk. Denn daß er für die schöne Julie 
ine tiefe und ernste Neigung fühlte, sah man 
einem Benehmen an. Seine Besuüche wurden häufiger 
ind dauerten länger, seine Aufmerksamkeiten wuchsen 
nit jedem Mal, und wenn er mit Julie sprach, dann 
ah man förmlich, wie seine Augen aufleuchteten. 
„Er ist ein guter Mensch, Julchen,“ sagte die 
MNutier. „Jede Frau könnte mit ihm glücklich, könnte 
tolz auf ihn sein!“ 
Sehr ernst blickte Julie die Mutter plötzlich an. 
„Haͤt er mit euch etwa gesprochen?“ 
Die Mutter bewegte den Kopf langsam hin und 
her. „Nicht mit einer Silbel“ 
„Ja, aber . .. — wie kommst du denn darauf?“ 
Wir haben dein Glück im Auge, Kind ...“ 
„Ihr?! — Der Vater auch?!“ 
Da floa es wie helle Freude über das Antlitz der 
Mutter. 
„Ja, dein Vater auch! Er schätzt wohl keinen 
Nenschen höher in der Welt als diesen kleinen Herrn 
dlerk. Es giebt wohl nichts in seinem Leben, was 
xnicht mit ihm bespricht. — Aber wir wollen dich 
ucht drängen, Kind. Solange du magst: .. wir 
verden dich stets gern um uns haben!l“ 
Und wirklich — nicht ein Wort mehr, wurde über 
iese Angelegenheit gesprochen, doch Juliens Augen 
varen klar und hell geworden. Sie beobachtete jetzt 
nehr als früher, und sie merkte bald, wie sehr ihre 
ztern an dem „dicken Drucker“ hingen. Besonders 
er Vater. Wenn die Uhr des Abends acht schlug. 
ann ging er schon unruhig guf und ab. Wenn 
Sonntaͤgs das Mittagbrot gegessen war und er sich 
ie knappe halbe Stunde Schlaf gönnte, dann mahnte 
rschon immer: „Weckt mich, wenn Herr Klerk 
omuint!“ Und mochte seine Stimmung noch so trübe 
ein — bei Klerks Eintritt wurde er wieder heiter 
sind wenn er dann aus dem Herrenzimmer zurück— 
am, konnte er sogar lachen und fröhlich scheraen, 
vie damals, in jener schönen Zeit ... 
Julie freute sich zwar aus vollfter Seele darüber, 
iber nach den Worten ihrer Mutter krampfte sich 
sabei doch oft etwas in ihr zusammen. Sollte das 
die Erfüllung ihrer Träume sein, sollten so ibhre 
doffnungen endigen? 
Doch der schöne, stattliche Mann, an dessen Seit« 
sie durchs Leben wandeln wollte, er kam nicht ... 
Und eines Tages ... fragte sie Herr Klerk — — 
Sie saßen beide allein im Zimmer. Der Vater 
chlief, und die Mutter war in der Wirischaft be— 
chäftigt. 
Da spräch er von ihrem Vater, wie er sich erholt 
sätte, wie er munter und frisch geworden wäre und 
vie glücklich ihn das mache ——, 
Wir danken es ia Ihnen,“ sagte Julie ver— 
bindlich. 
„Mir?“ Er lehnte es lächelnd ab. „Mir nicht 
Ihrex Mutter und Ihnen dankt er es. Daß Sie ihm 
eide die Aenderung hier im Haus erleichtert haben, 
ind daß Sie fröhlich und zufrieden dabei geblieben.“ 
Und langsam kam er dann auf sich, auf seine 
ßläne zu sprechen ... 
Und es fiel das Wort, vor dem Julie in den 
letzten Wochen so sehr gebangt .. 
Und er kleidete es in eine feine Form. 
„— — Ich weiß ja, daß meine Person gegen 
die Ihre nur wenig gelten kann. Sie sind schön, 
liebenswürdig und gewändt, ich — —“ er zuckte mit den 
Achseln. „Doch ich kann's nicht ändern. Aber ich 
vill mein ganzes Leben nur dem Ihren widmen 
vill alles thun, was Ihnen Schatten und Nebel ver— 
hindern kann, will keinen andern Gedanken haben, 
ils Sie glücklich zu machen! Nur — willigen Sie 
»in! Nur — nehmen Sie mich zum Mannl“ 
Sie wurde dunkelrot bei seinen Worten und 
rührte sich kaum. 
Als er das sah, fuhr er schnell fort, doch in seiner 
Rede klang der liebevolle Ton harmonisch weiter: 
„Sie follen mir nicht gleich antworten. Sie 
sollen es sich überlegen. Ich will geduldig warten .. 
bis Sie selbst mir ein kleines Zeichen geben — —:“ 
Da reichte sie ihm dankbar die kalte, bebende 
Zand und stand von ihrem Sitze auf. Sein Vor— 
schlag war ihr eine Erleichterung. 
Doch noch ein volles Jahr verging, bis sie das 
Zeichen ihm gab. Ihre Eltern hatten die große 
Wohnung und einen Teil ihrer Einrichtung auf— 
zegeben, sie hatten ein kleines Quartier bezogen, und 
einsamer noch, stiller fast als früher spielte sich jetzt 
ihr Leben ab. Nur Herr Klerk kam immer noch. 
Er hatte ihnen beim Umzug und der Neueinrichtung 
geholfen, als verstände es sich von selbst, aber Dant 
halte er nicht genommen. Man sah ja, daß es ihm 
Freude machte ... 
Auch von seinem Wunsche sprach er niemals 
wieder, nur seine stete Zärtlichkeit im Verkehr, die 
ließ ihn durchblicken. 
Und da — an Juliens Geburtstag war es, als 
er mit feinem Zartgefühl ein kleines Fest, ihr zu 
Ehren, arrangiert hatte — da war's, daß sie beim 
Abschied eine Rose von ihrer Brust genommen und 
ie ihm errötend gegeben ... 
Und er hatte ganz leise gefraat: „Ist das . .. das 
Zeichen?“ 
Sie nickte nur. „Kommen Sie doch morgen 
vieder!“ war ihre leise, bittende Antwort — — — 
— — Wie kam's, daß sie doch heute wieder an 
das alles denken mußte! Vom Himmel fiel in 
Strömen der schwere Regen, die Wolken jagten und 
der Sturm peitfschte die See, daß üie sich in wildem 
Bogen aufbäumte. 
Sie hatte sich so sehr auf diesen Aufenthalt in 
Abagzia gefreut. Es schien ihr, als müßte mit der 
Ortsveränderung auch die alte Lust und Fröhlichkeit 
vieder über sie kommen, die ihre Mädchenjahre so 
ehr erhellt. 
Und nun regnete es, regnete ... daß sie fast 
oerzweifeln konnte! 
Mit ihr das Zimmer und die breite, angeschlossene 
Terrasse teilte Klerk, seit vier Jahren nun ihr 
Batte . 
In stiller Teilnahme und Geschäftigkeit ging er 
um sie herum, nur immer bemüht, ihr Leben zu 
verschönen. 
„Soll ich dir Bücher holen, Julie — drüben 
aus der Bibliothek?“ 
„Es regnet .. du kannst ja nicht hinaus!“ 
„O . . ich nehme meinen großen Mantel, und 
die wenigen Schritte — —“ Er war schon fast zum 
Ausgehen fertig. 
Aber sie ließ es nicht zu. „Nein, nein,“ rief sie 
schnell, „ich mag auch nicht lesfen. Meine Augen 
sind schon müd'.“ 
Und wieder stand er besorgt vor ihr. „Dein— 
Augen? Sie sind doch nicht krank, Julie?“ 
„Nein, nein,“ gab sie, jetzt schon etwas gereigt 
zurück, „nur dieses ewig schlechte Wetter, es macht 
einen nervös, es spannt so ab — —“ 
Man sah Herrn Klerk die Hilflosigkeit an .. 
Schade,“ faͤgte er nach einem Weilchen, „Theaten
	        

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