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Berliner Architekturwelt (Public Domain) Ausgabe 12.1910 (Public Domain)

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Bibliographic data

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1901, X. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Periodical

Title:
Berliner Adreßbuch : für das Jahr ... : unter Benutzung amtlicher Quellen
Publication:
Berlin: Scherl 1943
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2002
Dates of Publication:
1903-1943
ZDB-ID:
2846408-4 ZDB
Previous Title:
Adressbuch für Berlin und seine Vororte
Succeeding Title:
Branchen-Adressbuch für Berlin
Keywords:
Berlin ; Adressbuch
Berlin:
B 6 Allgemeines: Adressbücher
DDC Group:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
Collection:
Berlin Address Directories
Berlinerinnen,Berliner
Address Directories 1900-1924
Address Directories 1925-1943
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1920
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2002
Berlin:
B 6 Allgemeines: Adressbücher
DDC Group:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
914.3 Geografie, Reisen (Deutschland)
943 Geschichte Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-3294742
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
PDF-Download nur von Einzelseiten
Collection:
Berlin Address Directories
Address Directories 1900-1924
Berlinerinnen,Berliner

Chapter

Title:
I. Einwohner Berlins und seiner Vororte

Chapter

Title:
G

Chapter

Title:
Ga

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1901, X. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Nr. 1, 6. Januar 1901
  • Nr. 2, 13. Januar 1901
  • Nr. 3, 20. Januar 1901
  • Nr. 4, 27. Januar 1901
  • Nr. 5, 3. Februar 1901
  • Nr. 6, 10. Februar 1901
  • Nr. 7, 17. Februar 1901
  • Nr. 8, 24. Februar 1901
  • Nr. 9, 3. März 1901
  • Nr. 10, 10. März 1901
  • Nr. 11, 17. März 1901
  • Nr. 12, 24. März 1901
  • Nr. 13, 31. März 1901
  • Nr. 14, 7. April 1901
  • Nr. 15, 14. April 1901
  • Nr. 16, 21. April 1901
  • Nr. 17, 28. April 1901
  • Nr. 18, 5. Mai 1901
  • Nr. 19, 12. Mai 1901
  • Nr. 20, 19. Mai 1901
  • Nr. 21, 26. Mai 1901
  • Nr. 22, 2. Juni 1901
  • Nr. 23, 9. Juni 1901
  • Nr. 24, 16. Juni 1901
  • Nr. 25, 23. Juni 1901
  • Nr. 26, 30. Juni 1901
  • Nr. 27, 7.Juli 1901
  • Nr. 28, 14. Juli 1901
  • Nr. 29, 21. Juli 1901
  • Nr. 30, 28. Juli 1901
  • Nr. 31, 4. August 1901
  • Nr. 32, 11. August 1901
  • Nr. 33, 18. August 1901
  • Nr. 34, 25. August 1901
  • Nr. 35, 1. September 1901
  • Nr. 36, 8. September 1901
  • Nr. 37, 15. September 1901
  • Nr. 38, 22. September 1901
  • Nr. 39, 29. September 1901
  • Nr. 40, 6. Oktober 1901
  • Nr. 41, 13. Oktober 1901
  • Nr. 42, 20. Oktober 1901
  • Nr. 43, 27. Oktober 1901
  • Nr. 44, 3. November 1901
  • Nr. 45, 10. November 1901
  • Nr. 46, 17. November 1901
  • Nr. 47, 24. November 1901
  • Nr. 48, 1. Dezember 1901
  • Nr. 49, 8. Dezember 1901
  • Nr. 50, 15. Dezember 1901
  • Nr. 51, 22. Dezember 1901
  • Nr. 52, 29. Dezember 1901
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Full text

r 
damen in, dem angenehmen Kreise eine merkliche Lücke 
niflanden.“ I 
nissan Sie natürlich schmerzlich empfunden haben, 
varf Tatiana ironisch ein. 
Schmerzlich nicht, aber unliebsam,“ meinte er 
——— wahrend sein Blick die Gestalt Weras 
srefte. Die vielen geschäftlichen Schmerzen lassen 
ndere garnicht aufkommen.“ 
Jesm gefiel die Autwort außerordentlich. „So ist 
z recht,“ rief er, gut, gelaunt, „das Geschäft muß 
Nimer die Hauptsache bleiben. Nun, Andrei Pawlowitsch, 
nn was handelt es sich?“ — 
üm“ eiwas Augenehmes. Unser ständiger Ver⸗ 
reter in Hankow telegraphierte unter sofortiger Rück— 
ntwort, daß er zufällig, fünftausend Pikul Galgant 
saufen könne; wir haben in der Erwartung, in Ihnen 
inen bereitwilligen Abnehmer zu finden, zZustimmende 
Drdre gegeben. Der Posten steht, wenn Sie wünschen 
n Odessa zu Ihrer Verfügung. 
Fefim hätte vor Freude laut aufiubeln mögen, 
aber Ler bezwang sich und gab seinem Gesicht den 
Ausdruck aufrichtigen Bedauerns. „Leider kann ich 
hon Ihrem Anerbieten keinen Gebrauch machen,“ sagte 
er gleichmuütig, „ich bin noch überreich versorgt — nicht 
ein Pud kann ich unterbringen, mein Lager ist voll bis 
oben!“ 
Um den Mund des Proburisten legte sich ein kaum 
merklicher Zug des Spottes. „Dann sind Sie be— 
eidenswert,“ erwiderte er ruhig, „denn alle Ihre Kon— 
rrenten jammern über den Mangel an Galgant. 
daß wir, obwohl unser Hauptgeschäft Thee ist, Ordre 
jegeben haben, geschah lediglich in der Absicht, Ihnen, 
unserem aͤltesten Kunden, eine Gefälligkeit zu erweisen. 
Sie wissen doch, Galgant gehört sonst nicht zu unsexen 
Ärtikeln. Wir werden also den Posten Alapin &Co. 
in Moskau anbieten, der froh sein wird, wenn er unter 
den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen ein Quan— 
um erlangen kann.“ 
gefim zuckte leicht zusammen, denn der Name 
seines schärfsten Konkurrenten pflegte auf ihn zu wirken 
wie das rote Tuch auf den Stier. Er fühlte, daß er 
zu weit gegangen war und fuchte so gut als möglich 
einzulenken. „Nun ja,“ warf er möglichst nachlaäͤssig 
hin, „wenn Sie den Preis billig stellen, will ich auf 
das Geschäft eingehen, obgleich mir eigentlich nichts 
an ihm gelegen ist.“ 
„Nein, Jefim Fedorowitsch,“ lachte der Prokurist, 
„aufdrängen wollen wir Ihnen die Ware nicht. Wie 
jesagt, Abnehmer sind genug vorhanden. Ihuen eine 
UÜnbequemlichkeit auch nur der leisesten Art zu bereiten, 
liegt unserer Firma durchaus fern.“ 
„Ach was, Unbequemlichkeit,“ rief Jefim. „Man 
st sich ja gern gefällig, nur müssen Sie mäßig rechnen— 
Also, wie stellt sich ein Pikul?“ 
Auf sieben Rubel frei Odessa!“ 
Jefim that, als ob der Himmel einstürze. Er 
and den Preis fürchterlich hoch, während, ihn Adrei 
bPawlowitsch für sehr gering erklärte. Ein langes 
dandeln begann, ohne daß der Prokurist auch nur 
ine einzige Kopeke abgelassen hätte. „Sie wissen,“ 
sagte er bestimnmt, „daß wir die Preise gleich von An— 
tang an so stellen, um sie mit unseren eigenen Inter— 
essen und denen unserer Kunden vereinigen zu koönnen. 
Und dJefim sah sich schließlich gezwungen, die sieben 
Rubel zu bewilligen. Im stillen war er über den 
Abschluß sehr, vergnügt, während er laut das Geschäft 
als eins der schlechtesten bezeichnete, das er je gemacht 
habe. Aber als ihn Andrei Drewise kalt lächelnd 
insah, merkte er, daß seine Klagen ihren gut ver⸗ 
fsehlten. Er hatte, das fühlte er, in dem Prokuristen 
einen geschäftskundigen Mann gefunden, der ihm eben⸗ 
hürtig, wär; aber mit dem Nerger uͤber die kleine 
Niederlage verband sich eine — Bewunderung der 
kaufmännischen Tüchtigkeit des Gastes. Die Gerechtig⸗ 
teit zwang ihn, diesen Vorzug anzuerkennen. Einen 
Moment schloß er, wie abwesend, die Augen. Wie 
schön wäre es gewesen, wenn das Schicksal ihm einen 
tolchen energischen, festen und sachkundigen Mann als 
—An 
er hatte keinen Sohn! Fluch über diesen Menschen, 
der einst sein Sohn gewesen! Es stahl sich etwas 
Feuchtes in seinen Blick, daß er schnell mit der Hand 
nach oben fahren mußte. Nur gut, daß keiner die Be— 
wegung bemerkt hatte. Sie waren ja alle in lebhafter 
Unterhaältung mit, Andrei Pawlowitsch begriffen, und 
besonders konnte sich Wera nicht genug thun, die alten 
Mostauer Erinnerungen aufzufrischen. 
zSagen Sie, was macht Dmitry Kalussoff?“ 
fragte sie neugierig. „Spricht er noch immer so 
romantisch wie früher?“ 
„Ich bin selten mit ihm zusammen gekommen,“ 
ächelte der Gast, „denn zu den hohen Regionen, in 
denen er sich stets bewegt, vermag ich nicht zu folgen. 
Nun, Sie kennen ihn ja zur Genüge; jeder Satz ist 
bei ihm eine Phrase.“ 
Das begreife ich nicht,“ mischte sich Tatiana leb⸗ 
haft ins Gespräch. „Auf mich hat er stets den Ein— 
druck eines kenntnisreichen Mannes gemacht, der leider 
nicht das Glück hatte, überall das rechte Verständnis 
zu finden.“ Ihre Augen blitzten bei diesen Worten so 
seurig, und ihre ganze Haltung verriet eine solche 
deidenschaftlichkeit, daß Wera stutzte und Andrei Paw⸗ 
lowitschebegütigend „Verzeihung, ich wollte nur 
iagen, daß er kein Geschäftsmann ist, obwohl es besser 
waͤre, wenn er sich dieses Vorzuges rühmen könnte.“ 
Der Geschaͤftsmann macht doch nicht den Menschen,“ 
Berliner Mustrirte Zeitung 
utgegnete sie mit unverminderter Heftigkeit. „Es, wärt 
raurig in der Welt bestellt, wenn jeder nur nach seiner 
aufmaͤnnischen Veranlagung beurteilt würde. Das 
veiß ich jedenfalls, daß Dmity Kalussoff in unserem 
dreise stets ein belebendes Element gewesen ist und 
nanche anderen Herren völlig in den Schatten ge— 
tellt hat.“ 
Sie empfand es als eine Wohlthat, mit diesen 
Vorten für Dmitry eintreten zu können. Ihn bei 
olchen Angriffen unverteidigt lafsen — nein, das sollte 
tie und nimmer geschehen, mochte auch ihr Geheimnis 
w den Tag kommen und ihr das arößte Unalück wider⸗ 
ahren. 
Ueber das Gesicht des Prokuristen flog ein Schimmer 
on Unmut, aber er behielt seine kühle Ruhe bei. 
Einem Ahwesenden Uehles nachzureden, Tatiang 
defimowna,“ sagte er höflich, „ist nicht meine Art. 
Aber ein Urteil über Dmitry Kalussoff darf ich wohl 
hne Bedenken abgeben, nachdem ich in Gegenwart des 
zerrn nie mit meinen Ansichten über seine phantastischen 
edensarten zurückgehalten habe. Ich tadle sein Be— 
treben, sich für einen ausgezeichneten, kenntnisreichen 
ind erfahrenen Kaufmann auszugeben, während er 
elbst sehr Dnen weiß, daß er in seinem Berufe eine 
sull ist. Das Talent eines Schauspielers mag auf 
er Bühne sehr erfreulich sein, aber im gewöhnlichen 
ürgerlichen und noch dazu im kaufmännischen Leben 
egegnet man ihm nicht gern. Wie wenig Erfolg 
Dmtry Kalussoff mit seinem hohen Gedankenfluge hat, 
jeht am besten daraus hervor, daß seine geschäftlichen 
ßerlegenheiten von Tag zu Tag wachsen.“ 
Jefim war auf die Unterhaltung aufmerksam ge⸗ 
vorden. Daß seine Tochter so lebhaft für Kalussoff ein⸗ 
rat, bereitete ihm das größte Unbehagen. Sofort 
nußte er wieder an feine Halluzination denken und 
ich fragen, ob er nicht die pure Wirklichkeit erlebt 
sabe. Als Tatiana sogar von Mißgunst sprach, der 
edeutende Menschen fast immer ausgesetzt seien, konnte 
r sich nicht enthalten, ihr ärgerlich in die Rede zu fallen. 
Ach was“, rief er laut, „er ist kein bedeutender 
Nensch, sondern ein aufgeblasener, und, leichtsinniger 
Flaneur, der sich schämen sollte! Andrei Pawlowitsch 
at völlig recht, wenn er ihn für eine Null hält. 
Väre nicht sein Bruder Jury ein fleißiger Mann, ich 
diun längst mit der Firma Gebrüder Kalussow ge⸗ 
rochen.“ 
Eine peinliche Pause war entstanden. Mit Mühe 
sielt Tatiana ihre Thränen zurück, während der, Pro— 
urist uͤnbemerkt ihr Mienenspiel beobachtete. „Kalussoff 
jat auf sie tiefen Eindruck gemacht“, dachte er, -mich 
vundert nur, daß ihre Angehörigen nichts davon be— 
nerken. Man müßte warnen, einem solchen 
harakterlosen Menschen zu vertrauen. Ihre Schwester 
st bei weitem vernünftiger und praktischer; sie ist für 
ohrasen nicht empfänglich und hat den edlen Dmitry 
enügend erkannt.“ Unwillkürlich glitt sein Blick nach 
Veraͤ hinüber; er begegnete ihren glänzenden Augen, 
ie mit Interesse auf ihm ruhten. Sie errötete leicht 
ind senkle ein wenig das Haupt, um ihre Verlegenheit 
u verbergen. Das waren noch dieselben freundlichen, 
ieben die ihn wesentlich zuin Besuche des 
zraksin'schen Kreises bewogen hatten, und sie schienen 
uch noch immer der Spiegel desselben frischen und 
atürlichen Empfindens zü sein, das ihm damals 
wischen all dem unfruchtbaren Sande wie ein er—⸗ 
uickender, klarer Brunnen entgegengeströmt war. 
vollte er sich ein offenes Geständnis ablegen, so mußte 
rzugeben, daß ihn jetzt nicht nur das geschäftliche 
znleresse in Jefim Godunows Haus geführt hatte, 
ondern auch die Hoffnung, Wera wiederzusehen. 
Freundlich mahnte ihn die Hausfrau, den Thee 
ind die Ssakuski nicht zu verschmähen, während Jefim 
ie Magerkeit des Imbisses scherzend mit den Faster 
ntschuldigte. 
„Sie als Deutscher werden unseren Fasten nicht 
ehr hold sein“, meinte lächelnd Alexandra Michgilowna, 
aber Sie müssen mit den Wölfen heulen.“ Und 
zefim erkühnte sich zu der Bemerkung, daß die Deutschen 
n‚ahrscheinlich ohne Fasten ebenso gut in den Himmel 
elangten, und daß er, wenn er nicht Russe und Mit— 
lied der orthodoxen Kirche wäre, auch nicht fasten 
oürde. Andrei Pawlowitsch aber erklaͤrte unter allgemeiner 
Fitertein daß er ein ebenso guter Russe wie die 
odunows sei, denn seine Vaterstadt sei Riga, sein 
zater Arzt in Dorpat und seine Mutter eine wasch— 
chte Russin, in der nicht ein Tropfen deutschen 
Zlutes kreise. 
„Sind Sie auch von unserem Glauben?“ frac 
Jefim gespannt. 
„Natürlich“, gab er 
zur Antwort, „denn ge⸗— 
sört die Heutler zur 
rthodoxen Kirche, so 
nüssen die Kinder, mag 
iuch der Vater ein 
Indersgläubiger sein, 
aut gesetzlicher Bestim⸗ 
nung im Bekenntnis der 
Mutler erzogen werden.“ 
„Gott sei Dank“, 
vollte Jefim ausrufen, 
ber er hielt inne, da ihm 
iese Kuͤndgebung seines 
Zeifalls im Hinblick auf 
eine Töchter zu viel⸗— 
agend erschien. 
Die Unterhaltung wurde immer lebendiger, ob⸗ 
oohl Tatiana sich wenig an ihr beteiligte. Um so ge⸗ 
prächiger war Wera, die besonders von dem bevor⸗ 
lehenden Bazar nicht genug zu erzählen wußte und 
ebhaft bedauerte, daß, Andrei Pawlowitsch schon vor 
»er Eröffnung nach Moskau zurückkehre. Jefim sprach 
von der Messe in VNischni, die er selbstverstündlich be— 
uchen werde, und Andrei Pawlowitsch teilte mit, daß 
r sehr wahrfscheinlich zur Vertretung seines Hauses eben⸗ 
alls nach Nischni reise. Dann sprach man von Finn— 
and und von der Berechtigung, mit den Sonderrechten 
afelbst aufzuräumen und das Land dem Reiche voll⸗ 
ommen zu assimilieren. Der eine lobte das energische 
dorgehen der Regierung über die Maßen, der andere 
ber verlangte, damit das Stammesgefühl der Finnen 
ticht allzu sußr verletzt werde, einen weniger gewalt— 
amen Assimilationsprozeß. 
Das Wasser brodelte lustig im Ssamowar, aus 
essen durchbrochenem Becken die Holzkohlen gleich 
lühenden Augen funkelten. Immer aufs neue füllte 
Vela die geleerten Gläser mit dampfendem Thee, fein 
eschnittene Citronenscheibchen hinzufügend, und 
mermüdlich sandten die Herren und Alexandra 
Nichalowna feine Rauchwolken aus den trefflich 
uftenden Papyros zur Decke. Als endlich die Wand— 
ihr mit tiefen melodischen Schlägen die elfte Stunde 
ündete, wunderte sich mit Ausnahme Tatianas jeder 
iber die außerordentliche Schnelligkeit, mit der die 
Zeit dahingeschwunden war. 
Es war ein Abschied, der durchaus nicht erkennen 
ieß, daß der Besuch geschäftlichen Zwecken gegolten 
atte. Jefim und seine Gattin gestanden sich, nie ein 
olches Behagen empfunden zu haben wie an dieseni 
Ibend. Weig aber, vor deren Augen noch immer die 
ympathische Gestalt des Gastes stand, hörte die bei— 
illigen Aeußerungen der Eltern mit geheimer Freude. 
Ja, sie liebte Andrei Pawlowitsch, sie hatte 
mmer an ihn gedacht, die ganze Zeit hindurch, die seit 
hrem Moskquer Aufenthalie verflossen war, und sie 
atte sich unaufhörlich gefehnt, ihn wiederzusehen. Am 
iebsten wäre sie der Mutter um den Hals gefallen 
ind hätte ihr anvertraut, was sie bewegte und hätte 
hr leise gestäuden, daß ihr Glück nur allein in ihm 
zeruhe. Aber das ging ja nicht an. — — 
„Wer weiß“, dachte sie, „ob er von denselben 
fmpfindungen beseelt ist. ...“ 
Schweigend gingen Wera und Tatiana zu ihren 
Zzimmern hinauf. Wirkliches Vertrauen hatte zwischen 
seiden nie bestanden; im tiefsten Wesen waren sie sich 
remd geblieben. Besonders Tatiana zeigte eine Ver— 
chlossenheit, die auf die jüngere Schwester stets 
rkältend gewirkt hatte. 
Nie hatte Wera dieses kühle Verhältnis so bitter 
mpfunden wie gerade jetzt, da sich ihr Herz nach Mit— 
eilung sehnte. Als sie das unverhohlene Leid im 
Antlitz Tatianas wahrnahm, wallte ihr Empfinden 
iber; sie breitete die Arme aus und zog die Trauernde 
ärtlich an sich— 
„Sprich,“ flüsterte sie, „du hast Kummer, dich quält 
twas, erleichtere dich von dem Drucke, der auf dir 
astet. Sieh, ich will dir auch vertrauen, indem ich 
Ehstehe, baß ich Andrei Pawlowitsch innig, innig 
iebe. 
Die starre Rinde löste sich endlich: Tatianas Kopf 
ank an die Brust der Schöester, ein krampfhaftes 
Schluchzen brach sich Bahn, Thränen stürzten aus ihren 
Jugen ud über ihre Lippen kam der Name „Dmitry 
dalussoff. 
„Du liebst Dmitry Kalussoff?“ rief Wera er— 
ichreckt aus. 
„Ja, ihn, den ihr alle verkennt, — ihn, der hundert— 
tauseinnd Mal besser ist als sein Ruf, — ihn, der an 
— 
30 
—— 
— 
7
	        

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