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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1902, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Bibliographic data

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1902, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Periodical

Title:
Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg : auf das Jahr ... / aus amtlichen Quellen zusammengestellt durch J. A. Bünger
Publication:
Berlin: Hayn 1872
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2002
ZDB-ID:
2939648-7 ZDB
Previous Title:
Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Berlin und Umgebungen
Keywords:
Berlin ; Adressbuch
Berlin:
B 6 Allgemeines: Adressbücher
DDC Group:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
Collection:
Berlin Address Directories
Berlinerinnen,Berliner
Address Directories 1850-1874
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1863
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2002
Berlin:
B 6 Allgemeines: Adressbücher
DDC Group:
920 Biografie, Genealogie, Heraldik
914.3 Geografie, Reisen (Deutschland)
943 Geschichte Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-125950
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
Berlin Address Directories
Address Directories 1850-1874
Berlinerinnen,Berliner

Title page

Title:
Allgemeiner Wohnungs= Anzeiger nebst Adreß= und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg auf das Jahr 1863

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1902, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Landesarchiv Berlin
  • Nr. 1, 5. Januar 1902
  • Nr. 2, 12. Januar 1902
  • Nr. 3, 19. Januar 1902
  • Nr. 4, 26. Januar 1902
  • Nr. 5, 2. Februar 1902
  • Nr. 6, 9. Februar 1902
  • Nr. 7, 16. Februar 1902
  • Nr. 8, 25. Februar 1902
  • Nr. 9, 2. März 1902
  • Nr. 10, 9. März 1902
  • Nr. 11, 16. März 1902
  • Nr. 12, 28. März 1902
  • Nr. 13, 30. März 1902
  • Nr. 14, 6. April 1902
  • Nr. 15, 13. April 1902
  • Nr. 16, 20. April 1902
  • Nr. 17, 27. April 1902
  • Nr. 18, 4. Mai 1902
  • Nr. 19, 11. Mai 1902
  • Nr. 20, 18. Mai 1902
  • Nr. 21, 25. Mai 1902
  • Nr. 22, 1. Juni 1902
  • Nr. 23, 8. Juni 1902
  • Nr. 24, 15. Juni 1902
  • Nr. 25, 22. Juni 1902
  • Nr. 26, 29. Juni 1902
  • Nr. 27, 6. Juli 1902
  • Nr. 28, . Juli 1902
  • Nr. 29, 20. Juli 1902
  • Nr. 30, 27. Juli 1902
  • Nr. 31, 3. August 1902
  • Nr. 32, 10. August 1902
  • Nr. 33, 17. August 1902
  • Nr. 34, 24. August 1902
  • Nr. 35, 31. August 1902
  • Nr. 36, 7. September 1902
  • Nr. 37, 14. September 1902
  • Nr. 38, 21. September 1902
  • Nr. 39, 28. September 1902
  • Nr. 40, 5. Oktober 1902
  • Nr. 41, 12. Oktober 1902
  • Nr. 42, 19. Oktober 1902
  • Nr. 43, 26. Oktober 1902
  • Nr. 44, 2. November 1902
  • Nr. 45, 9. November 1902
  • Nr. 46, 16. November 1902
  • Nr. 47, 23. November 1902
  • Nr. 48, 30. November 1902
  • Nr. 49, 7. Dezember 1902
  • Nr. 50, 14. Dezember 1902
  • Nr. 51, 21. Dezember 1902
  • Nr. 52, 28. Dezember 1902
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Full text

346 
mit Ihrer Frau von verreisen sprach. Maännliche 
Stimmen sind genug an Ihrem Bett ldaut geworden. 
Ihre beiden Kutscher waren ja hier, Sollte es da 
—— daß das Wort verreisen in 
irgend einer Beziehung gefallen ist. Wir leben ja 
gerade in der Reisezeit. Also, Sie wollen etwas von 
Tristian und FJfolde gehört, haben. Ihr Nebenbuhler 
dabe davon gesprochen, Und von vielen anderen 
Dingen noch.“ Mein Gott — wie oft habe, ich schon 
vn Sachen deträumt, die wieder Dinge ins Gedaͤchtnis 
oͤrachten, die ich schon vorher erlebt hatte. Oder auch 
mgekehrt. Jeder Laie wird Ihnen das bestätigen. 
Habe ich nicht recht?“ F 
Diesmal nickle ich höflich zur Bestätigung. Schopp 
fuhr eifrig fort: „Sie wollen Heliotropduft gerochen 
haben, der nie bei Ihnen im Hause gewesen sei. Auch 
das hat sich aufgellärt. Und nun kommt der Humor 
hon der Sache; Aus diesem Mischmasch von Gesprächs- 
hrocken ünd Teischen von Vorgängen und Gehör— 
laͤufchungen, Traumempfindungen, Schlafhallucina— 
rionen, — von allerlei Stimmen, die ja zum 
Teil an Ihr Ohr gedrungen sein mögen — ich, will 
es gar nicht bestreiten — mit einem Worte; aus diesem 
ganzen kataleptischen Wahrnehmungswust, der noch gar 
dicht einmal erwiesen ist, — da bauen Sie eine 
Familientragödie auf, ohne irgend welchen plastischen 
Beweis. Denn wo ist er denn eigentlich? Sagen Sie 
es mir doch!“ 
Und als ich schwieg, eifserte er weiter: „Meine 
Diagnose lautet: Wahnvorstellungen, die Sie mit 
Hewalt bezwingen müssen. Meinetwegen auch eine 
Jarmlose, fixe Idee, die aber schon bedenklich aus— 
Feartet ist, wenn Sie Ihre liebe Frau tyrannisieren. 
Sie wollen jemand zum Geständnis bringen, der die 
That nicht begangen hat. Das ist Selbstfrevel. Sie be— 
reiten sich selbst Schmerzen, indem Sie Ihrem lieben 
Weibchen auf solche Art wehe thun. Zehn Jahre sind 
Sie verheiratet, und immer war es gemutlich dei Ihnen, 
und immer waren Sie ein klarer Kopf. Und nun 
follte mit einemmale die Schraube da oben losgehen 
bei Ihnen? Nein, mein Guter, das glaube ich nicht. 
Entschuldigen Sie meine Offenheit, aber die war Ihnen 
ja sonst immer angenehm. Schütteln Sie den Alpdruck 
ab, der auf Ihnen lastet, glauben Sie nicht an den wüsten 
Traum. Ich gehe seit Jahren bei Ihnen ein und aus, 
ich wohne in diesem Viertel wie Sie, — habe ich 
— Nein, 
dreimal nein. Und vwie es mir geht, wird es allen 
Ihren sonstigen Freunden gehen. Und nun kommen 
Sie auf einmal —, kriegen den Johannistrieb der 
Eifersucht und entwickeln sich zum Ehetyrannen. Ich 
möchte ein freundschaftliches „Pfui“ rufen. Hegen und 
uflegen sollten Sie das Glück mit Ihrer lieben Frau, 
statt das Gift des Mißtrauens darein zu träufeln. Sie 
nebuloser Wüterich Sie. Ich verordne Ihnen also 
folgendes; Sofortige Abbitte, wenn Ihre Frau nach 
dause kommt. Andauerndes sanftes Benehmen, fort— 
gesetzte Erfüllung ihrer Wünsche und sofortige gemein— 
ame Abreise an die See. Eventuell ebenfalls Sylt. 
deraus aus den vier Wänden. Die scharfe Brise da 
zben wird Ihre Seele wieder erfrischen. So, nun bin 
ich fertig . . .. Sie lachen? Worüber denn?“ 
Ich wußte nicht, ob ich gelacht hatte; vielleicht 
hatte ich nur gelächelt. Denn seine Rede war mir 
ehr schön vorgekommen, so daß ich mich beinahe gerührt 
ühlte. Ich hätte ihm alle die Einwendungen machen 
önnen, die nötig gewesen wären, um seine ganze schöne 
Theorie von meinem Bewußtsein oder Nichtbewußtsein 
jehörig zu durchlöchern, aber ich unterließ es. Ich 
vollte ihm seinen Autoritätsglauben nicht nehmen und 
hn nicht mit, dem Gefühle scheiden lassen, gutes ge⸗ 
wollt, gher nichts vollbracht zu haben. 
IIch danke Ihnen, daß Sie mir so freundschaftlich 
die Augen geöffnet haben,“ sagte ich daher, indem ich 
»as Doppelsinnige der Worte für mich behielt. „Je 
nehr ich darüber nachdenke, je unsinniger komme ich 
wi ee. Sie sed Suogestion mach 
„Na also. Sie sehen, was Suggestion macht .. 
Ausbeuten müssen wir die Sache aäber noch. Sie 
nüssen was darüber schreiben. Leben Sie wohl, auf 
Ddersehen. Empfehlen Sie mich Ihrer Frau Ge— 
nahlin.“ 
Er, hatte schon Hut und Stock genommen, und 
vir schüttelten uns kräftig die Hände. 
Bevor er ging, kam er noch auf etwas: „Den 
scchönen Anblick will ich Ihnen doch nehmen. Das hebe 
ch mir zum Andenken auf an die, heutige Kur. Das 
nätsel ist gelöst.“ Damit riß er das Stück Flor von 
»er Sphinx und ließ es in der Tasche seines Jacketts 
erschwinden. „Die Sphinxr bleibt zurück zu ihrem 
Privatvergnügen, sie ist mir auch zu schwer.“ 
Damit eilte er lachend hinaus. 
XV 
In meiner Verwirrung hatte ich Schopp abreisen 
assen, ohne ihn nach einem Vertreter für mich zu 
ragen. Und so mußte ich mich selbst auf die Suche 
nachen. Der unglückliche Doktor Klungel fiel mir ein. 
Ich gsaubte, ihm keine bessere Bestätigung meiner end⸗ 
ziltigen Verzeihung geben zu können, als wenn ich 
hm meine Patienten überwiese. Ich erwog auch gar 
nicht lange. Die Erfahrung hatte mich gelehrt, daß 
infangs verkannte Menschen sich später als Groößen 
utpuppt hatten, oder doch wenigstens als brauchbure 
Berliner Jllustrirte Zeitung. 
Nenschen. Er wohnte ganz in der Nähe, und auch 
as lockte mich. 
Als ich die Treppe des Hochparterres hinaufstieg, 
am mir ein eleganter, modisch gekleideter, junger Herr 
utgegen, dessen ganze Haltung und kühn aufwärts 
ekehrter, Schnurrbart mir schon von oben das be— 
ühmte Bortbindenmotto: „Es ist erreicht“ zuzurufen 
hienen. Als wir uns anblickten, packte uns die gleiche 
Zerblüffung, wie sie ungefähr zwei Menschen zeigen, 
ie sich schon gesehen zu haben glauben, ohne sich zu 
ennen. Seine Verblüffung muüßte aber unbedingt 
tärker sein, denn er wich mir so eilig seitwärts aus, 
aß er beinahe die Stufe verfehlt hätte. Jedenfalls 
atte er noch die Geistesgegenwaärt, leicht den Hut zu 
iften, was ich mehr als kine Entschuldigung fuͤr das 
-—treifen meines Armes auffaßte. 
Auch ich berührte die Krempe meines Cylinder⸗ 
utes, sandte ihm aber unwillkürlich einen Blick nach, 
nnd er, schon an der Hausthür, that dasselbe, wie mir 
hien nun stark verdutzt. Ich dachte darüher nach, wo 
h diesen patenten Kerl schon gesehen haben könnte, 
nun aber bald darüber hinweg. In einer Stadt wie 
zerlin starren sich Menschen so oft an, daß die soge— 
tannten Gesichtsbekanntschaften nach Hunderten zählen. 
Trotzdem die Sprechstunden bei Doktor Klungel 
ioch nicht vorüber waren (uunge Aerzte pflegen manch— 
nal den ganzen Vormittag dazu zu verwenden), war 
r doch nicht zu Hause. Er sei „ganz plotzlich“ weg— 
erufen worden, sagte mir nach meinem Klingeln die 
icke, stark nach Fett riechende Frau, die ich fuͤr seine 
Virtin oder Haushälterin hielt. Es sei soeben „schon“ 
in Herr hiergewesen. Wahrscheinlich also der, dem ich 
egegnet war. Ich empfahl mich, ohne weder meinen 
ämen genannt noch meine Karte dagelassen zu haben 
Am späten Nachmittag hatte ich mehr Glück. Die 
Dicke, die diesmal eine blaue Latzschürze vorgebunden 
atte, was ihr das Ansehen einer Hauskokette gab, 
ieß mich in den „Wartesaal“ eintreten. Es lag mir 
in einer gewissen Ueberrumpelung, um erst flüchtig 
Imschau zu halten. 
Mit dem „Saal“ hatte sie nicht zuviel gesagt, 
denn der schmale. Raum zog sich an drei Fenstern 
»orüber, deren Größe mir setwas zwecklos erschien. 
Dann aber sah ich, daß man ein großes Zimmer durch 
ine Tapeten wand geteilt hatte, die an der Decke mitten 
uurch die Rosette führte. Vielleicht war dahinter eine 
Dunkelkammer, ein Alkoven oder sonst irgend etwas 
—Ich zerbrach mir nicht weiter den Kopf darüber, 
denn die acht Stühle, die mit abgezirkelter Genauigkeit 
oor der langen Wand aufgepflanzt waren, interessierten 
mich besonders. Sie sahen neu wie aus dem Laden 
uus und zeigten noch ihre glänzende Politur. Ich 
tellte mir vor, wie schön eine Inschrift über ihnen an 
er Wand sich ausnehmen würde, auf welcher zu lesen 
väre: „Kommet herein, ihr alle, denen elwas fehlt, 
ind nehmet sofort Platz.“ 
„Und wem sie just passieret⸗ 
—ñ— 
Im Klosterhof am Walde 
Umflüsterkl von Tann und Ried, 
Da klang es über die Halde, 
Pas alte Beinelied. 
Ich sah eine junge Nonne, 
Die Stirne so blaß und rein, 
zchöner, als die schönste Madonne, 
Amzikkerk von Goldhaarschein. 
sie hatte die Bände gefalket 
Hie müde um ihr Brevier. 
Dein Wille hat gewallet, 
Mein Golk, — ich danke dir“ 
And dennoch stand geschrieben 
In ihrem Aug ein Meh, 
kin unauslöschliches Tieben, 
5o kief wie der Mummellee. 
Ich sah um die Skirn der Madonne 
Das heimliche Dornenreis, 
Die Seele der bleichen Nonne 
HDerbluket sich still und leis. — — 
Im Rlosterhof am Walde, 
Da füstertl es CTann und Ried, 
Da klingt es durch Hain und Balde, — 
Das alle Beinelied. 
Eugen Stangen. 
der. 22. 
Sieben der Stühle waren leer, auf dem achten 
vockie ein ilter Arbeiter, der mit seinen eingefallenen 
Wangen düster vor, sich hinstarrte. Er roch nach 
dampher und trug die linke umwickelte Hand in einer 
chwarzen Binde. Den alten Hut hatte er neben fich 
zuf den Boden gestellt. Für seine Begriffe hatte wohl 
ieser langweilige Raum etwas Feines und Geheiligtes 
Alles sah noch frisch aus. Selbst die ausgelegten 
Bücher und Zeitschriften auf dem runden Tische, die 
den Wartenden die Zeit vertreiben sollten, hatten noch 
twas Unangetastetes. Die Fingerflecke fehlten, die 
ür den regen Besuch bei einem Arzt sprechen. Ich 
hatte Muße, darin zu blättern. Ein Band illustrierte 
Anterhaltung, Eichendorffs Gedichte, die Götterwelt 
der Germanen, das Leben Jesu von Renan Volks— 
ausgabe), ein Richard Wagner-Album und ein „Rat⸗ 
geber mit Menschen umzugehen“. 
„Eine merkwürdige Lefeblüte“ dachte ich. Nament⸗ 
lich der „Ratgeber“ erschien mir wie ein guter Witz, 
— au besten angebracht bei einem Arzte. An der 
Wand hing ein großer Stahlstich, die Auferstehung der 
Tochter Jairi, flankiert von zwei, kleinen Postamenten, 
inf denen die Gipsfiguren von Glaube und Koffnung 
tanden. Alles das schien nicht ohne Absicht angebracht 
zu sein. Es sollte die Leidenden erheben und trösten, 
hre Gedanken während der Wartezeit auf bestimmte 
Dinge lenken. 
Als Pastorssohn gefiel mir das, und ich dachte 
inwillkürlich an meines Vaters Haus, wo eine der⸗ 
irtige Ausschmückung zum täglichen Brot gehörte. 
Dabei ärgerte ich mich ein wenig, in meinem Warte— 
ammer daheim nicht ähnliche Wahrzeichen verteilt 
u haben. Und sofort nahm ich mir vor, das halbe 
Dutzend Jagdbilder, die noch aus Sanitätsrats 
Zeiten dort hingen, durch andere aus dessen Nachlaß 
zu ersetzen. Auf dem Boden mußte noch eine ganze 
diste voll stehen. 
Ich dachte noch darüber nach, als draußen die 
Llingel wieder ging, und die Thürhüterin den Herrn 
inliek, dem ich heute Mittag auf der Treppe be— 
zegnet war. Ohne Hut und Stock wegzulegen, setzte 
rsich. Mein Anblick schien ihn abermals stark zu 
»erblüffen. Er nahm eins der Bücher vom Tisch 
ind blätterte darin, dann legte er es eben so schnell 
vieder fort. Am Fenster stehend, konnte ich ihn 
eobachten. Er hatte glänzend braunes Haar, das in 
er Mitte gescheitelt war und etwas kraus an den 
Ohren lag. Dies Haar fand ich besonders schoͤn. Auch 
ein Auge hatte etwas Feuriges, während mix, die Züge 
u weich erschienen. Jedenfalls war sein Gesicht in 
diesem Augenblick sehr blaß, so daß ich ihn nicht für 
zanz gesund hielt. 
Ich wollte schon ein Gespräch mit ihm anknüpfen, 
um meine Neugier zu befriedigen, als er sich nervös 
erhob, die Kapsel seiner goldenen Uhr springen ließ 
und mit dem Benehmen eines Menschen hingusging, 
der noch einmal wiederzukommen gedenkt. Er hatke 
ckein Wort gesprochen, weder guten Tag noch Adieu 
zesagt, sondern beim Eintreten nur fluͤchtig genickt. 
Draußen klappte etwas heftig die Thür. 
Gleich darauf steckte Doktor Klungel den Kopf 
ins Wartezimmer und, mich erblickend, zeigte er freudige 
Ueberraschung. Ich bat ihn, erst seinen Patienten 
abzufertigen, weil er eine r Neigung hatte, mich 
3 bevorzugen. Nach fünf Minuten war ich mit ihm 
allein. 
„Was verschafft mir denn die große Ehre, Herr 
Doktor Reller?“ fragte er und erging sich dann in 
aufrichtigen Dankesworten, als ich ihm den Zweck 
meines Kommens mitgeteilt hatte. Nach dem Irrtum, 
den er begangen habe, müsse er diese Aufmerksamken 
geradezu als Auszeichnung betrachten, und ich könne 
versichert sein, daß er sich meines Vertrauens nach 
jeder Richtung hin würdig zeigen werde. 
Es traf sich auch alles ganz vorzüglich, denn er 
hatte noch keine Vertretung übernommen und wollte 
erst Ende August auf einige Wochen zu seiner alten 
Mutter nach Osnabrüc fabren. Sie war die Witwe 
eines Musikprofessors in Hannover und iebte nun still 
und zurückgezogen mit ihrer bereits reifen Tochter. 
Beider Frauͤen ganzes Leben drehte sich nur um den 
Sohn und Bruder. 
Unaufgefordert machte er mir diese Andeutungen. 
Er schien mir jetzt gar nicht mehr so gigerlhaft wie 
zuerst, vielmehr viel bescheidener und doch zugleich freier. 
Auch jetzt, an seiner geädämpften Stimme und der An— 
zewohnheit immer die eine Seite des Gesichts dem 
Sprecher zuzuneigen, merkte ich ihm den Zwang an, 
aufmerksam zu horen. 
Er hauste in keiner der Dutzendwohnungen, wo 
die jungen Aerzte gewöhnlich die „möblierten Herren“ 
sind und die eigentlichen Mieterinnen in die hinteren 
stäume verdrängen. Vielmehr war er umgeben von 
einen eigenen Möbeln, die er sich von Hause hatte 
chicken lassen. Mutter und Schwester hatten die besten 
Stücke herausgesucht, denen man zwar das ehrbare Alter 
insah, die aber von einem wohligen Hauch vornehmer 
Bsemütlichkeit umgeben waren. Alles war mit Ge— 
chmack gestellt, auch im Nebenzimmer, in das er mich 
»ineinbakt und das sein eigentlicher Studierraum 
var 
Ein hübscher Stutzflügel stand in der Ecke, eine 
Büste von Beethoven krönte den Schrank, und an der 
Wand hing die Totenmaske desselben Meisters. Seine 
Nebenleidenschaft war die Musik, was mir auch erklärlich
	        

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