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mirador

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Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

mirador: mirador

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Zeitschrift

Urheber (Körperschaft):
Charlottenburg
Titel:
Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg : für das Verwaltungsjahr ... / bearbeitet im Statistischen Amt
Weitere Titel:
Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten für das Etatsjahr ...
Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten des Stadtkreises Charlottenburg
Erschienen:
Charlottenburg 1922
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017
Erscheinungsverlauf:
1879/80-1915/1920
ZDB-ID:
2900353-2 ZDB
Berlin:
B 770 Staat. Politik. Verwaltung: Bezirksbehörden
Dewey-Dezimalklassifikation:
350 Öffentliche Verwaltung
Sammlung:
Staat, Politik, Verwaltung, Recht
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

Band

Erschienen:
1908
Sprache:
Deutsch
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017
Berlin:
B 770 Staat. Politik. Verwaltung: Bezirksbehörden
Dewey-Dezimalklassifikation:
350 Öffentliche Verwaltung
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-10456028
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang
Sammlung:
Staat, Politik, Verwaltung, Recht

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  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1902, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Landesarchiv Berlin
  • Nr. 1, 5. Januar 1902
  • Nr. 2, 12. Januar 1902
  • Nr. 3, 19. Januar 1902
  • Nr. 4, 26. Januar 1902
  • Nr. 5, 2. Februar 1902
  • Nr. 6, 9. Februar 1902
  • Nr. 7, 16. Februar 1902
  • Nr. 8, 25. Februar 1902
  • Nr. 9, 2. März 1902
  • Nr. 10, 9. März 1902
  • Nr. 11, 16. März 1902
  • Nr. 12, 28. März 1902
  • Nr. 13, 30. März 1902
  • Nr. 14, 6. April 1902
  • Nr. 15, 13. April 1902
  • Nr. 16, 20. April 1902
  • Nr. 17, 27. April 1902
  • Nr. 18, 4. Mai 1902
  • Nr. 19, 11. Mai 1902
  • Nr. 20, 18. Mai 1902
  • Nr. 21, 25. Mai 1902
  • Nr. 22, 1. Juni 1902
  • Nr. 23, 8. Juni 1902
  • Nr. 24, 15. Juni 1902
  • Nr. 25, 22. Juni 1902
  • Nr. 26, 29. Juni 1902
  • Nr. 27, 6. Juli 1902
  • Nr. 28, . Juli 1902
  • Nr. 29, 20. Juli 1902
  • Nr. 30, 27. Juli 1902
  • Nr. 31, 3. August 1902
  • Nr. 32, 10. August 1902
  • Nr. 33, 17. August 1902
  • Nr. 34, 24. August 1902
  • Nr. 35, 31. August 1902
  • Nr. 36, 7. September 1902
  • Nr. 37, 14. September 1902
  • Nr. 38, 21. September 1902
  • Nr. 39, 28. September 1902
  • Nr. 40, 5. Oktober 1902
  • Nr. 41, 12. Oktober 1902
  • Nr. 42, 19. Oktober 1902
  • Nr. 43, 26. Oktober 1902
  • Nr. 44, 2. November 1902
  • Nr. 45, 9. November 1902
  • Nr. 46, 16. November 1902
  • Nr. 47, 23. November 1902
  • Nr. 48, 30. November 1902
  • Nr. 49, 7. Dezember 1902
  • Nr. 50, 14. Dezember 1902
  • Nr. 51, 21. Dezember 1902
  • Nr. 52, 28. Dezember 1902
  • Farbkarte

Volltext

Nr. o2 
das erklärt. — Ferrohl — Horch! Ging da nicht das 
Thor vorne? Es fiel lärmend zu. — Ein Donner 
zrollte durch das ganze Haus, der Boden wankte 
unter seinen Füßen. 
Da faßte den Mörder das Entsetzen im Genick. 
Er huschte wie ein Nachtgespenst durch die offene 
Gartenthüre in das Wassergäßchen. 
Marianne erwartete vergebens ihren Gatten im 
Theater. Es war nur ein flüchtiges Lebensfieber, 
das ihn befallen. Nie noch empfand sie so schmerzlich 
die Kränkung. 
—. Nach dieser Stunde, in der sie ein längst ersehntes 
Glück heraufdämmern sah, nach diesem glorreichen 
Sieg ihrer Schönheit erschien ihr sein Ausbleiben wie 
eine wirkliche Untreue, ein schnöder Verrat an ihre 
verhaßte Nebenbuhlerin, die Wissenschaft! Jetzt hatte 
sie ihn endgültig an diefe verloren. Dagegen em— 
vörte sich ihr ganzes Wesen. * 
Nach Schluß des Theaters fuhr sie trotzdem in 
das Restaurant von Zauoni. Vielleicht daß er sich 
bersäumt und dort auf sie wartet. 
Sie erfuhr, daß Ferrol zwei Soupers im blauen 
Zimmer bestellt, aber Professor Cassan hatte sich bis 
setzt nicht sehen lassen. Es war nicht anders. Ueber 
irgend ein Totengerippe hatte er sie veragessen, in ihrer 
ganzen Lebensblüte. 
Marianne fuhr nach Hause in die Mandelstraße 
und ließ ihren Thränen freien Lauf. — Wie sie sich 
das alles ausgedacht im Theater! Wie sie die Zeit be— 
nützen wollte, ihn herauszuͤreißen aus seinem immer 
mehr zur Manie ausartenden Studium, das ihm 
Mutter und Kind encsremdete. 
Sie war sich ihrer Macht wieder voll bewußt. — 
Da mußte sie erkennen, daß es wieder nichts war als 
ein augenblickliches Aufschäumen greisenhafter Be— 
zierde. — — Dazu war sie sich zu gut. Das ver— 
letzte sie in dem Innersten ihrer Weiblichkeit. 
Kalter Schauer erfaßte sie, als sie vor dem dunk— 
len Hause aus dem Wagen stieg, es erschien ihr jetzt 
wie ein Grab. 
Sie mußte dreimal die Glocke ziehen, bis Licht 
wurde in der Halle und sich Schritte näherten. 
Es war aber nicht Ferrol, das Stubenmädchen 
öffnete, nicht wenig erstaunt, die Herrin allein zu 
sehen. Auf die Frage nach dem Herrn wußte sie keine 
Autwort zu geben. Also kein Zweifel, er saß in 
seinem Labordtorium und dachte längst nicht mehr an 
seine Abmachung. 
Das war zu viel für Marianne. Sie war ge— 
wohnt, ihn nie zu stören, betrat oft Monate lang nicht 
das Hinterhaus, jetzt war es ihr gutes Recht, ihn zu 
überraschen. 
Ferxol hatte sich wohl, die vermeintliche Ab— 
vesenheit seines Herrn benützend, einen freien Abend 
zemacht, weil er nicht zu sehen war. 
So schickte sie das Mädchen in die Wohnung 
hinauf und ging durch den Garten, dem Labora— 
lorium zu. Sie Schleppe ihres Seidenkleides rauschte 
auf dem Kies. 
Richtig brannte noch Licht in dem Arbeitszimmer 
des Galten. Bis jetzt hatte sie noch auf irgend eine 
andere Erklärung gehofft. Sie mußte den Pelz öff⸗— 
nen, so glühte sie. Dann trat sie in das Haus, in 
das Arbeitszimmer, den Namen Viktor schon vor— 
wurfsvoll auf den Lippen. 
Ueberrascht blieb sie stehen. Der Stuhl vor dem 
Schreibtische war leer, weiter sah sie nichts, auch 
eichte der Lichtkreis der Lampe nicht weiter. 
Also neben im Laboratorium! Sie, wendete sich 
nach links und rief seinen Namen. Keine Antwort! 
Plötzlich stutzte sie. Sie war an die Schrecken des 
Glasschrankes längst gewohnt, aber jetzt überlief sie 
doch ein kalter Schauer, — am Boden lag einer der 
Schädel und grinste ihr gerade entgegen. Ihr Blick 
schweifte weiter — Bücher — Papiere — und dort 
hor dem Schreibtische — ein Schrei blieb ihr in der 
Kehle stecken — — — 
„Viktor! — Viktor!“ Die Füße versagten ihren 
Dienst. „Viktor!“ 
Da erblickte sie vor ihren Füßen die furchtbare 
Schlange, sie trat darauf, — Blut!l! da kniete sie 
schoͤn vor dem Gatten, ergriff ihn beim Arme, das 
Zaupt rutschte von der Leiste des Stuhles und schlug 
mit hartem Klange auf den Boden auf. 
Marianne hatte die Kraft es zu heben. Sie 
zlaubte noch immer nicht an das Furchtbare. Zwei 
zroße fremde Augen starrten sie an. Ein entsetz— 
siches Erstaunen sprach aus ihnen. 
„Viktor!“ kreischte sie auf. Da griff ihre 
suchende Hand die Todeswunde am Halse. Sie tau— 
melte auf, riß das Fenster auf, rief nach Hülfe; doch 
die Stimme versagte ihr, es war nur ein heiseres 
Stöhnen. 
— Sie wandte sich wieder zu dem Furchtbaren. 
Ein Blick erfaßte die ganze Situation. Die Unord— 
nung vor dem Tische, die zerstreuten Papiere, die 
offene Lade, — ein Mord war geschehen! — Und 
zlitzartig kreuzten sich zwei Namen in ihrem Hirne — 
Ferrol, — Stubensand! 
—Ein Gefühl jäher Enmpörung dämpfee den 
Schmerz, stärkte ihre Sinne. Sie unterfnchte mit 
fhegender Hast den Tisch nach irgend einer Spur. 
Da kam ihr ein Papier in die Hand, das noch 
feucht war, die Schrift gläuzte noch, — es war seine 
Berliner Ilustrirte Zeitung. 
cINMADUuNE 
2z um 
Abonnemens. 
setzt ist die beste Zeit zum 
Abonnieren auf die 
„Berliner Iustrirte Zeitung.“ 
Man bestelle für Januar, 
Februar, Marz zum Preise von 
1,30 Mk. beim Postamt, oder 
für 10 Pf. wöchentlieh rei 
ins Haus) bei einer Buchhar d- 
lung oder einem Spediteur. 
Der Anfang des Romans wird 
neu hinzutretenden Abonnen- 
ten auf Wunsch gegen Ein- 
sendung der Abonnements- 
quittung nachgeliesert. 
Expedition Berlin S.W. 
Kochstrasse 23/24. 
Schrift! Ihre Finger hatten sie etwas verwischt. — 
Also kurz vor seinem Tod — seine letzte! Eine phreno— 
ogische Tabelle! Sie kannte die Art zur Genüge. 
da las fie schon und konnte den Blick nicht mehr 
venden von dem Blatte in ihrer Hand. 
G. S. senior, stand darüber, dann folgte Per— 
onalbeschreibung, die Charakteristik, das Resuͤmee des 
Befundes. 
Sie überflog die Zeilen und schauerte selbst über 
iese Schicksalsfügungl Da lag der untrüglichste 
Steckbrief, vom Opfer selbst geschrieben. Sie hätte 
en Namen ausfüllen können — Stubensand! Er war 
der Mörder, kein anderer! — 
Alles war ihr gegenwärtig, als ob sie dabei ge— 
vesen. Cassan hatte ihn zur Untersuchung bestellt, 
eshalb konnte er ihr nicht in das Theater folgen. 
Dann geschah das Furchtbarel!l Während sie seiner 
harrte, ihm die bittersten Vorwürfe machte. 
Der Gedanke ließ sie mit einem jähen Aufschrei 
yor dem Toten in die Knie sinken. Wie sie seinen 
Jörper berührte, war es ihr, als ob sie noch die 
Värme des Lebens spürte — und sie verlor hier in 
tatlosigkeit die Zeit. 
Müuhsam erhob sie sich, wankte gegen die Thür, 
ffnete sie. Ihr gellender Ruf drang durch den 
Sarten, prallte gegen das stille Haus. 
Endlich erschien ein schwankendes Licht. Es war 
derrol, offenbar angetrunken. Das Stubenmädchen 
satte ihn, in der Ahnung, daß irgend etwas nicht in 
OIrdnung sei, rasch aus seiner Stammkneipe nebenan 
geholt. 
In Marianne stieg ver seinem Anblick von neuem 
»in Verdacht auf, der Mitschuld wenigstens. 
Ferrol prallte erschrocken zurück und stierte, sicht⸗ 
ich nach Verständnis ringend, auf die Frau mit dem 
ntblößten schneeweißen Hals, der roten Rose im 
zaar, über die das Licht seiner Laterne gaukelte. 
„Einen Argt, Ferrol, — Hülfe!“ Marianne hielt 
ich mühsam aufrecht an die Mauer gelehnt. 
„Einen Arzt?“ lallte Ferrol fragend. 
„Dein — Herr — Cassan ist ermordetl“ schrie 
NUarianne ihm wie eine Anklage in das Gesicht. 
Ferrol stieß einen Schrei aus, der etwas 
dierisches hatte und schon kniete er vor dem Er— 
nordeten. Ein wilder Ausbruch erfolgte. War es 
-„chmerz, Entrüstung,“* Heuchelei oder Entsetzen? 
Narianne konnte es nicht entscheiden. 
„Tot?“ Sie stellte die Frage ohne jede Hoffnung, 
der erste Blick hatte sie belehri. 
„Das war der Stubensund!“ rief Ferrol plötzlich. 
„Und du hast ihn hergebracht,“ erklärte Mari— 
inne. 
Da wandte sich Ferrol und sprang auf die Beine 
Der Rausch war ihm gründlich verflogen. „Ich?“ 
Er nahm eine drohende Stellung ein. „Ja, gewarnt 
zabe ich ihn vor dem Menschen.“ 
„Du kennst ihn also?“ fragte Marianne. 
Ferrol schreckte sichtlich die Frage und er schwieg. 
4 
s 
Sollten 
ECIB INGU j LT 
irgendwo kleine Unregelmäassigkeiten in 
der Zustellung der Zeitung vorkommen, so 
oitten wir, dies umgehend der Ex pedition, 
Serlin SW., Kochstrasse 23/24 melden 
zu wollen. 
829 
„Schwarges gelocktes Haar, dunkle Augen, dün— 
nen Vollbari.“ — Mariaune nannte das gangze 
Signalement Stubensands, wie sie es auf der Ta— 
belle gelesen. 9 
„Ja, das ist er!“ erklärte Ferrol mechanisch, gang 
im Banne seines Erstaunens. 9 
Mariaune beruhigte sichtlich diese Bestätigung 
ihres Verdachtes. „Einen Arzt, Ferrol! Das Gericht! 
Eile doch, — ich will dir ja alles glauben! — Keinen 
Larm in Haufe. — Ich warte hier.“ 34 
„Hier?“ fragte Ferrol mit Schauder um sich 
blickend. das halten Sie nicht aus. — Ich führe Sie 
hinüber. — Dann besorge ich alles!!/!““ J 
„Thue, was ich dir befehle und sorge dich nicht 
um mich. Hier ist mein Platz und nirgends sonst. 
Ferrol empfand etwas wie Ehrfurcht vor der 
Stärke dieser Frau, auch fühlte er wie jede Zögerung 
ihm selbst gefährlich werden konnte. So ging er. 
Marianne blieb allein bei dem Toten. Das 
Ungeheuerliche, Furchtbarste verleiht oft infolge plötz⸗ 
licher Nervenabspanuung eine übernatürliche Kraft, 
eine, im gewissen Sinne wohlthätige Lähmung tritt 
ein. In dem Zustande befand sich jetzt Marianne. 
Sie breitete den kostbaren Pelz, welcher ihr von 
der Schulter geglitten, über den Körper am Boden, 
von dem bereits die Kälte des Todes ausging, trat 
an den Schreibtisch und griff noch einmal nach der 
erhängnisvollen Tabelle. 
Sie las sie nicht, sie betrachtete nur die Züge 
der geliebten Hand und brach in dumpfes Stöhnen 
aus.“ Dann sank sie erschöpft in die Knie und ließ 
das Haupt auf die Platte des Schreibtisches fallen. 
Als se es nach geraumer Zeit wieder hob, fiel ihr 
Blick durch den Thränenschleier hindurch guf einen 
lauen Aktendeckel dicht vor ihr. „Nur für meine 
zrau bestimmt“, stand darauf. Die Buchstaben 
euchteten ihr förmlich entgegen. Sie griff gierig 
anach, öffnete ihn und las 
Ser Inhalt nahm sie ganz gefangen. Sie ließ 
ich auf den Stuhl nieder, den Stubensand einge— 
iommen und las mit fiebernden Augen. 
Jedes Wort war an sie gerichtet. Unbegrenztes 
Vertrauen sprach aus jeder Zeile, ein sie erschüttern⸗ 
er Glaube. 
Noch nie war einer Frau ein so stolzes Ver— 
nächtnis hinterlassen worden! Was waren dagegen 
ill' die Liebesbezeugungen, all' die kleinen Befriedi— 
zungen ihrer Eitelkeit, nach denen sie geschmachtet? 
wWie klein stand sie da gegen ihn! Sie las nur im 
Fluge und empfand doch die Größe des Inhalts, die 
Bröße der Pflicht, die er ihr auferlegte. 
Und mit einem Male wichen die Schrecken des 
staumes, die Schauer des unerhörten Verbrechens, die 
ihn noch durchzilterten. Sie saß auf einem Schlacht— 
elde, vor der Leiche des edelsten Helden und hielt 
ein stolzes Vermächtnis in der Hand! Alles Klagen 
und Weinen erschien ihr jetzt unwürdig. Nur eines 
Jab es noch für sie, die That, die Erfüllung dessen, 
vas ihr von dem großen Toten aufgetragen. 
Vor diesem Gedanken schwand jedes Grauen, 
sede Empörung, jeder Rache- und Verfolgungs— 
gedanke. Das war keine Mörderhand, das war die 
Finsternis selbst, die ihren grimmigsten Feind tückiseß 
überfallen! 
Ihr galt jetzt von neuem der Kampf, über der 
Leiche des Gefallenen — und sie wird ihn mutig 
führen. 
Das Geräusch von Stimmen und Tritten weckte 
sie aus ihrer Versunkenheit in heilige Schwüre vor 
der Leiche ihres Gatten. Rasch versenkte sie den Akt 
in die Tasche ihres Mantels. Er hatte es ja selbsi 
»estimmt: „Nur für meine Gattin.“ 
Jetzt nahte wohl das Peinlichste. Sie rüstete sich 
nit Kraft. 
Der Argzt mit der Gerichtskommission trat ein— 
dann Ferrol, hinter ihm ein Poligist. 
Die Männer überraschte sichtlich der Anblick der 
e in Balltoilette mehr als der des Toten am 
Boden. 
Die Erxklärung des Arztes, daß der Tod sofort 
ingetreten sein müsse, schien keinen Eindruck auf 
Marianne mehr zu machen, die regungslos, die Augen 
zesenkt, die Lippen fest geschlossen, nur durch ein 
eises Zittern der Mundwinkel ihren gewaltsam zu— 
cückgehaltenen Schmerz verriet. 
Der Beamte nahm mit möglichster Schonung de 
Thatbestand auf. 
„Wie Ihr Diener Ferrol äußerte, liegt eine 
chriftliche Aufzeichnung Ihres Gatten kurz vor sei— 
iem Tode vor, die von höchster Wichtigkeit —?“ 
ragte er Marianne. 
Diese wies auf die Tabelle auf dem Tische. 
Der Beamte las sie mit sichtlicher Ueberraschung. 
„Allerdings, ein fertiger Steckbrief! Gestatten 
Sie eine Frage, gnädige Frau,“ wandte sich der Be— 
imte an Marianne. „Ihr Herr Gemahl empfing 
gestern abend um 8 Uhr eine Frau mit einem 
inde?“ 
„Eine Frau mit einem Kinde?“ Marianne stutzte. 
„Mit einem Knaben. Ihr Diener Ferrol will sie 
elbst in dieses Zimmer gebracht haben. Wohl als 
Lersuchsobjekt des Herrn Professors?“ 
„Das kann ich beschwören,“ bekräftigte Ferrol, 
der, seiner ganzen Haltung nach, sich seiner pein— 
ichen Lage bewußt war. 
„Ihr Herr Gemahl hat also Ihnen gegenüber,“
	        

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