Digitale Landesbibliothek Berlin Logo

Sonderuntersuchung "Seniorenverkehrsunfälle" in Berlin ... (Rights reserved) Ausgabe 2017 (Rights reserved)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

No licence for use has been granted - all rights reserved.

Bibliographic data

fullscreen: Sonderuntersuchung "Seniorenverkehrsunfälle" in Berlin ... (Rights reserved) Ausgabe 2017 (Rights reserved)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

No licence for use has been granted - all rights reserved.

Files

File
Description
Size
Format
File
senioren-2017_15330302.pdf
Description
-
Size
5.67 MB
Format
PDF
Display

Unlock

You can request access to this file here. You will receive an e-mail confirming that we have successfully received your request.

The access to this file is restricted.

How many grams is a kilogram?:

I hereby confirm the use of my personal data within the context of the enquiry made.

Periodical

Other:
Berlin / Polizeipräsident
Title:
Sonderuntersuchung "Seniorenverkehrsunfälle" in Berlin ... / Der Polizeipräsident in Berlin ; Stab des Polizeipräsidenten, Stabsbereich Verkehr
Publication:
Berlin: Polizeipräsident
Dates of Publication:
Nachgewiesen 2004 -
Scope:
Online-Ressource
ZDB-ID:
2481473-8 ZDB
Keywords:
Verkehrssicherheit
Berlin:
B 914 Verkehr: Verkehrssicherheit
Urban Studies:
Kws 330 Verkehr: Verkehrssicherheit
DDC Group:
310 Statistik
380 Handel, Kommunikation, Verkehr
Collection:
Traffic
Economy,Transport,Infrastructure
Copyright:
Rights reserved
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
2018
Language:
German
Berlin:
B 914 Verkehr: Verkehrssicherheit
Urban Studies:
Kws 330 Verkehr: Verkehrssicherheit
DDC Group:
380 Handel, Kommunikation, Verkehr
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-13985923
Copyright:
Rights reserved
Accessibility:
Free Access
Collection:
Traffic
Senate departments
Economy,Transport,Infrastructure

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1911, XX. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)
  • Cover
  • Contents
  • Nr. 1, 1. Januar 1911
  • Nr. 2, 8. Januar 1911
  • Nr. 3, 15. Januar 1911
  • Nr. 4, 22. Januar 1911
  • Nr. 5, 29. Januar 1911
  • Nr. 6, 5. Februar 1911
  • Nr. 7, 12. Februar 1911
  • Nr. 8, 19. Februar 1911
  • Nr. 9, 26. Februar 1911
  • Nr. 10, 5. März 1911
  • Nr. 11, 12. März 1911
  • Nr. 12, 19. März 1911
  • Nr. 13, 26. März 1911
  • Nr. 14, 1. April 1911
  • Nr. 15, 9. April 1911
  • Nr. 16, 16. April 1911
  • Nr. 17, 23. April 1911
  • Nr. 18, 30. April 1911
  • Nr. 19, 7. Mai 1911
  • Nr. 20, 14. Mai 1911
  • Nr. 21, 21. Mai 1911
  • Nr. 22, 28. Mai 1911
  • Nr. 23, 4. Juni 1911
  • Nr. 24, 11. Juni 1911
  • Nr. 25, 18. Juni 1911
  • Nr. 26, 25. Juni 1911
  • Nr. 27, 2. Juli 1911
  • Nr. 28, 9. Juli 1911
  • Nr. 29, 16. Juli 1911
  • Nr. 30, 23. Juli 1911
  • Nr. 31, 30. Juli 1911
  • Nr. 32, 6. August 1911
  • Nr. 33, 13. August 1911
  • Nr. 34, 20. August 1911
  • Nr. 35, 27. August 1911
  • Nr. 36, 3. September 1911
  • Nr. 37, 10. September 1911
  • Nr. 38, 17. September 1911
  • Nr. 39, 24. September 1911
  • Nr. 40, 1. Oktober 1911
  • Nr. 41, 8. Oktober 1911
  • Nr. 42, 15. Oktober 1911
  • Nr. 43, 22. Oktober 1911
  • Nr. 44, 29. Oktober 1911
  • Nr. 45, 5. November 1911
  • Nr. 46, 12. November 1911
  • Nr. 47, 19. November 1911
  • Nr. 48, 26. November 1911
  • Nr. 49, 3. Dezember 1911
  • Nr. 50, 10. Dezember 1911
  • Nr. 51, 17. Dezember 1911
  • Nr. 52, 24. Dezember 1911
  • Nr. 53, 31. Dezember 1911
  • Cover back
  • ColorChart

Full text

„Wir haben uns so lange nicht gesehen.“ 
„Was tut das?“ 
„Nun, daß man da eben anders wird“ 
„Das sehe ich.“ 
„Hat nicht jeder ein Recht, sich zu ändern?“ 
Er blickte sie nur traurig an. Sie machte eine 
Bewegung, ihm einen Stuhl anzubieten. Er schien 
anders verstanden zu haben, griff nach ihrer Hand, 
zog sie aber nicht an die Lippen wie Doktor Hauns 
Vließ. Er hielt sie ruhig, wie zwei Menschen sich 
halten, die einander gehören: 
„Ich hatte versprochen; nicht zu kommen. Du 
tolltest mich rufen.“ 
Sie wollte sich freimachen, aber er ließ sie 
nicht los: 
„Ich habe mein Wort nicht gehalten.“ 
„Ja, Sie überfallen mich hier.“ 
„Sie?“ E 
Marie senkte den Blick beim Klang dieser 
Stimme, die einst sie erbeben gemacht. Er fragte 
wieder: 
„Sie?“ 
Ihrer Beschämung Herr zu werden, wurde sie 
heftig: 
„Du! Also Du! Dul Aber es bleibt das gleiche! 
Wer hat Dir erlaubt, hierher zu kommen?“ 
„Ich habe mich melden lassen.“ 
„Nein, Du hast mich überrumpelt, und die 
dumme Agnes ...“ 
„Ich habe Dich gesehen diese Nacht!“ 
Sie machte ein Gesicht, als wisse sie nichts davon. 
Er fuhr ruhig fort: „Und Du mich auch.“ 
Da entriß sie ihm ihre Hand: „Gewiß! Und ...“ 
„Und deswegen, konnte ich mein Wort nicht 
jalten. Deswegen bin ich gekommen.“ 
„So, also weil Du mich zufällig auf der Straße 
gesehen hast, aber sonst schon das dritte Jahr nicht?“ 
„Ich hatte gehört von Dir. Schon früher aus 
München. Es gibt Leute, die etwas, das einen 
kränkt, nicht bei sich behalten können. Da hörte ich 
manches, das mir nicht gefiel, aber ich glaube es 
nicht. Ich wußte, was Du mir versprochen hattest.“ 
„Ich habe Dir nichts versprochen.“ 
Er sagte sehr entschieden: „Vielleicht nicht mit 
Worten, aber wir haben die Pläne geschmiedet, eins 
vpie das andere.“ 
„Diesen Ton verstehe ich nicht.“ 
„Es ist der Ton von einem, der nur einen Ge— 
danken hat: das bist Du.“ 
„Du hast Dich jahrelang nicht gegeigt!l“ 
„Hast Du mich gerufen?“ 
„Nein.“ 
„Ich wollte nicht kommen — das war vielleicht 
mein Fehler — weil ich zu stolz war dazul Der 
Stolg des alten Offigiers, der sich nicht ernähren 
lassen will. Ich wollte erst kommen, wenn ich eine 
Frau ernähren könnte.“ 
Unwillkürlich musterte sie ihn. Dann war es, 
als wollte sie dem Menschen, den sie einst geliebt, 
ust ihm, dem Besten, dem Treuesten, eins versetzen: 
„Und kannst Du eine Frau ernähren?“ 
Er verstand ihren Blick. 
„Ich bin freilich nicht so gekleidet, wie diese 
Herren gestern, diese lärmenden Herren.“ 
„Es sind meine Freundel“ 
„Ich habe davon gehört.“ 
Nun wurde sie wütend: „Was geht Dich das an!l“ 
Er blickte ihr ins Auge wie ein gequältes, wehr— 
loses Geschöpf: „Das sagst Du?“ 
„Ja, denn ich muß mir jeden Eingriff ver— 
bitten!“ 
Er schien ganz verstört: „Ich bin zu früh ge— 
kommen ... In Deinem Traum von Glück und 
Ehre und Erfolg hätte ich Dich nicht stören sollen! 
Ja, ja ... ich wollte erst kommen, wenn es 
Dir schlecht gingel Es geht Dir aber gut. Es geht 
Dir gut.“ 
Dabei blickte ex sich um in den schönen Räumen. 
Sie erriet seine Gedanken: „Ich habe eine sehr 
sohe Gage, ich habe mein Vermögen dafür geopfert. 
dier in Berlin muß ich eingerichtet sein!“ 
Er schwieg. 
Sie fragte mit zuckenden Lippen: „Haben wir 
uns noch etwas zu sagen?“ 
Da mit einem Male nahm er ihre beiden 
Hände und der schmächtige, kleine Hauptmann 
preßte sie, daß sie hätte schreien mögen. Sie warf 
— Blicke. Er zischte mit groß aufgerissenen 
Augen: 
„Marie, ich habe Dir einmal gesagt, ich wolle 
ein gewisses Wort nicht aussprechen. Es gibt aber 
Augenblicke, wo es wie eine Fanfare klingt, und 
ich schmettere sie Dir ins Gesicht: „Ich liebe Dichl“ 
Ich liebe Dich noch genau so, wie an dem Tage, 
da ich gegen Dich schuldige geworden bin! Ich liebe 
Berliner Illustrirte Zeitung. 
dich und ich lasse Dich nicht. Du brauchst Dich nicht 
zu fürchten vor mir, ich tue Dir nichts! Aber ich 
ann nicht mehr ... kann nicht mehr. Ich habe 
—„chlechtes von Dir gehört, ich habe es nicht ge— 
zllaubt! Man hat mir Namen genannt, ich habe 
zen Leuten den Mund verboten! Ich habe ...“ 
Seine Stimme sank: „Ich habe einen zur 
nechenschaft gezogen. Dann habe ich meine Strafe 
ibgesessen. Heute habe, ich Geld, ein klein wenig, 
ch habe mir etwas gespart. Ich bin Volontär auf 
»inem Gute. Ich werde eine Pacht bekommen, so 
zillig, daß wir nicht nur leicht auskommen, sondern 
ruch noch etwas bei Seite bringen können. Aber — 
Wer natürlich müssen wir dann dort leben. In 
Pommern. Für eine alte Dame verwalte ich jetzt 
in Gut. Ich habe gearbeitet vom Morgen bis zum 
Abend. Die alte Dame— sie ist Witwe seit einem 
Jahr — ist reich. Aber sie will in Dietenhagen nicht 
leiben. Viergig Jahre ist sie dort verheiratet ge— 
wesen. Jetzt ohne Mann hält sie's dort nicht aus. 
Sie überläßt mir das Gut zur Poacht, billig, ganz 
illig, denn sie haben alle gar keine Bedürfnisse und 
ind dabei sehr, sehr reich. Das wollte ich Dir sagen. 
Dazu bin ich gekommen. Und nun ... nun ... 
»ollte ich Dich ... fragen ...“ 
Er faßte sich an die Schläfen, seine Augen 
rten ängstlich umher, er war käsig bleich. Er tastete 
ach einem Stuhl und ließ sich schwer nieder. 
Marie blieb regungslos stehen. Sie wagte nicht, 
Hn anzublicken. 
Er stammelte: „Kann ich ... kann ich .. ja es 
ꝛs ist zu dumm. .. eben jetzt ... aber wir spielen 
zier nicht Theater ... mir ist schlecht. Gerade 
etzt. Ja gerade jetzt. Kann ich .. vielleicht ... 
zu dumm ist das ... bitte ... Wasser?“ 
Sie eilte hinaus — das Mädchen wollte sie 
richt eintreten lassen — und brachte aus dem Schlaf— 
immer das Glas. Ihre Hand zitterte, als sie es 
hm reichte, der noch immer auf dem Stuhle saß, 
die Hände über den Augen. Sie sah, wie dünn 
ein Scheitel geworden war und daß die helle Kopf⸗ 
zaut überall leuchtete. Sie wollte ihn anrufen. 
dabei entschlüpfte ihr ein: „Paul!“ 
Er fuhr empor, über seine Züge glitt ein 
dächeln. Dann nahm er das Glas und nippte. Er 
zog das Taschentuch, doch die Hand fiel ihm schlaff 
herab. Marie tupfte ihm die Stirn. Sie hätte 
veinen mögen dabei. Schluck um Schluck trank er. 
Dann stellte er das Glas, an dem das Wasser 
serabgeronnen, neben sich auf den schönen Louis— 
eize-Tisch, dessen Politur sie immer sorgsam ge— 
süket. Jetzt achtete sie nicht darauf. Sie sah, wie 
eine Glieder zitterten, wie unter dem emporge— 
treiften Hosenbein ein dicker, wollener Strumpf 
iber den Zugstiefeln sichtbar wurde, deren Laschen 
seraushingen. 
In dem großen Schweigen fragte sie: „Ist Dir 
esser?“ 
Er sah sie an und fing an zu weinen. Seine 
Schultern zuckten. Da strich sie ihm über den dünn 
sewordenen Scheitel, legte ihm den Arm auf die 
„chulter und streichelte ihn leise. Er ließ es sich 
zefallen wie ein Hund, den sein Herr liebkost. 
Ddann nahm er ihre Hand und bedeckte sie mit heißen 
düssen. Endlich stand er auf, während ihm noch 
mmer die Tränen in den dünnen Vollbart rannen: 
„Ich schäme mich so ... ein Mann zu heulen! 
Aber ich hatte alles darauf gesetztl Und jetzt sehe 
ch, es ist nichts. Aber ... aber ich habe Dich lieb! 
Ich kann nicht anders. Ich bin ja wie . .. verrückt, 
vie betrunken. Es ist nur, weil ich noch nicht ge— 
zessen habe. Ich bin umhergeirrt und habe mit dem 
entschluß gekämpft . .. nun rede ich wieder 
avon ... und ich ... ich wollte Dir doch sagen, 
aß ich Dich so lieb habe, aber nun — muß ich wohl 
zehen. Ich fahre also zurück und ... und warte 
nal .. . ich schreibe Dir nicht. Ich dränge mich 
richt auf, nein, nein, das tue ich nicht, aber ... 
varte mal.“ 
Er faßte in seinen Rock und zog ein altes, ein— 
aches Ledertäschchen hervor. Dann nahm er eine 
hisitenkarte, besah sie, ob es auch die richtige sei. 
Aber er konnte nicht lesen, denn noch immer hing 
hm ein Tränenschleier an den Wimpern. 
Endlich sagte er: „Ja, das ist's. Hier hast 
Ddu meine Adresse. Wenn es Dir mal sehr, sehr 
schlecht gehen sollte, wenn Du einen Menschen 
»rauchst .. .!“ 
ab Plötzlich raffte er sich auf und schloß die Ab— 
ätze: 
„In schönen Tagen sind sie alle da, die 
S„chweinehunde, aber wenn es einem dreckig geht, 
einer. Aber uns, uns ist das anerzogen. Ich bin 
auptmann ...“ 
Nr. 88 
Er senkte wieder den Kopf: 
„Hauptmann außer Dienst. Landwirt. Aber 
as wollte ich nicht sagen. Ich wollte sagen, darin 
chreibst Du mir und dann komme ich. Und ich 
verde Dich glücklich machen, wenn auch so manchts 
vahr wäre, was man so erzählt. Mir ist's ganz 
Jeich. Bei Dir. Mir ist's ... wurscht, was auch 
ie gange Welt sagt. Ich trete ersten Mai die 
Zacht an. Dann habe ich Geld. Dann können wir 
jeiraten. Wenn ich bis ersten Mai, siehst Du, 
jehst Du ...“ 
Mit zitternden Fingern suchte er wieder seine 
Lapiere heraus und zeigte ihr einen Vertrag: 
„Da, ersten Mai. Wenn Du mir bis ersten Mai 
eschrieben hast, dann wirst Du meine Frau, und 
nir soll alles gleich sein, Du wirst schreiben. Be— 
immt. Ich schreibe nicht, Ich komme nicht. Ich 
vill Dich nicht quälen. Länger aber halt' ich's 
richt aus. Wenn Du bis ersten Mai nicht ge— 
chrieben hast, dann mach' ich ein Ende. Ohne Dich 
zat die Geschichte keinen Zweck. Also ersten Mai, 
rsten Mai!“ 
Er gab ihr nicht die Hand. Er wankte wie ein 
Trunkener zur Tür. Von der weißgestrüchenen 
Kleiderablage draußen riß er seinen armseligen, 
inmodischen Ueberzieher, nahm ihn auf den Arm 
und öffnete die Tür. Dann taumelte er die Treppe 
hdinab. 
Marie aber kehrte in das Zimmer zurück, schloß 
jinter sich ab, lief zur äͤnderen Tür, schloß auch die 
zu und ging zu dem Stuhl, neben dem noch das 
salbgeleerte Glas stand mit dem Fleck, den es auf 
»er Politur gemacht. Und dort, wo der Mann ge— 
essen, zu dem sie ihr Herz nicht zwingen, nein, nicht 
nehr zwingen konnte, der beste Mensch, wie sie 
ahnte, der ihr begegnet, fiel sie in die Knie und 
drückte ihr Gesicht auf das Polster. 
Tagelang blieb Marie oft unsichtbar für Doktor 
Zanns VBließ. Er hatte nicht mehr das Siegerwesen 
vie früher. Auch er begann, wenn sie nicht liebens— 
vürdig war, schlechter Laune zu sein. Gegenseitig 
lUießen sie einander ab. Doch wie die Wochen ver— 
trichen, schien alles wieder vergessen, denn sie wollte 
leben!“ Sie bekam die verschiedensten Anträge; 
ruch von ihren Kollegen. Einer, der ihr immer 
nit Liebenswürdigkeit entgegenkam, sagte ver— 
weifelt: „Lanz, mit Ihnen ist auch gar nichts 
ingzufangen.“ 
„Merken Sie das jetzt erst?“ 
Da begann er, der eben abgeblitzt, sie in väter— 
ichem Ton vor dem Doktor zu warnen. Das erschien 
hr so komisch, daß sie ihm gerade ins Gesicht lachte. 
Nit törichtem Ausdruck zog er ab. Doch von dem 
Tage ab war Fritz Möller— meist ihr Partner — 
in guter Kamerad. Wenn sie Auskunft über irgend 
emand haben wollte, brauchte sie nur ihn zu fragen. 
Dder elegante, beliebte Schauspieler war überall 
ekannt und täglich eingeladen, daß man nicht be— 
zriff, wie er es fertig brachte, außerdem noch zu 
roben, zu spielen und seine Rollen zu lernen. Oft 
venn sie irgendwo soupierten, kam er von einem 
inderen Tisch herüber und setzte sich eine Weile zu 
Fräulein Lanz, bis man ihn von drüben zurück— 
olte. Dann nahm er bisweilen seine Kollegin mit: 
„Lanz, es ist ganz gut, wenn Leute, die so viel 
ns Theater gehen, Sie kennen. Das bildet „Ge— 
neinde'. Kommen Sie, ich werde Sie bekannt 
nachen.“ 
Dann saß sie mit Literatur oder Finanz, und 
vährend die Herren artig mit ihr waren, musterten 
ie die Damen, als wollten sie ihr Kleid kopieren. 
Fzührte sie dann einer des Kreises an ihren Tisch 
urück, so folgten alle Blicke der Schönheit ihrer Ge— 
talt, ihres Haarcs, ihrer Augen. Marie fühlte den 
kinfluß, den sie aussuüben begann, und veränderte 
ꝛin wenig ihr Leben. Eine der Damen, die sie 
ennen gelernt, Frau Geheimrat Weitz, bat sie, bei 
inem Wohltätigkeitsbasar mit ihr zu verkaufen. Als 
nan nun entdeckte, daß am Tische von Fräulein 
Lanz am meisten einging, wurde sie immer von 
euem aufgefordert. So kannte sie bald eine Venge 
damen und Herren vom Offigzierskorps, vom Aus— 
värtigen Amt, von den Botschaften, aus den 
Ministerien, von der Finanz, Industrie und von 
»en Künsten. Immer mehr wuchs ihr Kreis, ihre 
Sicherheit. Sie lernte erkennen, daß es nicht gleich— 
zültig für ihre Stellung war, mit wem sie zusammen 
jerkaufte. Und als sie eines Tages mit Prinzessin 
kechtenburg Blumen feilgeboten, schlug ihr Herz 
yor befriedigter Eitelkeit. Der Doktor durfte dann 
zei ihr nichts kaufen. Er sollte ein wenig verschwin— 
»en. Als sie es ihm andeutete, meinte er in alter 
deckheit: er licße sich nichts vorschreiben.
	        

Downloads

Formats and links

Cite

Contact

Have you found an error? Do you have any suggestions for making our service even better or any other questions about this page? Please write to us and we'll make sure we get back to you.

How many grams is a kilogram?:

I hereby confirm the use of my personal data within the context of the enquiry made.