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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

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fullscreen: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

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Periodical

Creator:
Berlin
Title:
Statistisches Jahrbuch / Herausgeber: Statistisches Landesamt Berlin
Publisher:
Berlin / Statistisches Landesamt
Publication:
Berlin: Kulturbuch-Verlag 1990
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017
Dates of Publication:
1952-1990
ZDB-ID:
2898505-9 ZDB
Previous Title:
Berlin in Zahlen
Succeeding Title:
Statistisches Jahrbuch
Berlin:
B 8 Allgemeines: Statistik
DDC Group:
310 Statistik
Collection:
General Regional Studies
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1981
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017
Berlin:
B 8 Allgemeines: Statistik
DDC Group:
310 Statistik
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-10645526
Location:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Rights reserved
Accessibility:
Free Access
Collection:
General Regional Studies

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)
  • Nummer 1, 2. Januar 1893
  • Nummer 2, 9. Januar 1893
  • Nummer 3, 16. Januar 1893
  • Nummer 4, 22. Januar 1893
  • Nummer 5, 29. Januar 1893
  • Nummer 6, 5. Februar 1893
  • Nummer 7, 12. Februar 1893
  • Nummer 8, 19. Februar 1893
  • Nummer 9, 26. Februar 1893
  • Nummer 10, 5. März 1893
  • Nummer 11, 12. März 1893
  • Nummer 12, 19. März 1893
  • Nummer 13, 26. März 1893
  • Nummer 14, 2. April 1893
  • Nummer 15, 9. April 1893
  • Nummer 16, 16. April 1893
  • Nummer 17, 23. April 1893
  • Nummer 18, 30. April 1893
  • Nummer 19, 7. Mai 1893
  • Nummer 20, 14. Mai 1893
  • Nummer 21, 21. Mai 1893
  • Nummer 22, 28. Mai 1893
  • Nummer 23, 4. Juni 1893
  • Nummer 24, 11. Juni 1893
  • Nummer 25, 18. Juni 1893
  • Nummer 26, 25. Juni 1893
  • Nummer 27, 2. Juli 1893
  • Nummer 28, 9. Juli 1893
  • Nummer 29, 16. Juli 1893
  • Nummer 30, 23. Juli 1893
  • Nummer 31, 30. Juli 1893
  • Nummer 32, 6. August 1893
  • Nummer 33, 13. August 1893
  • Nummer 34, 20. August 1893
  • Nummer 35, 27. August 1893
  • Nummer 36, 3. September 1893
  • Nummer 37, 10. September 1893
  • Nummer 38, 17. September 1893
  • Nummer 39, 24. September 1893
  • Nummer 40, 1. Oktober 1893
  • Nummer 41, 8. Oktober 1893
  • Nummer 42, 15. Oktober 1893
  • Nummer 43, 22. Oktober 1893
  • Nummer 44, 29. Oktober 1893
  • Nummer 45, 5. November 1893
  • Nummer 46, 12. November 1893
  • Nummer 47, 19. November 1893
  • Nummer 48, 26. November 1893
  • Nummer 49, 3. Dezember 1893
  • Nummer 50, 10. Dezember 1893
  • Nummer 51, 17. Dezember 1893
  • Nummer 52, 24. Dezember 1893
  • Nummer 53, 31. Dezember 1893
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Full text

Ur. 10. 
Plötzlich erweckte mich ein ohrenzerreißendes Ge— 
öse. Entsetzt klingle ich den Wirlh herbei. Ich 
Jlaubte, halb Krautheim stehe in Flammen. Der 
sicke Herr kündigte mir an, daß unten anf dem 
Marktplatz die Stadtkapelle zur Vorfeier des Schützen— 
estes einen — Zapfenstreich excekutire. Wir traten 
in das Fenster. Und richtig! Beim Scheine einiger 
jualmenden Fackeln, umgeben von einer großen 
Volksmenge, bemühten sich ca. 1 Dutzend dunkle 
Gestalten, ihren Blechinstrumenten jene schrecklichen 
döne zu entpressen, die mich an Feuerlärm glauben 
ießen und die man hier boshafter Weise mit 
Musik“ zu bezeichnen wagt. Ja, der gute Hôtelier 
ragte mich sogar in der herzerquickenden Einfalt 
eines Gemüths: „ob das nicht sehr schön sei?“ 
Ich aber suchte auf's Neue meine Lagerstatt auf, 
zog die Decke über die Ohren und betete aus der 
Tiefe meines Herzens: „Heilige Caecilie, vergieb 
hnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!“ 
Sijentium, altes Haus! Meine nachmittäglichen 
Sprechstunden, die ich dazu benutzte, diesen Brief 
zu schreiben, sind wieder einmal vorüber gegangen. 
Die Sonne lacht so verlockend in mein Zimmer 
hinein. Gottlob, wenigstens sie ist in Krautheim 
aicht anders wie überall. 
Ich spaziere jetzt nach dem Schloßgarten. Wir 
jaben hier nämlich einen! Und ... nein! Nicht 
vorgreifen. 
Gieb bald ein Lebenszeichen von Dir. Herz— 
üchen Gruß! Fortsetzung folgt. 
Zweiter Brief. 
Krautheim, den 30. Juli ... 
Pater peccavi! Mit tiesster Zerknirschung habe 
ch von Deiner Zurechtweisung: daß ein Redakteur 
»iner Zeitung selbst in den Hundstagen keine Enten 
rusbruütet; daß in den geheiligten Räumen einer 
Redaktion das Skatspielen verpönt ist; und endlich: 
daß der Besuch einer Oper für einen Rezensenten 
keine Erholung, noch weniger einen Genuß, sondern 
eine Arbeit bedeutet, Notiz genommen. Du lieber 
Gott, wie sollte ich auch das alles mit meinem be— 
chränkten Laienverstande wissen. 
Und dann! So sehr Dein Brief als Ganzes 
mich erfreut hat, so heftig hat ein Passus desselben 
gewisse, für Krautheim und einen „gesetzten“ Doctor 
nedicinae gänzlich unpassende Gefühle in mir er— 
veckt. Die blonde Irma, Tochter des streichholz⸗ 
berühmten Schweden, läßt mich durch Dich grüßen. 
Das fehlte nur noch, um mich vollends in den Orkus 
der Unzufriedenheit zu stürzen. Stand sie doch, die 
ich schon halb vergessen, mit einem Schlage vor 
meinem geistigen Auge, fesch und adrett, mit 
blitzenden, blauen Augen und kokettem Titusköpfchen: 
die flotteste Hebe im Bannkreise des ganzen Quartier 
datin. Wir verstanden uns so gut, trotz der Ver— 
chiedenheit der Idiome. Utan svafvel oeh fosfor! 
Ja, es war ein patentes Weib, mit der Gestalt einer 
Thorwald'schen Grazie und der ausgepichten Kehle 
eines bemoosten Hauptes im zwanzigsten Semester. 
Brüße sie wieder. Tempi passati... 
Von der verführerischen Biergrazie zu den biederen 
Krautheimern ist ein weiter Schritt, den ich aber 
ohne Besinnen, um, meine Seelenruhe wieder zu 
erlangen, thue. Vielleicht wunderst Bu Dich, daß 
ich mit solch' anscheinendem Behagen in meinen 
Wunden wühle und eine Dir unbekannte Schreib— 
seligkeit an den Tag lege. Ironie theurer Freund, 
zrausame Ironie, das Bedürfniß meine Spottsucht 
in meinen Mitbürgern wenigstens auf dem Papier 
auslassen zu können und mich so über die Mono— 
onie meines Daseins, wenn auch nur auf Stunden 
hinwegtäuschen zu können, das sind die Ursachen 
dieser Erscheinung. 
Du weißt es am besten, mit welchen Gefühlen 
ich hierher gegangen bin. Aber die Aussichts- 
losigkeit als „junger Anfänger“ ohne Protection in 
der großen Stadt eine, wenn auch bescheidene Praxis 
zu erhalten, die Tyrannei eines gichtischen, mit sich 
und der Welt zerfallenen Onkels, der für seine, ach, 
wie mageren Zuschüsse, endlich auch „Thaten““ 
sehen wollte, zwangen mich, die vakante Stellung 
eines Arztes für Krautheim anzunehmen. O, daß 
ich das ganze Nest in den schwarzen Fluthen meines 
Dintefasses versenken könnte und mich mit dazu. 
Wie wohl wäre mir dann! 
Doch nein! Mein Groll, der sich in der Haupt⸗ 
iache nur gegen die Ungunst der Verhältnisse zu 
richten hätte, führt mich zu weit. Sei ich gerecht. 
Es giebt unter den jungfräulichen Krautheimerinnen 
einige ganz nette Bälge, denen das Evangelium 
der Liebe auszulegen ein ebenso angenehmer wie 
naützlicher Zeitvertreib wäre. Sie kranken aber 
durchweg an einem Cardinalfehler, von dem ich sie 
nicht heilen kann und werde: sie wollen alle ge— 
heirathet siin. So was man anderwärts ein ge— 
nüthliches, kleines Verhältniß nennt, ist hier 
chlechterdings unmöglich. Es würde sich auch für 
nich nicht schicken. 
Avbgesehen von dieser weiblichen, Krankheit er— 
reuen sich alle Krautheimer, vom nickenden Greise 
herab bis zum windeldecorirenden Säugling, einer 
zeradezu verzweifelten, für mich die trübsten Aus— 
ichten auf die Zukunft eröffnenden, Gesundheit. 
Berliner Illustrirte Zeitung. 
Iltersschwäche ist die gebräuchlichste Todesart. Wäre 
h nicht noch Kassenarzt der nahegelegenen Ziegelei, 
3 meinen Beruf hier vollkommen verfehlt 
aben. 
Laß mich nun nach diesen allgemeinen Be— 
gerkungen, die chronologische Reihenfolge meiner 
rxrlebnisse weiter fortführen. Der naͤchste Tag 
ach meiner Ankunft, ein Sonntag, brachte das 
schützenfest. 
Theurer Freund, wenn Du je einmal an Welt— 
hmerz leiden solltest, so versuche es so einzurichten, 
zaß Du in den Monagten ohne R damit behaftet 
virst. Begieb Dich dann auf den Dir nächst— 
elegenen Bahnhof, nimm ein Retourbillet mit 
weitägiger Gültigkeit und besuche ein kleinstädtisches 
zchützenfesft. Meine Bierehre zum Pfand, du wirst 
eheilt zurückkehren. 
Nun wirst Du vielleicht in dem eben Geschrie— 
enen einen Widerspruch mit meiner vorher ge— 
hilderten Stimmung erblicken. Aber entsinne Dich, 
aß ich nicht nur zu einem vorübergehenden Auf— 
nihalt mit Retourbillet hier anwesend bin, und 
aß nur einmal im Jahre Schützenfest ist. 
Ich schlief an jenem festlichen Tage ziemlich weit 
n den Vormittag hinein. Als ich dann Toilette 
emacht, gefrühstückt, besah ich mir, vom Fenster 
ius, das Treiben auf dem Marktplatz. Hier war 
lles in festlichfroher Bewegung. Ver Flaggen— 
hmuck hatte sich verdichtet; Guirlanden waren, wo 
s passend und unpassend schien, angebracht; es 
ah gar nicht so unübel aus. Das Volk von Kraut— 
eim wogte auf und nieder, oder stand eifrig 
hwadronirend in Gruppen beieinander. Vor einem 
ltersgrauen Hause, in dem ich, der zu beiden 
zeiten des Einganges hängenden vergitterten Kästen 
oegen, nicht mit Unrecht das Rathhaus vermuthete, 
alte schon das Gros der Schützen Aufstellung ge— 
sommen. Aus allen Richtungen kamen weitere 
delden des Tages mit ihren Kuhfüßen herbeigeeilt. 
dimmel, was für Gestalten! Große und kleine, alte 
ind junge, dicke und dünne. Aber die Dicken bil— 
eten doch die Majorität; Cäsar würde sich inmitten 
ieser Wänste gewiß sicher gefühlt haben. Welche 
Nannigfaltigkeit der Uniformirung, der Bewaffnung! 
Lahrhaft imponirend aber wirkte der Medaillen— 
hmuck, den sie alle angelegt hatten; unter vier 
atte keiner aufzuweisen. Das Mufskkorps stand 
twas abseits. 
Da wurde aus dem Hofthor des „goldenen 
zahn“ der blinde Schimmel von Christian, so heißt 
ämlich das krummbeinige Universalfaktotum, her— 
usgeführt. Ich kannte ihn, den Schimmel, kaum 
zieder. Eine alte Husarenschabracke schmückte seinen 
iageren Rücken, blaugelbe Schleifen flatterten von 
en Ohren hernieder; auch im Uebrigen war er 
ar stattlich gestriegelt und aufgezäumt. Das 
rfonnae Jung-Krautheim lief mit lautem Halloh 
erbei. 
Nun erschien auch mein behäbiger Wirth. Aber 
oie herausstaffirt! Dunkelgrüne Joppe mit goldenen 
zchulterraupen und dito gestickten Sammtkragen; 
veißleinene, prallsitzende Escarpins, Dreimaster mit 
tolz flatterndem Federstutz, bildeten ein aufsehen— 
rregendes Ensemble. Um die Schulter schlang sich 
ine blaugelbe Schärpe, um des Bäuchleins lieb— 
iche Rundung war ein Degen geschnallt; an den 
zliefeln prangten mächtige Pfundsporen. Jeder 
zoll an ihm ein Vorwurf für den Griffel Meister 
IAberländers. 
urrah, der Herr Major!“ johlten die Flachs— 
öpfe. 
Er nickte huldvollst nach allen Seiten, strich die 
veißen Handschuhe glatt und bemühte sich dann, 
iuf den steilen Rücken des blinden Schimmels zu 
elangen. Aber so ohne Weiteres ging das nicht. 
ẽrst Christians thatkräftiger Intervention gelang 
s, seinen Herrn in den Sattel zu helfen. Freilich 
ab er ihm einen so gewaltigen Schwung, daß er 
ei einem Haar auf der anderen Seite des Schim— 
nels wieder hinabgekullert wäre; aber schlieklich 
ling doch alles glücklich ab. 
Stolz wie ein siegreicher Feldherr blickte der 
Major? einen Moment von seiner erhabenen Höhe 
serab um sich her und wischte sich den Schweiß von 
er Stirn. Dann zog er den Degen und salutirte 
nit Grandezza zu mir herauf. Christian gab dem 
zchimmel einen herzhaften Schlag mit der flachen 
zand auf das magere Hintertheil und, umschwärmt 
on der schreienden und Purzelbaum schlagenden 
rautheimer Jugend, steuerte der alte Herr im 
inften —— quer über den Marktplatz, auf 
eine Truppe zu. 
Und nun, lieber Georg, gab es ein Schauspiel 
ür Götter! Die Schützen hatten sich in drei Gliedern, 
ie Musik auf dem rechten Flügel, formirt, und be— 
zrüßten den Ankommenden mil einem dreimaligen, 
räftigen „Hurrah!“ und schmetterndem Tusch. Der 
schimmel machte steifbeinig Halt. Der Major 
itschelte ihm begütigend den langen Hals, der 
zchützen lieutenant, Apotheker Lemke, eine lange, 
dindeldürre Figur, trat hinzu und versuchte ihn, 
»ährend einige „Gemeine“ nachschieben wollten, 
m Zaum vorwärts zu ziehen — umsonst! Der 
schimmel blieb wie angewurzelt stehen 
41 
Jetzt wurde der Major wüthend und gab ihm 
die Sporen. Das nahm er aber übel auf. Er 
hockte — einige verzweifelte Armbewegungen des 
Majors — dann kehrte der Schimmel reiterlos, in 
iller Gemüthsruhe, mit bewundernswürdigem In— 
tinkt nach dem „goldenen Hahn“ zurück, wo ihn 
Thristian mit unverkennbarer Schadenfreude in 
Empfang nahm. 
Hülfreiche Hände richteten den so jählings von 
einer stolzen Höhe herabgeschleuderten auf und 
ceinigten ihn vom Straßenstaube. 
Nachdem er dem Schimmel noch eine Faust 
nrachgesendet, übernahm er das Kommando der 
Schützen. Die Musik begann wieder ihre ohren— 
gerreißende Thätigkeit, eine Deputation, mit dem 
Lieutenant an der Spitze, begab sich in das Rath— 
haus und kehrte bald darauf mit der Fahne zurück. 
Jetzt nahte ein feierlicher Moment. Drei be— 
rackte Herren: der Bürgermeister, der Rektor und 
der Kämmerer, traten aus dem Hause. Der Bürger— 
neister nahm den Frontrapport entgegen und schritt 
sann, entblößten Hauptes, unter den Klängen des 
„Hoch soll er leben!“ die das Gewehr präsentirende 
Front ab. Ganz nach berühmtem Muster. 
Dann setzte sich der Zug nach dem Hause des 
Schützenkönigs in Bewegung. Leider wurde der 
Totaleffekt des Vorbeimarsches, durch das auffällige 
dumpeln des Majors sehr beeinträchtigt. 
In kurzer Zeit war der Platz entvölkert. Nur 
die aus der Ferne immer schwächer und schwächer 
zerüberdringenden, dumpfen Töne der Pauke, er— 
nnerten an den Glanz, der sich noch vor Kurzem 
hier entfaltete. 
Am Nachmittag .... 
Verzeihe, lieber Georg! Soeben überrascht mich 
Thristel, die magdliche Maid des Hauses, mit der 
Nachricht, daß im Sprechzimmer ein Mann an— 
wefend sei. Der erste Patient! 
Vivat sequens! 
Es war blinder Lärm. Der „erste Patient“ war 
ein Mann, Namens Molch, der gehört haben 
vollte, daß ich einen Wichsier brauche. Sonst war 
er ganz gesund. Ich engagirte ihn. 
Ich kann also da fortfahren, wo ich stehen ge— 
zlieben bin. 
Am Nachmittag begab ich mich nach dem 
Schützenplatz. Er liegt etwa eine halbe Stunde 
dor der Stadt. Diese selbst war wie ausgestorben. 
Mein Tritt widerhallte ordentlich in den Sonnen— 
zurchglühten, leeren Straßen. Hier und da saß ein 
altes Mütterchen am Fenster, oder ein alter Mann 
nit langer Pfeife auf der Bank, welche sich vor 
dielen Häusern befindet. Und gewiß beugte sich das 
Mütterchen aus dem Fenster, nahm der alte Papa 
die Pfeife aus dem Munde, um mir neugierig 
nachzuschauen. Er war ja ein ihnen fremdes Gesicht. 
Desto lebhafter ging es auf dem Festplatz, der 
ich vor dem aus Fachwerk erbauten Schützenhause 
ausbreitet, zu. Wie in einem Bienenkorbe summte 
und schwirrte es durcheinander. Nicht nur Kraut— 
zeim, auch die Dörfer im fünfmeiligen Umkreise 
chienen ihre männlichen, weiblichen und sächlichen 
xinwohner hierher entsendet zu haben. Und das 
illes drängte und schob sich vor, an und in den 
Faroussels, Würfel-, Kauf- und Schaubuden und 
Bierzelten. Und in das Geschrei und Gelächter, 
n das Brüllen der Ausrufer und dem zu einer 
Monstre⸗sDisharmonie zusammenfließenden Gedudel 
iner Mandel Drehorgeln, hallten die Klänge der 
Blechmusik aus dem Schützengarten und die hellen, 
charfen Salven von den Schießständen hinein. 
Hoch ob allem Volk ragte, auf einer mächtigen, 
imgestülpten Kiste stehend, der Jünger Israels aus 
»em Omnibus, hervor. Mit ungeheurem Stimm— 
rufwande pries er den Umstehenden seine Hosen— 
räger an. Der Staub hatte sein heißes Gesicht 
nit einer dicken Kruste überzogen, in welche die von 
der Stirn niederperlenden Schweißtropfen lange, 
chmutzige Rinnen zogen. 
Jetzt erblickte er mich. 
„Aha, Aha, der Herr Doctor ist da!“ rief er 
jeiser. „Meine Herren, sehen Sie wie seine Hosen 
itzen — schlank und glatt wie'n Aal! — Und 
varum? Weil er trägt die elastischen, unzerreiß— 
haren, unverwüstlichen Hercules-Hosenträger! Stück 
ür Stück ausnahmsweise eine Mark! — 'N Tag, 
derr Doctor!“ nickte er mir vertraulich zu. 
Alle lachten auf meine Kosten. Ich hatte nicht 
übel Lust, den unverschämten Hallunken von seiner 
Kiste herabzuziehen und zu ohrfeigen. Aber das 
zätte mich nur noch mehr in die Mäuler der Leute 
zebracht. So beeilte ich mich denn dem Trubel zu 
entkommen. 
Eine nette Art der Einführung, nicht wahr? 
Bald lag der Festplatz hinter mir. Die Sonne 
war im Verscheiden; glutroth blickte der glühende 
Ball aus dem ungeheuren Staube, der zu ihm 
»mporstieg. 
Gemächlich schlenderte ich durch die weiten, wo— 
zenden Aehrenfelder dahin. Immer ferner und 
zerworrener klang der Lärm mir nach. Der Himmel 
var tiefblau und die Hitze des Tages wurde durch
	        

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