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Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln (Public Domain) Ausgabe 1919 (Public Domain)

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Periodical

Creator:
Neukölln
Title:
Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln
Publication:
Berlin 1920
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2016
Dates of Publication:
1919-1920
ZDB-ID:
2859803-9 ZDB
Berlin:
B 759 Staat. Politik. Verwaltung: Bezirksverordnetenversammlung. Stadtbezirksversammlung
Urban Studies:
Kws 757 Verwaltungsorganisation: Allgemeines
DDC Group:
320 Politik
Collection:
State,Politics,Administration,Law
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1919
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2016
Keywords:
Neukölln
Berlin:
B 759 Staat. Politik. Verwaltung: Bezirksverordnetenversammlung. Stadtbezirksversammlung
Urban Studies:
Kws 757 Verwaltungsorganisation: Allgemeines
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-8220301
Location:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
State,Politics,Administration,Law

Issue

Title:
21. März 1919
Publication:
, 1919-03-21

Contents

Table of contents

  • Amtlicher stenographischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten zu Neukölln (Public Domain)
  • Ausgabe 1919 (Public Domain)
  • 21. März 1919
  • 28. März 1919
  • 11. April 1919
  • 25. April 1919
  • 9. Mai 1919
  • 23. Mai 1919
  • 4. Juni 1919
  • 27. Juni 1919
  • 18. Juli 1919
  • 22. August 1919
  • 5. September 1919
  • 26. September 1919
  • 22. Oktober 1919
  • 21. November 1919
  • 12. Dezember 1919
  • 22. Dezember 1919

Full text

leider eine M enge frag w ü rd ig er E lem ente wie überall. (A ha-R ufe!) A ber die R eg ierung m u ß sich ih re r be­ dienen, um sich gegen die gew altsam e D iktatur zu schützen, um den demokratischen Aufstieg der M enschheit zu gew ährleisten. Die R eg ie ru n g stru p p en stellen dar den Schutz der D em okratie und S ie stellen d ar, den T o ten g räb er der R evolu tion . E s ist eine S k laven­ m o ra l, w enn S ie vielleicht g lauben, durch diese D iktatur zu Ih re m Z iele zu kommen. G enau w ie der Sklave, w enn er seine Fesseln sprengt, oft zum T y ra n n w ird , so w erden S ie zum T y ra n n durch die M aß reg e ln und j durch die M it 'e l der D iktatur. W ir ab e r sagen: Tod der T yrannei, gleichviel von welcher S e ite sie kommt. W ir können I h r e A n träge nicht unterstützen, solange sie die B evölkerung w eiter heimsuchen m it diesen G e­ waltputschen, w ird die R eg ie rung gezw ungen sein, M aß reg e ln zu treffen, um I h r e Anschläge auf die G rundrechte des Volkes zurückzuschlagen. (G roßer B eifall. W iderspruch. L ä rm .) Sfabfo. Künstler (U. S . P . D .): Ich g laubte mich nach W eim ar versetzt, a ls ich den sehr breit angelegten V o rtra g — ich w ill lieber sagen V orlesung — des H errn W erm uth hören m ußte. Z u r S ache selbst hat er kein W o rt gesagt, kein W o rt über die Scheußlich­ keiten der S o ld a tesk a . M it solchen allgem einen R ede­ w endungen zeigt m an eben, daß m an g a r nicht in der L age ist, diese Politik, w ie sie von I h r e r S e ite ge­ trieben w ird , zu verteidigen. H e rr W erm uth glaubte, m einem P a rte ifreu n d Radtke einen V o rw u rf machen zu können. D er w ird die Sache selbst klarstellen. A ber ich kenne sehr viele H erren van der m ehrheitssozialisti­ schen P a r te i , die seinerzeit B e fü rw o rte r der Politik der sozialdemokratischen Arbeitsgem einschaft w aren . A ls es dann ab e r h a rt au f h a rt ging, w o die G eister sich schieden au s Angst v o r der eigenen C ourage , daß sie eventuell auf G ru n d ih re r U eberzeugung eingezogen w ürden , da sind S ie denn nachher zum R egierungs- Sozialism us übergegangen. (W iderspruch und S e h r richtig! U nruhe.) D a s eine m uß m al festgestellt w erden : I n einer w idersinnigen A rt und Weise w ird eine P ro g ro m -S tim m u n g erzeugt gegen die U nabhängige P a r te i , w ogegen die P ro g ro m e der früheren zaristischen R eg ierung gegen die Ju d e n ein Kinderspiel sind. W ie liegen die V erhältn isse? E s w urde schon gesagt, wie sich die R eg ierungstruppen in der Tham asschule gegen­ seitig bekäm pften, wie übera ll S partak isten die R e ­ g ierungstruppen bedrohten, und w ie lagen die D inge in Wirklichkeit? I m Hause H arzerstraße 64 w aren auf dem Dachboden zwei M aschinengew ehre eingebaut, und die befunkten auch die T rep to w er S tra ß e , w o ich w ohne. Und die Leute auf der S tra ß e sagten: D a oben sitzen die S partak isten und beschießen die ruh igen B ü rg e r und die R eg ierungstruppen . E rst auf D rän g en der B ew o h n er in diesem Hause hat der V erw alte r die Sache untersucht. Und wissen S ie , w er auf diesem Dachboden H arzerstraße 64 gesessen ha tte? Z w ei R e g ie ru n g stru p p en ; und der V erw alte r w a r gezw ungen, bei dem L eu tnan t vorstellig zu w erden, daß die R eg ie rungstruppen den Dachboden verlassen sollten, sonst hätten die M ie te r dem H a u sw irt die M iete gesperrt. S ie sehen, wie diese S o ld a te sk a sich übera ll einnistete, und w ie sie dann Unruhe und Unsicherheit in den S tra ß e n van Neukölln verbreitete. E s ist eigentlich komisch und sonderbar, daß die H erren von der S . P . D. u n s vorw erfen , w ir hätten ein g ro ß es M a ß Schuld an diesen V orgängen , w ährend hier auf der anderen S e ite H err O b erb ü rg er­ m eister Kaiser selbst erklärte, daß er m einer P a r te i und auch dem A rb e ite rra t, dem viel verlästerten, von Neukölln d as zugesteht, daß sie vielleicht a lles getan haben, um die R uhe und S icherheit für Neukölln zu verbürgen . S ie sehen, auf welch schiefe E bene sie ver­ fielen. A ber, verehrte D am en und H erren , w ir a ls unabhängige Sozialisten und auch die K om m unisten scheuen u n s nicht, es auszusprechen und bestreiten es auch nicht, daß überall üble E lem ente, sagen w ir ruh ig : gem eingefährliche V erbrecher, am W erke sind, U nruhen zu stiften. (R ufe : N a also!) J a , na also, w er will denn behaupten, und ich glaube, es kann u n s keiner a beweisen, daß unser Volk und dam it die deutsche Ar- | beiterklasse durch einen 4 1 2jährigen K rieg veredelt w orden ist. I m G egenteil, jeder, der schon draußen w ar, der es nicht so gemacht hat, wie gewisse über­ zeugte Sozialisten , der w ird zugeben müssen, daß unser Volk verroh t ist, und daß w ir zum Teil, die wir wirklich im Schützengraben gelegen haben, viel an kulturellen S itte n verloren haben und w ir im Laufe der Z eit, a ls w ir in die K ultu r zurückkamen, wieder « viel annehm en m ußten (H ört, hört!), und w enn der \ H err dort, der Zwischenrufer, hört, hö rt! sagt, so zeigt j e r jedem, daß er vielleicht den Schützengraben in seiner ganzen A rt, in seiner ganzen Fürchterlichkeit nicht ge- i sehen hat. Nachdem nun der K rieg m it seinen fürchtet- | liehen F o lgen d as Volk verroh t hat, ist es ganz logisch | und selbstverständlich, daß V erbrecher m ehr a ls je auf-W tauchen. E s kommt dann noch hinzu die traurige | soziale L age, in der w ir u n s befinden, die ein Produkt j des schrecklichsten a ller Kriege ist. Auch diese schafft | V erbrecher. H aben w ir es nicht schon in sogenannten f n o rm alen Z eiten gesehen, daß bei wirtschaftlichen Nieder- | gängen die Krim inalstatistik außerordentlich in die Höhe j gegangen ist. Und d as soll nicht der F a ll fein, nach- ^ dem ein so tra u rig e r K rieg so grenzenloses E lend über ) d a s deutsche L and gebracht h a t? Ich sage, es ist 11 selbstverständlich, daß nach einem solchen K rieg mit 1 solchen Begleiterscheinungen derartige V erbrechen fast j an der T ag eso rd n u n g find, und niem and hat d as Recht, j einer P a r te i , w ie es die U. S . P . ist, diese L eute an fl die Rockschöße zu hängen. (S e h r gut!) J e n e Leute s haben kein Recht dazu, die gerade durch ihre K riegs- 1 Politik dazu beigetragen haben, daß w ir heute vor so t trau rig en Verhältnissen stehen. J e n e Leute sollten tn jj sich gehen, sollten sich selbst einm al d arü b er Rechenschaft« ablegen über die langen J a h re ih rer verkehrten Politik. | Und w enn m an schon die gem eingefährlichen V erbrecher ; an die Rockschöße einer politischen P a r te i hängen will. * so ist d a s sehr leicht und billig, es zeugt ab er davon, I daß m an nicht die nötigen geistigen W affen besitzt, u m i eine solche P a r te i w irkungsvoll zu b ekäm pfen / H errD D r. B ru n n w a r es, der glaubte, sich auf die A us- Z führungen eines H errn Noske oder eines H errn Hebte 1 zu berufen, um dam it zu beweisen, w ie recht er ge-V handelt hatte. M eine verehrten D am en und H erren ! | W enn H err D r. B ru n n kein an d eres B ew eism ateria! Z herbeibringen kann, a ls w ie die K ronzeugen Noske und j H eine, dann zeigt er allein schon, wie schlecht und jj falsch seine Politik in diesen T ag en gewesen ist. s (R ufe: N a, n a!) W enn auch ein Reichsw ehrm inister D Noske noch so hoch steht, w enn auch er es w a r , d e r .■ d as S tan d rech t über G ro ß -B erlin verhäng t hat, so steht 1 doch d as eine heute schon fest und w ird von keiner | politischen P a r te i m ehr bestritten, daß auch dieses ß S tan d rech t verhäng t w orden ist auf G ru n d einer Lügen- j M eldung, auf G rund jener M etzeleien, die angeblich in Z Lichtenberg stattgefunden haben sollen, und w enn S ie | d a s nicht glauben, so lesen S ie n u r einm al die A e u ß e -1 rungen des Lichtenberger Polizeipräsidenten nach. - S e h e n S ie , auf G ru n d solcher Schwindelnachrichten. > die von allen bürgerlichen B lä tte rn verzapft m orden sind, auch vom regierungssozialistischen „ V o r w ä r t s " ! h a t sich der S ozia lis t und A rbeiter Noske gem äßigt • gefühlt, d as S tand rech t über G ro ß -B erlin zu verhängen! W enn je ein M a n n , der eine V eran tw o rtu n g vor | der Oeffentlichkeit hat, ein so trau rig e s F iasko gemacht 1 hat m it seiner B ew eisführung , so ist es heute Abend H err S ta d tr a t D r. B ru n n gewesen. D as eine steht l fest, trotzdem ein g ro ß er T eil der Neuköllner A rbeiter-Z schaft ziemlich oppositionell gerichtet ist, daß b is zu 3 jenem denkw ürdigen Einrücken der w eißen G ard e kein j B lu ts tro p fen in Neukölln vergossen w orden ist, und alle | die Anklagen, die gegen die U nabhängigen und Sparta-- Z fisten geschleudert w orden sind, w erden durch diese eine | Tatsache vollständig w iderlegt. E rst m it dem Eintreffen j dieser w eißen G ard e ist dieses B lu tverg ießen in N eu­ kölln über u n s gekommen, und m ein P arte ifreu n d 1 14

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