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Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 27.1924 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

fullscreen: Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 27.1924 (Public Domain)

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Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Monografie

Titel:
Berlinisches Historienbuch / hrsg. von George Hesekiel. Mit Ill. von Wilhelm Scholz
Editor:
Hesekiel, George
Illustrator:
Scholz, Wilhelm
Erschienen:
Berlin: Hollstein, 1851
Sprache:
Deutsch
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2011
Umfang:
VII, 422 Seiten
Berlin:
B 110 Geschichte: Gesamtdarstellungen der Geschichte Berlins
Dewey-Dezimalklassifikation:
943 Geschichte Deutschlands
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-opus-104468
Sammlung:
Geschichte, Kulturgeschichte
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Signatur:
B 110/2
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

Kapitel

Titel:
Der Knüttelkrieg bei Spandau

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  • Berliner Leben (Public Domain)
  • Ausgabe 27.1924 (Public Domain)
  • Band 1
  • Band 2
  • Einband
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  • H. 21
  • H. 22
  • H. 23
  • H. 24
  • H. 25
  • H. 26
  • H. 27
  • H. 28
  • H. 29
  • H. 30
  • H. 31
  • H. 32
  • H. 33
  • H. 34
  • H. 35
  • H. 36
  • H. 37
  • Rückdeckel

Volltext

Nr. 25 
Jafirg. 27 
16 
„Wie ich nach diesen Reizen lechze, Anna“, flüsterte 
der Junker erregt, „wie ich Euch liebe, wißt Ihr nicht.“ 
„Schont mich“, bat das Mädchen verzweifelt, „wenn 
Ihr mich wirklich liebt, schont mich.“ 
Aber der Junker achtete der flehenden Bitten nicht. 
Mit Schaudern fühlte die Gefangene die heißen Lippen 
des Mannes auf ihren Lippen. Da biß sie in wahn 
sinniger Verzweiflung zu. 
Der Junker sprang wütend auf. „Schön“, lachte er 
roh, „ich bleibe Euch auch diesen Biß nicht schuldig. 
Meine Henker verstehen sich auf die Folter.“ Er eilte 
zur Tür, rief die Knechte und ließ Anna Holzmacher 
zum Verhör führen, 
n 
Bei dem Verhör fehlte der Knecht, der gesehen haben 
wollte, wie Anna ihr Kind ertränkt hatte. Aber Eberlein 
meinte, daß die Aussage des Knechtes vom Gericht 
bereits gehört worden sei und nicht mehr wiederholt 
zu werden brauche. Da Anna wiederum jede Schuld 
bestritt, beschloß das Gericht, sogleich mit der Folter 
zu beginnen. Vier Fäuste packten die bleiche Anna und 
rissen sie zur Folterkammer. Der Oberstadtrichter und 
ein Beisitzer folgten. Als das Mädchen in die Folter 
kammer trat, schrie sie leise auf. Aber schon wurde sie 
von den Folterknechten auf die Bank gefesselt. 
„Habt Ihr Euch nun anders besonnen?“ fragte Eber 
lein Anna höhnisch. Aber Anna rief; „Ich bin un 
schuldig!“ 
Da gab Eberlein den Knechten ein Zeichen und die 
Bank dehnte sich durch Umdrehungen eines Rades aus. 
Annas schlanker Körper wurde mitgedehnt. Sie emp 
fand ein heißes Zucken in ihren Gliedern. Zwei Folter 
knechte ergriffen geknotete Peitschen und stellten sich 
zu beiden Seiten der Folterbank auf. Der Richter trat 
zu Anna heran und riß ihr die letzten Blusenreste vom 
Leibe. „Schade um das hübsche, verstockte Weib“, 
sprach er zu dem Beisitzer. 
„Wirklich schade“, antwortete dieser, dem die Lust 
beim Anblick des weißen Oberkörpers, der vor ihm 
lag, aus den kleinen Augen sprühte. 
„Ihr wißt doch“, wandte sich Eberlein mit höhnischem 
Grinsen an Anna, „daß Ihr noch Zeit habt, zu ge 
stehen?“ 
Als das tapfere Mädchen ihn aber keiner Antwort 
würdigte, befahl er den Knechten: „Waltet Eures 
Amtes.“ 
Bei den Schlägen stöhnte das junge Weib laut auf 
und wand sich vor Schmerzen. Sie ward noch bleicher 
und drohte, in Ohnmacht zu fallen. 
Eberlein schrie: „Bekennt Ihr Euch schuldig?“ 
Da schlug das bereits blutüberströmte Mädchen die 
Augen auf, stöhnte leise und flüsterte kaum hörbar ein 
„J a !“ 
Rasch ließ Eberlein sie von den Fesseln befreien und 
der Beisitzer reichte ihr eine Gänsefeder und ein ge 
siegeltes Schreiben. 
Mit zitternden, schwachen Händen unterschrieb Anna 
Holzmacher ungelenk ihr Schuldbekenntnis. 
flr 
Eberlein hatte mit seiner Fürsprache vor dem Ge 
richtshof nichts erreichen können. Anna Holzmacher 
wurde verurteilt. 
Der Tag der Urteilsvollstreckung war gekommen. 
Bleich, mit geröteten Augen, lag Anna gefesselt im 
Kerker. Ihre Mutter und ihr Vater „hatten eben Ab 
schied von ihr genommen und sie hatte eine goldene 
Locke abgeschnitten und sie der Mutter mit der Bitte 
gegeben, diesen letzten Gruß Immo zu geben, wenn er 
wiederkomme. 
Die alte Holzmacherin hatte leise mit dem Kopf ge 
schüttelt und die Locke an sich genommen. Aber Anna 
rief aus: „Ich glaube doch an ihn! Er kommt, und sei 
es nur, das Grab einer armseligen Mörderin zu sehen!“ 
Da küßte der alte Schmied seine Tochter warm auf 
den Mund und sagte: „Ich weiß, daß mein einziges Kind 
unschuldig stirbt“, und führte sein leise weinendes, weiß 
haariges Weib langsam aus dem kalten, feuchten Ge 
wölbe. 
Dann kam Eberlein mit dem Geistlichen, der tröstende 
Worte von der Vergebung der Sünden sprach. Und 
Anna betete ihr letztes Gebet und der Geitsliche ver 
gab ihr im Namen des dreieinigen Gottes. Dann kamen 
die Henker, um sie zu entkleiden, denn das Gesetz 
schrieb vor, daß die Kindesmörderin entblößt vor allem 
Volke zu Tode gepeitscht werde. 
* 
Die Verurteilte ging ihren letzten, schwersten Gang. 
Sie fühlte auf dem Marktplatze die Augen der Tausende 
auf sich gerichtet, fühlte den begehrlichen Blick des 
Oberstadtrichters ihren weißen Leib betasten, als sie 
an den Pfahl gebunden wurde, Das Volk murrte laut 
auf, hundert Zurufe klagten Eberlein als falschen 
Richter und als Verleumder an, hundert drohende 
Fäuste reckten sich dem Junker drohend entgegen. Der 
ließ durch Hellebardiere das Volk vom Richtplatz zu 
rückdrängen, befahl den Knechten, die Delinquentin 
fester zu binden. Anna Holzmacher wurde zu Boden 
gerissen, mußte vor dem Pfahl knien. Ihre Arme wurden 
um die Staupsäule gefesselt und der Geistliche reichte 
ihr das Kreuz zum Kusse. Lauter und stärker schollen 
die Rufe der Empörung. Da riß der Junker dem Henker 
die bleibeschwerte Geißel aus der Hand und ließ sie 
klatschend auf den Rücken des Mädchens niedersausen. 
Da ertönte Pferdegetrappel am Ende des Marktes. 
Scheu und hastig machte die Menge den wilden Reitern 
in blitzenden Rüstungen Platz. Selbst die Hellebardiere 
wagten keinen Widerstand zu leisten. Jeder wußte, daß 
nun etwas geschehen mußte, das irgendwie mit der 
armen Sünderin zusammenhing. Eb erlein war noch 
bleicher geworden. Er hatte in dem Anführer der 
Reiter Immo Balz erkannt. 
„Haut die Aufwiegler zu Boden“, schrie er mit sich 
überschlagender Stimme. 
Aber schon waren Immo und seine Reiter von den 
Pferden gesprungen und auf dem Richtpflock angelangt. 
Mit starker Faust riß Immo einen zitternden Knecht 
vor, zeigte ihn dem Volke und rief: 
„Dieser Schurke ist von einem größeren, dem Ober 
stadtrichter, bestochen worden, falsch wider Anna Holz 
macher auszusagen. Es ist nicht wahr, daß sie ein 
Knäblein ertränkt hat.“ 
Und zu dem geduckten Knecht gewandt, rief er: 
„Stimmt’s?!“ 
Der nickte hastig mit dem Kopfe. 
Nun war die Erregung des Volkes auf das höchste 
gestiegen. 
„Aufwiegler wollen das Gesetz verspotten?!“ rief 
Eberlein mit schriller Stimme. 
Da antwortete Immo: „Nein, aber die Ungerechtig 
keit bestrafen.“ 
Und mit einem Streich seines Schwertes schnitt er 
die Fesseln Annas los, bedeckte die Entblößte mit 
seinem Mantel und hielt die Erschöpfte in seinen starken 
Armen. 
Das Volk stürmte gegen Eberlein vor. Die Helle 
bardiere hinderten die Menge nicht. Von hundert 
Fäusten zugleich getroffen, sank Eberlein tot zu Boden. 
Anna aber flüsterte: „Ich wußte, Immo, daß du 
kommst, du Geliebter! 
Und wie im Triumphzuge führte Immo seine Geliebte 
durch das jubelnde Volk.
	        

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