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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1911, XX. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

Volltext: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1911, XX. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

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Zeitschrift

Titel:
Der Berlinische Zuschauer : eine Wochenschrift
Erschienen:
Berlin: [Verlag nicht ermittelbar] 1772
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2015
Erscheinungsverlauf:
T. 1.1769 - 7.1772 = St. 1-157
Umfang:
Online-Ressource
ZDB-ID:
2822457-7 ZDB
Berlin:
B 2 Allgemeines: Zeitschriften
Dewey-Dezimalklassifikation:
050 Zeitschriften, fortlaufende Sammelwerke
Sammlung:
Berliner Zeitungen, Zeitschriften
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

Band

Erschienen:
1770
Sprache:
Deutsch
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-11183482
Standort der Druckausgabe:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Signatur:
B 2/14:1770,4
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang
Sammlung:
Berliner Zeitungen, Zeitschriften

Ausgabe

Titel:
Das 85. Stück

Schnellzugriff

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  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1911, XX. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)
  • Einband
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nr. 1, 1. Januar 1911
  • Nr. 2, 8. Januar 1911
  • Nr. 3, 15. Januar 1911
  • Nr. 4, 22. Januar 1911
  • Nr. 5, 29. Januar 1911
  • Nr. 6, 5. Februar 1911
  • Nr. 7, 12. Februar 1911
  • Nr. 8, 19. Februar 1911
  • Nr. 9, 26. Februar 1911
  • Nr. 10, 5. März 1911
  • Nr. 11, 12. März 1911
  • Nr. 12, 19. März 1911
  • Nr. 13, 26. März 1911
  • Nr. 14, 1. April 1911
  • Nr. 15, 9. April 1911
  • Nr. 16, 16. April 1911
  • Nr. 17, 23. April 1911
  • Nr. 18, 30. April 1911
  • Nr. 19, 7. Mai 1911
  • Nr. 20, 14. Mai 1911
  • Nr. 21, 21. Mai 1911
  • Nr. 22, 28. Mai 1911
  • Nr. 23, 4. Juni 1911
  • Nr. 24, 11. Juni 1911
  • Nr. 25, 18. Juni 1911
  • Nr. 26, 25. Juni 1911
  • Nr. 27, 2. Juli 1911
  • Nr. 28, 9. Juli 1911
  • Nr. 29, 16. Juli 1911
  • Nr. 30, 23. Juli 1911
  • Nr. 31, 30. Juli 1911
  • Nr. 32, 6. August 1911
  • Nr. 33, 13. August 1911
  • Nr. 34, 20. August 1911
  • Nr. 35, 27. August 1911
  • Nr. 36, 3. September 1911
  • Nr. 37, 10. September 1911
  • Nr. 38, 17. September 1911
  • Nr. 39, 24. September 1911
  • Nr. 40, 1. Oktober 1911
  • Nr. 41, 8. Oktober 1911
  • Nr. 42, 15. Oktober 1911
  • Nr. 43, 22. Oktober 1911
  • Nr. 44, 29. Oktober 1911
  • Nr. 45, 5. November 1911
  • Nr. 46, 12. November 1911
  • Nr. 47, 19. November 1911
  • Nr. 48, 26. November 1911
  • Nr. 49, 3. Dezember 1911
  • Nr. 50, 10. Dezember 1911
  • Nr. 51, 17. Dezember 1911
  • Nr. 52, 24. Dezember 1911
  • Nr. 53, 31. Dezember 1911
  • Rückdeckel
  • Farbkarte

Volltext

366 
„Verärrteste Freindin, gesegnete Retterin in 
berlassensten Stunden, wann S' nöt a bissel mehr 
zrüllen tiun, muß i Schwimmhosen angziehn!“ 
Dann ließ sich der kleine dicke Mann mit ge— 
treuzten Beinen wie ein Türke neben dem Souffleur⸗ 
kasten nieder und begann die seltsamsten Instruk⸗ 
tionen zu geben. Hier wo er das Kreuz machte, 
mußte die Souffleuse seinen Text nur so hinaus⸗ 
zischen, dafür durfte sie dort wieder bei der Schlan—⸗ 
zenlinie eine Seite lang gar nichts sagen. Er stand 
auf und beugte sich mit halbem Ohr zum Kasten 
nieder: 
„Wie fangt's an? Sie müssen mir den Ton 
anschlagen, wissen S', nur den Ton.“ »* 
Ala die Soubreite sich durchaus nicht an den 
Souffleurkasten zerren lassen wollte, rief er ver— 
aweifelt: 
Amanda, sei gescheit und komm vor, da hinten 
versteh i ka Wort.“ n 
Aber sie meinte, der Weg bei ihrem Abgang sei 
dann zu lang. Er versenkte seine Hände in die 
Hosentaschen: 
„Amanda, dann schweigst halt. Dann bist eh 
am schönsten! Oder Du sprichst einfach die Speis⸗ 
arten herunter ···— 
Man verzieh ihm die Scherze, trotzdem sie nur 
aufhielten, denn sie kannten ihn: abends hatte er 
schon manche wankende Vorstellung gehalten. Der 
Tenor sang das „berühmte Liebeslied“. Diesmal 
erhob er ein wenig mehr seine Stimme. Vor Leiden- 
schaft schien sie zu zittern. Aber mitten im hinge⸗ 
rommensten Ausdruck zog er plötzlich die Uhr: 
„Verflucht, 's ist schon spät!“ steckte sie wieder 
zu sich, um voll heißester Liebe und schmelzendstem 
Wohlklange fortzufahren. Und Marie starrte ihn 
an. Solch jahe Wandlung begriff sie nicht. — 
Der oͤritte Akt war nur kurz. Man hatte ihn 
zusammengestrichen. Der Kapellmeister wollte den 
Schlußchor wiederholen, doch sie stürmten schon alle 
oon der Bühne fort. Man zog die Jacken an und 
etzte die Hüte auf. 
„Wohl zu speisen!“ 
Die Lichter verlöschten, der Prospekt stieg empor, 
und durch ein paar breite Fenster fiel in die Pracht 
beralter Leinwand, in all den Staub des Bühnen— 
raumes, die Nachmittagssonne in langen, goldenen 
Lichtbalken, in denen die Staubteilchen wirbelten. 
Marie überkam eine leise Beklemmung, so 
allein. Erst als Sibylle Gast sie beim Arm nahm, 
fühlte sie sich erleichtert. Da erschien auch Siegfried 
Löwe, und die drei gingen mitsammen. Der Ko— 
niker rief im Vorbeilaufen: „Die Knödel werden 
alt!“ 
An der Ecke sahen sie Amanda Amandi mit 
einem Herrn im Zylinder. 
Die Sängerin fragte: „Jit's nöt der aus 
Brünn, der immer herübergekommen ist?!“ 
Aber nein, der hat sie doch hinausg'schmissen 
wegen dem von der Eisenbahn.“ — 
Marie ahnte, was all diesen ebenso wichtig 
dünkte wie der Beruf, und sie fühlte sich ein wenig 
berwirrt davon. Schon zweimal hatte Sibylle sie 
angeredet, sie gab keine Antwort. Da sagte 
Siegfried Löwe: 
Schauen S', es sind ganz gute Leit! Ein paar 
Berlumpte, ein paar Lumpen sind drunter, aber die 
zibt's überall. Nur können's sich wo anders nöt. so 
hreit machen. Die meisten ringen ehrlich um ihre Exi— 
fenz. Und manch einer hat keine Erziehung und keine 
Eltern g'habt! Leichtsinnig sind wir schon! Aber 
ur mit einem Schuß Leichtsinn kann man hin— 
vegkommen über manches. J bin aus einer Kauf— 
nannsfamilie, die haben's nöt wollen zugeben, daß i 
zum Theater gangen bin. Meine Leit verkehren 
Zeit no nöt mit mir. Aber, i hab halt gemußt.“ 
Marie kam jäh der Gedanke an die Mutter, dann 
dachte sie an Otto Rueff. Hätte der hierher gepaßt? 
Der lebte und aussah wie ein Herr? Und leise Be— 
schämung war in ihr, etwas wie eine Enttäuschung. 
Die Sängerin fragte: „Haben's denn schon an 
zie Kleider gedacht? Zu dieser Operett' werden die 
dostüme geliefert, aber zu den modernen nöt. Haben 
S' denn was zum Anzgiechen?“ 
Marie machte ein langes Gesicht. 
„Wo wohnen S' denn?“ fragte Sibylle weiter. 
„Im Hotel.“ 
Jessas, Sie san ja a reines Kind! Man wohnt 
och nöt im Hotel! Das kostet zu vüll Göld.“ 
Marie fühlte eine innere Angst: 
„Ach, wenn ich bei Ihnen sein könnte.“ 
Sibylle tauschte einen Blick mit dem Tenor: 
Wir hätten a kloanes Stüblh!“ 
Löwe meinte: „Aber Sie kennen uns doch nöt!“ 
„Doch! Ich alaube, Sie sind aqut.“ 
Berliner Mustrirte Zeitung. 
Die Sängerin neigte sich zum Ohr des hübschen 
Jonden Mädchens: „Er ist gut!“ 
Da ging sie mit ihnen. 
* * 
— 
Marie hatte in all ihrer Unerfahrenheit im 
otel nicht einmal gefragt, was das Zimmer kosten 
ollte. Als sie es nun erfuhr, erschrak sie. Dagegen 
»ar das, was sie den Kollegen zahlen mußte, beschei— 
en. Sie gab sich bei ihnen gleich ganz in Pension. 
Siegfried Löwe und Sibylle Gast hatten eine 
leine möblierte Wohnung gemietet. Eine Kammer 
bar zur Not übrig. Eigentlich sollte sie zwar für 
»as Mädchen sein, das den Kleinen hütete, während 
ie Mutter beschäftigt war, doch eine Aftermieterin 
chien vorteilhafter. So ließen sie ihr Mädchen in 
er Küche schlafen. Sibylle Gast kochte selbst, ging 
zuch selbst einkaufen. 
Als am nächsten Tage der Zettel kam und die 
ingehende Chordame darauf den Namen „Marie 
zeorgi“ fand, wie sie sich als Tochter ihres Vaters 
enaunt, an allen Anschlagsäulen von jedem zu lesen, 
einnte fie sich von dem Anblick nicht trennen. Es 
örte sie in ihrem ersten Glück auch nicht, daß da 
nter einem gemeinsamen Strich mit der Begeich—⸗ 
ung „Bauernmädchen“ der ganzge Chor der Rache 
and. Aber die große Elegante, die wieder ihr 
chneiderkleid trug, machte abends im Theater, als 
e sich zur ersten Vorstellung anzogen, Krach, welcher 
ornochse nur den Zettel geschmiert habe, sie stünde 
inten an. So lange schimpfte sie, bis der Kröpfer 
tuhe verlangte; vor dem hatten sie alle Respekt. 
rau Korbel bemutterte das junge Mädchen und 
eigte ihm auch die ersten Schminkkünste. Und wie 
er Kröpfer so vor ihr saß, Hals und Schultern pu⸗ 
ernd, hielt er voller Bewunderung inne: 
„Geh, sind Sie schön! Nur a bissel zu mager!l 
)as wird schon kommen mit die Joahr. Haben Sie 
liebes G'schau! Die Guckerln werd'n noch man—⸗ 
hem den Kopf verdrehn.“ 
Marie fühlte leife Röte in ihr Antlitz steigen. 
die im Schneiderkleid aber sagte, als der Kröpfer 
ich nun selber zu schminken begann :;: 
Was machst denn an solchen Pflanz mit der 
chiachen Nuß?“ 
Plötzlich stritten sich die Chordamen um den 
zlatz vor den wenigen Spiegeln der Garderobe. 
zin Kleines, das gesessen, wurde von einer anderen 
om „Hockerl“ gedrängt, daß sie beinahe gefallen 
Ȋre. Sie sprang auf und keifte los. Sofort drang 
ie Rücksichtslose auf sie ein. Es kam zum Hand⸗ 
emenge. Mit den Nägeln kratzten sie sich und 
latsch. knallte eine Ohrfeige. Die andere blieb die 
sintwort nicht schuldig.“ Die Kleine fiel zu Boden. 
zhre Lippen zuckten, im Krampf öffneten und schlose 
en sich ihre Finger: 
J kann nimmer auf, i- hab was brochen!“ 
RNun nahmen sich welche der am Boden au. Es 
ildeten sich zwei. Parteien. Wäre nicht der Kröpfer 
azwischen gefahren, so hätte es eine neue allgemeine 
zchlacht gegeben. Stühle waren umgefallen, Kleider 
agen umher, ein; Kasten hatte seine Schminktuben 
ind Stifte mitten in den kleinen Raum verstreut. 
Zwei Heerhaufen von Amazonen standen ein— 
inder gegenüber, in Strümpfen und Korsett, das 
demd zum Schminken heruntergelassen, daß man 
uf fleischigen wie hageren-Formen die Linie von 
züder und Farbeé abgesetzt sah. 
Da erschien ein grauer Kopf, an der Tür. Ein 
»aar taten verschämt: „Net herein!“ doch der alte 
Nann mit feuerröter Nase achtete nicht darauf. 
geschäftsmäßig rief er: 
„Es schellt zum ersten Akt!“ 
Da ließ der „Chor der Rache“ vom Streit. 
Marie hatte ängstlich zur Seite gestanden. Ihr 
hlugen die Pulse, mit zitternden Fingern zog sie sich 
n, in der Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden. 
endlich ging es die kalte Treppe hinab auf die 
zühne. Sie hielt sich ängstlich an den Kröpfer, 
üpfte hinter ihm drein und stand mit einem Male 
n grellen Licht der Rampe. Sie sah nur des Kapell— 
ieifters blendende Augengläser, die Rechte erhoben, 
einsätze zu geben, die Linke ausbreitend, zurückzu— 
jalten, zu dämpfen. Und mit ihrer ungebildeten 
daturstimme und ihrem natürlichen Gehör mühte sich 
Narie, mitzusingen, und kam sich doch entsetzlich 
ächerlich vor. Während des Dialogs warf sie einen 
inzigen Blick in das Haus: Sie meinte Menschen 
uu sehen, doch sofort senkte sie wieder die Lider. 
Der alte Preifinger stand in der Kulisse. Maxie 
rkannte ihn kaum, denn er trug für die Episode, die 
r zu geben hatte, eine weiße Perücke und war so 
ick geschminkt, daß man förmlich die Striche sah 
Als Marie dem Kröpfer wieder in die Kulisse 
rachgehüpft war, kam die im Schneiderkleid, die sich 
Nr. 19 
jochgeschwungene Augenbrauen gemalt hatte, auf 
ie zu: 
„Sie, drängen's sich nöt so vor, verstehen's!“ 
Dann wandte sie ihr verachtungsvoll den Rücken. 
Narie wagte keine Antwort, sondern blieb ängstlich 
zei Frau Korbel stehen. Siegfried Löwe sang. Das 
lang freilich anders, als bisher, denn er markierte 
richt mehr, und ein paar Chordamen, die ihn auch 
ioch nicht gehört, meinten ehrlich: „Jessas, der hat 
vas drin!“ 
Als nun der Tenor, ein paar Schritte noch, die 
dände der Rolle entsprechend erhoben, in die Kulisse 
bging, erst allmählich ruhig dastehend, sfagte Marie 
ꝛegeistert: 
„Herr Löwe, das war schön!l“ 
Er lächelte, schien sie aber nicht zu verstehen. 
Durch ein Loch in einem gemalten Baumstamm, der 
n die Bühne ragte, spähte er hinaus. Plötzlich hob 
ꝛr wieder die Arme und stürmte auf die Bühne. 
Nun kam die Szene mit Sibylle Gast. Marie 
rat lauschend möglichst weit vor. Da fühlte sie einen 
Ruck. Die im Schneiderkleid hatte sie zurückgerissen: 
„Gansl“. 
Marie hob das dünne bloße Aermchen, auf dem 
nan die Nägel abgedrückt sah. In Schmerz und 
Vut lohten die schwarzen Augen ihres Vaters die 
große an, aber die schwatzte schon mit einer anderen. 
Da war der Kröpfer verschwunden. Im gleichen 
lugenblick folgte die Große. Marie stürzte er— 
chrocken nach. Tapfer sang sie mit, nur mußte sie 
mmer auf den Kapellmeister blicken in der tödlichen 
Ingst, sie könnte nachklappern! Wenn man sie ganz 
illein gehört hätte, sie wäre versunken vor Scham. 
doch schon war der Vorhang gefallen. Ein dicker 
deri im roten Wams führte einen wilden Tanz auf. 
Narie erkannte in dem unförmlichen Menschen mit 
er riesigen, aufgepappten Glatze, die in der Nähe be⸗ 
ehen, seltsame Falten schlug und dem rotbemalten 
geficht: Schwarz, den Komiker. 
Ein-Trommeln, ein dumpfer Lärm, seltsam 
inzuhören, klang von draußen.“ Als der Vorhang 
ich hob und das Klatschen plötzlich hell, gang nahe 
lang, die Bühne erleuchtet war vom hellen Zu— 
hauerraum herein, stieß Preisinger der Reihe nach 
ie Solisten hinaus, während der Chor neugierig in 
»en Gassen zusah. Da klappte die eiserne Tür, die 
on draußen zur Bühne führte, der Direktor kam 
erannt. Wie von Sinnen rief er dem Mann am 
zorhang zu: „Auf! Auf!“ Aber das Klatschen er⸗ 
tarb schon. Regungzslos lag die Gardine. 
Maͤrie blieb wie im Traume stehen. Da hörte 
ie den“ Direktor zum Regisseur sagen:;:; * 
Die Blonde, na, wie heißt sie denn, die ver⸗ 
tecken S' net so. Meine Frau sagt, das wär' die 
zchönste ! “ 8 
Maͤrie wagte nicht, sich zu bewegen. Sie fühlte 
vieder, wie das Blut ihr ins Gesicht stieg. Da be— 
am sie einen Stoß in den Rücken: 
Soppla höl Bühne frei!“ —— 
Ein Theaterarbeiter. in blauem Kittel herrschte 
ie an. Sie verzog im Schmerz das Gesicht. Der 
Zrospekt war in die Höhe gegangen, überall stieg ünd 
ank es, schwebte, schob sich vor, Rufe tönten, Poltern 
lang. VDazwischen die Stimme des Direktors: „Net 
o laͤut, das hört man bis ins Foyer.“ Aber der 
ilte im blauen Arbeitskittel, der sich von keinem 
Awas gefallen zu lassen- schien, schimpfte: „Leise 
oll's gehen, schnell soll's gehen!“ und stapfte weiter 
nit der schweren Last, die er trug. 
Ehe der neue Akt begann, stellte der alte 
Breisinger Marie als zweite hinter Frau Korbel. 
Von draußen hörte man ein Summen. Einige 
Zolomitglieder waren an den Vorhang getreten 
ind schauten durch das Loch hinaus; auch Marie, 
on ihrem Schutzgeist geleitet, durfte einen Blick 
n den Zuschauerraum tun. Im Parkett standen 
inzelne und drehten der Bühne den Rücken, andere 
ber saßen und studierten den Zettel, auf dem zum 
rstenmal der Name prangte „Marie Georgi“. Bei 
em Gedanken fielen ihr des Tenors Worte ein vom 
zorwärtskommen. Ja, sie wollte vorwärts, wollte 
»inmal obenan am Zettel stehen, dem Papa au Ehren 
ind Otto Rueff zuliebe. 
Da: „Bühne freil“ Der Chor stand ohne zu 
ingen da- und Marie wußte nicht wohin mit den 
dänden. Sie hatte das Gefühl, als müsse sie un— 
äglich albern aussehen und auffallen. 
Und sie fiel auch auf. Die musternden Opern— 
läser blieben mehr als einmal an dem schönen 
Mädchen hängen. 
In der Orchesterloge sagte ein junger Indu— 
trieller: „Verfluchte Schauerparzgen! Aber eine 
Beauté ist darunter, Donnerwetter!“ — 
Freilich gab es ein paar dicke Damen, die üben
	        

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