Digitale Landesbibliothek Berlin Logo
  • Show double pages
Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1894, III. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Bibliographic data

Contents: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1894, III. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Periodical

Title:
Das Berliner Kinder-Wochenblatt
Editor:
Gropius, George
Publication:
Berlin: Gropius 1836
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2015
Dates of Publication:
1.1832 - 5.1836
ZDB-ID:
2815637-7 ZDB
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
050 Zeitschriften, fortlaufende Sammelwerke
Collection:
Berlin Newspapers and Journals
General Regional Studies
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1836
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2015
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-8137790
Location:
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
Berlin Newspapers and Journals

Illustration

Title:
Parthehon

Contents

Table of contents

  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1894, III. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Nummer 1, 7. Januar 1894
  • Nummer 2, 14. Januar 1894
  • Nummer 3, 21. Januar 1894
  • Nummer 4, 28. Januar 1894
  • Nummer 5, 4. Februar 1894
  • Nummer 6, 11. Februar 1894
  • Nummer 7, 18. Februar 1894
  • Nummer 8, 25. Februar 1894
  • Nummer 9, 4. März 1894
  • Nummer 10, 11. März 1894
  • Nummer 11, 18. März 1894
  • Nummer 12, 25. März 1894
  • Nummer 13, 1. April 1894
  • Nummer 14, 8. April 1894
  • Nummer 15, 15. April 1894
  • Nummer 16, 22. April 1894
  • Nummer 17, 29. April 1894
  • Nummer 18, 6. Mai 1894
  • Nummer 19, 13. Mai 1894
  • Nummer 20, 20. Mai 1894
  • Nummer 21, 27. Mai 1894
  • Nummer 22, 3. Juni 1894
  • Nummer 23, 10. Juni 1894
  • Nummer 24, 17. Juni 1894
  • Nummer 25, 24. Juni 1894
  • Nummer 26, 30. Juni 1894
  • Nummer 27, 7. Juli 1894
  • Nummer 28, 15. Juli 1894
  • Nummer 29, 22. Juli 1894
  • Nummer 30, 29. Juli 1894
  • Nummer 31, 5. August 1894
  • Nummer 32, 12. August 1894
  • Nummer 33, 19. August 1894
  • Nummer 34, 26. August 1894
  • Nummer 35, 2. September 1894
  • Nummer 36, 9. September 1894
  • Nummer 37, 16. September 1894
  • Nummer 38, 23. September 1894
  • Nummer 39, 30. September 1894
  • Nummer 40, 7. Oktober 1894
  • Nummer 41, 14. Oktober 1894
  • Nummer 42, 21. Oktober 1894
  • Nummer 43, 28. Oktober 1894
  • Nummer 44, 4. November 1894
  • Nummer 45, 11. November 1894
  • Nummer 46, 18. November 1894
  • Nummer 47, 25. November 1894
  • Nummer 48, 2. Dezember 1894
  • Nummer 49, 9. Dezember 1894
  • Nummer 50, 16. Dezember 1894
  • Nummer 51, 23. Dezember 1894
  • Nummer 52, 30. Dezember 1894
  • ColorChart

Full text

Verliner Illustrirle Zeitung. 
Er war von seiner Frau und — an Gaston 
Lhameilles gerichtet. — 
Eine seltsame, unfaßbare Ruhe bemächtigte sich 
einer. 
Das allzu unerwartete, zu iähe, zu heftige Unglück 
xxang noch nicht völlig zu seinem Bewußtsein, sondern 
imgab und umwogte ihn nur. Sein Geist lag wie 
inter einem Druck, der keinen Gedanken aufkommen 
ieß. Und er stand auf und nahm seine Cigarrette, 
teckte sie in Brand und, durchmaß das Zimmer 
nit langsamem, wie gewaltsam verzögertem Schritte 
Am Kamine blieb er plötzlich stehen, einen Augen⸗ 
lick lang sah er sein Bild, das der Spiegel ihm 
urückwarf, dann aber zogen andere Bilder an seinen 
tarr auf den Spiegel gerichteten Blick vorüber 
Zilder aus seinem Leben, aus dem Leben, das bisher 
inter ihm lag und voll von Suere vor 
hmerzlichen und freudigen, war. Er dachte daran 
vie starr man in feiner Familie jederzeit am Begriff 
»er Ehre gehangen hatte; er dachte daran, wie wahr, 
vie heiß, wie innig er sein Weib geliebt hatte, er 
zachte an sein Kind, das nun krank lag, und eine 
urchtbare Bitterkeit bemächtigte sich seiner, ein plötz⸗ 
icher, stechender Schmerz, der sich in sein Herz ein— 
ohrte, langsam, langsam, aber mit merklicher Gewalt, 
ind er fühlte, wie dieser Schmerz sich bohrend und 
ȟhlend bis in sein Hirn hinein Bahn brach, und 
lötzlich schrie er auf, wild, gellend, mit einem Schrei 
er Wuth und der Verzweiflung, und er stürzte 
dieder zu dem Tischchen und ergriff die Briefe, einen, 
wei, drei, alle, und riß sie auf und las und las 
ind las ... — — — 
Ueber die Wiege ihres Kindes gebeugt stand 
Nadame Bachery da, die Blicke angstvoll auf den 
ranken Knaben gerichtet, und mit verhaltenem Athem, 
ruf den keuchenden, röchelnden Athem des Kindes 
auschend. 
Von Stunde zu Stunde flößte sie ihm die vom 
lrzte verschriebene Medizin ein. Sie mußte erst 
osten, ehe es den Trank nahm, sie mußte ihn bitten, 
berreden, bestechen, und wenn er endlich die Medizin 
erunterschluckte und sich dabei schüttelte, da liebkoste 
ie ihn und küßte ihn und drückte ihn an sich, als 
vollte sie nie, nie von ihm lassen. 
Dannm aber, in den Augenblicken der Ruhe, welche 
zei dem Kinde erfolgten, fand das junge Weib das 
Zewußtsein seines eigenen Lebens wieder. Beide 
gedanken aber hielten einander förmlich umfangen, 
sdenn war nicht die Krankheit des Kindes gewisser— 
naßen die Sühne ihrer Sünde, ihres Wahnsinns? 
O, ja, ihres Wahnsinns! denn was haͤtte sie 
rwartet? Welcher Schwindel hatte sie erfaßt. Eine 
riebe, die sie für ewig gehalten hatte, war nach drei, 
chon nach drei Monalen mit Füßen getreten, ge— 
rochen! 
O, aber jetzt, jetzt wollte sie sühnen, was sie ge— 
ehlt. Ihr ganzes Leben sollte der Reue geweiht 
ein und jeder Hauch ihrer Seele, jeder Gedanke 
hres Herzens sollte nur ihm geweiht sein, an dem 
ie so schwer gefehlt, ihm — ihrem Gatten. 
O, sie erinnerte sich noch genau. An dem⸗ 
elben Tage noch hatte Gaston ihr ihre Briefe zu— 
ückgeschickt. Sie hatte sie noch nicht vernichtet. Sie 
agen dort in ihrem kleinen Sekretär, und es schien 
hr. daß mit diesen Briefen, auch ein Theil ihrer 
Schuld dernichtet werden könnte, und daß das Feuer, 
velches dieselben verzehren, auch ihr Herz von den 
Schlacken und dem Schmutze befreien würde, das 
in ibm haftete. 
Sie warf einen Blick auf das Kind. Es lag in 
ruhigem Schlafe da und athmete ruhig und gleich⸗ 
näßig. Leise stand sie auf, zündete ein Licht an 
— ind schlüpfte leise, einem Schatten gleich, in das 
VEm Zimmer seiner Frau suchte Herr von Bachery zimmer nebenan. 
vergeblich nach dem Riechfläschchen. Die Als sie die Schublade öffnete, überfiel sie ein 
5 Angst, in welche ihn die plötzliche Erkrankung alter, jäher, tödtllicher Schauer. Wo, wo, waren 
seines Kindes versetzt hatte, machte seine die Briefe? Wer hatte ste genommen? Ihr Mann? 
sastenden Hände ungeschickt, und diese Ungeschicklich. Ihr, Mädchen? 
feit steigerte seine Aufregung nurx um so mehr. Ein Geräusch hinter ihr machte sie zusammen⸗ 
—Gluücklicher Weise rief da Madame Bachery's ucken. Es war Herr Bachery. Bleich wie der 
Stimme aus dem Nebenzimmer: Tod trat er stumm und langsam auf seine Frau 
Da ist es schon, ich hab' es schon!“ Wie er aber u und: „Du suchst Deine Briefe, nicht wahr?“ 
die Schublade des kleinen Schreibtischchens, in welchem agte er mit schneidender Stimme. 
seine zitternden Finger gesucht und gewühlt hatten, Ein Schrei des Schreckens wollte sich aus ihrer 
zumachen wollte, klemmte sich ein Päckchen dazwischen debhle drängen, allein er klang wie ein Stöhnen, 
und verhinderte ihn so ‚am Schließen des Schubes. ind sie mußte sich an das Tischchen klaämmern, um 
Es war ein Päckchen Briefe, soragsam von einem uicht zu sinken, während ihre Blicke, wie entgeistert, 
Seidenbande zusammengehalten, und wie er es sah, mf ihren Gatten starrten. 
da stand plötzlich mit förmlich plastischer Deutlichkeit „Antworte!“ sagte dieser. „Antworte, verstehst 
ein Bild vor ihm, das Bild eines Mannes: „Gaston DdDu wohl!“ 
von Chameilles“ .... und eine heiße Blutwelle „Gnade“, hauchte sie. „Erbarmen, wenn Du 
strömte von seinem Herzen ab und schoß ihm glühend Alles weißt.“ 
ins Antlitz, dann aber zuckte er mit den Achseln In diesem Augenblicke ging ein Wehklagen durch 
und sagte sich selber, wie dumm, wie absurd seine das Haus, ein Wimmern und Stöhnen. Er aber 
vlötzliche Angst sei. Heirathete denn der Lieutenant öörte es nicht. 
nicht in wenigen Tagen. Und doch, und doch ... Er aber schüttelte das Weib, wie der Wind das 
das Päckchen blieb in seinen Händen. Zinsenrohr schüttelt, und zu ihr niedergebeugt, 
Er trug es mit sich hinauf in sein Zimmer. ischten seine geifernden Lippen ihr Worte der Wuth, 
Er zegte die Briefe auf den Tisch und setzte sich des, Grimmes, der Verachtung entgegen— 
zin. Einen Augenblick lang zögerte er. Was er da Und zum dritten Male ließ das Klagen, das 
bat, war es nicht ein Unrecht? Vielleicht. Ein VKimmern und Stöhnen sich hören. Und diesmal 
Wahnsinn war es gewiß. Dennoch aber ergriff er iß das Weib sich mit dem Aufgebot all' der über— 
plötzlich das Päckchen, streifte das Seidenband ab, nenschlichen Kraft, die die Verzweiflung nur verleiht, 
faltete einen der Briefe auseinander und las .... os, und der Schrei: „Mein Kind, mein Kind“, rang 
rür die Redactior twor ch: Hermann Dupont, Berun. Veriag und Ornck von Ulistein & o., Berlin 8W., Chartottenstr. 10. 
Nr. 40. 
Ich selbst nahm, noch in der Nacht, die Wirth⸗ 
chaflerin in scharfes Verhör, und will gleich hier 
bemerken, daß der bei mir aufgetauchte Verdacht, 
als ob sie ihrem Neffen absichtlich von der großen 
Geldfumme, die ihr Brotherr eingenommen, Mit—⸗ 
cheilung gemacht, völlig unbegründet war. 
Vor dem Untersuͤchungsrichter leugneten die 
Verbrecher nur den beabsichtigten Mord; den be— 
absichtigten Raub gestanden sie ein — es hätte ihnen 
hr Leugnen, da sie in Hagranti ertappt, auch nichts 
genutzt. Bei der darauf stattfindenden Schwurgerichts⸗ 
herhandlung erhielt Modrow fünfzehn Jahreé Zucht— 
haus, der andere drei Jahre, der Junge zwei Jahre; 
fie waren aber alle Drei nicht zu bewegen, 
ihren Komplizen, der sich durch die Flucht gerettet, 
nachdem er sie ans Messer geliefert, „Kürbiskopp“, 
zu verrathen. 
Der alte G. zahlte durch meine Vermittelung 
1000 Mark an „Kurbiskopp“, eine Summe, die 
diesen in den Stand setzte, im Verein mit seinem 
Kutscherposten, den ich ihm besorgte, ein anständiger 
ehrlicher Mann zu werden; seine Tochter heirathete 
fpäter einen Postbeamten und ist heute Mutter 
»lühender Kinder. 
Zum Schluß kann ich nicht unterlassen, zu er⸗ 
wvähnen, daß bei der Verhandlung, während ich mein 
Zeugniß ablegte, des „dicken Bäckers“ Augen un⸗ 
ausgesetzt auf meinem Gesicht ruhten, als ob er 
Awaͤs sfuche und nicht finden könne. Als nach der 
Verurtheilung der schwer gefesselte Verbrecher von 
den Gerichtsdienern abgeführt wurde, traf ich mit 
ihm vor der Anklagebank zusammen. Plötzlich 
leuchtete es in seinem Gesicht auf und es traf mich 
ein Blitz von solch satanischem Haß, daß ich zum 
ersten Male in meinem Leben — und ich hatte mich 
vorher oftmals in den kritischsten Lagen befunden 
und habe dem Tode in der mannichfaltigsten Gestalt 
in Algier, Mexiko, 1866 und 1870— 71 ins Antlitz 
geschaut — etwas wie ein wirkliches Grauen mein 
Herz beschleichen fühlte. Modrow blieb plötzlich stehen. 
FJetzt hab' ich's,“ knirschte er durch die zusammen⸗ 
gebissenen Zähne hindurch, „wo ich Sie schon 
zesehen! Damals bei die „scheele Jette“, 
mit den eenen Ooge — — Kürbiskopp!“ Ich 
hatte mich aber gleich wieder gefaßt, klopfte ihm 
ruhig auf die Schulter und sagte mit Gleichmuth 
zu ihm: „Wenn Du wieder 'raus kommst, werden 
wir weiter sehen; daß ich mich vor Dir nicht fürchte, 
Jast Du ja schon gesehen.“ — 
Modrow kam nicht wieder heraus, wenigstens 
nicht lebendig, denn er ist im Zuͤchthaus gestorben. 
Der arme „Kürbiskopp“ dagegen mußte seinen 
Verrath mit dem Leben büßen. Er ging eines 
Nachts, fünf Jahre später, mit mehreren Bekannten 
am Kanal entlang nach Hause. Plötzlich rutschte er 
die steile Böschung, die damals noch, nicht mit dem 
niedrigen Eisengutter wie heute abgesperrt war 
hinunter und, merkwürdig, zugleich löste sich ein 
großer Stein und fiel ihm auf den Kopf, sodaß er, 
Jalb betäubt, elend ertrinken mußte. Selbstverständlich 
fiel er und der Stein nicht von ungefähr; es war 
des „dicken Bäckers“ Gruß aus dem Zucht— 
haufe und die Strafe für den Verrath' — — 
(Schluß des 1. Artikels.) 
ich schrillgellend, erschütternd von ihren Lippen. 
Und in demselben Augenblicke war sie auch auf und 
türzte in das Zimmer, auf die Wiege ihres kranken, 
ammernden, wehtllagenden Kindes zu. J 
Und diese Klagen drangen in das andere Zim⸗ 
ner herüber, und wie aus schwerem, gewaltsamen 
kraume geweckt, schrak Herr von Bachery zusammen, 
uhr sich mit der Hand über die Stirn, als wollte 
r den letzten Rest des Traumes verscheuchen, und 
türzte dann selbst in das andere Zimmer hinüber, 
din zu ihm, zu seinem Kinde. 
In seiner Wiege dort lag es und wand sich in 
Jrämpfen. Die Mutter stürzte zur Klingel und: 
„Schnell, schnell einen Arzt!“ rief sie. 
Herr von Bachery aber ergriff instinktiv seinen 
Zut und eilte fort, um selber den Arzt für sein 
dind, seinen Engel, zu holen ..... 
Die Krankheit zeigte beunruhigende Symtome. 
Die Mutter verließ das Bett ihres Kindes nicht 
nehr, und Herr von Bachery mußte an sich halten. 
Bei jedem Kusse aber, den das Weib auf die Lippen 
hres Kindes drückte, war es ihm, als gehe ihm ein 
Ztich jäh durch das Herz und es war ihm, als 
herde das Kind dadurch entweiht, als müsse er die 
Mutter von dessen Seite reißen. Doch nein. Jetzt 
niicht. Das Kind konnte ja die Mutter brauchen, 
ann aber, o, dann, wenn es wieder auf, wieder ge— 
und war, dann sollte nichts seiner Rache, nichts der 
Lergeltung mehr Einhalt thun, und jenen Mann 
vollte er tödten, das Weib aber von sich stoßen, 
ort aus seinem Hause. 
Nach einigen Tagen aber wartete man bei dem 
dinde nicht mehr auf die Genesung, sondern auf die 
Entscheidung. Und der neue Schmerz, diese furcht⸗ 
dare Angst um das Leben des Kindes, drängte den 
alten Schmerz weit, weit zurück. 
Manchmal wachten beide, Vater und Mutter, an 
»em Bette ihres Kindes. Sie blickten einander nicht 
an, sie sprachen kein Wort zu einander, sie sahen nur 
hn, ihn, ihren Sohn, ihr Kind, ihren Engel, sich 
vinden in seinen entsetzlichen, schneidenden, win— 
enden Schmerzen, sie sahen nur die Blicke, die wie 
entsetzt, wie Hülfe flehend auf sie gerichtet waren, ste 
ühlten nur die Händchen, die nach den ihren tasteten 
ind in den ihren glühten und zuckten und sich 
usammenkrampften in den Zuckungen des letzten 
Todeskampfes. Und in diesen letzten Momenten 
er Krise wurde das Phantom, das trennend zwischen 
»en beiden Gatten stand, zu entsetzlich, eine Last, 
zumpf drückend, unabfchüttelbar, und fie bedurften 
gerade jetzt einer Stütze, und Einer hätte sich gerne 
n die Arme des Anderen geworfen, Einer sich gerne 
in der Brust des Anderen ausgeweint; und es war 
chrecklich, furchtbar, entsetzlich, in dieser Verzweiflung 
hrer Herzen, in dieser Nacht des Schmerzes, in 
diesem Schmerz selber so fremd, so nicht zu einander 
zehörig neben einander zu stehen. 
Und plötzlich ... plötzlich ein Schrei: „Louis, 
2ouis, Louis!“ und das Weib wirft sich über ihr 
ind hin — nein — nicht über ihr Kind, über den 
Leichnam ihres Kindes, und dann, dann fällt sie 
elbst und sinkt und schlägt der Länge nach zu Boden. 
Er aber wird todtenbleich, seine Hand fährt wirr 
iber die Stirne und verkrallt sich förmlich in das 
daar, und dann ... dann stürzt er hinaus und 
veint und weint und schluchzt ... 
Sie kamen vom Friedhofe wieder. 
Herr von Bachery führte sie, kaum selbst fähig, 
äch aufrecht zu halten, sein Schluchzen mühsam 
uinterdrückend, von dem Grabe zurück. Im Hause 
iber kam der Schmerz mit doppelter Gewalt wieder 
iber Beide. Mit leeren, irren Blicken sah das un⸗ 
eelige Weib um sich, dann barg sie plötzlich ihr 
Besicht in beide Hände und es ebenso plötzlich wieder 
mporrichtend, stammelte sie: 
„Morgen ... morgen werde ich ... werde ich 
Deinen Willen ... thun. Ich ..ich werde gehen. 
sur heute ... heute nur ... laß mich hier ... in 
einem Zimmer .. weinen.“ 
Und ihre Stimme, die heiser und keuchend ge— 
vorden war, schwieg. 
Der Mann nickte nur stumm und folgte, wie 
inbewußt, mit seinen Blicken der Frau, die sich 
nühsam, wie gebrochen, aufrichtete und auf die Thür 
)es Nebenzimmers zuschwankte. 
In dem Augenblicke aber, als sie die Schwelle 
iberschreiten wollte, blieb sie wie angewurzelt stehen. 
Von der Straße her tönte eine süße Kinderstimme, 
eine Stimme, so wie die ihres Kindes gewesen war. 
And wie darnach horchend, wandte sich die Frau, 
nit einer Hand an den Thürpfosten klammernd, um. 
Ihre Blicke begegneten dabei denen ihres Gatten. 
Finen Augenblick lang blieben Beide stumm. Dann 
iber bewegten sich Herrn von Bacherys Lippen. 
„Armes Weib“, wollte er sagen, allein nur ein 
daut brach sich Bahn, „ar ... ar ... ar ... mes... 
We. .. W. ..“ und ging in lautes Schluchzen über, 
vährend wankend er beide Arme öffnete und seinem 
Weibe entgegenstreckte. 
Dieses aber stürzte sich schluchzend hinein und 
Beide hielten einander umfangen, und Einer weinte 
aun des Anderen Brust. ... 
(Nachdruck verboten.)
	        

Downloads

Downloads

Full record

METS METS (entire work)
TOC
Mirador

This page

Mirador

Image fragment

Link to the viewer page with highlighted frame Link to IIIF image fragment

Formats and links

Formats and links

The metadata is available in various formats. There are also links to external systems.

Formats

METS METS (entire work) MARC XML Dublin Core

Links

OPAC DFG-Viewer Mirador

Cite

Cite

The following citation links are available for the entire work or the page displayed:

Full record

This page

Citation recommendation

Please check the citation before using it.

Image manipulation tools

Tools not available

Share image region

Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Contact

Have you found an error? Do you have any suggestions for making our service even better or any other questions about this page? Please write to us and we'll make sure we get back to you.

What is the first letter of the word "tree"?:

I hereby confirm the use of my personal data within the context of the enquiry made.