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Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 4.1901 (Public Domain)

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Bibliographic data

fullscreen: Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 4.1901 (Public Domain)

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Periodical

Title:
Berliner Leben : Zeitschrift für Schönheit und Kunst
Other titles:
Die Damen-Illustrierte
Die Frauen-Illustrierte
Publication:
Berlin: Oestergaard 1928
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2016
Dates of Publication:
1.1898/99 - 31.1928,20
ZDB-ID:
2692447-X ZDB
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
050 Zeitschriften, fortlaufende Sammelwerke
Collection:
Berlin Newspapers and Journals
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1901
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2016
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
050 Zeitschriften, fortlaufende Sammelwerke
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-5303823
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
Berlin Newspapers and Journals

Issue

Title:
H. [9]

Contents

Table of contents

  • Berliner Leben (Public Domain)
  • Ausgabe 4.1901 (Public Domain)
  • Cover
  • Title page
  • Index
  • H. [1]
  • H. [2]
  • H. [3]
  • H. [4]
  • H. [5]
  • H. [6]
  • H. [7]
  • H. [8]
  • H. [9]
  • H. [10]
  • H. [11]
  • H. [12]
  • Cover back

Full text

) 
Muttersöhnchen. 
Skizze von Eugen Stangen. 
Kalt, unerbittlich greift das Leben in di 
Riesenurne der Zeit, unbekümmert, wie die Bilder 
fallen. 
Es hat kein Herz. — 
Eine blasse, zarte Frau mit lichtem, goldnem 
Haar. 
Sie ruht in einem Lehnstuhl, ihre Augen sind 
blind, blind von jahrelangem Weinen. 
Leidend und abgehärmt ist das blasse, einst 
so schöne Gesicht. 
Ein rührender Ausdruck von Glück gleitet 
darüber, als eine Hand sich warm in die ihre legt. 
„Edgar, Du?“ 
Ein schlanker Jüngling, mit den weichen Zligen 
der Mutter, beugt sich über die blinde Frau. 
„Ja Mama, es ist Zeit! Lebe wohl.“ — 
„Geh’ mit Gott, mein Kind, und bleibe gut.“ — 
Scheiden 1 Erbarmungslos träufelt es sein Gift 
in jede Liebe, in jedes Glück! 
Gefühllos aber, unberührt mischt das Leben 
fort und fort die Bilder in der Urne und der 
sausende Webstuhl der Zeit treibt unerbittlich 
weiter. 
Kein Herz, kein Herz! — 
Briefe flattern aus der fernen Gressstadt in 
den Schoss der blinden Frau. 
Geld und immer wieder Geld! 
Edgar ist jung, er will, er muss gemessen, 
und die Gressstadt ist wie eine unersättliche Circe. 
Das kleine Sparsümmchen ist längst um des 
Sohnes willen geopfert, und von der schmalen 
Pension darbt sich die Mutter jeden Heller ab. — 
Die zitternden Hände der blassen Frau um- 
schliessen ein kleines Etui. 
Wie liebkosend gleiten die Finger über den 
verblichenen blauen Sammet. 
Ein Kleinod birgt dieses kleine Behältnis, ihr 
Letztes, ihr Liebstes — eine selten schöne Kapsel 
mit Saphiren besetzt, die sie einst als Braut ge 
tragen, strahlend und glücklich. 
„Seine“ Liebesgabe, — auch sie muss geopfert 
werden, um des Sohnes willen. 
„Das solltest Du nicht thun, Virginie“, tönt 
eine Stimme von der Thür her. 
Erschrocken wendet die Frau die lichtlosen 
Augen nach der Sprecherin. 
„Aber Edgar braucht Geld, Mama, und ich 
habe sonst nichts mehr.“ 
Die alte Dame mit den weissen Stirnscheiteln 
blickt ernst und traurig auf die Blinde. 
„Und wenn dieser Erlös verbraucht ist, was 
dann, Virginie?“ — 
Ja, was dann! Virginie weiss es nicht. Aber 
am andern Tag bringt der Postbote einen blauen 
Brief, der ein kleines Sammetetui mit goldner 
Kapsel enthält, an Edgar Gühring. 
Die blaue Farbe des Briefumschlages zeigt 
an einzelnen Stellen seltsam verwischte, hellere 
Flecken, als sei eine ätzende Flüssigkeit darauf 
gefallen. 
Mutterthränen. 
Der Schatten langer Jahre legt sich auf dieses 
Bild. — 
Ein kleines Giebelstübchen, an dessen Fenster 
grüne Ranken pochen. 
Ein paar ärmliche Stücke wertlosen Hausrats 
an den Wänden. 
Aber Grossmütterchenzauber nistet in den 
Winkeln und umwebt wie verklärend das silber- 
weisse Haupt der alten Dame, das sich über ein 
kleines Pastellbild beugt. 
Ein Jünglingskopf mit dem lichten Goldhaar 
der toten Mutter. 
„Wie er Virginie gleicht, Zug um Zug, — 
Muttersöhnchen.“ — 
Und dann zuckt es so weh und schmerzlich 
um die welken Lippen der alten Frau. 
Edgar war nicht gekommen, als man ihm 
damals schrieb, dass die Mutter so krank sei, dass 
es mit ihr zu Ende gehe. 
Auch kein Wort von ihm, kein Wort. 
Nur, als man ihm die Todesnachricht gesandt, 
ein paar Zeilen, er könne nicht zum Begräbnis 
kommen, er sei völlig mittellos, er habe eine Zeit 
lang krank im Hospital gelegen, er habe kein Geld. 
Kein Geld! Jawohl, das zog sich wie ein 
Fluch durch Edgars Leben. 
Kein Geld! Das hatte Virginie den Tod ge 
bracht. 
Wie in jäh aufschwellendem Hass blickt die 
alte Frau auf das schöne lächelnde Jünglingsgesicht 
mit den strahlenden Augen. 
„Muttersöhnchen.“ 
Das Pochen der grünen Ranken am Fenster 
klingt wie wehes Schluchzen. 
Am Himmel glimmen die Sterne auf. 
Und zu derselben Stunde flammen die Lichter 
in dem eleganten Saale des neuen Opernhauses 
der Grossstadt in blendendem Glanze auf. 
Adrienne Narbonne singt heut die Carmen. 
Adrienne Narbonne, mit der man einen förm 
lichen Kultus treibt. 
Und keine kann die Teufelin Carmen so echt, 
so hinreissend, so dämonisch geben, wie sie. 
Wie sie tanzt, sich in den Hüften wiegt, lacht, 
singt, — sinnberückend. 
Ganz hoch oben in der letzten Reihe des 
letzten Ranges sitzt ein blasser, blonder Mann. 
Seine Augen starren unverwandt auI diese 
herrlichste aller Carmen. 
Dieses üppige blauschwarze Haar, das so 
fessellos um die nackten Schultern wogt, hat er 
einst geküsst, und den kleinen roten Mund, die 
grossen lodernden mächtigen Augen auch. — — 
— „Liebst Du mich nicht, bin ich entflammt, 
doch wenn ich lieb, nimm Dich in Acht.“ — 
So hat Arienne Narbonne noch nie gesungen. 
Das Publikum tobt. 
Aus einer Seitenloge, links neben der Bühne, 
fliegt ein riesiger Strauss, ganz aus brennend roten 
Blüten, dicht vor die Füsse der Zigeunerin. 
Ein Herr beugt sich weit vor. 
Graf von der Gracht. 
Carmen hat den Strauss emporgehoben, be 
rückender, heisser noch tönt ihr Sang, und ihre 
Augen funkeln nach jener Loge hin. — 
„Liebst Du mich nicht, bin ich entflammt, 
doch wenn ich lieb, nimm Dich in Acht.“ — — 
Ein kleines, atlasgefüttertes Coupe'e hält vor 
dem Seitenportal des Opernhauses. 
Ungeduldig geht Graf Gracht hin und wieder. 
Die Rappen knirschen und schäumen in die 
Zügel. 
Endlich das Knistern von Seide, das Duft- 
gewoge brennend roter Blüten. 
„Adrienne?“ — 
Und Carmens dunkle, bestrickende Stimme: 
„Buona sera, Graf.“ — 
Da löst sich aus dem Pfeilerschatten eine 
Gestalt. 
Ein blonder, junger Mann, blass, elend, das 
Zeichen der Verkommenheit auf der Stirn. 
„Adrienne, höre mich an, Du hast mir ge 
schworen, mein zu sein, mich immer zu lieben 
und ich — ich — ich hungere.“ 
Die Sängerin ist einen Moment zusammen 
gezuckt und bleich geworden, dann aber lächelt sie. 
„Ein Wahnsinniger.“ — 
„Den Sie behext haben, teuflischeste, schönste 
aller Carmen.“ 
Graf von der Gracht flüstert es an ihrem Ohr 
und hebt sie rasch in das atlasgefütterte Coupe'e.
	        

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