Digitale Landesbibliothek Berlin Logo
  • Show double pages
Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 3.1900 (Public Domain)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Bibliographic data

fullscreen: Berliner Leben (Public Domain) Ausgabe 3.1900 (Public Domain)

Access restriction

There is no access restriction for this record.

Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Periodical

Title:
Berliner Leben : Zeitschrift für Schönheit und Kunst
Other titles:
Die Damen-Illustrierte
Die Frauen-Illustrierte
Publication:
Berlin: Oestergaard 1928
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2016
Dates of Publication:
1.1898/99 - 31.1928,20
ZDB-ID:
2692447-X ZDB
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
050 Zeitschriften, fortlaufende Sammelwerke
Collection:
Berlin Newspapers and Journals
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access

Volume

Publication:
1900
Language:
German
Digitization:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2016
Berlin:
B 1 Allgemeines: Zeitungen
DDC Group:
050 Zeitschriften, fortlaufende Sammelwerke
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-1-5303783
Copyright:
Public Domain
Accessibility:
Free Access
Collection:
Berlin Newspapers and Journals

Issue

Title:
H. [9]

Contents

Table of contents

  • Berliner Leben (Public Domain)
  • Ausgabe 3.1900 (Public Domain)
  • Cover
  • Title page
  • Title page
  • H. [1]
  • H. [2]
  • H. [3]
  • H. [4]
  • H. [5]
  • H. [6]
  • H. [7]
  • H. [8]
  • H. [9]
  • H. [10]
  • H. [11]
  • H. [12]
  • Cover back

Full text

Die Büste. 
Von Gyp. 
Deutsch von Wilhelm Thal. 
p~s war 2'/2 Uhr morgens! Seit ein Uhr ruhte alles in 
Valfleury oder sollte wenigstens ruhen, als Jacques 
plötzlich von einem fürchterlichen Lärm aufgeweckt wurde”. 
Man rückte die Möbel ab, öffnete die Schränke, ging 
heftig auf und ab und zwar mit einer Ungeniertheit, die 
eine absolute Verachtung jeder Rücksichtnahme bekundete. 
Jacques war verblüfft, denn dieser Lärm kam - daran 
war nicht zu zweifeln aus dem Nebenzimmer, das 
der schöne Fryleuse inne hatte, der im Laufe des Tages 
angelangt war. Der schöne Fryleuse aber ist der korrekteste, 
ruhigste, höflichste, besterzogene Mann, den es giebt, 
und dieser nächtliche Lärm stand mit seinen Gewohn 
heiten so in Widerspruch, dass Jacques, der ernsthaft 
fürchtete, es sei ihm etwas zugestossen, ausrief: 
„Fryleuse, machen Sie diesen Spektakel?“ 
„Natürlich" brummte eine wütende Stimme. 
„Sind Sie krank?“ 
„Noch nicht . . . aber ich werde es morgen sein . . . 
sicher . . 
„Aber was giebt’s denn?“ 
„Ich friere, zum Teufel!“ 
„Machen Sie Feuer, der Kamin ist ausgezeichnet; ich 
hatte dasselbe Zimmer im letzten Jahr ... es ist ein 
wahres Vergnügen . . .“ 
„Darum handelt sich’s gerade . . . Anstatt mir von 
dem Kamin zu erzählen, sollten Sie lieber aufstehen und 
mir helfen ..." 
„Mir recht, aber wobei denn?“ 
„Etwas zu suchen, womit ich heizen kann, zum 
Teufel!" Jacques entschloss sich, da er absolut nicht 
verstand, aufzustehen und eilte zu seinem Nachbar. 
„Also!“ sagte Fryleuse, „es ist mir unmöglich, ein 
zuschlafen, wenn ich keine warmen Fiisse habe; ich habe 
eine kleine Wärmflasche, die mich nie verlässt, und 
mein Schafskopf von Diener hat sie in Paris vergessen!' 
„Sie hätten hier eine verlangen sollen . . ." 
„Wo denken Sie hin?“ 
„Na, es wird doch wohl ’ne Bierflasche im Hause 
geben?" 
„Ich sollte eine solche Manie eingestehen? Niemals!" 
„Aber ich sehe nicht ein, weshalb man sich zu 
schämen braucht, wenn man eine Wärmflasche zum 
Schlafen braucht! ... Sie sind zu gut erzogen!" 
„Was könnte man wohl nehmen, um sich zu er 
wärmen ?“ 
„Wie wärs, wenn man warmes Wasser in die Karaffe 
giesst?" 
„Daran habe ich schon gedacht," sagte Fryleuse und 
zeigte Jacques einen kleinen Haufen zerbrochenes Glas, 
der mitten im Flerde lag. 
„Ach, Donnerwetter! sie ist geplatzt?" 
„Sofort . . . dann habe ich es mit einer Klobe Holz 
versucht ... Ja wohl ... sie ist in Staub zerfallen . . ." 
Jacques hatte Mühe, ernst zu bleiben. 
„Das ist eine schlaflose Nacht, die mir blüht," sagte 
, Fryleuse wehleidig, „und ich bin schon zerschlagen; ich 
hab' die letzte Nacht beim Spiel zugebracht . . . und 
den halben Tag auf der Eisenbahn . . . morgen werde 
ich krank sein . . . das ist recht amüsant!" 
„Wenn Sie krank sind, wird unsere Wirtin eine Tiger 
laune entwickeln . . .“ 
„Was heisst das?" 
„Das heisst, dass man Sie .mit einer Ungeduld er 
wartete! ... Ja, sie war nicht nett vor Ihrer Ankunft! . . . 
Das Diner heut Abend hatte mit den vorhergegangenen 
nicht die geringste Ähnlichkeit!" 
„Das ist doch wohl ein Scherz?" 
„Durchaus nicht! spielen Sie nur den Unschuldigen". 
„Ich schwöre Ihnen . . .“ 
„Na, mein Lieber, wenn Sie wirklich nichts ahnen, 
dann sind Sie der einzige, denn Frau von Belleprestans 
ist wahnsinnig in Sie verliebt, und das ist für niemand 
ein Geheimnis . . .“ 
„Das ist ein dummer Scherz . . ." 
„Das ärgert Sie?" 
„Na, ich habe keine Lust, lächerlich zu erscheinen . . ." 
„Na; wenn sie alle die lächerlich gemacht hätte, 
die . . . Sie sind wirklich hart." 
„Aber sie ist doch 45 Jahre . . ." 
„Möglich . . . aber sie trägt diese 45 Jahre recht 
fesch . . ." 
„Sie ist grässlich . . ." 
„Ach nein! und dann kleidet sie sich doch so chic!" 
„Ach lassen Sie mich in Ruhe . . ." 
„Sie haben recht . . . suchen wir lieber etwas zum 
Erwärmen . . . ich habe keine Lust, Sie leiden zu sehen 
und möchte nicht, dass Valfleury wieder den Eindruck 
des Erbbegräbnisses bekommt, den es vor ihrem Er 
scheinen gehabt hat . . . Nehmen wir die Pendule . ... 
sie ist aus Bronce . . ." 
„Das geht doch nicht . . 
„Schade . . ." 
„Ich habe mir schon den Kamin angesehen; er ist 
vollständig aus Marmor . . . Wenn es Ziegelsteine wären, 
könnte man einen ausbrechen . . . Solche Ziegelsteine 
wärmen sehr schön . . . ich erinnere mich, dass ich oft 
auf der Jagd . . ." 
„Halt!" rief Jacques plötzlich, „ich weiss etwas, das 
sich warm machen lässt . . . Ihr Ziegelstein bringt mich 
darauf . . ." 
„Was denn?“ 
„Die Büste!" 
„Was für eine Büste?" 
„Die grosse Büste, die in der Nische am Fusse der 
Treppe steht . . . Die Büste der Frau von Belleprestans 
aus Terrakotta! ... Sie wissen doch?" 
„Oh!!“ 
„Warum! oh! Ihr Kammerdiener wird sie morgen 
wieder hinstellen, niemand wird etwas ahnen . . ." 
„Aber wie wollen wir sie holen?" 
„Das werde ich besorgen, doch Sie müssen mir 
leuchten . . .“ 
„Aber das ist ja unmöglich . . ." 
„Ja, wenn Sie sich an solcher Kleinigkeit stossen . . ." 
„Also vorwärts!" 
Resigniert ergriff Fryleuse einen Leuchter und folgte 
Jacques. 
„Mein Gott, wenn man uns nur nicht hört!" sagte 
er, während er leise über den Korridorteppich schlich. 
Sie gingen ins Vestibüle; hier stand in einer kleinen 
Nische eine ungeheure Büste aus Terrakotta, die eine 
stark decolletierte Frau darstellte, mit einem halb von 
den Schultern gefallenen Pelz. 
Jacques umschlang die üppige Taille der Dame mit 
seinem Arm und machte eine Bewegung; doch nichts 
rührte sich . . . 
„Donnerwetter", rief er dumpf; „sie wiegt drei 
Centner . . ." 
Endlich gelang es ihnen nach harten Anstrengungen, 
die Büste zu Fryleuse hinaufzuschleppen; Jacques der 
ausser Atem war, setzte sie heil und gesund vor dem 
hohen Kamin nieder, in welchen beide schleunigst grosse 
Kloben Holz hineinwarfen. 
„Wenn es damit nur nicht ebenso geht wie mit 
der Karaffe", murmelte Fryleuse melancholisch; „glauben 
Sie, dass sie sich im Feuer hält . . ." 
„Gewiss, es ist ja gebrannte Erde . . . Hm, die 
treffliche Baronin ist wirklich gar nicht so übel, be 
trachten Sie nur diese Linien!"
	        

Annotations

Annotations

  • Wunschpunschplatz, Berlin
    60

Downloads

Downloads

Full record

ALTO TEI Full text PDF (compressed) PDF (Original size)
TOC
Mirador

This page

PDF Image Preview Image Small Image Medium Image Large Image Master ALTO TEI Full text Mirador

Image fragment

Link to the viewer page with highlighted frame Link to IIIF image fragment

Formats and links

Formats and links

The metadata is available in various formats. There are also links to external systems.

Formats

METS METS (entire work) MARC XML Dublin Core

Links

OPAC DFG-Viewer Mirador

Cite

Cite

The following citation links are available for the entire work or the page displayed:

Full record

This page

Citation recommendation

Please check the citation before using it.

Image manipulation tools

Tools not available

Share image region

Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Contact

Have you found an error? Do you have any suggestions for making our service even better or any other questions about this page? Please write to us and we'll make sure we get back to you.

How much is one plus two?:

I hereby confirm the use of my personal data within the context of the enquiry made.