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Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1919, 28. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

Freier Zugang: Das Werk ist uneingeschränkt verfügbar.

Nutzungslizenz

Public Domain - gemeinfrei: Dieses Werk wurde als frei von bekannten urheberrechtlichen Einschränkungen identifiziert, einschließlich aller verwandten Schutzrechte. Sie dürfen das Werk kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Weitere Informationen finden Sie in den Nutzungshinweisen.

Bibliografische Daten

Metadaten: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1919, 28. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Zugriffsbeschränkung

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Monografie

Verfasser:
Timotheus, Hermann Friedrich
Titel:
Leben, Meinungen und Thaten von den Berliner Demokraten, die die Welt mit Ruhm erfüllt, und was sie vollbrachten und wie sie gebrüllt : heruntergesungen vom Pegasus / von Hermann Friedrich Timotheus
Erschienen:
Berlin: Hempel, 1852
Sprache:
Deutsch
Digitalisierung:
Berlin: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2011
Umfang:
112 S.
Fußnote:
In Fraktur
Berlin:
B 326 Literatur: Gedichte über Berlin
URN:
urn:nbn:de:kobv:109-opus-106114
Sammlung:
Geschichte, Kulturgeschichte
Berliner Dialekt, Literatur, Literarisches Leben
Signatur:
B 326 Tim 1
Copyright:
Public Domain / Gemeinfrei
Zugriffsberechtigung:
Freier Zugang

Kapitel

Titel:
Dreizehntes Kapitel. Wie Spiegelberg der Vierte im Bunde wird,...

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  • Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain)
  • Ausgabe 1919, 28. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)
  • Sondernummer. Berliner Sturmtage
  • Nr. 1, 5. Januar 1919
  • Nr. 2, 12. Januar 1919
  • Nr. 3, 19. Januar 1919
  • Nr. 4, 26. Januar 1919
  • Nr. 7, 16. Februar 1919
  • Nr. 13, 30. März 1919
  • Nr. 14, 6. April 1919
  • Nr. 15, 13. April 1919
  • Nr. 16, 20. April 1919
  • Nr. 17, 27. April 1919
  • Nr. 18, 4. Mai 1919
  • Nr. 19, 11. Mai 1919
  • Nr. 20, 18. Mai 1919
  • Nr. 21, 25. Mai 1919
  • Nr. 22, 1. Juni 1919
  • Nr. 23, 8. Juni 1919
  • Nr. 24, 15. Juni 1919
  • Nr. 25, 22. Juni 1919
  • Nr. 26, 29. Juni 1919
  • Nr. 27, 6. Juli 1919
  • Nr. 28, 13. Juli 1919
  • Nr. 29, 20. Juli 1919
  • Nr. 30, 27. Juli 1919
  • Nr. 31, 3. August 1919
  • Nr. 32, 10. August 1919
  • Nr. 33, 17. August 1919
  • Nr. 34, 24. August 1919
  • Nr. 35, 31. August 1919
  • Nr. 36, 7. September 1919
  • Nr. 37, 14. September 1919
  • Nr. 38, 21. September 1919
  • Nr. 39, 28. September 1919
  • Nr. 40, 5. Oktober 1919
  • Nr. 41, 12. Oktober 1919
  • Nr. 42, 19. Oktober 1919
  • Nr. 43, 26. Oktober 1919
  • Nr. 44, 2. November 1919
  • Nr. 45, 9. November 1919
  • Nr. 46, 16. November 1919
  • Nr. 47, 23. November 1919
  • Nr. 48, 30. November 1919
  • Nr. 49, 7. Dezember 1919
  • Nr. 50, 14. Dezember 1919
  • Nr. 51, 21. Dezember 1919
  • Nr. 52, 28. Dezember 1919
  • Farbkarte

Volltext

Berliner Mustrirte Zeitung. 
Der weirnre Adler 
ROMANM OS RTCHARBD CMKROWVROMMNEX 
—A Nachdruck verboten. 
Allen nen hinzutretenden Abannenten 
werden die bereits erschienenen Kapitel 
dieses Romans in einem Sonderabdruck 
anentgeltlich auf Verlangen nachgeliefert. 
Fziktor mußte hell auflachen. Der Assessor Hei⸗ 
V denreich gefiel ihm immer mehr. „Verzeihung, 
Serr Kollege, würde ich Sie sehr stören, wenn 
ch auf Ihrem Apparat mit Herrn von Hakenberg in 
Ittenwalde sprechen würde?“ 
„Aber nicht im geringsten! Ich regiere solange 
nit Unterschriften. Und es trifft sich ausgezeichnet. 
Falls Sie sich nämlich dort ansagen wollen. Ich 
hutte mir vorgenommen, heute nachmittag auch hin⸗ 
ruszufahren.“ 
Die Verbindung war bald hecrgestellt. Drüben 
intwodtete eine Jungmädchenstimme, die Eltern 
würden sich über den Besuch sehr freuen. 
„Hm,“ sagte Franz Heidenreich, „Sie kennen 
die Faͤmilie Hakenberg noch nicht persönlich?“ 
Nein! Nur mein älterer Bruder hat mir aufs 
dringbichste empfohlen, dort zu verkehren.“ 
Kann äich verstehen. Das netteste Haus im 
zanzen Kreise. Und wenn ich mir erlauben dürfte, 
us meiner genauen Kenntnis ein paar äinforma— 
torische Personaltips zu geben?“ 
„Ich bitte sehr darum!“ 
Also die Eltern ein paar famose Leutchen, bester 
ostpreußischer Schlag. Vater Hakenberg, ein kurzer, 
dicker Stöpsel, rollt wie eine Kegelkugel durch seine 
Wirtschaft, es kracht nur immer so um ihn herum. 
Aber die Erfolge glänzend, erster Pferdezüchter in 
der ganzen Gegend. Mama Hakenberg eine einstmals 
gefeierte Königsberger Schönheit, bedauert noch 
Jeute, daß der Bevuf ihres Baters — er war Komman—⸗ 
Fiereirder General — sie hinderte, die Laufbahn einer 
Dpernsängerin einzuschlagen. In Wirklichkeit liebt 
sie ihren dicken Heino zärtlich, ist froh, als Herrin 
auf einem sicher fundierten Edelhof zu sitzen und 
hält die große Innenwirtschaft musterhaft im 
Schwung. Die Nachkommenschaft dieses auf den 
ersten Blick so ungleichen Paavres: zwei Töchter und 
drei Söhne. Die Aelteste, Ilse, cine in jeder Hinsicht 
vollendete junge Dame. Blond, hübsch, schlank und 
singt besser als die Mutter. Sie malt außerdem 
sehr beachtenswert und ist ein ganz samoser Kerl. 
Sehr verdacht wird ihr nur, daß sie immerfort 
Körbe austeilt, von denjenigen nämlich, die sich 
»inen geholt haben. Die Jüngere, Fräulein Irm— 
zard, in der Familie ‚Imi‘ gerufen. Achtzehn 
Jahre alt, furchtbar patzig und eingebildet ... auch 
nicht besonders hübsch, mit einem Wort, eine un— 
erquickliche junge Dame. Vielleicht wird noch ein⸗ 
mal 'was aus ihr. Vorläufig aber nichts weiter als 
in kleiner Igel, der immer mit gespreizten Stacheln 
rumläuft. Wenn man nicht Grobheiten an den Kopf 
kriegen will, geht man diesem Jöhr am besten aus 
dem Wege!“ 
Viktor hatte belustigt zugehört. „Verbindlichsten 
Dank, Herr Kollege, für die so anschauliche Schilde⸗ 
rungi Aber — ohne indiskret sein zu wollen — 
wann äast Verlobung?“ 
Franz Heidenreich sah seinen Vorgesetzten ver- 
blüfft an. Entschuldigen Sie, bitte, was?“ 
„Nun, Verlobung mät der jungen Dame, die Sie 
so respektlos als ‚kleinen Igel⸗ bezeichneten!“ 
Aber ich verftehe wirklich nicht ...“ 
„Wie ich das erraten habe? Ich glaube, es 
var nicht allzu schwer. Sie hätten das Fräulein 
aicht gar so schwarz malen sollen!“ 
Der Assessor lachte verlegen auf. „Hab' ich das 
wirklich? Na, denn ja, immer treibt einen die 
Angst, da könnte irgendein anderer ... Es ist 
cheußlich, wenn's einen so erwischt hatl Und nichts 
dagegen zu machen! Vor zwei Jahren schon sollt' 
ich auf Wunsch meines Vaters den Abschied nehmen 
2ich komm' hier nicht losl Alle vier Wochen hol' 
ch mir ein korbähnliches Gebilde und paß' auf wie 
Phylax, ddes Hauses treuer Hüter, daß mir kein 
remder Kerl in meinen Garten steigt. .. Aber, 
entschuldigen Sie, ich weiß selbst nicht, wie ich dazu 
zekommen bin, so rückhaltlos ... Ich habe die 
kimpfindung, Sie werden mir's trotz unserer kurzen 
Zekanntschaft nicht übel auslegen ..“ 
Viktor schüttelte ihm herzhaft die Hand. „Und 
tun — wann und wie fahren wir nach Ottenwalde?“ 
Franz veidenreich hatte den Händedruck kräftig 
rwidert. „Wie und wann wir fahren? Mit meinem 
luto, nachdem wir um zwei Uhr bei mir zu Mittag 
egessen haben! Jetzt aber gestatte ich mir ganz ge— 
orsamst zu bemerken, die Regierung des König— 
eiches Preußen ist in höchster Gefahr stillzustehen, 
oegen mangelnder Unterschriften im Kreise Hein— 
ichsburg.“ 
Ein würdiger, alter Herr betrat, ohne anzu— 
lopfen, das Zimmer. „Verzeihung, Herr Assessor, 
er Bericht in Sachen Amalienau muß noch mit dem 
kinuhrzug nach Allenstein.“ 
Franz Heidenreich wandte sich um. „Das mah—⸗ 
ende Amtsgewissen! Aber gestatten ie⸗ — er 
nachte eine vorstellende Handbewegung — „Herr 
stegierungsassessor Freiherr von Dolinga, Herr 
kreissekretär Kanzleirat Wichottal Die Säule des 
zeinvichsburger Landratsamtes seit mehr als vierzig 
zahren, wandelndes Nachschlagebuch sämtlicher in 
rieser Zeit erlassener Verfügungen, und — beim 
—— 
iandsmitglied im hiesigen Ostmarkenverein.“ 
Viktor trat auf den alten Herrn zu, schüttelte 
ym die Hand. „Ich hoffe auf ein gedeihliches Zu— 
immenarbeiten, mein lieber Herr Rat!“ 
Der Alte sah ihn durch ein Paar funkelnde 
Zzrillengläser sest an. „Sollte mäch sehr freuen, 
zerr Regierungsossessor! Von der Art dieser du— 
ammenarbeit wird es ‚abhängen, ob äch schon gleich 
reinen Abschied nehme oder noch ein Weilchen warte 
lußerdem ersucht der Erbauer des hiesigen Polen— 
asars, Herr Padöffke, um eine Unterredung. Unter 
zerufung auf eine ganz intime Jugendfreundschaft.“ 
Viktor hatte Mühe, sich zu beherrschen. Das 
stißtrauen, mit dem man ihm hier von allen Seiten 
egegnete, war auf die Dauer unerträglich. „assen 
Zie, bitte, den Herrn eintreten,“ sagte er kurz. 
Fritz Padöffke zwängte seinen dicken Bauch durch 
ie halbgeöffnete Flügeltür, kam mit ausgestreckten 
Ȋnden auf Viktor zu. Beschwingt von einer Flasche 
zarenthaler, innerlich gefestigt von einem Pfund 
daviar. Und überzeugt, nach zehn Minuten aller 
rückenden Sorgen ledig zu sein. „Tag, Doli,“ sagte 
r jovial, „mußte mich doch mal nach Dir umsehen, 
ilter Kronensohn! Gut bekommen gestern abend?“ 
Viktor tat so, als hätte er die ausgestreckten 
zände nicht bemerkt. „Danke, ausgezeichnet! Darf 
ch fragen, was Sie zu mir führt?“ 
Der Dicke schüttelte verwundert den Kopf. „Na— 
iu? Schon wieder Schmollis verwichst? Wie soll 
hy das auffassen. Tusch oder Vergeßlichkeit?“ 
„Keins von beiden! Bitte nehmen Sie's als 
escheidenen Wunsch, die Ausdrucksformen einer so— 
enannten Jugendfreundschaft auf ein erträgliches 
Naß zurückzuführen!“ 
Herr Padöffke lachte, gut gelaunt, auf. „Gut 
rebrüllt, Löwe! Oder wie unser alter Lateinpauker 
mmer sagte: Reécte dixisti, mi fili! Also darf ich“ 
- er verneigte sich übertxieben — „Herrn Regie— 
ungsassessor vielleicht ein paar Minuten unter vier 
Augen sprechen?“ 
„Ich bedauere sehr! Falls Sie irgendein Gesuch 
in das hiesige Landratsamt haben, bvitte ich, es auf 
F ordnungsmäßigen Wege schriftlich einreichen zu 
vollen.“ 
Ser Dicke schnüffelte mir ver Nase. „Ich ver— 
tehe, man hat mich verleumdet! Weil ich — um 
richt zu verhungern — einen kleinen Auftrag für 
inen polnischen Bauherrn ausführte, bin ich ein Ver— 
äter! Darf ich Sie aus diesem Anlasse evinnern, 
»err von Dolinga, daß es eine Zeit gab, wo zwei 
zünglinge mit Begeisterung sangen: Noch ist Polen 
icht verloren?“ 
„Gewiß, warum nicht? Der eine dieser beiden 
zünglinge war ich! Wenn ich nicht irre, ganze zwölf 
zahre alt.“ 
Herr Padöffke machte eine elegische Handbewe— 
jsung. „Wie sagt der Lateiner? Tempora mu— 
antur, der Mensch ändert sich im Laufe der Zeit! 
Iber wie hieß der Wahlspruch unserer unvergeß— 
ichen Cheruskia? Honor, patria, amicitial Ehre, 
zaterland, Freundschaft, auf deutsch gesagt, Herr 
on Dolingal Tut mir leid, daß Sie den wichtigsten 
ceil dieses Spruches vergessen haben! Da wird Ihnen 
Amerikanisches , Copyright 1918, by Ullstein & Co' 
ia wohl auch gleichgültig sein, ob ich nach dem Zu 
ammenbruch gewisser Hoffnungen ....“ Eir 
schluchzte leicht auf: „Fassung, alter Paddil Und 
wie sagt der Vater Homer? Dulde, o Männerherzl! 
zündischeres hast Du ja schon erduldet ...“ Er 
tülpte den Hut auf, verließ erhobenen Hauptes das 
zimmer. 
Scheußlich,“ sagte Viktor, griff sich in den 
Zragen. Der Ässessor Heidenreich lachte kurz auf. 
„J bewahrel Ich hatte gehofft, er würde uns 
um Schluß noch die Alte Burschenherrlichkeit' vor— 
ingen.“ 
„Wenn der Mann sich aber nun, von Nahrungs- 
orgen getrieben, ein Leid antut?“ 
„Herr Padöffke? Ah nein! Aber ich schätze, er 
vird nach einer Reise durch sämtliche Bierlokale des 
ztädtchens irgendwo im Rinnstein landen. Und 
norgen früh wird er zusehen, den Umbau des 
Weißen Adlers' zu ergattern. Aber er wird sich be⸗ 
aͤlben müssen. Es gibt noch mehr Bauunternehmer 
m Städtchen, deren Deutschtum bei einem so fetten 
Auftrag — na sagen wir mal — ein leichtes Schön— 
veitsfehlerchen kriegen könnte!“ 
„Aber das wäre doch geradezu trostlos,“ sagte 
Biktor. „Und wohin soll das führen?“ 
Franz Heidenreich sah den alten Kanzleirat an 
Na wohin, Herr Wichotta?“ 
„Dorthin, wo Oberschlesien schon heute ist!“ 
„Sehr richtig! Unaufhaltsam! Aber jetzt, ver⸗ 
»hrter Herr Kollege ...“ 
„Verzeihung,“ sagte Viktor. „Selbst auf die Ge⸗ 
ahr hin, Sie in dringenden Amtsgeschäften aufzu— 
halten: Sie müssen zu einer so trostlos-pessimistischen 
Auffassung doch triftige Gründe haben!“ 
„Ganz recht, Herr Kollege! Unter anderem den: 
Venn ich genug Geld hätte, würde ich mich anhei— 
chig machen, ein Drittel des gesamten Grundbesitzes 
m Kreise für die Polen zu kaufen. Der Patriotis- 
nus mancher Leute hört auf, wo der Verdienst an— 
ängt. Wie aber, lieber Herr Wichotta, beschimpfen 
zie Polen einen der Ihrigen, der an einen Deutschen 
nerkauft hat?“ 
Der alte Kanzleirat zog ein dickes Notizbuch, 
zlätberte ein paar Seiten um und las vor: „Die 
zeitung Lech‘ in Gnesen schreibt am 24. 9. 11 
olgendes: „Wenn sich der Verschacherer in der Kirche, 
m Gasthause, im Dorfe oder in einem Privathause 
eigt, dann müssen alle von ihm weichen wie von 
einem Pestkranken. Will er einem die Hand reichen, 
dann möge sich dieser von ihm abwenden und vor 
hm ausspeien, wie vor dem größten Lumpen. Will 
ꝛx Dein Haus betreten, so verschließe die Tür vor 
hm! Sollte er den Fuß auf Dein Besitztum setzen, 
o hetze ihn hinaus aus Deinem Hofel Möge der 
Berschacherer in der Einsamkeit leben wie Kainl 
HRöge der Fluch des polnischen Volkes auf ihm lasten 
nis zum Tode'.“ a 
3uUnd gibt es bei solchem Haß keine Versöh— 
uung?“ warf Viktor ein. 
„Zwischen uns und den Polen?“ fragte der 
Assessor Heidenreich ganz entsetzt. Und der alte 
Tanzleirat warf ihm einen Blick zu, in dem deutlich 
zu lesen stand: „Na, hab' ich's nicht vorausgesagt, 
was für 'ne Art von Polenpolitik uns der neue 
derr Landrat mitbringen wird?“ Er räusperte sich 
»ernehmlich: „Verzeihung, aber ein Teil der Unter—⸗ 
chriften ist so dringlich ...“ 
Viktor griff nach seinem Hute, versuchte einen 
„cherz: „Die begeisterte Zustimmung, die mein An— 
rag gefunden hat, veranlaßt mich, ihn bis auf wei⸗ 
leres zurückzuziehen. Auf Wiedersehen, Herr Kol— 
legel“ ... 
Viktor ging von dem Hügel des Landratsamtes 
angfam zum Städtchen zurück. Er hatte die Empfin— 
»ung, der Assessor Heidenreich sei beim Abschied merk⸗ 
ich kühler gewesen als zuerst. Wie ihm scheinen 
vollte, nur weil er das Wort gesprochen hatte, zwi⸗ 
chen Deutschtum und Polen sei vielleicht eine Ver— 
öhnung möglich. Auch der Bürgermeister Wendt- 
and, der nach seinem ganzen Verhalten doch gewiß 
richt als politischer Heißsporn zu bewerten war, hatte 
»en Gedanken schroff zurückgewiesen. Und er fragte 
ich: Weshalb nur, weshalb? Das gegenwärtige 
S„ystem, bei dem man sich um jeden einzelnen Bauern— 
jof erbittert in die Haare geriet, war doch uner— 
räglich.
	        

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