durfte es erst einer völligen Umdüngung des freigerodeten Bodens, der für die neue Ökonomie
aufnahmefähig sein sollte ‚.... Diese Voraussetzungen fand Rathenau wenigstens in ihren
Keimen vor. Die vorbildlich gewordene Art, wie er sie ausbildete und meisterte, ist das Fundament
seiner Größe geworden.
"Es war nötig, einleitend den Rahmen zu zeigen, innerhalb dessen nur das Charakterbild Rathenaus,
der nicht allein ein Vollbringer in geschlossenem Kreis, sondern ein Übernehmer und Anreger war,
der nicht nur ein Werk, sondern auch ein System schuf, in seiner ganzen Totalität begriffen werden
kann. Nach dieser Einführung, die notwendigerweise, wenn auch nicht streng wissenschaftlich
schon eine Vorwegnahme mancher Resultate enthielt, soll und kann ganz chronologisch und logisch
vorgegangen werden,
Emil Rathenau wurde am 11, Dezember 1838 in Berlin geboren. In der nur zum Teil veröffentlichten
Rede, die er vor nunmehr 4 Jahren am Vorabend seines 70. Geburtstages hielt, erzählte
er nicht ohne beziehungsreichen Stolz: „Als ich die Lebensreise antrat, gab es in unserer Vaterstadt
ein interessantes Erlebnis: die Vollendung der ersten preußischen Eisenbahn. Die Berliner
sollen in hellen Haufen begeistert zum Potsdamer Tor hinausgepilgert sein, um den Zug nach
Steglitz abfahren zu sehen. Viel zu langsam (nach heutigen Begriffen) bewegte er sich vorwärts,
ohne Schlaf= und ohne Speisewagen, und doch war die Eisenbahn ein gewaltiger Fortschritt gegen die
Postkutsche, in: der mein Vater aus der Uckermark als Jüngling, meine Mutter als Kind mit ihren
Eltern aus der Mark hierher übersiedelten.“ Rathenaus Großeltern waren für die damalige Zeit
recht wohlhabende Leute gewesen, seine Eltern konnten ihm so gut wie gar nichts mitgeben. Nach
dem Besuch des Gymnasiums zum grauen Kloster wurde darum Rathenau einfacher Maschinenbauer.
„Da weder Terpsichore noch andere Musen an meiner Wiege gestanden haben,“ erzählte er launig,
„reiste ich auch ohne Geleit in die Lehre nach Schlesien.“
Aber die 4'/2 Jahre, die er auf der Wilhelmshütte bei Sprottau den Maschienenbau als „Proletarier
in blauer Bluse und mit zerschundenen Händen“ von Grund auf lernte, haben ihm eine gründliche
handgewerkliche Kenntnis des Fachs, das immer sein eigenstes Lieblingsfach geblieben ist, für alle
Zeit mit auf den Weg gegeben. Aus der Erbschaft eines Onkels, der ein immerhin nicht unbeträchtliches
Vermögen hinterlassen hatte, fiel ihm wie auch den 15 anderen Erben eine Summe von etwa
5000 Talern zu, Nun konnte Emil Rathenau seinem längst gehegten Trieb nach akademischer Bildung
und Durchbildung nachgeben. Er studierte auf den technischen Hochschulen zu Hannover und
Zürich, und mit dem „Diplom eines richtiggehenden Ingenieurs nahm ihn Borsig, der Sohn des Begründers,
nach beendetem Studium in seine Lokomotivenfabrik auf“, Dort hätte er bleiben und eine
„große Stellung“ erringen können, wenn er sich mit dem Streben und den Zielen eines tüchtigen
Maschinenbauers begnügt hätte. Aber Rathenau hat sich nie in seinem Leben begnügt. Er wollte
sehen, lernen, er hatte den „Durst nach weiter Welt“ und wollte alles in sich aufnehmen, was die
Technik in damals fortgeschritteneren Ländern an Gegenwartserfüllungen und Zukunftsmöglichkeiten
bot. Und überall, wohin er kam, begnügte er sich nicht zu sehen, sondern er brachte das Neue und
Versprechende nach Deutschland mit. In der großen englischen Schiffsmaschinenfabrik John Penn ©
Co. in Greenwich arbeitete er eine Zeitlang. „Trotz schmaler Kost und wenig Geld ist ihm diese
Zeit unvergeßlich geblieben.“ Hier und in anderen englischen Firmen sperrte er Augen und Hirn
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