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Die Berliner Unfallstation vom Roten Kreuz 1893-1913

Volltext: Die Berliner Unfallstationen vom Roten Kreuz 1893-1913 (Public Domain)

Muster hierzu hat weder das Inland noch das Ausland geliefert. 
In unsern Großstädten waren Verletzte und plötzlich Erkrankte 
fast ausschließlich auf die Hilfe von Privatärzten angewiesen. 
holland hatte Gesellschaften zur Rettung von Personen, die in 
Ertrinkungsgefahr geraten waren, und in Osterreich hatte man 
sich nach dem Wiener Kingtheaterbrande zur Gründung der 
Wiener Rettungsgesellschaft entschlossen, die jedoch mehr Trans— 
port⸗ als ärztliches Hilfsinstitut war. Das war so ziemlich alles. 
In Berlin war auf dem Gebiete des allgemeinen Rettungs- 
wesens bis zum Jahre 1871 so gut wie nichts geschehen. Erst 
im Jahre 1872 traten auf Anregung der Kaiserin Augusta ein 
paar Sanitätswachen ins Leben, die indes, da es ihnen an 
Unterstützung fehlte, sehr bald ihre Tätigkeit wieder einstellten. 
Sie erwachten erst im Jahre 1886 wieder zu neuem Leben und 
vermehrten sich dann allerdings ziemlich rasch. Diese Sanitäts— 
wachen waren bis zum Jahre 1893 die einzigen Repräsentanten 
des öffentlichen Rettungsdienstes in Berlin. Sie konnten mit 
der Entwicklung der Industrie und des Verkehrs und der da— 
durch bedingten SZunahme der Unfälle auf die Dauer um so 
weniger gleichen Schritt halten, als sie nur einen Nachtdienst 
kannten, der gewiß auch sein Gutes wirkte, aber an Bedeutung 
doch schließlich hinter dem Tagesdienst zurücktrat. Denn gerade 
am Tage, und zwar in den späten Vormittags- und Nachmittags— 
stunden, ereignen sich die meisten Unfälle, und das sind zugleich 
die Zeiten, in denen die ärzte ihrer Praxis nachgehen und daher 
zu Hause nur selten anzutreffen sind. Dieses Fehlen eines Tages— 
dienstes wurde naturgemäß von den Berufsgenossenschaften 
besonders unliebsam empfunden; denn für sie bedeutete eine zu 
spät einsetzende oder unsachgemäße Hilfeleistung eine Verzögerung 
oder geradezu Vereitelung der Wiederherstellung des Verletzten 
und somit eine Erhöhung der Rentenlast. 
d So traten denn im Jahre 1893 auf Anregung des Vor— 
falutationen. sitzenden der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft SektionVI, 
Direktor B. Knoblauch, die Herren 
Fuhrwerkbesitzer Beck (Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft), 
Fabrikbesitzer C. hellriegel (Papierverarbeitungs-Berufs-⸗ 
genossenschaft), 
Geheimer Sanitätsrat Dr. heyder (ärztlicher Berater),
	        
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