Muster hierzu hat weder das Inland noch das Ausland geliefert.
In unsern Großstädten waren Verletzte und plötzlich Erkrankte
fast ausschließlich auf die Hilfe von Privatärzten angewiesen.
holland hatte Gesellschaften zur Rettung von Personen, die in
Ertrinkungsgefahr geraten waren, und in Osterreich hatte man
sich nach dem Wiener Kingtheaterbrande zur Gründung der
Wiener Rettungsgesellschaft entschlossen, die jedoch mehr Trans—
port⸗ als ärztliches Hilfsinstitut war. Das war so ziemlich alles.
In Berlin war auf dem Gebiete des allgemeinen Rettungs-
wesens bis zum Jahre 1871 so gut wie nichts geschehen. Erst
im Jahre 1872 traten auf Anregung der Kaiserin Augusta ein
paar Sanitätswachen ins Leben, die indes, da es ihnen an
Unterstützung fehlte, sehr bald ihre Tätigkeit wieder einstellten.
Sie erwachten erst im Jahre 1886 wieder zu neuem Leben und
vermehrten sich dann allerdings ziemlich rasch. Diese Sanitäts—
wachen waren bis zum Jahre 1893 die einzigen Repräsentanten
des öffentlichen Rettungsdienstes in Berlin. Sie konnten mit
der Entwicklung der Industrie und des Verkehrs und der da—
durch bedingten SZunahme der Unfälle auf die Dauer um so
weniger gleichen Schritt halten, als sie nur einen Nachtdienst
kannten, der gewiß auch sein Gutes wirkte, aber an Bedeutung
doch schließlich hinter dem Tagesdienst zurücktrat. Denn gerade
am Tage, und zwar in den späten Vormittags- und Nachmittags—
stunden, ereignen sich die meisten Unfälle, und das sind zugleich
die Zeiten, in denen die ärzte ihrer Praxis nachgehen und daher
zu Hause nur selten anzutreffen sind. Dieses Fehlen eines Tages—
dienstes wurde naturgemäß von den Berufsgenossenschaften
besonders unliebsam empfunden; denn für sie bedeutete eine zu
spät einsetzende oder unsachgemäße Hilfeleistung eine Verzögerung
oder geradezu Vereitelung der Wiederherstellung des Verletzten
und somit eine Erhöhung der Rentenlast.
d So traten denn im Jahre 1893 auf Anregung des Vor—
falutationen. sitzenden der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft SektionVI,
Direktor B. Knoblauch, die Herren
Fuhrwerkbesitzer Beck (Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft),
Fabrikbesitzer C. hellriegel (Papierverarbeitungs-Berufs-⸗
genossenschaft),
Geheimer Sanitätsrat Dr. heyder (ärztlicher Berater),