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faßten Plan mit seiner Gemahlin weiter beriet, benutzte Anna
Elisabeth, um Eggard aufzusuchen. Schon der nächste Morgen,
daran zweifelte sie jetzt nicht mehr, brachte ihr eine abermalige
lange Trennung von dem Geliebten.
Es geschah, wie die Generalin geraten hatte. In aller
Frühe am nächsten Morgen brach die schwedische Armee nach
der polnischen Grenze auf. Doch zogen nur die Damen,
sowie die Bagage und der ganze Troß über die Grenze, wo
die Polen, nachdem die erste Ueberraschung vorüber war. sie
mit aller Courtoisie aufnahmen und ihren liebenswürdigen
Gästen sogar die glänzendsten Feste bereiteten. General
Boheim aber ließ sich täuschen. Er zog eiligst seine
Truppen zusammen und jagte den schwedischen Truppen nach,
um sich ihrer zu bemächtigen. Als er zu seiner grenzenlosen
Bestürzung seinen Irrtum gewahr wurde, hatte General
Banner schon seinen Durchzug nach Pommern und seine Ver
einigung mit dem Wrangelschen Heere bewerkstelligt.
(Fortsetzung folgt.)
August Kopisch in Italien.
Ungedruckte Briefe des Dichters an seine Mutter und an Pisten.
Mitgeteilt von vr. Otto Kessen.
(4. Fortsetzung.)
II.
Der Sommer 1827 gewann für Kopisch durch den Ver
kehr mit Plalen eine ganz besondere Bedeutung. Platen hatte
schon im Herbst 1824 eine Reise nach Oberitalien gemacht,
sich damals mehrere Wochen in Venedig aufgehalten und
seitdem das lebhafte Verlangen getragen, auch das übrige
Italien zu sehen. Im Jahre 1826 nach dem Erscheinen der
„verhängnisvollen Gabel" sollte sein Wunsch Erfüllung finden:
Anfang September konnte er die Reise antreten. Nachdem er
sodann den Winter in Rom verlebt, traf er Ende April in
Neapel ein. — Kopisch befand sich zu dieser Zeit auf Sizilien.
Erst wenige Wochen vorher war er von Neapel abgesegelt,
halte, wie sein Sktzzenbuch meldet, „am 5. April 1827 des
Morgens um 6 Uhr" das Capo Zaffarano bei Palermo er
erblickt und sich dann ostwärts gewandt. Am Meere entlang
wanderte er nach Messina, besuchte Reggio (4. Mai), zog
dann nach Catania und dem Aetna, und weiter nach Syracus,
Terranova, Girgenti, Selinunt, bis er wieder Palermo erreichte.
Mitte oder Ende Juni kehrte er nach Neapel zurück und muß
bald darauf in dem Kreise der deutschen Landsleute mit
Platen zusammengetroffen sein. Es war eine bunte Gesellschaft
von Künstlern, Gelehrten und Diplomaten, in ihrer Mitte der
schlesische Landschaftsmaler Florian Grospietsch, den Kopisch
schon aus der Heimat kannte, der Dresdener Landschafter
Carl Wilhelm Götzloff, der Bildhauer Randel, der Erzieher
der Gebrüder Frizzoni in Bergamo, vr. Gündel aus Johann
georgenstadt, Heinrich Alexander von Arnim, damals Legations-
sekcetär in Neapel, u. a.
Manch dauernde Freundschaft mochte sich in diesem
Kreise knüpfen; so schnell und innig schlossen sich jedoch nur
wenige aneinander, wie Platen und Kopisch. Von dem ersten
Eindruck berichtet Platen seinem Vertrauten, dem Grafen
Friedrich Fugger in Augsburg, am 12. Juli 1827: „Es ist
hier ein Maler aus Schlesien. Namens Kopisch, der plötzlich
zum Dichter umgeschlagen und eine Tragödie Chriemhild ge- I
schrieben hat, die mir sehr gelobt wird. Die Verhältnisse find
so, daß ich sie werde anhören müssen, wiewohl es mir gegen
wärtig sehr unangenehm ist, ein fremdes Trauerspiel anzuhören.
Aber auch abgesehen von den Umständen ist der Tragiker selbst
eine so liebenswürdige Person, daß man ihm nicht leicht etwas
abschlagen kann."
Und schon eine Woche später ertönt seine 11. Ode „An
August Kopisch":
Stets, doch immer umsonst, unter dem fremden Volk,
Sei's auch milde gesinnt, sucht' ich ein zärtliches,
Huldvolles Gemüt, wie Du bist,
Ein erwünschtes Gespräch, wie Deins!
woruuf Kopisch mit einer Ode gleichen Versmaßes (Werke II. 62)
begeistert antwortet:
Weil Du selbst sie gereicht, drücke ich die edle Hand,
Ach. wie gern an das Herz! ....
Laß mich Dir nun vereint, suchen die hohe Bahn,
Die kein sterblicher Fuß wandelt, den Erdenstaub
Belastet. — die ewiger Schönheit
Unerschöpfliche Qnellflut netzt!
Wenige Tage nach Empfang dieses Gedichtes, am 30. Juli,
schreibt Platen an Fugger: „In diesem schönen Wunderlande
genieße ich mit einem Freund wie Kopisch die schönsten Tage.
Er hat einen vortrefflichen Charakter, eine wahre Asfluenz von
Talenten, und die größte Annehmlichkeit und Heiterkeit im
Umgänge Vorgestern bin ich mit ihm in Pozzuoli
gewesen, und wir haben zusammen die Grotte der Sibylle in
Cumae und die Tempeltrümmer in Bajae besucht. Des Morgens
baden wir uns gewöhnlich in einer schönen Grotte am Posilipp,
wohin wir uns im Kahn fahren lassen. Denn jener Berg ist
voll von Höhlen, in die sich zum Teil das Meerwasser ergießt.
Kopisch ist ein großer Schwimmer, wie überhaupt sehr erfahren
in allen gymnastischen Uebungen. Wir essen auch zusammen
und sind fast unzertrennlich. Ec nennt mich den liebens
würdigen Menschenfeinds und will mich mit der Zeit auch
malen."
Jeder gab und empfing das Beste aus dem geheimsten
Schatz der Seele. Platen ward nicht müde. seine eigene
strenge Auffassung von dem Ernst und der Höhe des Dichter
berufes dem Freunde ans Herz zu legen, er suchte ihn zu
schärferer Zucht und Kritik bei seiner Arbeit anzuhalten, wies
zurück auf die Dichter des Altertums als Maß und Quelle
des Schönen, regte ihn zur Wiederaufnahme klassischer Studien
an, flocht in das Beobachten von Land und Leuten das Interesse
für die geschichtliche Vorzeit und ermunterte ihn, als Dichter
dem „hochwolkigen Schwung des Adlers" zu folgen, sich in
Oden, Hymnen und größeren Epen zu versuchen. Kopisch hin
wiederum war unablässig bemüht, die düsteren Stimmungen
seines Genossen zu bannen, den „Menschenfeind" zur un
befangenen Hingabe an die Natur, zur Freude am frohen
Volkstreiben, zu heilerer Geselligkeit hinüberzuziehen; dem
strengen Klassizismus gegenüber vertritt er das Recht des
leichten Volksliedes und der ungebundenen neapolitanischen
Komödie und macht jenen auch persönlich mit der Schauspieler-
gesellschaft des Volkstheaters S. Carlino und mit seinem
Freunde Philippo Cammarano bekannt. Was Platen fehlte,
was ihm die schwersten einsamen Tage brachte, keiner hat es
so tief empfunden wie Kopisch; keiner hat mit solcher Wärme