Nach erfolgter Besichtigung sprach der Kaiser den betreffenden
Äünstlern seinen Dank aus und überreichte jedem die für ihn be
stimmte Auszeichnung. Professor Ludwig Manzel erhielt den
Roten Adlerorden vierter Klasse mit der Krone, Professor Otto
Lessing den Kgl. Kronenordeu dritter Klasse und Bildhauer
Johannes Götz den Roten Adlerorden vierter Klasse. Nachdem
das Kaiserpaar darauf verschiedene Personen durch Ansprachen
ausgezeichnet und besonders die zur Feier eingeladenen Nachkommen
der in den neuen Gruppen dargestellten Staatsmänner und Edel
leute in ein Gespräch gezogen hatte, verließen die hohen Herr
schaften unter dem Jubel der zahlreichen Zuschauer die Siegesallee,
um sich nach verschiedenen Ateliers zur Besichtigung der demnächst
zur Aufstellung kommenden Gruppen zu begeben.
Die zuerst enthüllte Gruppe, den ersten Kurfürsten aus dem
Hause Hohenzollern, Friedrich I., und seine Waffeugefährteu
Johann von Hohenlohe und Wendt von Jlcburg dar
stellend, ist ein Werk des Bildhauers Prof. Ludwig Manzel,
der seine Aufgabe in eigenartiger und ansprechender Weise gelöst
Fridrich l. 1415—1440. Hinter der Hauptfigur ist in der Mitte
der glattgehaltenen Bank ein Reliesbild der Gemahlin des Kur
fürsten, der „schönen Else", eingefügt, wie sie, die Hände zum
Gebet vereinigt, aufwärts blickt. Unter dem Relief steht nur der
Name „Elisabeth". Für dieses Bild, wie für die Hauptfigur, diente
dem Künstler als Vorbild der im Hohenzollern-Museum befindliche
Flügelaltar aus der Kirche von Kadolzburg, der kürzlich im
„Bär" ausführlich besprochen wurde.
Als Seitenfiguren sind der Ritter Hans von Hohenlohe
und der Landeshauptmann Wendt von Jleburg aufgestellt.
Beide sind in den Eisenpanzer gehüllt und tragen den Helm auf
dem Haupte. Hohenlohe hat das Visier hochgeschlagen und schaut
gespannt in die Ferne, die Rechte faßt kampfbereit den Streithammer,
die Linke stützt sich auf den Wappenschild mit dem Hohenloheschen
Löwenpaar. Wendt von Jleburg, der als Vorfahr des jetzigen
Geschlechts von Eulenburg gilt und eine Zeitlang Verweser und
Landeshauptmann der Mark Brandenburg war, hält in der
Rechten eine Urkunde, während die Linke auf dem Schwerte ruht
wrndk von Jleburg. Friedrich 1. Johann von Hohenlohe.
hat. Von dem Gedanken ausgehend, daß seit der Zeit des
ersten Hohenzollern das kräftige deutsche Element sich mit
dem knorrigen Charakter des Märkers zu gedeihlichem Bunde ver
einigte, hat der Künstler die deutsche Eiche und die märkische Kiefer
als dekorative Elemente benutzt. Am Postament der Hauptfigur
wachsen sie gleichsam aus dem Boden hervor und schmiegen sich
an die Seitenflächen an, um sich niit ihren Wipfeln oben zu eineni
stilisierten Friese zu vereinigen.
In ähnlicher Weise schmücken diese Motive auch die Sockel
der Seitenfiguren und die Abschlüsse der Rundbank. Da die gotisch
gehaltene Bank fast ganz glatt ist, wirken diese Verzierungen von
Kiefer und Eiche ganz eigenartig.
Die Figur des Kurfürsten steht in ruhiger Haltung, vornehm
und selbstbewußt da. Das Gesicht des Fürsten, welches an das
des Großen Kurfürsten erinnert, ist nach links gewendet, das von
hcrabwallendem Haar umrahmte Haupt ist mit dem Knrhut bedeckt.
Ueber der glattpolierten Plattenrüstung trägt Friedrich I. den au
beiden Seiten offenen, pelzverbräniten Mantel mit dem branden-
burgischen Adler, und um die Schultern legt sich der Hermelin
kragen. Die Inschrift auf dem Sockel lautet einfach: Kurfürst
Die gotischen Sockel der beiden Hermen sind in der erwähnten
Weise mit Kiefern- und Eichenschößlingen umrankt, die Namen der
Ritter sind seitlich in den Bankrücken eingemeißelt. Als Vorbild
für Hans von Hohenlohe benutzte Prof. Manzel eine alte Grab
tafel in der Klosterkirche zu Berlin, auf der der Graf in knieender
Stellung abgebildet ist, wie er dem verwundeten Heiland seine Ehr
erbietung erweist. Für den Kopf Wendts von Jleburg war kein
Porträt zur Benutzung vorhanden.
Die Gruppe Kurfürst Friedrichs I. erhebt sich in der Sieges-
Allee neben der Kaiser Sigmunds, dessen treuer Berater und er
gebenster Freund Burggraf Friedrich von Hohenzollern war. Von
Siginund wurde er mit der Mark Brandenburg belehnt, um Ruhe
und Ordnung in dem zerrütteten Lande zu stiften. Mit gemischten
Gefühlen wird Friedrich I. nach dem Norden gezogen sein, in-ein
fremdes Land, dessen Bewohner als halbe Barbaren, und dessen
ausgedehnte Heiden als Urwälder geschildert wurden, und mit ge
mischten Gefühlen empfing die Bevölkerung den neuen Landesver
weser,' hatte sie doch mit den bisherigen Landeshauptleuten sehr
traurige Erfahrungen gemacht. Aber bald gelang es Friedrich I.,
sich das Vertrauen der Städter und der Landbevölkerung zu er