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Volume Sonnabend, 8. September 1900 Nr, 36

Full text: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 26.1900 (Public Domain)

Nach erfolgter Besichtigung sprach der Kaiser den betreffenden 
Äünstlern seinen Dank aus und überreichte jedem die für ihn be 
stimmte Auszeichnung. Professor Ludwig Manzel erhielt den 
Roten Adlerorden vierter Klasse mit der Krone, Professor Otto 
Lessing den Kgl. Kronenordeu dritter Klasse und Bildhauer 
Johannes Götz den Roten Adlerorden vierter Klasse. Nachdem 
das Kaiserpaar darauf verschiedene Personen durch Ansprachen 
ausgezeichnet und besonders die zur Feier eingeladenen Nachkommen 
der in den neuen Gruppen dargestellten Staatsmänner und Edel 
leute in ein Gespräch gezogen hatte, verließen die hohen Herr 
schaften unter dem Jubel der zahlreichen Zuschauer die Siegesallee, 
um sich nach verschiedenen Ateliers zur Besichtigung der demnächst 
zur Aufstellung kommenden Gruppen zu begeben. 
Die zuerst enthüllte Gruppe, den ersten Kurfürsten aus dem 
Hause Hohenzollern, Friedrich I., und seine Waffeugefährteu 
Johann von Hohenlohe und Wendt von Jlcburg dar 
stellend, ist ein Werk des Bildhauers Prof. Ludwig Manzel, 
der seine Aufgabe in eigenartiger und ansprechender Weise gelöst 
Fridrich l. 1415—1440. Hinter der Hauptfigur ist in der Mitte 
der glattgehaltenen Bank ein Reliesbild der Gemahlin des Kur 
fürsten, der „schönen Else", eingefügt, wie sie, die Hände zum 
Gebet vereinigt, aufwärts blickt. Unter dem Relief steht nur der 
Name „Elisabeth". Für dieses Bild, wie für die Hauptfigur, diente 
dem Künstler als Vorbild der im Hohenzollern-Museum befindliche 
Flügelaltar aus der Kirche von Kadolzburg, der kürzlich im 
„Bär" ausführlich besprochen wurde. 
Als Seitenfiguren sind der Ritter Hans von Hohenlohe 
und der Landeshauptmann Wendt von Jleburg aufgestellt. 
Beide sind in den Eisenpanzer gehüllt und tragen den Helm auf 
dem Haupte. Hohenlohe hat das Visier hochgeschlagen und schaut 
gespannt in die Ferne, die Rechte faßt kampfbereit den Streithammer, 
die Linke stützt sich auf den Wappenschild mit dem Hohenloheschen 
Löwenpaar. Wendt von Jleburg, der als Vorfahr des jetzigen 
Geschlechts von Eulenburg gilt und eine Zeitlang Verweser und 
Landeshauptmann der Mark Brandenburg war, hält in der 
Rechten eine Urkunde, während die Linke auf dem Schwerte ruht 
wrndk von Jleburg. Friedrich 1. Johann von Hohenlohe. 
hat. Von dem Gedanken ausgehend, daß seit der Zeit des 
ersten Hohenzollern das kräftige deutsche Element sich mit 
dem knorrigen Charakter des Märkers zu gedeihlichem Bunde ver 
einigte, hat der Künstler die deutsche Eiche und die märkische Kiefer 
als dekorative Elemente benutzt. Am Postament der Hauptfigur 
wachsen sie gleichsam aus dem Boden hervor und schmiegen sich 
an die Seitenflächen an, um sich niit ihren Wipfeln oben zu eineni 
stilisierten Friese zu vereinigen. 
In ähnlicher Weise schmücken diese Motive auch die Sockel 
der Seitenfiguren und die Abschlüsse der Rundbank. Da die gotisch 
gehaltene Bank fast ganz glatt ist, wirken diese Verzierungen von 
Kiefer und Eiche ganz eigenartig. 
Die Figur des Kurfürsten steht in ruhiger Haltung, vornehm 
und selbstbewußt da. Das Gesicht des Fürsten, welches an das 
des Großen Kurfürsten erinnert, ist nach links gewendet, das von 
hcrabwallendem Haar umrahmte Haupt ist mit dem Knrhut bedeckt. 
Ueber der glattpolierten Plattenrüstung trägt Friedrich I. den au 
beiden Seiten offenen, pelzverbräniten Mantel mit dem branden- 
burgischen Adler, und um die Schultern legt sich der Hermelin 
kragen. Die Inschrift auf dem Sockel lautet einfach: Kurfürst 
Die gotischen Sockel der beiden Hermen sind in der erwähnten 
Weise mit Kiefern- und Eichenschößlingen umrankt, die Namen der 
Ritter sind seitlich in den Bankrücken eingemeißelt. Als Vorbild 
für Hans von Hohenlohe benutzte Prof. Manzel eine alte Grab 
tafel in der Klosterkirche zu Berlin, auf der der Graf in knieender 
Stellung abgebildet ist, wie er dem verwundeten Heiland seine Ehr 
erbietung erweist. Für den Kopf Wendts von Jleburg war kein 
Porträt zur Benutzung vorhanden. 
Die Gruppe Kurfürst Friedrichs I. erhebt sich in der Sieges- 
Allee neben der Kaiser Sigmunds, dessen treuer Berater und er 
gebenster Freund Burggraf Friedrich von Hohenzollern war. Von 
Siginund wurde er mit der Mark Brandenburg belehnt, um Ruhe 
und Ordnung in dem zerrütteten Lande zu stiften. Mit gemischten 
Gefühlen wird Friedrich I. nach dem Norden gezogen sein, in-ein 
fremdes Land, dessen Bewohner als halbe Barbaren, und dessen 
ausgedehnte Heiden als Urwälder geschildert wurden, und mit ge 
mischten Gefühlen empfing die Bevölkerung den neuen Landesver 
weser,' hatte sie doch mit den bisherigen Landeshauptleuten sehr 
traurige Erfahrungen gemacht. Aber bald gelang es Friedrich I., 
sich das Vertrauen der Städter und der Landbevölkerung zu er
	        
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