Beilage « Ar. 285 »er „SHeiennnee Zslal-Aazeiser".
Sonntag, den 5. Dezember 1915.
-- - | mm I ,ii I iT II
Des Herrn Adomeits
letzte Wahl.
Novelle von Fritz Gantzor.
(Nachdruck verbalen.)
Der Beginn unserer Geschichte liegt cin die vier Jahr-
Zehnte zurück. Damals war der Herr Aktuar Johannes
Adomeit noch ein Bürschchen von 14 Jahren, wurde von
seiner Mutter, der Witwe des Handschuhmachers Kaspar
Adomeit, der leider viel zu früh verstorben war, kurzweg
Hanne genannt und niachte mit seiner schmal aufge
schossenen Figur, dem blaßblonden dicken Haarschopf und
den wenig ausdrucksvollen hellblauen Augen keinen allzu
günstigen Eindruck. Nichtsdestoweniger war er ein
guter Junge. Sein weiches Gemüt, sein nachgie
biger Sinn, seine Hilfsbereitschaft wurden indes von
den Altersgenossen häufig mißbraucht und von ihnen
benutzt, sich auf Johannes' Kosten Vorteile zu ver
schaffen. Spielte die Iunggarde Brakowittens am
weidengeschmückten Ufer der Deime Soldat, so bestimmte
man Adomeits „Hanne" ganz sicher dazu, den mord
brennenden Kosaken vorzustellen, der sich am Ende der
wilden Jagd eine gehörige Tracht Prügel aufladen lassen
mußte. Und in der Schule „borgte" man ihm regelmäßig
Schieferstifte. Stahlfedern, Murmelkugeln und andere
Herrlichkeiten ans jungherrlichen Hosentaschen mit einer
Selbstverständlichkeit ab, ohne auch nur daran zu denken,
ihm je Ersah zu verschaffen.
Diese gutmütige Gebesreudigkeit des Handschuhmacher
sohnes war ja nun an sich etwas durchaus Lobens
wertes, wenngleich die ihr gezogenen Grenzen eigent
lich zu weit gingen. Die Witwe Adomeit gab ihrem „Hanne"
dies mitunter auch recht deutlich zu verstehen, was
man ihr auch nicht verdenken konnte; denn in
ihrer Truhe vom Urgroßvater her hatten mehr Kupfer
stücke und Nickelmünzen ihre Heimstatt, als Silberlinge
und Goldfüchse. Leider gehörte der gute Johannes nun
aller auch zu den Menschen, die in ihren Entschlüssen zn
keinem Ende kommen, heute A sagen und morgen vor
dem B ein Ausweichen versuchen, zwischen diesem und
jenem Ueberlegen hin- und herpendeln und schließlich,
wie man zu sagen pflegt, „den Anschluß verpassen".
Unangenehme Folgen von weittragender Wirkung
zeitigte diese Unentschlossenheit im Leben Johannes Ado
meits zum ersten Male da. als er vor eine Berufswahl
gestellt wurde. Der entscheidende Einfluß des Vaters
fehlte, die Mutter vermochte ihn nicht zu bestimmen. Und
so schwankte Johannes wochenlang, ob er lieber bei dem
Bäckermeister Nikoleit in Goldap oder bei dem Schneider
meister Mögelin in Angerburg in die Lehre trete» solle.
Als er schließlich halb und halb entschlossen war, seine
Zukunft der ehrsamen Schneiderzunft zu verschreiben,
hatte Herr Mögelin bereits einen anderen Lehrjungen
eingestellt und der Goldaper Bäckermeister dankte auch.
Mutter Adomeit war ihrem Johannes zum ersten
Male ernstlich böse und schalt ihn einen »Esel" über den
andern. Nun würde sie kurzen Prozeß machen und ihn
irgendwo unterstecken. Und sei es „drüben" bei de» Grenz
kosaken. Es kam aber etwas glimpflicher. Durch Ver
mittlung des Herrn Pfarrers gelang es ihr, Johannes in
die Schreibstube eines Goldaper Advokaten zu bringen.
Zwar wollte der Zauderer anfänglich vom Schreib
pult und Drehsessel nichts wissen .... er hätte lieber dies
und das gemacht. Aber es half ihm nichts. Zu Io-
hanni gab es einen tränenreichen Abschied, an dem
Mutter und Sohn gleich starken Anteil-hatten, und die
Akten wurden von da ab Johannes Adoineits Lebens
inhalt.
Er fand sich verhältnismäßig schnell in sein Schicksal,
tat seine Schuldigkeit und arbeitete sich vom mechanisch
nialenden Bogenschreiber infolge seines Hellen Kopfes bald
in die Höhe. Die Handschuhniacherswittwe war glücklich,
einen so klugen und „gelehrten" Sohn zu haben, erlebte
es aber leider nicht mehr, daß er am Gdldaper Amtsge
richt als Hilfsarbeiter fest angestellt wurde. . . .
So waren denn die Folgen jenes Schwankens zwi
schen zwei Berufen von unungenehmer Art eigentlich gar
nicht gewesen. Hatte Johannes dadurch doch eine Lebens
stellung gesunden, deren er sich bei einer ausgeprägten
Entschlußfähigkeit vielleicht nicht hätte e>freuen dürfen.
Inwieweit oder ob überhaupt von unangenehmen
Folgen bei dem, was nun berichtet werde» soll, gesprochen
werden darf, mächte der Erzibler nicht maßgebend ent
scheiden. Es bl.ibe diese Feststellung den Lesern über
lassen, die sich wahrscheinlich, je nachdem sie der — Ehe
mit Zuneigung oder Abneigung gegenüberstehen, in zwei
Lager spalten werden.
‘ Johannes Adomeit war nämlich mittlerweile die
Stufen seiner Lebensleiter bis zu der Sprosse hinauf
gestiegen, auf der ein männliches Wesen nach einer Ge
fährtin zum gemeinsamen Weitersteigen umschauhaltend
stehen zu bleiben pflegt. Und was hätte ihn veranlassen
sollen, es nicht zu tun? Er war ein Stückchen über die
Dreißig hinweg, hatte fei» gutes Auskommen, das eine
Teilung vorläufig durch zwei und möglicherweise für
später durch einen höheren Teiler sehr wohl vertrug. Er
mochte dos Gasthausessen ebensowenig mehr wie seine
Einsamkeit und wußte, daß es ihm ganz gut tun würde,
wenn er seine nicht geringer gewordene Unentschlossenheit
und damit verbundene Schwerfälligkeit in der Erledigung
kleiner alltäglichen Dinge den praktischen Händen einer
resoluten Eheliebsten anvertrauen könnte.
Eigentlich bedurfte es eines Unischauhaltens gar nicht
mehr. Schon seit Monaten galt das Interesse seines ehe
begehrlichen Herzens dein holden Gegenüber seiner Jung
gesellenwohnung in der Nosmarienstraße. Schade nur,
daß es sich von vornherin mn eine Spaltung seiner
Interessen handelte: denn dieses Gegenüber war ein
Schwesternpaar.
Laura Witte war blond, ihre Schwester Marie braun.
Nun galt ihm zwar ein blonder Mädchenkopf begehrens
werter als das Gefträhn braunen Haares. In deniselben
Maße war ihin aber der Name Laura nicht sympathisch,
wie er für den der Schwester schwärmte. Zu diesem Zwie
spalt seiner Gefühle gesellte sich als weiterer sein Beden-
ken darüber, ob Laura oder Marie die wirtschaftlicher
Veranlagte von beiden sein möchte. Laura er
blickte sein suchendes Auge häufig am Fenster, wo
ihr blonder Kovk über eine Handarbeit gebeugt
war, während Marie dem kleinen, von den Eltern er
erbten Kramladen vorstand und die Kinder bediente.
Weniger Sorge machte ihm die Altersfrage: die Schwestern
waren wohl beide von den Dreißig nicht viel ferner, als
er darüber hinaus war. Und darüber, in welchem Ver
hältnis einst die Verteilung der irdischen Güter der
Schwestern Witte vor sich gehen möchte, dachte er über
haupt nicht nach. Denn er betrachtete eine Geldheirat als
etwas durchaus Unmoralisches.
Um imstande zu sein, dem wechselnden Barometer
stände seines Für und Wider endlich einen annähernd
beständigen Charakter zu verleihen, unternahin er nach
monatelangem Beobachten, Prüfen und Ueberlegen den
ersten Annäherungsversuch. Er lenkte nach fünfmaligem
nicht zu Ende geführten Unternehmen seine Schritte
an einem Abende in das Allerweltslädchen der
Schwestern Witte und kaufte ein halbes Dutzend
«Zigarren. Zu seiner heimlichen Freude waren beide
Schwestern im Laden anwesend. Da konnte er ja nun
wohl endlich sehen, welche von beiden ihm am besten
gefallen würde. Da er aber von beiden mit gleicher
Freundlichkeit, Zuvorkommenheit lind Geschästigkeit be
dient wurde, geriet er in eine derartig starke Verwirrung,
daß er weder Laura noch Marie anzusehen vermochte
und nur immer geradewegs auf einen der Schubkästen
mit der Aufschrift „Nosinen" starrte. Diese Art der Be
suche, nur daß sein Stuftreten äußerlich etwas sicherer
wurde, trieb er wochenlang. Und je länger er kam,
desto schwankender fühlte er sich. Heute schien
ihm Laura begehrenswerter. — morgen glaubte
er, Marie sei die Rechte. Ganz zerfahren war ihm oft zu
Sinn. Er verlegte Akten und starrte mitunter viertel
stundenlang über die Bogen ins Blaue.
Trotzdem er diesen Zustand nicht mehr länger zu er
tragen für möglich hielt, plagte er sich von der Zeit der
Apfelblüte, wo er seinen ersten Zigarreneinkauf bei den
Schwestern gemacht, bis zur Apfelernte mit ihm herum.
Dann schalt er sich selbst, wie es einst seine Mütter getan,
daß er sich durch sein Schwanken zwischen Herrn Nikoleit
und Herrn Mögelin zwei Lehrstellen verscherzt, einen Esel,
kleidete sich mit Sorgfalt und ging an einem stürmischen
Oktoberabend über die regennasse Nosmarienstraße zu den
Schwestern Witte.
Des Herrn Akkuar Adomeits
lehke Wahl.
Novelle von Fritz Gnntzer.
(Nachdruck verbot:».)
(Schluß.)
Die Schwestern sahen an seinem feierlichen Gesicht
und an dem Schwarz des festtägliche» Gewandes, daß er
in besonderer Veranlassung kam, und nötigten ihn, ehe
er zu versichern vermochte, daß er beute nicht erscheine,
um Zigarren zu kaufen, , in das Stübchen neben dem
Laden.
Nach kurzem peinvollen S Zweigen begannen die
Schwestern ein Gespräch über cheickmüstige Dinge. Herr
Johannes vermochte aber infolge seiner erregte» Gesühls-
fchwankungen selbst diesem nickt seine volle Ausmertsoin-
keit zu schenke», gab konfuse Anttvoiten und fühlte eine
brennende Nöte auf seiner Stirn.
Endlich gab er sich einen Ruck und sprach ein ihn zur
Entscheidung zwingendes Wort. Daß er nämlich ge
kommen sei, um in einer wichtigen eo-ache eine Frage
zu tun.
Die Schwestern Witte lächelten beide, erröteten beide
und senkten beide schämig das Gesicht in den Schoß. Eie
ahnten, mußten ja längst, daß der konseonente Zigarrcn-
käufer eigentlich nichtihrcr Zigarren wegen gekommen
war, von der 'Apfelblüte an bis weit in den Oktober
hinein, sondern daß sie die Ansiehungskraft ihrer Person,
d. h. der Lauras oder der Mariens, zn danken halten.
Denn eine von beiden konnter Herr Johannes doch nur
freien.
Aber obwohl der Freier, als der er sich im Verlaus
seiner weitschweifigen Erörterungen nun wirtlich entpuppt
hatte, schon bereits eine ganze Weile sprach, wußten sie
nicht, welcher von ihnen sein.Antrag gelteil sollte. Ein
mal sah er Laura an. einmal Marie, immer zärtlich und
mit einem glücklichen Lächeln. Dies Bezeugen seiner
Neigung galt der Blonden und jenes der Braunen. Die
Schwestern begannen bereits wie in Angst an den Bän
dern ihrer Schürzen zu zupfen lind nervös an ihren
Scheiteln zu glätten, als Herr Johannes sich endlich erhob
und voll Würde und mit Betonung sagte: „Und so möchte
ich denn fragen, ob Sie weine Iran werden wollen."
Eine Minute lang tickte nur der Pendelschlag der Uhr
im Zimmer und ließ die Stille nicht ganz hinzu. Dann
hielt Marie, als die energischere von beiden, diese pein
volle Situation nicht länger aus. Sie fragte zurück:
„Reden Sie zu meiner Schwester oder zu mir, Herr
'Adomeit?"
. . . „Zu Ihnen, Fräulein Marie," stotterte Herr Jo
hannes und fühlte Schweißtropfen auf keine heiße Stirn
treten. „Das heißt, ich weine, ich konnte a»ä> zu Fron-
lein Laura geredet haben, wenn ich beule, daß ich . . .
ich weiß nicht. . . . Liber nein, ich weiß sehr genau, daß
ich Sie meine . . . wenngleich es möglich wäre, daß auch
Fräulein Laura sehr gut meine Frau werden tonnte.
Trotzdem ... ich glaube ... ich weiß . . . ich
möchte . . ."
Er brachte keinen Satz mehr zn Ende. Sein Sprechen
glich zuletzt einem hackenden Dnrcheinanderhetzen unzii-
sammenhängendcr Worte und erstarb stick eßlich in einem
wirren Flüstern der beiden Naiven der Schwestern Wit'c.
Die standen wie in Fun! t geg, n Die Kommode ge
preßt und glauben einen Irren vor siw, zu sehen. Laura
floh, einen lauten Schrei ansstoßend, in die Küche, und
Marie hob gebieterisch die Hand, wies zur Tür und for
derte : „Hinaus ! ... Sie find ein llnverschäniter— *-
Von dem Tage der verunglückte» Brautwerbung an
war es für Herrn Johannes jedesmal eine Oual und ein
Stück Scham, wenn er durch die Roßmarirnsiraße gehen
mv.ß'e. Er brflbloß, eine andere Wohnung zu suchen,
lind als ihm ii ck> Wochen fpet.i lic Fragen iia.fi seinen
„beiden Brän en" lege. ucken — iie ein, »i ten Schwefle in
Witte hatten wohl nicht reinest Mrino gehnttc» —, iu,.r
ini Goldap überhaupt verleidet. Er begrüßte daher seine
Versetzung nach Allensteiii mit einer großen Erleichterung
und war froh, als Goldap hinter ihm log.
Seine Zuverlässigkeit und sein Fleiß ließen ihn bald
Aktuar werden. Ehegelüste verspürte er nicht wieder. Er
lebte als sparsamer und einsamer Sonderling in einem
Häuschen nahe der Stadt. Nachdem er ein paar Jahre
lang alle möglichen Liebhabereien getrieben hatte, mar er
schließlich dem Sammeln von Münze» und Briefmarken
tieii geblieben. In einem altertümlichen Schranke mit
viele» Schubfächern verwahrte er seine Sckiätze, die ihm
Freunde und Familie ersetzten. Seine Arbeitsgenossen
am Allensiciiier Landgericht nannten ihn 'Aktuar Wun
derlich. —
♦ »
*
Mit jähem, grausam schütterndem Schritt war der
Kr'eg in dos Land gekommen, hatte den Frieden meuch-
lcrüa, erschlagen und die lodernde Fackel des Welteu-
bruiidcs entzündet. Die Fluren des Landes an der Ost-
nrriize erlebten räuberischen Einbruch halbwilder slavischer
Horden. Litauens und Masurens unglückliche Bewohner
flohen gen Westen, und dort, wo blühende 'Anwesen einst
die Arbeit und die Freude vieler Geschlechter gesehen,
gli.ftctcn die Feuer der Brandstifter gen Himmel und
rötete» ihn, als fei er in Blut getaucht.
Wehe aber denen, die der Habgier und der Mordlust
elender, wüster Kosakeiischaren in die erbariiningsloseii
Hände fielen! Die Erde des Heimatlandes tränk ihr
Blut. —
Gar vielen in Ostpreußen ist in jenen Augusttagen
der Einfall der Nussethorden überraschend gekommen.
Sorglosigkeit war's, Unterschätzung der Gefahr, völlige
Ahnungslosigkeit, vielleicht sogar ...
Ein Heller, lachender Sonntagmorgen. Der Aktuar
Johannes Adomeit saß vor seinem Schranke und freute
sich über die seltenen und wertvollen Stücke seiner Münzen
sammlung. Da fuhr ein hartes Poche» gegen das Fenster
und eine hast- und angsterfüllte Stimme — die eines
Nachbars oder Bekannten wohl — klang zitternd: „Herr
Aktuar, um des Himmels willen, fliehen Sie, kommen Sie
sofort. . . . Die Nüssen werden in einer Viertelstunde da
sein! Dalkehmen steht schon i» Flammen . . . und Dra-
kowitten . . . und . . . ." Daraus ein flüchtender, in
wilder Eile davonslürmender Schritt. ...
Der Aktuar war jäh in die Höhe gesprungen. In
Ratlosigkeit erstarrt stand er sekundenlang. Wohin?
Wohin fliehen? Und olles soll er zurücklassen und den
wilden Horden preisgebe»? O nein, nimmer alles!
Wenigliens seine Samniinngeii, und seien es auch nur
die kostbarsten Stücke ans ihnen, müssen gerettet werden.
Mit zitternden Händen begann er die Kästen heraus
zuziehen, um zn pri'ffen, zu wählen, was er auf alle Fälle
mitnehmen müsse. Diese Münze? Jene auch? Und
welche, welche noch? Ec nahm ein Stück um das andere,
prüfte, wog es in nervös zittcinden Fingern und warf
cs wieder zurück, bloch immer ist er der alte, nnent-
schlosstuie Zauderer, bev'cIbe, der er damals als Knabe
und später als Brautwerber wir: Die Wahl wird ihm
so schwer, er loniint zu keinem Ent chlnß
Eine Stunde hindurch fast warf er seine Schätze ans
einem Schubfach in das andere, wäl lte schließlich wie ein
Wahnsinniger, Irrer zwilchen ihnen und begann schließlich
daniit. alle Stücke in seinen Tasthen zn bergen.... Der
Sch.reiß perlte in Strömen von seiner Stirn, seine Brust
keuchte, sein Atem flog....
Ein wüstes Anfst ißcn der Thür ließ ihn herumfahren.
Bon wilden Leidenstyasten durchwühlte Gesichtszüge
glühten ihn i» Raub- und Mordlust an. Ein grausamer
Fluch traf sein Ohr. . . .
Mit zur Abwehr erhöhen?» Händen wankte er, rück
wärts schreitend, in die entlegenste Zimnierecke. . . . Ein
scharfer Knail peitnchte aut. . . . Ein roher Säbelhieb
ging gucr über seinen .Kopf weg. . . . Einen Blutstrom
versprühend, senk Johannes 'Adomeit schwer, keinen Laut
von sich gebend, vornüber und stürzte dann in jähem Fall
ans die Diele, wo eine Blutlache ihr rotes Eerinsel aus
dehnte. ...
Rohe Hände zerrten den Leichnam beiseite, grobe,
ungeschlachte Füße stießen nach ihm. Und dann, einen
viehischen, beutegierigen Schrei ansstoßend, wühlten Tier-
menschen in den sorgsam zusammengetragenen und liebe
voll gehüteten Schätzen des Herrn Johannes Adomeit,
der nun nimmer vor eine neue Wahl gestellt werden
konnte.
Vermischtes.
rievolvktoncn in England. Die Frage der allge
meinen Wehrpflicht hat in,England eine Spannung er
zeugt, die neben dem Konp.itt zwischen Oberbaus und
Unterhaus vor fünf J.chuui zu den schwersten Krisen ge
hörten, die Großbritannien seit dem Jahre 1688, dem
Jahre der großen Revolution, durchgemacht hat. Aller-
dings ist bei den jetzigen Konflikten die Person des Königs
nicht im Vordergründe. Im allgemeine,! ader darf man
sich darüber nicht täuschen: England ist das Land der
großen Revolutionen. Im Jahre 1619 schickte es Karl I.
aufs Schafott, d. h. also 111 I stire vor der französischen
Revolution. Die englische Verfaffniig und die Einanzi-
potion der Gemeinen datieren von der Regieningsßcit
Johanns ohne Land (1190— 1216), und seit jener Zeit
sind nicht weniger als sieben Dynastie», die alle einen
mehr oder weniger trogi chen Ansgong nähme», einander
auf dem Throne gefelgt. Der "letzte dee Platagenets.
Richard II.. starb idtist im Schlöffe zu Poutrsact, wo
ihn Heinrich von Li neuster Hungers fieroen ließ.
Der letzte der Lancaster, Heinrich \ i., starb im Wahn
sinn 1401. Richard 111., der legte des Hauses
Bork, fiel in der Schlackst von Vo'-wort > unter den Strei
chen Heinrich Tudors in, Jahr UU dessen Dynastie ihrer
seits im Jahre 1666 in der st. ersou Elisabeths, der Tochter
He Ulrichs Vlil., des B'anbaets nur dem Königsthrone, ihr
Ende fand. Es folgen dann das-Hans der Stunits, deren
Regierung durch die von laich— 3 iO , währende Republik
unterbrochen wurde, und die Regierung Wilhelms von
fr»»! a (1—17 2). Tie Kon c.i.i Anna, die letzte der
Skur.rls, stirbt ebne R >h onnncu :: r r im Je hie 1711.
Wi' wi:d d» s Harr.- E,r»:! i re .-». ui. das feit 1714 in
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