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durch Deutschland, ja, vielleicht selbst Zeugen der Demüthigungen,
welche die englische Königstochter in Berlin und in Küstrin zu erdulden
hatte, und welche nicht weniger die Furcht als die Willkür
George Wilhelms bewiesen. Endlich fanden der stolze Friedrich
und die schöne Elisabeth ein Asyl bei den Republikanern in Holland;
Friedrich Armand folgte ihnen auch dahin und that hier seine ersten
Kriegsdienste unter den Dräniern Friedrich Heinrich und Wilhelm II.
Unter so berühmten Feldherren ausgebildet, begab er sich
nach Frankreich zu dem großen Condö, um ihm seinen Degen anzubieten.
Freundlich nahm ihn der Prinz aus und sendete ihn
dem Marschall Turenne zu. Von Stufe zu Stufe steigend und
von dem seltenen Glücke begleitet, sein Verdienst überall anerkannt
zu sehen, wurde Schömberg endlich General-Gouverneur vieler
Festungen, Obrister über ein Regiment Dragoner und Capitain-Lieutenant
der schottischen Leibwachen. Da kam das Jahr 1660.
Er begab sich nach dem lusitanischen Kriegsschauplätze.
Portugal hatte seit 1640 unter dem Hause Braganza der
spanischen Fesseln sich entledigt. Aber noch hatte König Alfons
von Portugal kaum eine Armee. Jene 80 Offiziere und 400 Soldaten,
welche Schömberg aus Frankreich mit sich nahm, wurde»
der Grundstock derselben. Mit ihr schlug er 17. Juni 1664 die
Spanier bei Villa Viciosa. Am 13. Februar 1668 kam der Friede
zu Stande. Wohl wurde Schömberg mit dem Gouvernement
Alantejo, der Würde eines Grands von Portugal und dem Titel
eines Grasen von Mortala belohnt; weiter aber hatte der eifrige
Protestant in dem katholischen Lande auch nichts zu hoffen. Er
trat daher in französische Dienste zurück.
Welch' wundersame Verkettungen und Verknüpfungen in der
Geschichte dieses Lebens! Gerade die Feldzüge gegen die Lande
seines späteren Freundes und Beschützers, seine Einfälle in das
Clevische waren es, welche Schömberg im Jahre 1675 den französischen
Marschallftab brachten!
Zehn Jahre später hatte auch er sich zu entscheiden, ob er
das Gewissen und den Glauben höher stellen sollte, als äußere
Ehren und das Vaterland oder nicht. Schömberg wählte freiwillige
Verbannung. Er rechnete auf Dank vom Hause Braganza
und ging nach Portugal! Wie schwer aber hatte er sich getäuscht!
Es ward ihm unleidlich, unter diesem bigotten Volke zu leben; er
suchte die Niederlande auf.
Dort traf er mit Friedrich Wilhelm selbst zusammen. Es
würde uns immer räthselhaft bleiben, warum der hochberühmte
Marschall von Frankreich sich nach dem kleinen Brandenburg gewendet
hatte, wenn uns nicht Puffendvrs die nachfolgende Thatsache
verbürgt hätte.
Im Jahre 1686 fand zwischen dem großen Kurfürsten und
deni Prinzen Wilhelm von Oranien zu Cleve eine Zusammenkunft
statt, welcher im Gefolge des Prinzen auch Schömberg beiwohnte.
Man besprach die Unternehmung gegen die Erbfeinde des reformirten
Glaubens, die „meineidigen" Stuarts. Bei dieser Gelegenheit
war's, daß die Geister sich näher traten und Schömberg die volle
Größe des.„Unvergleichlichen" erfaßte. Die Folge war Schömbergs
Berufung nach Berlin.
Die Bedingungen derselben waren sehr glänzende. Schömberg
wurde zum wirklichen Geheimen Staats- und Kriegsralhe, zum
Statthalter des Herzogthums Preußen und zum General vu dies
über sämmtliche Truppen Kurbrandenburgs mit dem Range sogleich
nach den Prinzen von Geblüt ernannt; der alte Dersflinger erhielt
einen Vordermann, welcher, was den Alten sehr verdroß, gegen
30 000 Thaler Kompetenzen bezog, und Friedrich Wilhelm hielt
es für angemeffen, am 19. April 1687 seinem verdienten Haudegen
die Gründe der Berufung Schömbergs klar zu legen. Er schrieb
ihm, er müsse eine Stütze haben und Dersflinger sei — zu oft
krank. Friedrich Wilhelm ließ ferner, wohl durch Johann Amold
Nering, das Palais gegenüber dem Zeughause für den Grasen erbauen.
Der Unterbau deffelben ist in dem heutigen kronprinzlichcn
Palais noch vollständig erhalten.
Schömbergs Berufung war im eigentlichsten Sinne die Besiegelung
des hohenzollcrisch - oranischen Bündnisses. Ueber der
politischen Wirksamkeit verschwindet die militärische Thätigkeit des
großen Grafen nun völlig; denn die Ausstellung der Grands-Mousquetaires
machte keine Schwierigkeiten und war eben keine
folgenreiche That. Wohl aber konnte der Erbstatthalter Wilhelm
von Oranien seine Interessen am brandenburgischen Hose keinem
treueren und thätigeren Manne anvertrauen, als dem Grasen
Schömberg. Doch blieb die Kenntniß der bevorstehcnben Revolution
in England auf den Kurfürsten, den Kurprinzen, auf Dankelmann,
Schömberg und den englischen Gesandten Levis vorerst noch beschränkt.
Da starb Friedlich Wilhelm der Große. Wir wissen nicht,
wie es gekommen ist; — aber der 73 jährige Held wußte sich bei
dem neuen Herrn seine Stellung nicht zu erhalten. Dankelmann
besaß das Vertrauen seines Herrn ausschließlich. Es war ein
Glück, daß jetzt die Dinge zur Entwickelung kamen: Schömberg
konnte mit den brandenburgischen Truppen nach England gehen.
Er mochte frei aufathmen, nachdem die Bahn zu großen Zielen
ihm wieder frei geworden war!
Auch jenseits des Kanals fand er die glänzendste Aufnahme.
Zum Generalseldzeugmeister, Ritter vom Hosenbande, Herzog von
Harwich und Brentfort und Viscount von Tayas ernannt, konnte
er am 30. Juli 1690 seine glorreiche Laufbahn in der Schlacht
an der Bohne gegen die Irländer mit einem ruhmwürdigen Tode
beendigen. Er führte zum größten Theile Rckfugiö's, und in ihm
selber erwachte in der Todesstunde noch einmal der Geist der Räfugiü's.
Schon hatten die Engländer den Fluß überschritten, da
verloren sie drüben ihren Führer und geriethcn in Verwirrung.
Schnell trieb der Greis unbedeckten Hauptes sein Roß in den
Fluß. „Aul, Freunde," ries er den Rsfugiö's zu, „ich rufe nicht
allein Euren Muth, sondern auch Euren Haß an; dort drüben
stehen Eure Verfolger." Bald daraus traf ihn die tödtliche Kugel.
Schömberg hatte seine beiden Söhne Karl und Heinrich in
den Diensten seines gnädigsten Kurfürsten von Brandenburg zurückgelassen,
während der älteste, Meinhard, ihm nach England gefolgt
war. Die Grafen Karl und Heinrich von Schömberg sind
beide neben dem Banner des rothen Adlers den Heldentod gestorben.
Karl von Schömberg blieb bei Marsaglia, Heinrich
von Schömberg in Flandern.
Eure sehr bedeutende Stellung nahm damals in der Armee
der Hohenzollern das Regiment Varenne ein, welches gänzlich aus
Röfugiäs gebildet war. Der Marquis Jaques L'aumonier de Varenne
hätte gewiß in französischen Diensten Außerordentliches erreichen
können, wenn er sich zu einem Rcligionswechsel verstanden
hätte: Ludwig XIV. war sein Pathe, und schon in der Wiege
hatte der kleine Junker aus der Champagne den Hauptmannscharakter,
sowie eine Compagnie erhalten. Allein auch er blieb
dem Bekenntnisse Calvins getreu. Im Jahre 1685 trat er in die
brandenburgischen Dienste ein. Der Tag von Malplaquet war
der Ruhmestag seines Lebens und seines Regiments. Wir finden
ihn später als Gouverneur in der stillen Veste Peitz. Varenne
starb am 2. Dezember 1717 zu Berlin; allein es ist uns nicht
gelungen, sestzustellen, in welcher Kirche seine Asche ruht. Er
hinterließ einen heldenmüthigen Sohn, den wir in den schlesischen
Kriegen thätig finden, den Obristen Friedrich Wilhelm von Varenne.
Sein Enkel, Albrecht Friedrich, Flügeladjutant des Königs, blieb
im Jahre 1757 auf dem Boden Böhmens.
Aus königlichein Geblüt war Manassc Graf von Dorthe;
er stammte von den Baronen von Cleroant ab, welche ihr Geschlecht
wiederum auf die alten Herrscher von Burgund aus merovingischem
Geschlechte zurückführten. Gras Dorthe war Varennes Obristlieutenant,
befehligte dann — wie kleinlich wurden die Verhältnisse