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Zweites Buch. Hebe

Full text: Die Tänzerin Barberina / Paul, Adolf (Public Domain)

Mit Signore Fossano tanze ich nicht mehr! Er quält 
mich, er irritiert mich! Und wie hat er als Tänzer dekli⸗ 
niert!“ 
„Allerdings, mein lieber Fossano“, sagte Carignan, 
froh, seinen Arger an jemand auslassen zu können, „ich 
kann nicht umhin, Ihnen zu sagen, daß Sie mir in 
diesem Jahre Enttäuschung über Enttäuschung bereiten! 
Sie sind lange nicht mehr der geistvolle Tänzer, als den 
ich Sie bisher kannte und bewunderte! Ihr Engagement 
war ein Fehler! Nun — er hat uns unsere liebe Freundin 
hier gebracht — das wollen wir Ihnen zugute halten. 
Aber bei Hofe haben Sie ausgetanzt!“ 
Womit er die Büͤhne verließ und sich zum König be⸗ 
gab, der ihm jedoch sagen ließ, daß er seiner Dienste 
heute nicht mehr bedürfe. 
Der König konferierte mit dem Herzog von Richelieu. 
Hochwichtige Entscheidungen von weitestgehender poli⸗ 
tischer Tragweite wurden getroffen. — Bachelier, der all⸗ 
mächtige Hüter der Schlafzimmergeheimnisse Seiner 
Majestät, war in Ungnade gefallen, und Richelieu hatte 
geschickt die Gelegenheit benutzt, seinen Protegé, Binet, in 
Erinnerung zu bringen. Und so wurde die Brücke geschla⸗ 
gen, über die die schöne Madame d'Etioles, geborene 
Poisson, spätere Marquise de Pompadour, ihren Einzug 
ins Allerheiligste halten sollte, um da unumschränkt zu 
gebieten! 
Das Schicksal Frankreichs war entschieden! 
Wer weiß aber, wie es sich gestaltet hätte, wenn die 
schöne Barberina nicht jenen fast unmerklichen Leber⸗ 
flecken unter dem linken Busen gehabt hätte und Bache⸗ 
lier nicht so ehrlich gewesen wäre, dessen unseliges Vor⸗ 
handensein dem Könige zu verraten?! 
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