lassen, wie es dem Gewicht der jenseits unserer Grenzen liegenden materiellen
Interessen entspricht. Bei alledem handet es sich um praktische Beduͤrfnisse
des ganzen deutschen Volkes, des Deutschen Reiches. Es fragt sich nun, ist
es zulaͤssig und billig, die fuͤr eine solche reinen Reichsinteressen dienende
Anstalt erforderlichen großen Ausgaben dem Einzelstaate Preußen aufzu⸗
buͤrden? Ist hier nicht vielmehr dem Reiche die Moͤglichkeit gegeben, ein⸗
mal etwas mehr als Versicherungsanstalt nach außen und innen zu sein
und eine Kulturangelegenheit des ganzen deutschen Volkes von weit⸗
reichender praktischer Bedeutung großzuͤgig zu foͤrdern? Vielleicht ist diese
Moglichkeit gerade jetzt durch den erwarteten uͤberschuß des Wehrbeitrages
gegeben, der in einem Teile seine produktivste Anlage finden wuͤrde in der
Vermehrung der geistigen Wehr Deutschlands dem Auslande gegenuͤber
durch eine großangelegte Deutsche Auslandshochschule.
Bei Entscheidung der Frage Auslandsfakultaͤt oder Auslandshochschule
darf auch nicht außer acht gelassen werden, daß den unmittelbar inter⸗
essierten Reichsbehoͤrden: dem Auswaͤrtigen Amt, dem Reichsamt des
Innern, dem Reichsmarineamt, dem Reichspostamt und dem Kolonialamt
in dem Rahmen einer deutschen Auslandshochschule weit mehr die Moͤg⸗
lichkeit gegeben ist bei der Ausgestaltung der Auslandsstudien die Reichs⸗
interessen zur Geltung zu bringen als bei ausschließlicher uͤbertragung der
Auslandsstudien an eine Landesuniversitaͤt. Dagegen hat das preußische
Unterrichtsministerium auch bei einer Deutschen Auslandshochschule in
wveitestem Maße die Moͤglichkeit foͤrdernder Mitwirkung.
Ein schon in den ersten Jahren stattlicher Besuch der Deutschen Aus⸗
landshochschule ist sicher vorauszusehen. Sie wuͤrde zunaͤchst einmal die
mehr als 300 betragenden Hoͤrer des Orientalischen Seminars uͤbernehmen.
Unter diesen Hoͤrern sind gegenwaͤrtig os sogenannte Dragomanatsaspi⸗
ranten d. h. solche Studierende, welche nach Ablegung der ersten juristischen
Pruͤfung und der Diplompruͤfung am Orientalischen Seminar als Drago⸗
mane in den hoͤheren Auslandsdienst bei den deutschen Gesandtschaften und
Konsulaten in einigen wenigen orientalischen Laͤndern treten. Diese Laufbahn
ist jetzt nicht besonders anziehend. Die Dragomane gelten zwar als hoͤhere
Beamte und koͤnnen nach einer Reihe von Jahren Konsuln werden, aber
es sind nicht die besten Konsulate, die ihnen uͤberlassen werden. Zum
Generalkonsul bringt es ein Dragoman, der stets etwas geringschaͤtzig als
„Sprachkuli“ angesehen wird, nur in ganz seltenen Ausnahmefaͤllen. Alle
besseren Stellen des Konsulatsdienstes — an die diplomatischen ist gar
nicht zu denken — bleiben den „Assessoren“ vorbehalten, von denen keiner⸗
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