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Full text: Die Reise nach Berlin / Winterfeld, Adolf von (Public Domain)

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meiner Gegenwart ... o, es ist schmachvoll! ... es ist 
empörend!“ 
Der Rentner machte erst ein verdutztes und dann 
wieder ein freundliches Gesicht. 
„Es war ja bloß eine Rechnung,“ sagte er, indem er 
sie der Frau hinhielt. 
„Ach, geh' mir doch mit Deiner Rechnung!“ wies 
diese ab, „was hat denn eine Rechnung damit zu tun?“ 
„Ich habe die beiden Wagen bezahlt ... und die 
beisen Reitpferde, liebes Malchen ...“ 
„Und darüber freust Du Dich so?“ 
„Gewiß! ... fürchterlich! ... ich dachte ja, es wäre 
eine Vorladung vor Gericht .. oder ein Verhaftungsbefehl ...“ 
Die Frau warf ihm einen bitter ironischen Blick zu. 
„Du scheinst jetzt mit besonderer Vorliebe Rechnungen 
zu bezahlen,“ sagte sie ... „die Diner-Rechnung wurde 
Dir auch nicht schwer ... Du scheinst jetzt alles mit Geld 
totmachen zu wollen; aber mich täuschest Du doch nicht ... 
Du bist ein Elender, Zinnwald, eine Schlange, die ich an 
meinem Busen nährte, und die mir dafür ihren giftigen 
Stachel ins Herz stieß.“ 
„Amalie!“ rief der Unglückliche, die Hände faltend; aber 
die Frau wandte ihm kalt den Rücken und setzte sich ans Fenster. 
Zinnwald stand eine Weile, als wenn er unter der 
Last seines Mißgeschicks zusammensinken wollte; dann hob 
er wie prophetisch den düͤrren Arm gen Himmel: 
„Er wird kommen!“ sprach er beinahe feierlich ... 
„Habermann wird kommen und mich um Verzeihung 
bitten; denn ihn halte ich für den Urheber meines grenzen— 
losen Elends . .. Von dem Augenblick an, als er ins Haus 
getreten, ist der Teufel hier los. ... Die Reue wird seine 
schwarze Seele zerfressen, und er wird ..“ 
Hier unterbrach er sich und horchte. 
Ein bestiefelter Schritt kam über den Flur. Dann 
öffnete sich die Tür, ohne daß vorher geklopft worden war. 
Perworr rief Zinnwald wie in Begeisterung ... 
„Da ist er schon! ... da ist er schon! — Was habe ich 
zeggt⸗ ... was habe ich gesagt? ... wie stehe ich nun 
a? —““ 
A. v. Winterfeld, Die Reise nach Berlin.
	        
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