Der Bär.
Illustrierte Wochenschrift.
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26. Jnstlgnng. Sonnabend, 10. November 1900. |tv. 45.
Graf Hirronumus v. SelxlirK. Johann v. Löben.
Kurfürst Joachim Friedrich.
(Photographische Aufnahme von grau Louise Geifrig, Berlin,)
ihrer lieben „Berliner" erinnern, — imb wo man morgens ans
dem Frühstückstisch einen Brief vorfindet, der uns die erfreuliche
Ankündigung bringt, daß Onkel und Tante, oder Bruder und
Schwägerin, oder der Vetter und die liebe Cousine uns mit ihrem
Besuch für „einige Tage" „erfreuen" wollen! Aber man sagt
doch gleich, „dicht an die höchste Freude grenzt der Schmerz."
Ach, wie wahr ist dies Wort! Abgesehen davon, daß die lieben
Verwandten mit prooinzlerischer Naivetät bei uns eine, natürlich
große und bequeme, Frenidenstnbe voraussetzen, — mein Gott, eine
Da ist zunächst die Tante Pfarrer aus Sauzkehmen, In
ihrem besten Staat tritt sie in die Erscheinung! Für die Straße
das wetterfeste, mauscgraue „Lllster"kleid, das ringsum ebenso
praktisch wie auf nie gesehene Weise anfgeschürzt wird, so daß der
gediegene, wattierte Seidenrock, der Stolz ihres Daseins und der
Gegenstand des Neides für sämtliche Sauzkehmener Honoratioren
frauen zum Vorschein kommt. Für Repräsentationszwecke das
gute Kasfeebranuseidene mit der echten Spitzenkrause um den Hals
und der Machart von 1880. llcbrigens ist die Tante Pfarrer leicht
Logierbesuch in Berlin.
D
k te „Saison" hat begonnen! Die „Wintervergnügen" sind
in vollem Gang, die Premieren der Theater drängen sich,
und in der Friedrich- und Leipzigerstraße wogen Berliner
und neugierige Provinzler in dichtem Knäuel. Und das ist nun
auch die Zeit, wo sich sämtliche Verwandte von „da draußen"
„zweischläfrige" Frenidenstnbe muß doch eben jeder anständige
Mensch haben, — kennen wir zur Genüge ihre kleinen, liebens
würdigen Eigenheiten, wissen wir aus Erfahrung, welche besonderen
Wünsche jede der guten Seelen bei ihrem Berliner' Aufenthalt zu
befriedigen sucht.