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und lächelte alle freundlich an; Frau Habermann zog ihre
kostbare Uhr an der Erbskette empor; die kleine Mieze
steckte sich die letzten zünf Rosinen auf einmal in den
Mund; die Amtsrätin Rübe gab ihrem Alexander einen
verstohlenen Knuff, weil er den wichtigsten griechischen
Kirchenyater nicht wußte; die kleine Liddy zog sich den
linken Armel herunter, den der junge Kelbitz ihr empor—
gestreift hatte, und Zinnwald zählte die leeren Weinflaschen,
um sich zu überzeugen, ob die Rechnung auch richtig sei.
Vor der Tür des Restaurants angelangt, verabschiedete
sich d eref von der Gesellschaft und drückte auch Zinnwald
die Hand.
„Es war mir eine große Freude, Ihre werte Bekanntschaft
gemacht zu haben,“ sagte er mit verbindlich liebenswürdigem
Lächeln ... „hoffentlich habe ich nun öfter einmal das
Vergnügen ..“
„Vierundneunzig Mark,“ antwortete der Rentner, mit
einem fast blödsinnigen Gesichtsausdruck... „wir haben
uns wirklich so sehr gefreut ...“
Dann reichte Thalheim auch Habermann die Hand
und machte den Damen eine fein aristokratische Gesamt—
verbeugung, bei der Frau Natalie die Augen niederschlug.
Fühlte sie sich schärfer durch seinen Blick gestreist,
oder bildete sie es sich nur ein?
Als der Graf gegangen war, empfahl sich die Amts—
rätin Rübe.
„Meinen besten Dank für alles Gute und Schöne!“
sagte sie zu dem Ehepaare. „Auf Wiedersehen!“ setzte sie
dann hinzu ... „zum Tee bin ich wieder bei Euch.... Komm,
Alexander ... wir wollen noch zu einem Professor gehen...“
„Komm', geliebte Liddy... wir wollen noch ein bißchen
spazieren fahren!“ sagte der junge Kelbitz zu seiner Frau.
„Aber nicht wieder in einer geschlossenen Droschke,“
widersprach diese mit großer Energie; „ich will in einer
offenen Droschke fahren; da finde ich es weit hübscher. —“
Kelbitz seufzte, gab nach, empfahl und entfernte sich.
„Kinder, wir wollen auch ein bißchen fahren,“ sagte
Habermann zu den Seinen „es ist eine so schöne Luft, und
man hat soviel gegessen