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21.

Full text: Die Reise nach Berlin / Winterfeld, Adolf von (Public Domain)

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Uhr gesehen. Habermann fing an zu gähnen, und die 
Wirtin flüsterte ihrem Gatten ins Ohr, daß er bezahlen möchte. 
Sie war von allen Seiten beschenkt und gefeiert 
worden. Nun kam aber die Gegenwirkung, und Seele und 
Körper sehnten sich nach ein wenig Ruhe. 
Wenn sie jetzt hätte mit Zinnwald allein nach Hause 
fahren und in der Sofaecke ein bißchen dämmern können!... 
Aber nun mit der ganzen Gesellschaft! Liebenswürdigkeit 
und Opferwilligkeit haben doch auch ihre Grenzen wie 
alles Irdische. 
Als Zinnwald seine Frau verstanden hatte, daß er 
hinausgehen und die Rechnung berichtigen solle, bekam er 
eine Gaͤnsehaut, und es dauerte eine ganze Weile, ehe er 
sich ermannte. 
Dann stand er auf, seufzte, machte ein klägliches Gesicht 
und verschwand aus dem festlichen Raume. 
Als er nach verhältnismäßig kurzer Zeit wiederkam, 
sah er noch schlechter aus und bewegte fortwährend die 
Lippen, als wenn er betete. 
„Was ist Dir denn, Zinnwald?“ fragte Habermann, 
„Du bist ja heute so nachdenklich?“ 
„Vierundneunzig Mark ... vierundneunzig Mark ...“ 
brummelte jener ganz verstört vor sich hin.. 
„Wie? ... was?“ 
Vierundneunzig Mark und fünfzig Pfennig,“ wieder— 
holte Zinnwald, etwas lauter ... Dann rang er die Hände 
uͤnd säh gen Himmel. 
„Aber Paul!“ sagte Amalie, ihm einen verweisenden 
Blick zuwerfend. 
„Mir kommt es vor, als wenn es schon dunkel würde,“ 
bemerkte Habermann ... „oder ist es bloß die Müdigkeit, 
die mich befällt? ... In Berlin wird man eher müde als 
in Berent. ... Diese Nacht werde ich ungewiegt schlafen.“ 
„O, meine Liddy!... meine geliebte Liddy!“ rief der 
junge Kelbitz wie in heiliger Begeisterung. 
„Aber —* — ... nicht doch!“ entgegnete diese, wieder 
etwas abrückend. 
Man stand auf, die Damen zuerst und dann die Herren. 
Die Wirtin mächte wieder ein liebenswürdiges Gesicht
	        
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