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Radetzky ist, nach seinem eignen Bericht, die Etsch bei Leg—
nago passirt und nicht direct nach Verona gegangen: „weil der
Weg dahin nicht ohne Gefahr gewesen wäre.“ Wenn
das ein Commandeur in einer Nestroy'schen Posse zu sagen häaͤtte,
es würde ein brüllendes Gelaäͤchter geben.
Wunderbares Spiel des Schicksals!? Vor wenigen
Jahren bedrohte der Bürgermeister Tschech das Leben defselben
Koͤnigs v. Preußen, der sich von allen unsern Fürsten zuerst für
die deutsche Einheit aussprach und die meisten Stimmen als deutscher
Kaiser hat. Jetzt bedrohen die Tschechen das Leben der deutschen
Einheit. —
Schade! Fugger war bekanntlich ein auf sein Handwerk
tolzer Weber. Am 13. Juni starb einer seiner Nachkommen. Die
Wittwe zeigt den Tod ihres Gemahls „des erlauchtig hochge—
bornen Herrn Grafen Karl Anton Fugger von Nordendorf, Stan⸗
desherrn und Reichsraths in Bayern, der fuͤrstlichen und gräflichen
Fuggerschen Familie Senior ꝛc., ihren hohen Verwandten mit der
Bitte an, den hochselig Verblichenen im frommen Andenken zu
behalten.“ Schade um diese hochadlige Familie: die Gräfin Wittwe
scheint auch schon krank zu sein.
Telegraphische Nachricht. Der Telegraph der Freien
Blätter bringt uns in diesem Augenblicke folgende Nachricht aus
Schleswig-Holstein: Rendsburg, am 23. Juni, Morgens
32, Uhr. „Vom Kriegsschauplatz ist nichts zu berichten.“
Ganze 100 Gulden! Laut „Lechboten“ haben die in
Griechenland befindlichen Deutschen 100 FI. für die deutsche
Flotte nach München geschickt. In der Adresse befindet sich wahr⸗
scheinlich die Bemerkung: die in Deutschland lebenden Deutschen
möchten das Uebrige zulegen.
Zweite deutsche Einigkeit. Das östreichische Regiment
Wellington hat beim Ueberschreiten der Grenze aus Bayern die
schwarz⸗roth-goldne Kokarde von der Kopfbedeckung und die gleich—
farbigen Bänder von den Fahnen abgerissen.
Dritte deutsche Einigkeit. Während Daͤnemark preu—
zische Schiffe nimmt, Preußens Häfen blokirt und Preußen einzig
im Interesse Deutschlands gegen die Dänen kämpft, machten Han⸗
nover, Oldenburg, Hamburg, Bremen und die provi⸗
sorische Regiernug in Schleswig-Holstein von dem
Bundesbeschluß vom 8. Mai zu Separatauskünften mit Dänemark
Gebrauch und lassen die dänischen Schiffe ungehindert in ihren
Häfen verkehren!!!
Lonis Napoleon hat wirklich die Absicht gehabt, als Praͤ⸗
tendent der Krone Frankreichs aufzutreten. Viele unserer Zeitungen
bezweifeln diese Nachricht, da sie ihn nicht für geistig begabt genug
halten. Diese Herren müuͤssen fich verlesen haben. Louis Napoleon
will ja nicht Präsident der Republik, sondern Koönig werden,
und in Betreff der Bekleidung solcher Stelle war Dummheit niemals
ein Hinderniß.
Der Kaiser von Brasilien soll, nach amerikanischen
Zeitungen, durch die Nachricht von der Vertreibung der Familie
Orleans aus Frankreich außerordentlich angegriffen sein.
Vorläufig innerlich. Er wird bald ordentlich angegriffen werden.
Don Xavier Isturiz, der spanische Gesandte in London,
ist, wie Herr Bulwer aus Madrid, aus England abgereist worden .
Er hat bei unfrer Muhme Victoria nicht Adieu sagen duͤrfen. Wir
werden Alles thun, um diesen furchtbaren Bruch zwischen England
und Spanien auszugleichen.
Der Großherzog von Hessen und bei Rhein ist
gestorben. Die Höfe legen Trauer an.
Der Verein der Demokraten in Frauffurt, der aus
lauter Republikanern besteht, und sich daher nicht offen und
ehrlich, sondern auf alt-diplomatische Weise bezeichnet, hat Berlin
zum Vorort gewählt. Unsre 2000 Constabler werden sich der
Versammlung auf das Innigste anschließen.
Candidaten zur Präfidentenschaft der französischen Re—
p»ublick find: Lamartine, Ledru-Rollin, Armand Marraft, Caufsi⸗
iere, Thiers, Louis Napoleon und Prinz v. Joinville. Herr Louis
Rellstab hat sich bis jetzt nicht gemeldet.
Umgekehrt. Guizot und Metternich geben in London ein
neues conservatives Journal in französischer Sprache heraus, be—
titelt: Le Spectateur européen. Es galt uns immer als eine Ehre,
daß Journalisten Minister wurden; es ist eine noch groͤßere Ehre,
daß jetzt umgekehrt Minister Journalisten werden, aber Guizot
und Metternich wird deshalb doch kein ehrlicher Journalist Col⸗
lege nennen.
Wirbelstürme. Zu Argenton hat, wie die Zeitungen stau⸗
nend melden, ein Wirbelwind stattgefunden, der in wenigen Se⸗
unden 46000 starke Baͤume entwurzelte. Das ist noch gar nichts.
Im Februar und Maͤrz hatten wir hier noch viel stärkere. Schade
nur, daß noch mehrere Stammbäume stehen geblieben sind.
Der König von Neapel ist noch nicht hingerichtet! Nun
iber müssen wir doch bitten, unsre Geduld nicht länger auf die
Probe zu stellen. Man kann uns nicht nachsagen, daß wir die
dage der Sache verkannt und unbillige Forderungen an unfre ned⸗
„olitanischen Brüder gestellt haben: um so mehr muͤssen wir diese
inatürliche Zögerung in der Ausführung der nothwendigsten Staats⸗
zeschäfte als ungeeignet erklaͤren, unser früher gewonnenes Vertrauen
zu erhalten, geschweige zu beleben.
Berlin.
*Seine Majestaät der Koͤnig haben Allergnädigst geruht:
Den bisherigen Kriegsminister von Kannnix auf sein Ansuchen in
den Ruhestand zu versetzen und den General-Lieutenant von
Schreckenstein ohne sein Ansuchen zum Kriegsminister zu ernen⸗
nen und in den Unruhestand zu versetzen.
* Das Berliner Dampfschiff „Constitution“ geht alle Sonn⸗
tage von Berlin nach Köpnick. Unsre Deputirten werden morgen
auf demselben eine Erholungsfahrt unternehmen.
»Seine Majestaͤt haben Allergnädigst geruht: Den König-
lich Hanneverschen, Großherzoglich Oldenburgschen, Herzog⸗
lich Braunschweigschen und Fürstlich Schaumburg-Lippeschen
Gesandten, Freiherrn v. Schleinitz, schleunigst kommen zu lassen
und für's Erste zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu
ernennen. Ein Bürgerlicher war nicht zu finden.
»Der Fürst Felix von Lichnowsky ist wieder nach Frankfurt
a. M. abgegangen, ohne Minister geworden zu sein.