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Volume No. 8, 24. Juni 1848

Full text: Freie Blätter (Public Domain) Ausgabe 1848, Nr. 1-54 (Public Domain)

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Radetzky ist, nach seinem eignen Bericht, die Etsch bei Leg— 
nago passirt und nicht direct nach Verona gegangen: „weil der 
Weg dahin nicht ohne Gefahr gewesen wäre.“ Wenn 
das ein Commandeur in einer Nestroy'schen Posse zu sagen häaͤtte, 
es würde ein brüllendes Gelaäͤchter geben. 
Wunderbares Spiel des Schicksals!? Vor wenigen 
Jahren bedrohte der Bürgermeister Tschech das Leben defselben 
Koͤnigs v. Preußen, der sich von allen unsern Fürsten zuerst für 
die deutsche Einheit aussprach und die meisten Stimmen als deutscher 
Kaiser hat. Jetzt bedrohen die Tschechen das Leben der deutschen 
Einheit. — 
Schade! Fugger war bekanntlich ein auf sein Handwerk 
tolzer Weber. Am 13. Juni starb einer seiner Nachkommen. Die 
Wittwe zeigt den Tod ihres Gemahls „des erlauchtig hochge— 
bornen Herrn Grafen Karl Anton Fugger von Nordendorf, Stan⸗ 
desherrn und Reichsraths in Bayern, der fuͤrstlichen und gräflichen 
Fuggerschen Familie Senior ꝛc., ihren hohen Verwandten mit der 
Bitte an, den hochselig Verblichenen im frommen Andenken zu 
behalten.“ Schade um diese hochadlige Familie: die Gräfin Wittwe 
scheint auch schon krank zu sein. 
Telegraphische Nachricht. Der Telegraph der Freien 
Blätter bringt uns in diesem Augenblicke folgende Nachricht aus 
Schleswig-Holstein: Rendsburg, am 23. Juni, Morgens 
32, Uhr. „Vom Kriegsschauplatz ist nichts zu berichten.“ 
Ganze 100 Gulden! Laut „Lechboten“ haben die in 
Griechenland befindlichen Deutschen 100 FI. für die deutsche 
Flotte nach München geschickt. In der Adresse befindet sich wahr⸗ 
scheinlich die Bemerkung: die in Deutschland lebenden Deutschen 
möchten das Uebrige zulegen. 
Zweite deutsche Einigkeit. Das östreichische Regiment 
Wellington hat beim Ueberschreiten der Grenze aus Bayern die 
schwarz⸗roth-goldne Kokarde von der Kopfbedeckung und die gleich— 
farbigen Bänder von den Fahnen abgerissen. 
Dritte deutsche Einigkeit. Während Daͤnemark preu— 
zische Schiffe nimmt, Preußens Häfen blokirt und Preußen einzig 
im Interesse Deutschlands gegen die Dänen kämpft, machten Han⸗ 
nover, Oldenburg, Hamburg, Bremen und die provi⸗ 
sorische Regiernug in Schleswig-Holstein von dem 
Bundesbeschluß vom 8. Mai zu Separatauskünften mit Dänemark 
Gebrauch und lassen die dänischen Schiffe ungehindert in ihren 
Häfen verkehren!!! 
Lonis Napoleon hat wirklich die Absicht gehabt, als Praͤ⸗ 
tendent der Krone Frankreichs aufzutreten. Viele unserer Zeitungen 
bezweifeln diese Nachricht, da sie ihn nicht für geistig begabt genug 
halten. Diese Herren müuͤssen fich verlesen haben. Louis Napoleon 
will ja nicht Präsident der Republik, sondern Koönig werden, 
und in Betreff der Bekleidung solcher Stelle war Dummheit niemals 
ein Hinderniß. 
Der Kaiser von Brasilien soll, nach amerikanischen 
Zeitungen, durch die Nachricht von der Vertreibung der Familie 
Orleans aus Frankreich außerordentlich angegriffen sein. 
Vorläufig innerlich. Er wird bald ordentlich angegriffen werden. 
Don Xavier Isturiz, der spanische Gesandte in London, 
ist, wie Herr Bulwer aus Madrid, aus England abgereist worden . 
Er hat bei unfrer Muhme Victoria nicht Adieu sagen duͤrfen. Wir 
werden Alles thun, um diesen furchtbaren Bruch zwischen England 
und Spanien auszugleichen. 
Der Großherzog von Hessen und bei Rhein ist 
gestorben. Die Höfe legen Trauer an. 
Der Verein der Demokraten in Frauffurt, der aus 
lauter Republikanern besteht, und sich daher nicht offen und 
ehrlich, sondern auf alt-diplomatische Weise bezeichnet, hat Berlin 
zum Vorort gewählt. Unsre 2000 Constabler werden sich der 
Versammlung auf das Innigste anschließen. 
Candidaten zur Präfidentenschaft der französischen Re— 
p»ublick find: Lamartine, Ledru-Rollin, Armand Marraft, Caufsi⸗ 
iere, Thiers, Louis Napoleon und Prinz v. Joinville. Herr Louis 
Rellstab hat sich bis jetzt nicht gemeldet. 
Umgekehrt. Guizot und Metternich geben in London ein 
neues conservatives Journal in französischer Sprache heraus, be— 
titelt: Le Spectateur européen. Es galt uns immer als eine Ehre, 
daß Journalisten Minister wurden; es ist eine noch groͤßere Ehre, 
daß jetzt umgekehrt Minister Journalisten werden, aber Guizot 
und Metternich wird deshalb doch kein ehrlicher Journalist Col⸗ 
lege nennen. 
Wirbelstürme. Zu Argenton hat, wie die Zeitungen stau⸗ 
nend melden, ein Wirbelwind stattgefunden, der in wenigen Se⸗ 
unden 46000 starke Baͤume entwurzelte. Das ist noch gar nichts. 
Im Februar und Maͤrz hatten wir hier noch viel stärkere. Schade 
nur, daß noch mehrere Stammbäume stehen geblieben sind. 
Der König von Neapel ist noch nicht hingerichtet! Nun 
iber müssen wir doch bitten, unsre Geduld nicht länger auf die 
Probe zu stellen. Man kann uns nicht nachsagen, daß wir die 
dage der Sache verkannt und unbillige Forderungen an unfre ned⸗ 
„olitanischen Brüder gestellt haben: um so mehr muͤssen wir diese 
inatürliche Zögerung in der Ausführung der nothwendigsten Staats⸗ 
zeschäfte als ungeeignet erklaͤren, unser früher gewonnenes Vertrauen 
zu erhalten, geschweige zu beleben. 
Berlin. 
*Seine Majestaät der Koͤnig haben Allergnädigst geruht: 
Den bisherigen Kriegsminister von Kannnix auf sein Ansuchen in 
den Ruhestand zu versetzen und den General-Lieutenant von 
Schreckenstein ohne sein Ansuchen zum Kriegsminister zu ernen⸗ 
nen und in den Unruhestand zu versetzen. 
* Das Berliner Dampfschiff „Constitution“ geht alle Sonn⸗ 
tage von Berlin nach Köpnick. Unsre Deputirten werden morgen 
auf demselben eine Erholungsfahrt unternehmen. 
»Seine Majestaͤt haben Allergnädigst geruht: Den König- 
lich Hanneverschen, Großherzoglich Oldenburgschen, Herzog⸗ 
lich Braunschweigschen und Fürstlich Schaumburg-Lippeschen 
Gesandten, Freiherrn v. Schleinitz, schleunigst kommen zu lassen 
und für's Erste zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu 
ernennen. Ein Bürgerlicher war nicht zu finden. 
»Der Fürst Felix von Lichnowsky ist wieder nach Frankfurt 
a. M. abgegangen, ohne Minister geworden zu sein.
	        
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