wird. Ich bedauere es, daß der Magistrat diese ausdrücklich vorbehalten, selbst wo eine höhere Gewalt
Stellung eingenommen hat; sie liegt meiner Meinung noch nicht vorliegt, von Fall zu Fall zu prüfen, ob
nach nicht im Interesse der Stadtgemeinde. nach Lage der Verhältnisse sonst eine Verlängerung
der Fristen möglich und gerechtfertigt erscheint, und
Vorsteher Rosenberg: Ich möchte zunächst fest dieser Fall ist zum allermindesten hier eingetreten.
stellen. Herr Stadtv. Hirsch, daß aus Ihren Aus- (Stadtv. Holz: Sehr richtig!)
führilngen nicht hervorgehen soll, daß Sie dem M agi Im vorliegenden Falle steht das Einigungsamt
strat etwa eine absichtliche Schädigung der Arbeiter« auf Seiten des Magistrats. Ich erinnere den Herrn
intereffen vorwerfen wollen. Stadtv. Hirsch daran, daß bei der Beratung unserer
Submissionsbedingnngen diese, wenn ich so sagen
Bürgermeister M atting: Meine Herren, ich bilde soll, Souveränität des Magistrats durch seine Anträge
m ir nicht ein, den Herrn Stadtv. Hirsch durch meine ausgeschaltet werden sollte. Der Magistrat sollte — als
Ausführungen zu überzeugen; aber ich lege Gewicht der sogenannte nichtunparteiische Mann — überhaupt
darauf, mit aller Bestimmtheit die Auffassung des nicht mitreden dürfen, es sollte das Einigungsamt
Herrn Stadtv. Hirsch, daß der Magistrat sich hier in ein für alle M a l entscheiden. Ja, hier hat der M a
den wirtschaftlichen Kampf dieser beiden Parteien ge gistrat sich nun genau auf den Standpunkt des
mischt habe, und daß er nicht unparteiisch entschieden Eiuigungsamts gestellt, und da heißt es natürlich:
habe, zurückzuweisen. Es wird ja allerdings hier „ ja Bauer, das ist ganz etwas anderes". Jetzt sollte
wieder einmal Auffassung gegen Auffassung und Be ber Magistrat selbst prüfen, ob das Einigungsamt
hauptung gegen Behauptung stehen. Ich habe die auch richtig eingegriffen hat; jetzt sollte sich der M a
Absicht, mit aller Nüchternheit die Angelegenheit zu gistrat über das Einigungsamt stellen! Meine Herren,
behandeln; aber ich muß doch Gewicht darauf legen, dazu hat er nicht die geringste Veranlassung, und es
das, was ich zu sagen habe, auch mit einer solchen wäre auch wirklich in einer so vielseitigen Frage
Klarheit und Bestimmtheit zu sagen, wie es m ir den kaum möglich gewesen. Ich glaube z. B. auch nicht,
schiefen Ausführungen des Herrn Stadtv. Hirsch daß es Herrn Stabiv. Hirsch möglich ist, alle S itua
gegenüber notwendig erscheint. tionen bis zur vollsten Unparteilichkeit und Objektivität
Meine Herren, es steht tatsächlich fest, daß das klarznlegen. W ir haben uns lediglich dem Spruche
Einigungsamt in diesem wirtschaftlichen Streit ge des Einigungsamis gefügt. W ir haben absichtlich
sprochen hat, und dem Spruche dieses Einigungsamts davon Abstand genommen — das ist in der Beratungen
haben sich die Arbeitnehmer nicht gefügt. Sie haben des Magistrats zum Ausdruck gelangt — , irgendwie
allerdings nicht die Konsequenz gezogen, sofort den in die Streitfrage selbst einzugreifen und dazu Stellung
Streik zu proklamieren; aber sie haben tatsächlich eine zu nehmen. Die Fragen: auf wessen Seite liegt das
Situation geschaffen, die es den Arbeitgebern zur Recht, auf wessen nicht?, ist der Wunsch der Arbeiter
wirtschaftlichen Unmöglichkeit machte, weiterznwiit- nach Verkürzung der Arbeitszeit begründet oder nicht?
schaften. — haben w ir absichtlich aus der Diskussion heraus
(Sehr richtig!) gelassen. W ir haben lediglich gesagt: wenn das
Der Arbeitgeber, der über ein ganzes Jahr und Einigungsamt diesen Wunsch für begründet gehalten
vielfach noch länger mit seinen Arbeiten disponieren hätte, dann würde es entschieden haben: die Arbeits
muß, muß die Faktoren, m it denen er zu rechnen zeit soll auf 8 ' / j Stunde herabgesetzt werden. Das
hat, kennen, und das sind vor allen Dingen die A r Einigungsamt ist es gewesen, das diesem Verlangen
beitsbedingungen. Die Arbeitnehmer haben nun der Arbeiter die Verwirklichung versagt hat.
gesagt: w ir werden vorläufig sehen, wie lauge es Nun sagt der Herr Stadtv. Husch, die Unter
uns paßt, so lange werden w ir weiter arbeiten; paßt nehmer haben von vornherein erklärt: hierüber wird
es uns nicht mehr, denn hören w ir eines schönen gar nicht diskutiert. Ja, das konnten sie ja wohl
Tages auf. Ja, meine Herren, das ist eine S itua sagen, solange sie von Partei zu Partei mit den A r
tion, tuej die Arbeitgeber absolut nicht akzeptieren beitnehmern'verhandelten; nachdem aber die Sache
konnten, und sie haben meiner Meinung nach ihrer vor das Schiedsgericht gekommen war und sie sich
seits das einzig Mögliche getan und gesagt: w ir einmal überhaupt in die Verhandlung vor dem
können nicht so'weiterarbeiten, w ir müssen also aus Schiedsgericht eingelassen hatten, konnten die Unter
sperren. Nach der Auffassung des Magistrats sind nehmer sich gar nicht mehr auf diesen Standpunkt
die Unternehmer allerdings durch diese Situation in stellen, die Entschließung hierüber lag lediglich beim
eine Lage gebracht worden, die für sie force majeure Einigungsamt. Also ist diese Version des Herrn
war, zum allermindesten für den einzelnen Arbeit Stadtv. Hirsch nach meiner Anficht auch falsch.
geber, der eben jetzt, wie unsere wirtschaftliche Kon Es wird nun so dargestellt, als ob die Arbeit
stellation geworden ist, von dem Rückhalt abhängig geber jetzt die Leute wären, die in ganz unverant
ist. den er in seinem Verbände findet; für den ein wortlicher, allen sozialen Empfindungen widerspre
zelnen Unternehmer war es gar nicht möglich, sich chender Weise die Arbeitnehmer am 21. M ai, nach
dem Spruch des Verbandes, der Aussperrung, zu den Pfingstfeiertageli, auf die Straße gesetzt hätten.
entziehen. Davon ist ja gar'keine Rede. Ich habe bereits nach
(Stadtv. Vogel: Es haben doch einige getan!) gewiesen, daß nach meiner festen Ubtrzcugung die
— Es haben sich dem einige entzogen, ich glaube, Arbeitgeber tatsächlich gar nicht anders handeln
nicht zu ihrem Vorteil. Das ist aber eine Frage, konnten, als sie hier gehandelt haben, und der weitere
die nur nebenbei zu behandeln ist; auf die große Erfolg hat ihnen ja eklatant recht gegeben; er hat
Mehrzahl und jedenfalls aus die Arbeitgeber, mit bewiesen, daß den paar Arbeitgebern, die bereit waren,
denen w ir es zu tun haben, tr ifft es nicht zu. — weiter arbeiten zu lassen, nachher von den Arbeit
Also, meine Herren, nach der Auffassung des M a nehmern der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde: cs
gistrats ist allerdings eine Situation geschaffen, die wurde der Generalstreik von den Arbeitnehmern
zum mindesten eine frappante Ähnlichkeit mit einer proklamiert.
force majeure hat. (Stadtv. Vogel: Da sind Sie im Ir r tu m ! -
Der Magistrat hat sich aber in den Bedingungen Heiterkeit.)