Jugendjahre 29
regten. Er las Feuerbach, Bruno Bauer und Strauß. Sie
machten ihn in seinem Unglauben nicht sicherer. 1841 peitschte
ihn ein neues Herzenserlebnis auf. Die Mutter der Erkorenen
hieß ihn übers Jahr wieder fragen. Vergebens legte sich sein
Vater ins Zeug. Es blieb bei dem Nein. Auch diesmal wieder
stieß die Leidenschaft und ihre Enttäuschung wie in den Jahren
der Vorbereitung auf den Staatsdienst dem Fasse den Boden
aus. Er konnte es auf dem Lande nicht mehr aushalten, wie
1838 nicht mehr in der Residenz. 1842 ging er trüben Sinnes,
voll des Verlangens, sich selbst zu betäuben, auf Reisen. Er
ver weilte in Schottland und England und hat sich dort als
schaulustiger Reisender seine glänzende Kenntnis englischen
Wesens und englischer Verhältnisse erworben. Kürzer war er
in Paris. Von der Schweiz mußte er einer Erkrankung wegen
nach Pommern zurück, gedachte sich aber im Frühling zusammen
mit einem Freunde, Oskar v. Arnim, nach dem Orient auf den
Weg zu machen. Als letztes Ziel stand ihm vor Augen, im
englischen Heere gegen die Inder zu kämpfen. Dort im Aus⸗
land also und im fremden Dienst sollte sein Lebenspfad sich
verlaufen.
Als Bismarck zehn Jahre früher von Ehren träumte, die er
sich im Bereiche konstitutionellen Staatslebens holen wollte,
hatte er die mit dem parlamentarischen Ehrgeiz am stärksten
kontrastierende Bedingung für sich hin zugefügt, innerlich fromm
zu werden. Der Überlegung, als englischer Söldner in Indien
zu fechten, machte er mit dem Einwurf ein Ende: „Was haben
mir die Inder zuleide getan?“ Die beiden Aussprüche erlauben
zusammengenommen den tiefsten Einblick in das Innere des
jungen Bismarck. Es war ihm bisher nicht zuteil geworden,
daß er innerlich fromm wurde. Wehe mochte er solchen nicht
tun, gegen die keine höhere sittliche Pflicht ihn trieb, und wußte
doch auch immer noch nicht, wie er seinen Volksgenossen nützen
konnte. Das war, was an seiner Seele zehrte und seine Kraft
brach legte. Je mehr der Jahre ihm dahinrannen, desto zer⸗