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Erster Abschnitt. Jugendjahre

Full text: Bismarck / Spahn, Martin (Public Domain)

28 Jug endjahre 
und halfen von 1839 an in ernster Arbeit und anfangs bei 
schlichtester Lebensführung dem vaͤterlichen Vermögen wieder 
auf. Bismarcks Bildnis aus jenen Tagen läßt darauf schließen, 
daß er männlicher wurde, den Schwerpunkt seines Seins mehr 
als bisher in sich selbst gefunden hat. Aber der schöne, blaue 
Duft der fernen Berge, der nach einem von ihm gebrauchten 
Bilde über der neuen Beschäftigung gelegen hatte, verzog sich 
bald. Die Landwirtschaft füllte die langen Tage nicht aus. Auch 
die Wahl zum Kreisdeputierten im Jahre 1841, wiederholte 
läängere Vertretungen seines Bruders, der Landrat geworden war, 
und Mitarbeit im Landwirtschaftlichen Verein seines Kreises regten 
ihn nicht ausreichend an. Er verkehrte mit den Gutsnachbarn, 
pflegte eifrig gesellschaftliche Beziehungen zu den Offizieren seines 
Regiments; von 1842 an waren es die vierten Ulanen. Es ging aus⸗ 
gelassen dabei zu. Die Gelage wurden berühmt. Wilde Streiche 
liefen unter. Bismarck kam als „toller Junker“ in Verruf. Ver⸗ 
steckte Eifersucht auf seine weltmännische Überlegenheit und 
auf das selbstbewußt Unbekümmerte seines Auftretens trug 
das Ihrige dazu bei. Auch das Volkl raunte sich schon allerlei 
über ihn zu. Sein amerikanischer Jugendfreund Motley hatte 
1839 die Eindrücke, die er in gemeinsam verlebten Semestern 
von dem übermütigen Göttinger Studenten, dann von dem 
sich in der Berliner Umwelt langsam erkennenden jungen 
Manne erhielt, romanhaft ausgesponnen. Jetzt woben die Leute 
um Bismarck sogleich die Sage. Bezeichnend genug ließ es 
den Trutzigen selbst den König hochfahrend behandeln und dafür 
Strafe erleiden. Ausschweifungen ließ sich Bismarck nicht 
zuschulden kommen. Er lebte „so anständig wie keiner in der 
Gegend“. Dieses Zeugnis gab ihm der ehrlichste und um sein 
Seelenheil besorgteste seiner Freunde. Aber das Gefühl der 
Leere ward bald wieder quälender in ihm. Wie fern sein Gott 
ihm auch in Knabenjahren gerückt worden war, ganz kam er 
doch nicht von ihm los. Bismarck griff nach den Werken, die in 
Bekämpfung des gläubigen Christentums damals Aufsehen er—⸗
	        
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