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Vierter Abschnitt. An der Schwelle eines neuen Zeitalters 2. Neue Richtlinien der äußern und innern Politik

Full text: Bismarck / Spahn, Martin (Public Domain)

244 An der Schwelle eines neuen Zeitalters 
waren mittler weile Eulenburg und der Handels minister Achen⸗ 
bach gefolgt. In der Verworrenheit der Lage fand Bismardk 
eine Woche lang keinen Ersatz für sie. Sein Stolz wurde durch 
die ergebnislose Ministersuche tief gedemütigt. Scharfe Au⸗ 
klagen fiogen wieder zwischen dem Kanzler und seinen begeister⸗ 
ten Anhängern von gestern hin- und herüber. Am 29. Maärz 
verkündete Bennigsen, daß nicht mehr verhandelt würde. Bis⸗ 
marck aber gab den Blättern, zu denen die Regierung Bezie⸗ 
hungen hatte, die Weisung, Neuwahlen zum Reichstag vorzu⸗ 
arbeiten. Er wußte, wie stark der Gegensatz zwischen Freihänd⸗ 
lern und Schutzzöllnern in der nationalliberalen Fraktion 
geworden war, wie anderseits die Schutzzöllner in der frei⸗ 
konservativen Partei auch in den letzten Wochen nicht von ihm 
gelassen hatten. So wollte er den Widerstreit der materiellen 
Interessen entfesseln, um den einen zu helfen, den National⸗ 
liberalen dagegen ihre durch gemeinsame verfassungs politische 
Ideale oder durch die Weltanschauung zusammengeführten 
Reihen auseinanderzusprengen. Die Osterzeit brachte indessen 
noch einmal eine Entspannung. Schwer wie von einer Scholle, 
auf der er angewachsen war, riß sich der Kanzler von den Männern 
los, womit ihn die Sorge ums Reich jahrelang zusammen⸗ 
gehalten hatte. Aber das Verhängnis ging seinen Weg. Ende 
April wurde ein Attentat auf den Kaiser verübt. Der Kaiser 
blieb wohl unverletzt; der Eindruck auf die Bevölkerung war 
jedoch tief. Bismarcdck zieh die verhetzende Werbearbeit der 
So ziald emokraten aller Schuld an dem Vorkommnis und ließ 
dem Reichstag unverzüglich ein Ausnahmegesetz gegen diese 
Partei vorlegen. Der Entwurf stellte aber nicht nur die Partei 
außer dem Gesetz, sondern achtete auch geflissentlich nicht die 
jedem deutschen Staatsbürger zugesicherten persönlichen Frei⸗ 
heiten. Die Nationalliberalen brachten es nicht über ihr po⸗ 
litisches Gewissen, für den Entwurf zu stimmen. Bismarck war⸗ 
tete zu. Anfang Juni ver wundete ein anderer Attentäter den 
greisen Monarchen schwer. Bismarck erfuhr das Ereignis in
	        
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