98 In der Schule des öffentlichen Lebens
willkürliches Gelüst, sondern die natürliche Lebensbedingung
des heutigen Österreich, Preußen nicht stärker werden zu lassen,
sondern seine Macht zu mindern, wenn es angeht.“ „Es verliert
das Bewußtsein, mit Preußen um die Hegemonie von Deutsch⸗
land zu kämpfen, in keinem Momente; es ist sich über seinen
Zweck vollkommen klar, seiner Mittel sicher und zu rücsichts⸗
loser Benutzung derselben dergestalt entschlossen, daß es keiner
Art von Konflikt mit Preußen ausweicht.“ „Wir atmen (in
Deutschland) einer dem andern die Luft von dem Munde fort,
einer muß weichen oder vom andern gewichen werden; bis
dahin müssen wir Gegner sein.“ „Ein Großstaat, welcher seine
innere und äußere Politik auf den Grundlagen seiner eignen
Kräfte selbständig sichern kann und will, darf zu einer straffern
Zentralisation des Bundesverhältnisses nur in dem Maße die
Hand bieten, als er die Leitung der Bundeskörperschaft gewinnen
und gemeinsame Beschlüsse, die seiner eignen Politik entsprechen,
herbeizuführen vermag. Es ist also natürlich, daß Ssterreich
sowohl wie Preußen gleichzeitig nach einer solchen Stellung
im Deutschen Bunde streben. Dieselbe ist aber nur für einen
von ihnen möglich. Österreich ist gegenwärtig in ihrem Besitz.“
Österreich will die Dis position über die Gesamtkräfte des Bundes
für seine auswärtige Politik und zur Kräftigung seiner Ver⸗
kehrs⸗ und Finanzpolitik gewinnen. Dabei liegt ihm als Haupt⸗
hindernis Preußen im Wege. Alle Anstrengungen HÖsterreichs
gipfeln deshalb in dem Bestreben, Preußen in die Abhängigkeit
von der Wiener Politik zu bringen. Es wird nicht ruhen, bis
Preußen um seine Großmaͤchtstellung gebracht und zu einem
Bundesstaat als primus inter pares hinabgedrückt ist. „Bis
jetzt werden noch unsere Außenwerke belagert und untergraben.
Sollten aber die europäischen Konstellationen uns in ernsie
Verlegenheit bringen, so wird unter dem Schutze derselben
der Sturm nicht ausbleiben.“ Für Hsterreich ist es nur eine
Frage der Zeit und der Umstände, wann es versuchen wird,
„uns die Sehnen zu durchschneiden“. „Ich will nur meine