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Band No. XXI. Bericht über die städtische Straßenreinigung

Volltext: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Ausgabe 1881 (Public Domain)

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zirke von den betreffenden Beamten eingehender wie früher coutrolirt und 
bester übersehen werden können. 
Die etatsmäßige Mannschaft, 560 Arbeiter, ist zur Bewältigung der 
Arbeiten ausreichend gewesen. Allerdings spielt bei einer so genauen Ab 
wägung zwischen Arbeitsleistung und Arbeitskraft auch der einzelne Ar 
beiter nunmehr eine größere Rolle wie früher, insofern, als er und seine 
in Anschlag gebrachte Leistung niemals auf längere Zeit entbehrt werden 
kann, daher in Krankheitsfällen säst immer ein Ersatz in Stellvertretern 
gesucht werden muß. 
Diejenigen 14 älteren langgedicnten Arbeiter, welchen wir im vorigen 
Jahre eine permanente und leichtere Arbeit auf den Chausseen angewiesen 
hatten, haben sich hier als recht nützlich erwiesen, so daß wir auch diese 
Maßregel als eine zweckmäßige bezeichnen dürfen. 
Was die Arbeiter der Straßenrcinigung im Allgemeinen betrifft, so 
haben wir alle Leranlassung mit deren guten Leistungen, mit ihrer sonstigen 
dienstlichen Führung und Disciplin, wie auch mir ihrem außerdienstlichen 
Verhalten sehr zufrieden zu sein. Nur wenige Arbeiter, welche sich Vergehen 
hatten zu Schulden kommen lassen, oder deren Aufführung, Fleiß. Hal 
tung ic. ihre Entfernung aus dem Dienste nothwendig oder wünschens- 
werth machte, sind entlassen worden. Guten und brauchbaren Arbeitern 
sind dagegen, selbst bei monatclangcr Krankheitsdauer, ihre Stellen offen 
gehalten worden. 
Vier alten, arbeitsunfähig gewordenen Arbeitern unserer Verwaltung 
ist auch in diesem Jahre durch Beschluß der städtischen Behörden eine 
jährliche Unterstützung von je 400 c/fC. zu Theil geworden. 
Ebenso wie den Arbeitern, können wir auch sämmtlichen Beamten der 
Straßenreinigung hier das Zeugniß geben, daß sic alle und ohne 
Ausnahme pflichttreu bestrebt gewesen sind, ihre dienstlichen Obliegenheiten 
in bester Weise zn erfüllen Es lag keine Veranlassung vor, in irgend 
welcher Beziehung tadelnd oder strafend einzugreifen. 
In gleicher Weise hatten wir alle Ursache, auch mit unseren Unter 
nehmern und Lieferanten zufrieden zu sein, welche zu jeder Zeit und in 
vollem Maße ihren Verpflichtungen entsprochen haben. 
Während der Monare Januar, Februar und März war es der schon 
Eingangs geschilderten Witterungsverhältnisse wegen nothwendig, die Ar 
beit der Reinigung der Straßen am Tage auszuführen und zwar hat 
dies vom 10. Januar bis zum 28. März gedauert. 
So lange während dieser Zeit Schneeabfuhr war, konnten die Kehr 
maschinen nur wenig leisten, an 30 Tagen haben sie überhaupt nicht arbeiten 
können. Unter solchen Vcrhältniffen ist es aber durchaus zweckmäßig, die 
gesammte Mannschaft den ganzen Tag über auf der Straße zu haben, 
da jeder Arbeiter von der ständigen Mannschaft mindestens da« Doppelte 
dessen leistet, was von einem Hilfsarbeiter erwartet werden kann. Während 
der übrigen Winterzeit, während welcher keine Schneeabfuhr war, machten 
fortwährende starke Nachtfröste eine ausgiebige Leistung der Kehrmaschinen 
unmöglich. Die Maschinen wurden während dieser Zeit meistens in den 
ersten Morgenstunden gebraucht und derartig verwendet, daß ihre Thätig 
keit mit dem Beginne des Hauptverkchrs auf den Straßen beendet war. 
Im Allgemeinen sind in dieser Zeit die 4 Kratzmaschinen stark zur Be 
nutzung gekommen, welche der Verwaltung zur Verfügung stehen, deren 
unausgesetzte Verwendung incl. Doppelbespannung und wechselnde Be 
spannung von den Unternehmern ä Conto Kehrmaschinen verlangt werden 
konnte. Mit dem 28. März hatten die winterlichen Verhältnisse ihr 
Ende, so daß von diesem Zeitpunkt ab wieder zur Nachtarbeit übergegangen 
werden konnte. Die regelrechte, planmäßige, nächtliche Reinigung der 
Straßen ist bis zum Jahresschlüsse hin durch keine Zwischenfälle mehr 
unterbrochen worden. 
Die Kehrichtabfuhr war in dem Berichtsjahr etwas geringer, wie im 
Vorjahre 1880, trotzdem sich das Arbeitsgebiet wiederum nicht unerheb 
lich vergrößert hat. Es ist dies lediglich dadurch zu erklären, daß bei 
den vielen kleinen Schneefällen des Vorjahres die Absuhrunternehmer 
eine große Menge Schneesuhren, die ihnen nicht besonders vergütet, 
sondern als Kchrichtfuhren angerechnet wurden, geleistet haben. 
Die Gesammtzahl der Kehrichtfuhren betrug 
im Jahre 1880 108 432 
. - 1881 104 524. 
Relativ ist die Abfuhr in dem letzten Jahre eine größere gewesen, was 
bei der Dauer und Menge der atmosphärischen Niederschläge seine natür 
liche Erklärung findet. Zu einzelnen Zeiten ist eine ganz außerordentliche 
Menge Schmutz aus der Stadt geschafft worden, wie aus den vierzehn 
tägigen Arbeitsberichten unserer Direction hervorgeht. Die größte Abfuhr 
eines Tages, die größte, welche bisher überhaupt festgestellt worden ist, 
war am 22. December und betrug 722 Fuhren. 
Tic Verunreinigung der Straßen durch fremdes Fuhrwerk, welches 
Grubendung und anderen Schmutz von Privatgrundstücken abgefahren, 
ist in dem verfloffenen Jahre wieder etwas geringer geworden; immerhin 
bleibt leider noch eine ganz ansehnliche Reihe derartiger Contraventionen 
zu verzeichnen. 
Die Feststellung der Thäter ist in einer großen Anzahl von Fällen 
auf Veranlassung unserer eigenen Beamten und Arbeiter erfolgt, so daß 
dieses ActeS der Selbsthilfe hier mit Genugthuung gedacht werden kann. 
Im Allgemeinen wirkt auch hier die immer mehr vorschreitende Kanali- 
flrung der Stadt erkennbar ein. In voraussichtlich nicht allzuferner Zeit 
werden diese Uebelstände ohne Zweifel ans ein Minimum zusammen 
geschrumpft sein. 
WaS den Flächeninhalt der zu reinigenden Straßen und Plätze be 
trifft, so umfaßte derselbe am 1. Januar 1881 im Ganzen 6 709 360 qm; 
er betrug ultimo December 1881 6 785 460 qm, hat sich also im Laufe 
des Berichtsjahres vergrößert um 76 100 qm. Dieser Zuwachs ist 
hauptsächlich durch diejenigen neuen Straßen entstanden, welche mit dem 
Centralviehhofe zugleich angelegt und fertiggestellt wurden. 
Zur Motivirung der Differenz zwischen den Angaben des letzten 
Verwaltungsberichts über den Flächeninhalt der zu reinigenden Straßen, 
wonach diese Flächen nur 6 525 000 qm betrugen, bemerken wir, daß 
uns im Frühjahre 1881 auf Veranlaffung der städtischen Bauverwaltung 
durch die Stadtbauinspectionen genaues Material über die Abmessungen 
sämmtlicher Straßen zugänglich gemacht worden ist, welche« wir neuer 
dings benutzt haben, und aus welchem hervorgegangen ist, daß die bisher 
von uns benutzten Zahlen nicht ganz richtig waren. Die Differenz 
zwischen den bisherigen Angaben und den neuen richtigen betrug aber im 
Ganzen und genau 184 360 qm, daraus erklärt sich die obige Angabe, 
nach welcher am Beginne des Berichtsjahres nicht wie für den Schluß 
des Vorjahres 6 525 000 qm, 
sondern mehr 184 360 - 
also im Ganzen 6 709 b6u qm 
zu reinigende Straßenfläche vorhanden gewesen ist. 
Trotz der nicht unerheblichen Vergrößerung des Arbeitsgebietes im 
Laufe des Berichtsjahres hat eine Vermehrung der Arbeitsmittel und 
Arbeitskräfte nicht stattgehabt. Die auch in diesem Jahre bedeutend vor 
geschrittene Kanalisirung und der für uns dadurch, d. h. durch den Fortfall 
vieler Rinnsteine, verringerten Reinigungsarbeiten haben jene Mehrarbeiten 
eben ausgeglichen. 
Im Jahre 1881 sind nachstehend genannte Straßenthcile mit As 
phaltpflaster versehen worden und zwar: Behrenstraße von Markgrafen- 
bis Charlotten- und von Friedrich- bis Mauerstraße, die Markgrafen 
straße von Mohren- bis Schützenstraße, die Krousenstraße zwischen der 
Friedrich- und Mauerstraße, Theile des Spitlelmarktes und des Leipziger 
Platzes. Die Gesammtfläche des Asphaltpflasters betrug am Schlüsse 
des Jahres 120 870 qm. Mit Holzpflaster wurden im Laufe des JahreS 
1881 belegt die Friedrichstraße von Behrenstraße bis „Unter den Linden" 
und von der Nordseite „Unter den Linden" bis zur Rampe der Weiden 
dammer Brücke, sowie die Georgenstraße von der Friedrich- bis zur Neu 
städtischen Kirchstraße. Die Gesammtfläche des Holzpflasters betrug am 
Schlüsse des Jahres 9 830 qm. 
Die Gesammtfläche des Pflasters mit fester Unterbettung betrug 
ultimo 1881 301 760 qm, nachdem im Laufe des Jahres noch 89 160 qm 
hinzugekommen waren. 
Die zur täglichen Reinigung kommende Straßenfläche umfaßte am 
Ende des Jahres überhaupt 2 643 310 qm. 
Nach den eingehenden Beobachtungen, welche wir seit mehreren 
Jahren über die zweckmäßigste Art der Behandlung des AsphaltpflastcrS 
gemacht haben, sowie nach den Erfahrungen, welche uns in dieser Be 
ziehung bereits zur Seite stehen, muß das Asphaltpflaster sorgfältiger 
wie jedes andere Pflaster gereinigt werden. Der Pferdedünger macht den 
Belag schlüpfrig und giebt dann leicht Veranlassung zum Stürzen der 
Pferde. Es ist aus diesem Grunde das unausgesetzte Beiseiteschaffen 
des frisch gefallenen Pferdemistes ebenso nothwendig, wie das sorgfältige' 
Bestreuen der feuchten Stellen mit Sand. Eine derartige sorgfältige Ab 
wartung beseitigt die oben gedachten Uebelstände fast ganz, so daß in der 
That die früher so häufigen Klagen mit der Zeit recht selten geworden 
sind. Eine am Schluffe dcS Jahres ins Werk gesetzte statistische Erhebung 
über die aus diesen Straßen noch vorkommenden Unfälle ist zwar zur Zeit 
noch nicht abgeschlossen, sie hat indesien schon bis zum 1. Januar 1882 ein 
so außerordentlich günstiges Resultat ergeben, daß die Behauptung. As 
phalt sei als Fahrbahn auf keinen Fall gefährlicher, als anderes Pflaster, 
gerechtfertigt erscheint. 
In Folge der Erweiterung des Asphaltpflasters haben wir die An 
zahl der Arbeitsburschen im Laufe des Jahres um 6 vermehrt; aus dem 
selben Grunde sind auch für diese Straßen 7 neue Düngerkasten beschafft 
und aufgestellt worden. 
Der Apparat, welchen wir zur außerordentlichen Reinigung der As> 
phaltstraßen vor 1 i/z Jahren einrichteten, hat sich bisher als recht zweck 
mäßig erwiesen. Nach vielfachem Wechsel haben wir nunmehr auch ein 
ganz brauchbares Burschenpersonal herangebildet, welches Interesse, Lust 
und Verständniß für seinen Dienst hat. 
Die bei der Reinigung der Asphaltstraßen entstandenen Mehrkosten 
berechnen sich pro Jahr und Quadratmeter auf 0,m <//£ Dieser Betrag 
ist um ein Geringes höher, wie der vorjährige, welcher auf 0,» </ft pro 
Quadratmeter angegeben wurde. Dies kommt aber daher, daß in diesem 
Jahre ein erheblich höherer Wafferverbrauch, des häufigen und regel 
mäßigen Waschens der Asphaltstraßen wegen, in der zuerst angegebenen 
Zahl mit eingerechnet ist, trotzdem wir in der Wirklichkeit das Waffer 
nicht bezahlen. 
Mit den hiesigen Pserdeeisenbahngcsellschaften sind im Laufe des 
Jahres seitens de« Magistrats neue Verträge abgeschlossen worden, die 
auch der dieffeitigen Verwaltung vom 1. April ab insofern nicht unerheb 
liche Mehreinnahmen dauernd sicher gestellt haben, als diejenigen Kosten, 
welche uns für Uebernahme und Ausführung der den Pferdebahngescll- 
schaften obliegenden Reinigung der mit Schicnengeleisen belegten Pflaster-
	        
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