Beilage 1
Bericht des Kastellans Peters über die Plünderung des Schlosses Schönhausen
„Den 7ten Oftober fahmen des Nachmittags erst 2 hernach 10 Cosaquen nach dem Schlosse Schönhausen, forderten von dem
Castellan Peters und dem Gärtner Weigel Geld, und insonderheit das silberne Tafelservice von Ihro Majestät der Königin. Un Gelde
wurden ihnen bis hundert Thaler gereichet, und ihnen bedeutet daß kein silbern TafelService da wäre, weil Ihro Köngl. Majestät beständig
von Porcellain speifeten, hierauf suchten sie alle Cammern selbst durch, und da sie kein Silber funden, begnügten fie sich im Schlosse einige
Uttlaßene Gardienen abzureißen und dem Castellan und Gärtner einige Kleider und Wäsche weg zu nehmen, aßen und trunken dabey
und ritten gegen Abend wieder weg, mit dem guten Rath: sie solten sich alle weg machen, morgen würden viel mehr wieder kommen, und
wenn sie kein Geld und Silber finden würden, könte das Schloß und alle anderen Gebäude in den Brand gesteet werden. Diese Cosaquen,
ob sie gleich nach Gutfinden Kantschue in Menge austheilten, begingen weiter keine Grausamkeiten.
Den aten des Vormittags kam ein Wachtmeister mit 8 Husaren welche gleich mit der hefftigsten Bedrohung, das Röngl. Silber
haben wolten, visitirten das Schloß und alle Häuser durc; und durch rißen die attlaßnen grünen Tapeten, Gardienen, Stühle, Canapees
und Ihro Köngl. Majestät attlaßen Bett mit aller Gewalt ab, schlugen Spinde und Commoden auf, nahmen alles weg, was ihnen anstund,
ließen sich dabey mit eßeit und trinken wohl bewirthen, und begaben sic) nachgehends bey dem Castellan in's Hauß, brachten ihm in eine
Stube und seine Fran in die andre, zogen beyde gantz naFend aus, peitschen ihm mit Kantschus und Ladestöe auf das grausamste, sowie
sie seine Fran na>end zu Boden warffen und mit 6 Ruthen (welche sie dazu aus seinem Garten geschnitten) von unten bis oben auf das
allerunbarmherzigste geißelten, und nachdem sie ihre Schandthaten nicht weiter treiben konten, kniffen sie beyde mit glüenden Zangen und
strichen die Rücken damit auf und nieder. Nach diesen Mördereyen rief einer von ihnen den Castellan alleine, forderte Geld und erhielt
von ihm noh 20 Thlr, Diese thaten auch die Würkung, daß er den andern zurief: Die Preußen kommen, fort, fort! Worauf sie sich
alle zu Pferde setzten und davon jagdten. Machdem sich nun der Castellan und seine Frau von ihrem harten SchiFsal ein wenig erholet
und sich des Zeitlichen begaben, machten sie sich in der Macht auf den Weg nach Berlin um ihr Lehen zu retten. Diese Grausamkeiten
wurden gleich bei dem Einmarsch der Russen den NAdjutanten von dem General Czernichef wie auch dem General Tottleben gemeldet, beyde
wurden hefftig darüber erzürnt, ersterer versprach auf sein EhrenWort bei seinem General eine BedeXung dahin zu besorgen, letzterer aber
gab einem Obristwachtmeister in meiner Gegenwart Ordre zwey Husaren hinaus zu schicken, welche nicht allein die Übelthäter arretiren,
sondern auch daselbst so lange bleiben solten, bis er zurück marchirte. Es sind auch vom 9ten bis 12ten kleine und große Parthein
wechselsweise dahin gekommen, haben aber statt Unfug zu verhüten, dem Köngl. Schlosse das Garaus gemacht. Alle Tapeten von pecking,
Betten, Stühle, Cannap6es, Gardienen, die geneheten Tapeten auch alle die andern unten und oben im Schlosse abgerissen, die Portraits
beschädigt, das Porcellain zerschlagen, Sinnen, Kupffer und ein silbernes Tintefaß und Streubüchse mitgenommen, sowohl die Herrf<haftlichen
als der Bedienten Betten, Madratzen und Decken nebst Leinenzeung mit fortgeschleppet, und mit einem Wort das Köngl. Schloß sowohl
als die dowestiquen Häufer in folchet Verwüstung zurücgelassen, daß es ein sehr großes Register ausmachen würde, alles 8pecifice anzuzeigen,
welches unmöglich kann gemacht werden, weil die ausgeschütteten Federn, Pferdehaare, zerbrochene Porcellain, Bettstellen und Stühle etc.
im gäntzen Hause eine Verwüstung machen, daß viel Zeit erfordert wird, das gröbeste nur aufzuräumen. Nußer diesem haben sie die Köngl.
GarthenPferde, Wagens und 6 Stü> Gewehr mit fortgenommen. Das grausame Verfahren an dem Kaßky*, da sie ihm noch viel
schlimmer wie den Castellan behandelt und ihm über Feuer von Holtz in seiner Stube haben zum Bekenntniß mehren Geldes bringen wollen,
die Mordthat an des Prediger Sto>fisch** seinem Knecht, da ihm einer mit dem Säbel in den NaFen gehauen, daß er gleich todi zu Boden
gesunken, auc die gewaltsamen barbarischen Caressen, welche sie an Kindern und Frauens, anch unter andern auf öffentlicher Straße
zwischen Berlin und der Plantage an der Frauen des einen GartenKnechts ausgeübet, da 4 Cosaquen den Mann mit 2 kleinen Kindern
nebst dem Planteur weggejaget die Frau zurück behalten und auf eine recht viehische Urt gemißhandelt, aller dieser in Pankow u. Schön-
hausen vielfältig begangene frevelthaten nicht zu gedenken, welche diesen grenlihen Unmenschen alle innerliche Religion und Ebhrbarkeit
nothwendiger weise absprechen müssen. “
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Beilage II
Die folgenden Mitteilungen über das Charlottenburger Schloß, sowie der unter b weiter unten abgedruckte
Nuszug aus dem Bericht des Kastellans Dauen über die Plünderung des Charlottenburger Schlosses mit den betreffenden
Unmerkungen verdanke ich Herrn Dr. P. Seidel.
In den ersten Jahren seiner Regierung bevorzugte Friedrich) der Große Charlottenburg vor allen seinen anderen
Schlössern, und es hatte lange Zeit den Anschein, als wenn der Weubau, den er glei nach seinem Regierungsantritte
durch Knobelsdorff dort beginnen ließ, seine Hauptresidenz werden solle. Mah dem Code seines Vaters begab sich der
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