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Band No. 9, 1. Juli 1848

Volltext: Freie Blätter (Public Domain) Ausgabe 1848, Nr. 1-54 (Public Domain)

reie 
Jätfer 
— 
Diese illustrirte Zeitung er⸗ 
scheint wöchentlich zwei Mal, 
Mittwochs und Sonnabends. 
Preis vierteljährlich: 1Thlr. 
Einzelne NRummern: 12,Sgr. 
Alle Postämter u. Buchandl. 
nehmen Bestellungen an. 
Illustrirte politisch-humoristische Zeitung. 
Beiträge werden frankirt 
unter der Adresse der Ver⸗ 
lagshandlung, M. Simion 
'n Berlin, erbeten. — 
Inserate werden mit 2 Sgr. 
ür die PetisZeile oder deren 
Raum berechnet. 
LSAS. 
RKedacteur: Adolf Glaßbrenner. 
Motto: Der Staat sind Wir. 
D. 
Berlin, 1. Juli. 
Ungnädiger Erlaß an die deutsche Nation. 
dert Jahren vergebens auf Alles pränumerirt, was ihnen jetzt 
umsonst werden müßte? Unseliges Mißverständniß! Ich gebe 
ruch ja freie Blätter für euer Geld; ich stelle ja meinen 
Namen an die Spitze dieser Zeitschrift; ich gerathe ja alle 
Tage in die Tinte mit Meinen Plänen; ich bin ja euer Ver— 
fasser und will auf der breiten Grundlage des weißen Pa— 
piers für Druck sorgen; ich will mich mit meinen Mitarbeitern 
zereinbaren, euch zufrieden zu stellen durch schöne Worte und 
Schriften, durch Humor, ernsten Scherz, scherzhaften Ernst 
und poetische Phantasien, und wenn ihr mehr verlangt, als 
ich euch' geben darf, so könnt ihr euch durch meine illustri— 
renden! Minister Th. Hosemann, W. Scholz ꝛc. Etwas ma— 
len lassen. — Wenn ihr ferner es wünschen solltet, so will 
ich euch auch einen Entwurf alles Dessen vorlegen, wodurch 
ich den Adel eurer Achtung und das Gold eurer Treue an 
mich zu ziehen gedenke, allein ich glaube, ihr werdet in rich— 
tiger Beurtheilung andrer euch vorgelegten Vrobeblätter da— 
rauf verzichten. 
So erwarte ich denn von euch, ihr 39 Millionen Deutsche, 
daß thr euch euren andern deutschen, auf die „Freien Blätter“ 
oränumerirten, Brüdern auf das Innigste anschließen und er— 
nessen werdet, daß, je ernster die Zeit, um so nothwendiger 
der fröhliche und versöhnende Humor, je dreister Reaction, 
Anarchie und Thorheit, je schärfer die Satyre auftreten muß. 
Um gänzlich damit zu räumen, soll jeder Pränumerant 
dieser in jeder Hinsicht illustrirten Zeitung am Schlusse des 
bevorstehenden Quartals einen Geheimerathstitel und einen 
Orden erhalten. Alle Diejenigen aber, welche es trotz dieses 
Erlafses noch wagen sollten, sich der sofortigen Pränumeration 
zu entziehen, männiglich und weiblich, verfallen der gesetzlichen 
Strafe und kriegen Fünf Jahr Rellstab. 
Berlin, den 26. Juni 1848. 
(gez.) Der Redacteur. 
(contr.) Ernst Kossak, Minister-Präsident der 
„Freien Blätter“. 
Es haben sich noch über 89 Millionen Deutsche der Prä— 
numeration auf diese vorliegenden „Freien Blätter“ eigen— 
mächtig entzogen! Ist diese Thatsache schon der Beanstrebung 
deutscher Einigkeit und Einheit gegenüber betrübend, wie viel 
mehr für Mich, von Gottes Gnaden Red'-acteur der Erste, 
König von Pressen, Selbstbeherrscher aller Typen, 
Kurfürst von Federn, Herzog zu Styl und Reim u. s. w. 
u. s. w. u. s. w., da Ich dadurch Meine Macht und Autorität 
und, was Mein erhabnes Herz am tiefsten ergreift, Meine 
Civilliste gefährdet sehe! Indem ich die literar-historische 
Treue der lieben Tausende meiner Völker anerkenne, welche 
bereits pränumerirt haben, und die Ritterlichkeit ihres Cha⸗ 
rakters zum allgemeinen Vorbild gebe, richte ich ein ernstes 
und strenges Wort an euch, die ihr in unbegreiflicher 
Selbstüberschätzung euren Thaler vierteljährlich zurückhaltet und 
mit eurem beschränkten Unterthanenverstande fern bleibet den 
löblichen Postämtern und Buchhandlungen, welche zur Prä— 
numerations-Annahme bereit sind. 39 Millionen! ihr 
wißt es, daß in dieser verhängnißvollen Zeit Alles auf die 
Haltung eines Blattes ankommt, und dennoch haltet ihr 
es nicht. Das ist unfromm. Dies Blatt soll zwischen 
Mir und Meinem deutschen Volke existiren! — Es 
ist mein unerschütterlicher, fester Wille, und ich habe als 
Literat einen mächtigen Einfluß auf Deutschlandz ich sage es 
ungern, aber ich sage es doch! — Daß diese „Freien Blätter“, 
die ich in Jugendkraft und Altersweisheit und mit der Sie— 
gesgewißheit ihres hohen Werthes führe und regiere, von 
irgend einem andern Blatte übertroffen werden könnten: das 
gloobe ich schwerlich. Wenn ihr thöricht genug seid, 
nach einem fremdartigen oder einheimisch-un artigen Blatte zu 
fassen, so ist das eine Verfassung, die ich nun und nim— 
mermehr gestatten darf. Wie, ihr trotzt in eurer bekannten 
deutschen Lesewuth und verbarrikadirt euch hinter euer Recht, 
Andres zu nehmen und mehr zu halten als ich — euch 
gebe? Einige meinen sogar, sie hätten schon seit vielen Hun⸗
	        
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