fullscreen: Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 5.1898 (Public Domain)

sah 2 die Wahl dieser Maßstabes ausdrücklich für zulässig erklärt. 
Damit erledigen sich auch die Ausführungen über die in der 
Steuer angeblich liegende Vermögenskonfiskation und die ver- 
meintliche politische Unhaltbarkeit der Steuer. 
ch Ordensverleihungen. Bei dem Ordensfeste am 
letzten Sonntag haben nachstehende hiesige Einwohner, so 
weit es uns möglich war, die Namen zu ermitteln, Orden 
erhalten: Den Rothen Adler-Orden 4. Klaffe erhielten: 
Hofrath und Chiffreur im Chiffrier-Bureau des auswärtigen 
Amtes Herr Franzclius und Kanzleirath im Reichs- 
Schatzamt Herr Gothan; den Kronen-Orden 4. Klaffe: 
Geh. Kanzlei-Sekretär im Reichs-Marineamt Herr Gerloff; 
das allgemeine Ehrenzeichen: Herr Kadereit,? Geh. 
Kanzleidiener im Ministerinm der geistlichen rc. Angelegen 
heiten, und Herr Rindt, Brunnenmacher. 
ch Ueber ein großes Verkehrsprojekt, das eine 
direkte elektrische Bahnverbindung zwischen Berlin und den 
westlichen Vororten bezweckt, weiß eine Lokalkorrespondcnz 
zu berichten. Die Bahn soll in Berlin zwei Ausgangs 
beziehungsweise Endpunkte haben: am Potsdamer-, und An 
halter Bahnhof, und mit Benutzung der Berlin-Potsdamer 
Chaussee und unter Berührung aller dazwischen liegenden 
Ortschaften vorläufig bis Wannsee und Stolpe reichen, später 
aber bis zur Glienicker Brücke in Potsdam verlängert 
werden. Dieses Konkurrenzunternehmen der langsamen 
Wannseebahn wird allseitig mit großer Freude begrüßt. — 
— Bei einem solchen großen Projekte würde allerdings er 
höhter Perron für die Bahn in der Rheinstraße — gleichviel 
ob Mitte- oder Seitenlegung der Geleise beliebt wird — 
nothwendig sein, und die Folge wäre Einziehung der Vor 
gärten und Steigerung der Unterhaltungskosten. Da eine 
solche Bahn für Friedenau aber nicht unbedingtes Erforder 
niß ist, wird die Gemeinde sich wohl nicht bereit finden 
lassen, der Bahngesellschaft den Weg freizulegen, ohne da 
für entsprechende Entschädigung zu verlangen. Im Falle 
diese gewährt wird und die Vorgärtenbesitzer auch das Ihre 
erhalten, kann sich ja Alles zum Besten wenden. 
Das Profil der Rheinstraße. Herr Maurer 
meister Straus übersendet uns zwei Skizzen von Straßen- 
Profilen, deren erstes Blatt das sogenannte Kleemannsche 
Projekt zeigt, während das zweite die Anlage mit Mittel 
perron wiedergiebt, welche in der von Herrn Straus am 
8. Januar ins „Rheinschloß' einberufenen Versammlung 
aller Schöffen und Gemcinde-Verordneten — natürlich unter 
Ausschluß der Oeffentlichkeit — warm verfochten wurde. 
Dies Projekt hatte — wie er uns schreibt — „begründete 
Aussicht nicht allein auf die nachträglich- wieder zu ge 
währende Kreisbeihilfe, sondern auch auf Dispenserthcilung 
hinsichtlich derjenigen Vorgärten den Vorzug, daß derjenige, 
welcher nicht wollte, oder nicht in der Lage war, seinen 
Vorgarten herzugeben, auch nicht im Wege der Expropriation 
dazu gezwungen werden sollte/ Herr Straus knüpft daran 
das Ersuchen um Aufnahme folgender Notiz, der wir a» 
dieser Stelle im Jntereffe der Sache gern Raum gewähren, 
uns eine Besprechung und Vergleichung mit dem von den 
Rheinstraßenanliegern bisher gewünschten und von uns ver 
tretenen Projekt vorbehaltend. Die Notiz lautet: 
„Dem Unterzeichneten sind vom Landrathsamte mehrere 
Exemplare Umdruck - Zeichnungen, den Umbau der Provinzial- 
Chauflee betreffend, zur Verfügung gestellt worden. 
Soweit der Vorrath reicht, können die Herren Anlieger der 
Rheinstraße solche beim Unterzeichneten täglich Nachmittags von 
4—6 Uhr in Empfang nehnien. 
Friedenau, den 16. Januar 1898. 
Rudolph Straus, Maurermeister, Rheinstraße 11." 
ch Begräbnis;. Zu einer ehrenden Kundgebung aus 
Freundes- und Bekanntenkreisen gestaltete sich die am 
Sonntag Nachmittag vom Trauerhause in der Sponholzstraße 
au^^folote^Bee^unc^de^sowohhim^Ort^wie^m^i^ 
„Nach meiner Ansicht sind die Damen am kompetentesten, 
um hierüber zu urtheilen/ fuhr Herr Eichfeld höhnisch fort, 
„wie denken Sie z. B. über diese Angelegenheit, Fräulein 
Thalenhorst?" 
Hedwig warf dem Frager einen seltsamen, halb 
strafenden und hälb verächtlichen Blick zu und cntgegnete 
alsdann: 
„Einen Mann, der so denkt, wie Herr van der Loo, 
kann ich nur aufrichtig achten wegen dieser seiner Gesinnung, 
das gegentheilige Gefühl wohnt mir inne gegenüber dem 
jenigen, welcher Dinge, die jedem Ehrenmanne zum wenigsten 
eine theuere Erinnerung, bleiben müffen, zu bespötteln oder 
ins Lächerliche zu ziehen sucht.' 
„Sie urtheilen recht scharf und verständlich/ erwiderte 
Herr Eichfeld, der um eine Schattirung blässer geworden 
war, „und nur meine angeborene Höflichkeit gegen Damen 
hält mich davon ab, gegen dieses scharfe Urtheil einen eben 
so scharfen Eindruck zu erheben. Ich will daher Herrn 
van der Loo seine theuere Erinnerung, von der ich hoffe, 
daß sie immer theuerer werden wird, ganz unbeschädigt resp. 
unangetastet lasten. Um jedoch ihre Voreingenommenheit 
gegen mich abzuschärfcn, mein Fräulein, bemerke ich, daß 
auch ich solche Mannesherzen, die mit Rührung und 
Wehmuth alle Augenblicke von einer früheren Be 
gebenheit sprechen können, aufrichtig bewundere und shoch 
schätze.' 
„Sie spotten über mich, Herr Eichfeld/ warf van der 
Loo finster ein, „oder Sie versuchen es vielmehr, und das 
erforderte eigentlich eine Erwiderung, von der ich jedoch mit 
Rücksicht auf die anwesenden Damen absehen will. Jndeffen 
finbet_ sich vielleicht noch später einmal Gelegenheit, Ihnen 
zu zeigen, wie ungemein freimüthig auch ich in meinen Ant 
worten sein kann. Gern will ich Ihnen glauben, daß man 
in Amerika solche Redensarten wie die Ihrigen als ein 
Zeichen der Bildung und Aufklärung betrachtet, in Europa 
jedoch giebt es Menschen genug, die ebensoviel Witz und 
Verstand wie die Herren Amerikaner besitzen, aber dennoch 
ganz anders in solchen Sachen denken." 
den Berliner Kollegenkreisen sehr beliebt gewesenen Kanzlei 
raths im Kriegsministerium Krohn. Ein überaus zahl 
reiches Gefolge geleitete den reich geschmückten Sarg nach 
dem Kirchhof in der Maxstraße, wo die Beisetzung erfolgte. 
Am Grabe hielt Herr Superintendent Vorberg die Trauer- 
Andacht. 
-s Betreffs der Regelung des Müllabfuhr 
wesens verlautet'jetzt, daß die Regierungsverordnung,, durch 
welche das Abladen von Müll in einer Entfernung von 
8 Kilometer — also nicht mehr, wie früher beabsichtigt, 
6 Meilen — vom Weichbilde Berlins verboten werden soll, 
nicht nur für die Reichshauptstadt und Charlottenburg, 
sondern auch für alle übrigen Städte des Regierungsbezirks 
Potsdam erlassen werden wird. Jedoch soll das Müll auch 
in unmittelbarer Nähe einer Stadt abgeladen werden können, 
wenn es zu Aufschüttungen für Landes-Meliorationen Ver 
wendung findet. Außerdem dürfen nach dem Entwurf im 
Winter bei Verkehrsstockungen provisorische Ablagerungsplätze 
am städtischen Weichbilde geschaffen werden, doch nur für 
die Dauer der Verkehrsstockung. Diese Regierungsverord 
nung wird am 1. Oktober 1898 in Kraft treten. Und bis 
zu diesem Zeitpunkte müssen Berlin sowohl wie Charlotten 
burg ihr Müllabfuhrweseu endgiltig geregelt haben. 
f Versorgung mit Elektrizität. Wir wollen 
nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß zwischen 
dem Magistrat zu Spandau und der Allgemeinen Elektrizitäts 
Gesellschaft Berlin Verhandlungen schweben, daß von km 
Elektrizitätswerk an der Oberspree eine Leitung nach 
Spandau geführt werde, um die Stadt mit elektrischer Be 
leuchtung und Kraft zum Gewerbebetrieb zu versorgen. Die 
Verhandlungen mit dem Kriegsministerium sind gleichfalls 
angeknüpft, um die militärischen Werkstätten anzuschließen. 
Dieses Projekt liegt für uns hier in Friedenau sehr 
günstig, da, wie wir erfahren haben, die westlichen Vororte 
an diese Leitung mit angeschlossen werden sollen und wir 
dadurch vielleicht in den Vortheil kommen, billig elektrische 
Kraft und Licht beziehen zu können. 
-s Die Charlottenburger Wasserwerke, welche 
bekanntlich die westlichen Berliner Vororte mit Wasser ver 
sorgen, veröffentlichen jetzt ihren Jahresbericht über das ver 
gangene Geschäftsjahr. In 1896/97 hat die Wasserabgabe 
zugenommen. Die Einnahme aus den Wasscrgeldern, Messer- 
miethen, und ausgeführten Arbeiten ist von 848 769 M. 
auf 922 561 M. gestiegen. Auf die Einlage der Gesell 
schaft bei den Charlottenburger Wasserwerken, Gesellschaft 
mit beschränkter Haftung, beträgt die Dividende 503 117 M. 
gegen 447 642 M. des Vorjahres. Durch eine Defrau 
dation, welche aus den Betriebseinnahmen gedeckt ist, sind 
bei der Aktiengesellschaft 18 169 Ai. Verlust entstanden. 
Die Unterschlagungen haben sich infolge eines Komplots 
mehrerer Angestellter einige Zeit der Wahrnehmung der 
Direktion entzogen. Mit der Gemeinde Mariendorf ist ein 
langjähriger Vertrag auf Wasserlieferung für diesen Gemeinde- 
bezirk abgeschlossen worden. Außer den Erweiterungen der 
Rohrnetze in den einzelnen Gemeinden hat die Neuverlegung 
eines Hauptrohres, vom Grunewald ausgehend, durch die 
Kolonie Grunewald, Schmargendorf, Wilmersdorf bis zur 
Gemeifide Schöneberg stattgefunden. Die Verlegung der 
Endstrecke dieses Hauptrohres kann in der Gemeinde Schöne 
berg erst im neuen Geschäftsjahr erfolgen. Zur Vertheilung 
verbleiben 933 363 M., von denen 11 Proz. Dividende 
gewährt werden. 
-J- Interessantes ans Südwestafrika. Der 
Sohn unseres Mitbürgers, des Generals Herrn v. Estorff, 
ist Hauptmann in der Kolonialtruppe in Südwestafrika und 
hat in der jüngsten Zeit schwere Kämpfe zu bestehen gehabt. 
Daö amtliche Kolonialblatt berichtet hierüber: Nach einem 
drahtlichen Bericht des stellvertretenden kaiserlichen Landes- 
„Hierin gebe ich Ihnen Recht/ lautete die höhnische 
Antwort, „wir Amerikaner sind ein freies Volk, das in 
tausend Dingen weiter vorgeschritten ist, als Europa, sodaß 
wir z. B. über dasjenige, was eine zurückgebliebene Geistcs- 
entwickelung hier als erhaben oder gar heilig betrachtet, dort 
mitleidig die Achseln zucken." 
Hier mischte sich der Baron ins Gespräch und sagte in 
ziemlich scharfem Tone: 
„Das sind allerdings höchst eigenthümliche Ansichten, 
Herr Eichfcld!' . 
Der letztere blickte etwas überrascht zu dem Hausherrn 
auf und erkannte in dem Gesichte desselben die sehr verständ 
lichen Zeichen von Verdruß oder Mißmuth. Diese Wahr 
nehmung schien ihm nicht zu gefallen, und um sich zu ver 
bessern erwiderte er schnell: 
Meine Behauptung bezog sich ja nur auf einzelne 
Gegenstände oder Meinungen, worüber wir drüben in freier 
Weise denken. Alles Uebernatürliche gehört unter anderen? 
hierhin; wer in gebildeter südamerikanischer Gesellschaft be< 
spielsweise von einem Leben nach dem Tode reden wollte, 
der würde unfehlbar für immer den Fluch der Lächerlichkeit 
mit sich hemmtragen. 
Keiner der Anwesenden war übertrieben fromm, aber die 
soeben gehörten Worte empörten doch jeden ohne Ausnahme, 
wie man dies aus den Mienen derselben herauslesen konnte. 
Der Baron sah seine Frau. Herr van der Loo fragend den 
Baron an, man schien mit sich zu kämpfen, ob und was 
auf die frivole Aeußerung antwortete oder ob man sie ganz 
mit Stillschweigen übergehen solle. 
Die eingetreve Stille unterbrach Hedwig. Sie erhob 
sich mit einem Male und sagte laut und vernehmlich zu der 
Freundin: 
„Ich denke, liebe Sophie, wir ziehen uns zurück, da die 
Herren sicher lieber allein in dieser Weise sich weiter unter 
halten. Herr van der Loo wird uns für diesmal wegen 
unseres vorzeitigen Aufbruches entschuldigen." 
„Ich verstehe Sie, mein Fräulein," entgegnete der Ab 
geredete, „und weiß die Gründe, welche Sie von hier fort- 
Kaokofelde unter den Zwartboi-Hottentotten Unruhen ausge 
brochen. Die Aufrührer sind indessen durch den Hauptmann 
v. Estorff und einen Theil der Schutztruppe am 5. Dezember 
in einem Gefechte zersprengt worden. _ Die Reste des 
Stammes haben sich unter Zurücklaffung ihres Besitzes an 
Pferden und Vieh nach Norden geflüchtet. Die Hereros 
sind auch in diesem Falle der Regiemng ergeben geblieben. 
Zufolge weiteren Nachrichten aus Deutsch-Südwestafrika über 
das am 5. v. M. zwischen einer Abtheilung der Schutz 
truppe unter Hauptmann v. Estorff und Zwartboi-Hotten 
totten vorgefallene Gefecht ist bei diesen Kämpfen von der 
Schutztruppe ein Reiter gefallen, ein anderer leicht ver 
wundet worden. Hauptmann v. Estorff selbst ist ebenfalls 
zweimal leicht verwundet, aber dienstfähig geblieben. 
f Die apostolische Gemeinde läßt durch einen 
ihrer Diener jeden Donnerstag, Abends 8 Uhr, in Steglitz, 
Hecscstraße 2, bei unentgeltlichem Zutritt für Jedermann, 
Erklärungen der heiligen Schrift abhalten, und haben diese 
Vorträge jetzt die Genehmigung des Ortsvorstandes in 
Steglitz erhalten. 
-J- Eine totale Sonnenfinsterniß findet am 
22. d. M. statt, die jedoch für uns unsichtbar ist, da sie 
bereits vorüber ist, wenn das Tagesgestirn sich über unseren 
Horizont erhebt. Im östlichen Deutschland kann noch der 
Schluß der Finsterniß wahrgenommen werden. In_ Ost 
indien, wo die Verfinsterung um den Mittag herum eintritt 
und die Sonne dann am höchsten steht, ist die Totalität am 
besten zu beobachten. 
ch Die Beleuchtung der Züge der Wannseebahn 
mit Acetylengas dürfte in nächster Zeit schon geschehen. Der 
Landrath des Kreises Teltow macht bekannt, daß die Eisen 
bahn - Verwaltung auf dem Bahnhof s in Schlachtensee einen 
Acetylengasenrwicklcr enichtcn will, und fordert auf, etwaige 
Einwendungen dagegen binnen 14 Tagen einzureichen. 
f Zur Frage der Giltigkeitsdauer der Rück 
fahrkarten zum Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfest hat der 
Minister der öffentlichen Arbeiten kür den Bereich der 
preußischen Staatsbahnen bis auf weiteres die Bestimmung 
getroffen, daß die Karten zum Osterfeste von einschließlich 
dem zwölften Tage vor bis zum zwölften Tage einschließlich 
nach dem ersten Feiertage, zum Pfingstfeste von einschließlich 
dem dritten Tage vor bis zum achten Tage einschließlich nach 
dem ersten Feiertage, zum Weihnachtsfcste von einschließlich 
dem siebenten Tage vor bis zum vierzehnten Tage ein 
schließlich nach dem ersten Feiertage gelter sollen. Hiernach 
erstreckt sich die Giltigkeit der Rückfahrkarten zu Ostern 
diesmal vom 29. März bis 22. April, zu Pfingsten vom 
26. Mai bis 6. Juni und zu Weihnachten vom 18. Dez. 
bis 8. Januar. 
-s Krieger- und Landwehr - Verein. Die 
Januar-Sitzung am Sonnabend wurde um 1 /alO Uhr vom 
Führer des Vereins, Herrn Rath Hendrich, mit einem 
dem ganzen Verein sowohl wie jedem Einzelnen geltenden 
herzlichen Neujahrs-Glückwunsch eröffnet. Redner- wies auf 
die großen Ereignisse der letzten Zeit in Ostasicn hin, welche 
die Herzen höher schlagen ließen, so daß es ein ganz 6e»' 
sonderes Bedürfniß sei, der Liebe und Verehrung zum 
Herrscherhause Ausdruck zu geben, und endete mit dem 
üblichen Hoch auf Se. Majestät. Nach Verlesung der 
Protokolle erfolgte die Aufnahme der Herren Schimmel 
pfennig, Scheidemann und Handschumacher als Mitglieder. 
Die Herren Hirt und Funke sind vom Vorstand ange 
nommen worden, während über die Aufnahme zweier 
Kameraden nicht beschlossen werden konnte, weil sie nicht 
anwesend waren. Ferner wurden 4 Mitglieder neu an 
gemeldet, während eines ausgeschieden ist. — Darauf wurde 
Mittheilung über die Abrechnung der WeihnachtSbescheerung 
durch Herrn Wegner gemacht, welcher besonders im Namen 
^e^nterstützten^tttwcr^Dan^agttHerr^^ndrich^icht 
treiben, wohl zu würdigen. Auch für mich ist es die höchste 
Zeit, an den Heimweg zu denken, da ich noch eine weite 
Strecke bis zu meinem Hause zurückzulegen habe.' 
Die Gesellschaft trennte sich nunmehr. Alle waren mehr 
oder weniger verstimmt, mit Ausnahme des Herrn Eichfcld, 
der mit einem Lächeln, welches der genossene Wein zu einem 
fast blöde oder alt zu nennenden machte, gegen die sich ent 
fernenden Damen sich verbeugte. Der Baron befahl hier 
auf einem Diener, den Gast nach seinem Zimmer zu ge 
leiten, und zog sich dann mit einem kühlen „Gute Nacht, 
schlafen Sie wohl' nach seinem Privatgemache zurück, um 
sich noch eine Zeit lang mit dem Lesen der angekommenen 
Zeitungen zu beschäftigen. 
In einem Wohnraume des oberen Stockwerkes dagegen 
saßen Hedweg und Sophie nach in später Stunde nebenein 
ander auf dem Sopha, um über die Ergebnisse des heutigen 
Tages sich zu unterhalten. 
„Erkläre mir doch, liebe Hedwig,' sprach die letztere, 
„weshalb Du so kalt, ich möchte fast sagen abstoßend, gegen 
den Fremden gewesen bist! Ich finde, daß derselbe ein ganz 
angenehmer Mann ist, seine letzten anstößigen Aeußerungen 
werden wohl nur in der Weinlaune gefallen sein und sind 
daher wohl zu entschuldigen.' 
„Aus diesem Gmnde sind dieselben im Gegentheil um 
so empörender,' versetzte Hedweg, „denn im Weine zeigt sich 
der wahre Charakter des Menschen. Außerdem gestehe ich 
es Dir, ich habe einen unsäglichen Widerwillen gegen diesen 
Mann, betrachte nur sein höhnisches Lächeln, diesen cynisch 
freschen Ausdruck seiner Augen, und Entsetzen muß Dich er 
greifen vor der Seele, die aus jenen hervorleuchtet. Um 
ihn nicht sehen zu müssen, schützte ich Krankheit vor, aber 
diese Augen fielen mir ein, mit Schaudern dachte ich daran, 
daß er vielleicht gar zu Dir seine heißen Blicke erheben 
könnte, und da hielt es mich nicht mehr in meinem Zimmer, 
ich mußte an Deiner Seite sein, um über Dir zu wachen 
und Dich zu beschützen.' 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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