ich bin so müde — so müde. Nein, laß mich, nur
noch einen einzigen Schluck — du siehst doch, daß
es mir gut tut!“
Plötzlich zuckt sie zusammen. „Mein ganzes Leben
ist mir verhaßt!“ Und ein krampfartiges Schluchzen
durchschüttelt ihren Körper.
Er läßt sie ruhig ausweinen, fährt mit der Hand
wiederholt über ihren Scheitel, preßt ihren Kopf
an sich und spricht liebevoll auf sie ein. Sie klammert
sich fest an ihn, blickt ihm angstvoll in die Augen und
flüstert: „Verlaß mich nicht — verlaß mich nicht!“ —
„Liebling, sei still, ich bleibe dir zur Seite.“
Ermüdet und ermattet schließt sie die Augen, sich
eng an ihn schmiegend: „Erzähle mir von deinen
Eltern, Ully.“
„Da gibt es nicht viel zu erzählen, Lieb. Wir lebten
still und ruhig dahin, die Eltern und ich.
Die lieben Alten — nun sind sie beide tot und ruhen
in Frieden.
Mein Bater war ein ruhiger, stiller Mann, er liebte
meine Mutter über alles, ich habe nie in meinem
Leben ein herzlicheres und innigeres Eheverhältnis
gesehen, als zwischen meinen Eltern.
Wir waren nicht reich, im Gegenteil, es ging oft
183