Die Begründung des Photographischen Vereins
zu Berlin.
Wer der Bedeutung unseres Vereins als der ältesten
Vereinigung dieser Art in Deutschland für die Entwicklung
der Photographie gerecht zu werden versucht, der muß, will
er ein richtiges Bild gewinnen, sich zunächst die Situation
vergegenwärtigen, die vor fünfzig Jahren auf photo—
graphischem Gebiete bestand. Die Daguerreotypie war durch
das Papiernegativ, später, in den fünfziger Jahren, durch
das Jod-Brom Kollodium auf Glas verdrängt worden, das
damals ausschließlich herrschte.
Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
war eine große Anzahl tüchtiger Forscher beschäftigt, den
Kollodiumprozeß, der bereits seit einem Jahrzehnt eingebür⸗
gert war, immer mehr zu verbessern. Die früheren Arbeiten
waren hauptsächlich darauf gerichtet, nassen Platten die größt—
möglichste Empfindlichkeit zu verleihen, und es wurden dazu
eine ganze Reihe mehr oder weniger komplizierter Kollodium—
rezepte wie verschiedene Zusätze zum Silberbade oder zum
Entwickler (Ameisensäure ꝛc.) vorgeschlagen. Die Erfahrung
lehrte, daß wie überall so auch hier das einfachste das beste
war. Die Langsamkeit des Kopierprozesses gab auch damals
schon Anlaß zu Versuchen, Kopien mit Hervorrufung anzu—
fertigen, und in Berlin waren in dieser Richtung besonders
gelungen die Versuche, die Vogt und Schüler machten.
Das von Professor Petzval in Wien 1840 erfundene
und von Voigtländer vorzüglich hergestellte lichtstarke Por—