M 70.
(718—729.)
Horlagen
für die
Stadtverordneten-Versammlung zu Berlin.
718. Vorlage (J.-Nr. 5 417 Orä. D. 85) — zur Beschlutz
fassung —, betreffend die Genehmigung des Verkaufs
von Eckbaustellen an den Kreuzungen der Gräfestratze
mit der Böckh- und mit der Dieffcnbachstratze.
Die Durchlegung der Gräfestraße bis zum Plan-Ufer wird in
naher Zeit vollendet und damit das an dieser Straße belegene städtische
Terrain für die Bebauung erschlossen sein. Da eine Verwendung
dieses Terrains zu Verwaltungszwecken der Stadt nicht zu erwarten
ist, so dürfte mit der Veräußerung desselben nunmehr vorgegangen
werden können. Wir beabsichtigen, zunächst die auf dem anliegenden
Ucbersichtsplanc roth angegebenen Eckbaustellen zum Verkauf zu stellen
und zwar mit den in diesen Plan eingezeichneten ungefähren Maaßen,
welche wir für die Bebauung als zweckmäßig erachten, indeß vorbehaltlich
einiger evcntl. noch nothwendig werdender Abänderungen.
Im Einverständniß mit der städtischen Grundeigenthums-Deputation
halten wir für diese Eckbaustellen einen Minimalpreis von 95 JC pro
Quadratmeter für angemessen und glauben, wie in früheren Fällen,
auch hier am besten bet freihändigem Verkauf annehmbare Gebote zu
erzielen.
Wir beantragen zu beschließen:
Die Stadtverordneten-Versammlung genehmigt den frei
händigen Verkauf der 7 Eckbaustellen an den Kreuzungen der
Gräfestraße mit der Böckh- und mit der Dieffenbachstraße
ungefähr mit den in den vorliegenden Plan vom 31.October1885
eingezeichneten Maaßen für einen Minimalpreis von 95 JC
pro Quadratmeter.
Wir behalten uns vor, in Betreff der anderen Parzellen Anträge
zu stellen, sobald sich ein Verkauf dieser Parzellen als zweckmäßig
Herausstellen wird.
Berlin, den 6. November 1885.
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt,
gez. von Forckenbeck.
718. Vorlage (J.-Nr. 3 531 A. V. 85) — zur Beschlutz
fassung—, wegen fernerer Bewilligung von IS 888 JC
zur Fortführung und Beendigung der für die llleichs-
armen-Statistik erforderlichen Arbeiten.
Durch Beschluß vom 19. Februar d. Js. — Protokoll Nr. 11 —
ist behufs Bestreitung der durch die Erhebungen für die Reichsarmen-
Statistik der Stadt Berlin erwachsenden Ausgaben ein Betrag von
10 000 JC aus den im Extraordinarium der Special-Verwaltung 50
für unvorhergesehene Ausgaben ausgeworfenen 200 000 JC bewilligt.
Die zu dem gedachten Zwecke erforderlichen Arbeiten haben jedoch
einen Umfang angenommen, daß die hierzu bewilligten Mittel nicht
allein absorbirt, sondern bereits überschritten sind.
Das zur Erledigung der Arbeiten gebildete Bureau für die Armen
statistik hat am 15. Februar er. unter Leitung des Herrn Assessors
Di'. Münstcrberg seine Thätigkeit begonnen. Es wurden anfänglich
1 Magistrals-Secretair für die Leitung der Bureau-Vorsteher-
Geschäfte,
1 Bureau-Diätar und
4 Hülfsarbeiter
beschäftigt. Bereits im März er. traten hierzu noch
1 Bureau-Assistent und
8 Hülfsarbeiter
und seit dem Monat April er. besteht das Personal aus
1 Assessor,
1 Magistrats-Secretair > . . „ , . _ . ,
1 Magistrats-Bureau-Assistenten, l Kolbet aus Special-
1 Bureau-Diätar und s Verwaltung 42.
18 Hülfsarbeitern,
Was die Thätigkeit des betreffenden Bureaus anbelangt, so
verfehlen wir nicht, hierüber Folgendes ergebenst mitzutheilen.
Für die Bearbeitung der Armenstatistik ist eine für dieselbe
erlassene Anweisung maßgebend.
Mit dieser regelmäßigen Bearbeitung ist in der Art vorgegangen,
daß die täglichen Krankenrapporte, die Monatsberichte über Extra
unterstützungen gleichzeitig und lausend bearbeitet werden; es werden
außerdem die Almosen- und Pflegesachen nach Bedarf von den einzelnen
Armen-Commissionen eingefordert und bearbeitet.
Zu diesen regelmäßigen Arbeiten treten aber noch einzelne
Kategorien von Unterstützungsfällen, insbesondere die bei Special-
Verwaltung 31, Titel II., pos. 2, resp. Titel X. aufgeführten Kranken
haus- und Anstaltsunterstützungen, ferner die Arbeitshaus- und Asyl
unterstützungen, Badereisen, Heilapparate rc., Einsegnungsanzüge,
Irren- und Jdiotenpflegc.
Diese Kategorien werden bei passender Gelegenheit, wobei besonders
die Entbehrlichkeit der Acten bei den betreffenden Verwaltungen ent
scheidet, bearbeitet.
Während also die Krankensachen und Extraunterstützungen bis
zum Schluffe dieses Jahres täglich und laufend zu erledigen sind,
bleibt für die Almosen- und Pflegesachen die Nachtraguug der neuen
Pflegefälle, sowie die Nachholung der mangels Einsendung der Acten
nicht erledigten älteren Sachen zu bewirken. — Das ganze hiernach
etwa noch bis zur Beendigung der Statistik zu erledigende Arbeits
pensum wird nach ungefährer Schätzung etwa des schon erledigten
Theiles betragen.
Es ist also vor Beendigung der ersten statistischen Erhebung eine
Abnahme des gegenwärtigen Arbeitspensums nicht wohl zu erwarten
und wird diese erste Erhebung kaum vor Anfang März 1886 beendigt
sein. Bis dahin ist also eine Verminderung des gegenwärtigen Personal
bestandes unthunlich.
Nach Beendigung dieser ersten Erhebung hat demnächst erst noch
die Fertigstellung des Materials nach verschiedenen Richtungen hin zu
erfolgen; insbesondere sind die nicht vollständig auszufüllen gewesenen
Karten aus den Acten beziehungsweise durch besondere Ermittelungen
zu ergänzen, sämmtliche Karten mit Bezug auf Vollständigkeit und
Richtigkeit zu prüfen und endlich dieselben correct abzuschreiben.
Da die Gesammtzahl der Zählkarten etwa 60 000 betragen dürfte,
so würden 4 Arbeiter, den Arbeitstag 150—200 Karten gerechnet,
etwa 3—4 Monate zur Anfertigung der Duplikate gebrauchen und
ebenso viel Zeit werden die Revisions-Arbeiten in Anspruch nehmen.
Es ergiebt sich hieraus, daß
bis Ende Februar 1886 etwa 15—18 und bis Mai oder
Juni 1886 8—10 Hülfsarbeiter
gebraucht werden, welche pro Tag 3 JC, also monatlich, da regel
mäßig am Sonntag gearbeitet wird, 90 JC beziehen.