FmdlMkl ZiIral'Airchkk.
(Kriedenauer
Anparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche
Angelegenheiten.
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femTpr«ch«r: Hmt Pfaljb„r 3 2189. KrschSlNl täglich llöeNdS.
I««t«n QHttwoth:
ditjblatt „Seifenblasen".
Zeitung.)
Organ für den Kriedenauer Ortsteil non Zchdneberg und
Oerirksverein Züdmest.
Beilagen -Inreigen
Jecken Sonntag:
Klarier für deutTche fraucn.
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau.
6eTdiäftsTtelle: RbeinTtr. 15.
werden bis 12 Iltjr mittags angenommen.
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Nr. 105.
Berlin-Friedenau, Sonntag, den 5. Mai 1912.
19. Iahrg.
Depeschen.
Letzte Nachrichte«.
Berlin. In einem Tafö in der Frtedrichstraße er
schoß sich heute Nacht ein junger Mann, der später als
der aus Reichenbsrg i. B. stammende Kaufmann Groß,
mann festgestellt wurde.
Berlin. In der 71. Filiale der Seifenhandlung von
A. Wasservogel, GreifSwalderstr. 46, ist heute Vormittag
von dem Kutscher Albert Rllhl ein frecher Raubattentat
auf die Verkäuferin Frau Ramin verübt worden. Der
Täter schlug mit einem Hammer auf die Frau, die be
wußtlos zusammenbrach. Durch ihre gellende Hilferufe
wurde der Verbrecher aber verscheucht und später von
Passanten ergriffen und gelyncht.
Wien. Gestern verhaftete die hiesige Polizei die
bekannte akademische Malerin Iba Guttmann und ihre
Mutter unter der Beschuldigung, in ihre Wohnung einen
Brand zur Erlangung der Versicherungssumme angelegt
zu haben.
Landau. Der Lloyddampfer „Königin Luise" kam
heute NachtS in Westindien mit einem Leck und 3 Meter
Wasser im Schiffsraum an.' Eine große Anzahl von
Passagieren war bei der Landung sehr aufgeregt und be
hauptete, daß das Wasser elf Fuß hoch gestanden hätte
und die Pumpen Tag und Nacht in Tätigkeit gehalten
wurden.
London. Zwei Geheimpolizisten verhafteten gestern
einen Deutschen namens Friedrich Ruppenthal, als dieser
im Begriff stand, ein Automobil zu besteigen. Ruppenthal
wird beschuldigt, in Paris in den letzten Monaten für
700 000 Francs Juwelen gestohlen zu haben.
Paris. Nach einer in Udfchda, im Nordosten von
Marokko, eingetrossenen Meldung haben die Ghiata und
die Beni Uarain den Heiligen Krieg gegen die Franzosen
erklärt. An der Kasbah von M'sum und bei Buyacubet
sammeln sich zwei Heerhaufen, um die Vereinigung der
französischen Strettkräfte und ihren Vormarsch auf Tazza
zu verhindern.
«Lokales.
(Nachdruck nuferer o-Origtualarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.)
o Voraussichtliche Befreiung von militärischer
Einquartierung. Eine Besichtigung Friedenaus unter-
nahm gestern die Einquartierungskommission deS Kreises
Teltow unter Leitung deS RegierungSratS Grafen
von Fürstenstein; außerdem begleitete die Kommission ein
Seneralstabsoffizier deS 2. Armeekorps. Die Herren wurden
'von dem hiesigen EinquartierungSauSschuß, den Herr Ober
sekretär Borck als Vertreter der Verwaltung begleitete, am
Wannseebahnhof empfangen. Unter Führung des Vor
sitzenden deS hiesigen Ausschusses, deS Herrn Schöffen
tzadöe durchfuhr man in Landauern die Straßen unserer
Gemeinde. Die Herren überzeugten sich davon, daß bet
rventl. Einquartierungen für Pferde hier kein Platz ist.
Aller Voraussicht nach wird nach den Erklärungen der
Die zweite Frau.
Koma» von Anna Seyffert-Klinger.
2, (Nachdruck «ertötn.)
Er beherrschte die deutsche Sprache vollkommen. Nur
am Akzent erkannte man den Auslinder. Nun schwieg
er und forschte verstohlen in Irmgards rosigem Gesicht;
aber von dem bangen Erschrecke», welches er so sehnlich
zu sehen wünschte, war nichts darin zu bemerken.
„0 —," machte das junge Mädchen oberflächlich be
dauernd, „aber Sie werden ja einmal wiederkommen."
„Mein Bater wünscht, daß ich mich verheirate." sagte
Moory mit leicht bebender Sliiume, „und da — wollte
ich Sie fragen, teure Irmgard, ob Sie mein Weib werden
wollen. Ich liebe Sie mehr als mein Leben — o, sagen
Ge ja, machen Sie mich zum glücklichsten Sterblichen."
, .Das kann ich nicht. Mylord, so weh es mir auch
W, Ihnen Schmerz bereiten zu müssen. Nein, ich kann
wirklich nicht, zürnen Sie mir, bitte, nicht darum — ach.
hätten Sie diese Frage doch niemals ausge,prochen."
Aus Lord Moorys Gesicht war alle Farbe gewichen.
.Rauben Sie mir nicht gleich alle Hoffnung, Irmgard,"
bat er in flehendem Ton, „ich gebe Ihnen ja gern Bedenk
zeit. Mein Antrag hat Sie überrascht, verwirrt, bei ruhigem
Nachdenken werden Sie erkennen, daß es nicht recht getan
ist, die treue Liebe eines Ehrenmannes so ohne weiteres
zurückzuweisen."
„Mylord." entgegnete das junge Mädchen, purpurn
erglühend und ihm freimütig die Rechte entgegenstreckend,
.Ge werden in meiner Erinnerung stets als ein Bild voll
kommener, edler Männlichkeit leben, ich schätze in Ihnen
Kommissionsmitglieder Friedenau künftig von Kavallerte-
und Artillerie-Einquartierung befreit sein.
o Steuerfreiheitwährend Militärischer übungen
Landwehrleute und Reservisten seien wegen der bevor
stehenden Uebungen daran errinnert, daß sie für die
Monate, in denen sie zur Uebung bet der Truppe einge-
zogen sind, keine Steuern zu entrichten haben. Wenn
auch nur ein einziger UebungStag auf den Monat fällt, so
bleibt der ganze Monat steuerfrei. Eine Steuerbefreiung
tritt jedoch ohne besonderen Antrag nicht ein, weshalb die
Personen nach Ableistung ihrer Uebung unter Vorlegung
des Militärpasses sich bet der Gemeindebehörde ihres Wohn
sitzes melden und die Freistellung von den Steuern bean
tragen müssen.
o Die drei Eisheiligen Mamertus, Pankratius und
Servatius werden erst heute in acht Tagen ihren Einzug
halten. Die Abkühlung der Temperatur verkünden ihr
Nahen. Da die schönen Frühlingstage die Vegetation
schon erheblich gefördert haben, wäre zu wünschen, daß
die drei Eismänner diesmal nicht als allzu .gestrenge
Herren" auftreten.
o Ueber Neuerungen im Verkehr mit Ostsee»
bäderu berichtet der „AmtlicheVerkehrsanzeiger" folgendes:
Die Buchfahrkarten nach Göhren usw. berechtigen bei Be
nutzung deS Wasserweges ab Stettin oder Swinemünde
nicht mehr zur Fahrt zwischen Sellin und Baabe. Den
Fahrkarten wird ein Belehrungsblatt mit folgendem Wort
laut beigegeben: .Die Reisenden nach und von Baabe
haben bei Benutzung der Dampfer der Stettiner Dampf-
schiffSgesellschaft I. F. Braeunlich, nach und von Sellin
für die Beförderung ihrer Person und ihres Gepäcks
zwischen Sellin und Baabe selbst zu sorgen." Die Fahr
karten nach Hiddensoe (Landungsstelle Bitte) berechtigen
zwischen Stralsund und Hiddensoe außer mit dem Dampfer
„Caprivi" auchmitdemDampfer„Falke". Aufgehoben werden
mangels eines Bedürfnisses die Rückfahrkarten für alle
Züge von Berlin Stettiner Bahnhof und Potsdam nach
Ahlbeck und Heringsdorf, Dievenow (Berg- oder Ost-),
Göhren usw., MiSdroy und Swinemünde oder Swine
münde Bad, sowie die Rückfahrkarte für alle Züge von
Berlin Stettiner Bahnhof nach Bornholm. Neu eingeführt
werden u. a.: Buchfahrkarten nach Zinnowitz von Stettin
und Stargard (Pom.) und von den Stationen der Direktions
bezirke Breslau, Bromberg und Posen; Zettelfahrkarten
nach Hiddensoe (Kloster oder Neuendorf) von Berlin
Stettiner Bahnhof, Potsdam, Halle (Saale), Leipzig, Pr.
Stb. und Magdeburg Hbf. Ferner ist zur Vermeidung
von Irrtümern die Bezeichnung der Station Swinemünde-
Stadt in Swinemünde Hauptbahnhof umgeändert worden.
o Eine Erfrischungshalle Im Freibad Wanfee.
In dem oberen Teile des Freibads Wannsee, den die
Bäume deS GrunewaldS beschatten, wird jetzt eine große
UnterkunftS- und Erfrischungshalle errichtet. Man hat
von hier aus eine prächtige Aussicht über eine von be
waldeten Ufern eingefaßte große Wasserfläche, denn an
die Stelle, welche „die Breite" genannt wird, geht der
Wannsee in die Havel über, die hier ebenfalls sehr breit
den treuesten, opferwilligsten Freund, aber Ihre'Gattiu kaun
ich nicht werden."
„Warum nicht?" fragte Edgar heftig, „wenn Sie mich
als Ehrenmann schätzen, davon überzeugt sind, daß ich die
zu dauerndem Glück notwendigen Eigenschaften besitze —"
„Ich liebe Sie doch nicht!" rief das junge Mädchen,
die großen, strahlenden Kinderaugen, in denen noch absolut
nichts von heimlicher Sehnsucht und verschwiegenem Traum
glück zu lesen war, voll zu ihm aufschlagend, „und auch
bei Ihnen wird es eine Täuschung gewesen sein." Sie
machte eine bezeichnende Bewegung mit der Hand. „Suchen
Sie mich törichtes Mädchen bald zu vergessen. Später,
wenn Sie sich wirklich verlobt haben, lachen wir noch zu
dreien über diese Stunde."
„Das wird nie geschehen," sagte er gepreßt, sie unaus
gesetzt beobachtend, „aber ich sehe ein, daß ich Ihrem Herzen
nichts gelte. Ihr Nein trifft mich bis ins Innerste. Weiß
der Himmel, wie ich dies überwinden werde, es trifft mich
ganz unvorbereitet."
„Sie werden ohne Groll an mich denken — ?" klang
es ihm bittend entgegen.
„Das kann ich nicht versprechen Leben Sie
wohl, Irmgard, möge es Ihnen nie leid tun, den Platz an
meinem Herzen verschmäht zu haben.... Leben Sie
wohl . . .l"
Er war gegangen. Wie Eishauch aus einer anderen,
geheimnisvollen Region hatte es sie aus seinen letzten
Worten angeweht.
Sie glitt in einen der zierlichen Sessel, lehnte sich zu
rück und suchte sich in die Täuschung hineinzuempfinden,
daß sie Moorys Braut sei.
Aber da kroch es ihr schauerkalt durch die Adern, eine
tiefe Abneigung gegen das innerste Wesen des Ausländers
drängte, sich ihr auf. In seinen Augen war oft ein selt»
ist. Im nahen Familienbad Wannsee, dessen mittlerer
Teil vor kurzem abgebrannt ist, werden jetzt eifrig die
Wiederherstellungsarbeiten betrieben. Sie sollen in
spätestens 4 Wochen bendet sein. Die schöne Badeanstalt
soll später nordwärts um 75 und nach Süden zu um 50
Meter erweitert werden.
o Nationalflugspende. Wie wir von zuständiger
Seite erfahren, sind auf den Aufruf, der in unserer Aus
gabe vom 22. d. M. von den Vorsitzenden der vereinigten
Ortsgruppen des Deutschen Flotten- und deS Deutschen
WehrvereinS erlassen worden ist, bei Herrn Professor Steig
(Fregestraße 72) bereits 71 M.. bet Herrn Oberst o. Rohrscheidt
(Moselstraße 1) bereits 49 M. eingegangen. Es wird ge
beten, in der Einsendung von Spenden fortzufahren.
Quittung bei Schluß der Sammlung erfolgt öffentlich.
o Die Ausstellung „Haus- und Wohnungs»
bau" ist heute Mittag in den Hallen am Zoo eröffnet
worden. Die Ministerien, die Magistrats- und Stadt
verordneten der Gemeinden Groß-BerlinS, die Baupolizei,
die Bauämter, die Vertreter der Feuerwehr, die Handels
kammer haben Vertreter zum Eröffnungsakte entsandt.
Major a. D. Freiherr von Reitzenstein hielt die Eröffnungs
rede. Sodann sprach Justizrat Baumert, der Vorsitzende
deS ZentcalverbandeS der Haus- und Grundbesitzer Deutsch
lands. ES folgte ein Rundgang durch die Ausstellung.
o Aussperrung der Maifeiernden. Bon der
Aussperrung, die der Arbeitgeberverband auf Grund der
Maifeier beschlossen hat, sind in Groß-Berlin rund 11 000
Arbeiter betroffen worden. Hiervon sind u. a. beteiligt
7375 Holzarbeiter, 1636 Metallarbeiter, 175 Zimmerer,
500 Maurer, 95 Transportarbeiter, 193 Steinarbeiter.
Der Rest entfällt auf das Bekleidungsgewerbe und di«
SchuhbekleidungSindustrte. Die Zahl der Aussperrungen ist
größer wie in den Vorjahren. Meist können die Ausgesperrten
erst wieder am Montag anfangen, nur wenige Betriebe haben
die Aussperrung auf 1—2 Tage beschränkt.
o Aus der Vogelwelt. In dem Borgarten deS
Restaurants Hohenzollern nistet in einem dort aufgestellten
Lorbeerbaum eine Schwarzdrossel. Das muntere Tierchen
wählte sich gleich am ersten Tage, an dem der Baum auf.
gestellt wurde» diesen als Wohnstälte und baute dort sein
Nest, in das eS jetzt 4 Eier gelegt hat.
o Unser Vaterländischer Frauenverein zu
Friedenau hatte vor einiger Zeit fünf Damen zur Teil-
nähme an einem Ausbildungskursus für die Verarbeitung
von Verbandstoffen usw. angemeldet, der in der Zeit vom
15. bis 20. April im HauptsanitätSdepotS des Garde-
KorpS in der Scharnhorststraße abgeholten wurde. Nach
Mitteilungen aus dem Kreise dieser Damen ist der Kursus
außerordentlich lehrreich und anregend verlaufen, sodaß di«
Damen höchst befriedigt davon sind. Die Unterweisung
erstreckte sich auf die Kenntnis der erforderlichen Medika.
mente, auf ihre Abwägung, Dispensierung wie der tech>
nische Ausdruck lautet, auf die Sterilisierung oder Keim-
freimachung von Katgut (Katzendarm) und Seide szum
Nähen von Wunden, auf das Anfertigen von Mullbinden
und GypSbinden, auf die Handhabung von Bindenwickel-
sames Glühen und dann wieder ein starrer, harter Glan»
gewesen, was ihr jedesmal unangenehm gewesen war.
Nein, sie beklagte nicht, ihn zurückgewiesen zu haben,
sondern war im Gegenteil heiter, als sei sie einer großen
Gefahr glücklich entronnen.
Und keine Ahnung sagte ihr, wie schwer ihr Vater da
durch getroffen wurde, daß sie Lord Morys Antrag ab-
gelehnt. In undurchdringliches Dunkel war die Zukunft
gehüllt und all das Leid, das Irmgard in dieser Stunde für
sich selbst heraufbeschworen.
2. Kapitel.
Irmgard hatte eine Einladung zum Diner in einem
befreundeten Hause erhalten. Da Lord Moory dort nicht
verkehrte, so dachte sie nicht daran, abzusagen. Vielmehr
machte sie vergnügt Toilette und musterte mit erhöhtem
Interesse ihr Spiegelbild.
Sie erschien sich sehr erhaben in dem Bewußtsein, dem
Lord einen Korb gegeben zu haben. Da sie die Liebe noch
nicht kannte, so darf man ihr diese Oberflächlichkeit schon
verzeihen.
Als ihre Aufmerksamkeit sich wieder auf den Rosenstrauß
lenkte, waren die Blumen ihr unangenehm, doch dann
schalt sie sich selbst. Was konnten die armen Blumen für
die Torheiten der Menschen. Und sie gab ihnen Wasser und
stellte sie in einer prächtigen Vase in den Blumentisch.
Sie hatte ein duftiges, weißes Kleid angelegt und sah
lieblich aus wie eine Fee. Leise vor sich hinsingend, ging sie
nach dem Zimmer ihres Vaters, um sich zu verabschieden,
aber der alte Diener kam ihr auf Fußspitzen entgegen.
Vor einer halben Stunde sei der Herr endlich ein
wenig eingeschlafen, nachdem er sich förmlich überarbeitet.
Es sei wohl besser, ihn nicht zu wecken.
„Gottlob, daß er schläft," flüsterte Irmgard, „er sah