Fanny Lewald — A. Begas — Gustav Richter —11
Geistes die Haydnsche Kindersymphonie aufgeführt.
Geheimrat Henoch und Adalbert Begas haben uns
die Notenblätter umgewendet, Ferdinand Lassalle und
Johann Jacoby haben uns Beifall geklatscht, und des
Jubels und des Glücks war kein Ende.
Ja, diese Dienstage in meinem Elternhause! In
ihnen spiegelten sich noch die feinen Sitten und gra⸗
ziösen Lebensanschauungen jener schöngeistigen Ber⸗
liner Salons wieder, die zur Zeit Varnhagen v. Enses
und seiner Rahel in reichster Blüte prangten.
Um nun aber auch einen Begriff von der An⸗
spruchslosigkeit jener Tage zu geben, habe ich mir die
Mühe genommen, in dem grünledernen, nach dem Ge⸗
schmack der damaligen Zeit mit Goldschnitt reich ge⸗
zierten „Livre de comptes“ meiner Mutter nachzu⸗
schlagen und habe gefunden, daß sich die Ausgaben
eines solchen Abends ungefähr auf sechs Taler zwölf
Silbergroschen beliefen. ... Da zucken die Herr⸗
schaften aus WVV. wohl geringschätzig die Achseln. Ja,
Diners mit Spargel im Dezember und Kirschen im
Januar kannte man damals noch nicht, und Lohn⸗
diener und getrüffelte Poularden und grelle elektrische
Beleuchtung ebensowenig. Moderateurlampen und
Wachskerzen spendeten warmes und behagliches Licht,
Mädchen in Waschkleidern mit kurzen Ärmeln und
weißen Häubchen servierten kaltes Fleisch, Salat,
Kuchen, Obst, Tee und Punsch. Aber statt grimassie⸗
render Kabarettkünstler und aus zweifelhaften Ball⸗