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Öl. Sitzung vom 25. September 1Ö58
Hucklenbroich
— hören Sie gut zu, wörtlich, Herr Kollege Endres, Sie
lesen höchstwahrscheinlich mit —
weder in einem Aufsichtsrat noch in einem Kura
torium oder in einem Verwaltungsrat sitzen sollten.
Das ist eine grundsätzlich klare Linie. Ob sie aber
praktisch ist und ob sie mit der Entwicklung der
heutigen Zelt mitkommt
— Sie haben damals schon in die Zukunft gesehen —
und dem entspricht, das scheint mir doch sehr frag
lich; die Mitwirkung der Abgeordneten, wie sie in
dem vorliegenden Gesetz vorgesehen ist — sowohl
im Beirat wie im Verwaltungsrat —, ist doch im
wesentlichen deshalb statuiert worden, um die
größtmögliche Kontrolle durch die gewählten Re
präsentanten der Bevölkerung .... in den entschei
denden Organen — Beirat und Verwaltungsrat —
auch maßgebend sicherzustellen und damit an der
Wiedergewinnung des öffentlichen Vertrauens ent
scheidend mitzuwirken.
Und am Schlüsse dieses Absatzes hat der Kollege Endres
noch einmal gesagt: ,
Deshalb ist es meines Erachtens unerläßlich, daß in
diesen Gremien Vertreter des Parlaments, die um
die Notwendigkeiten bestimmter finanzieller Er
fordernisse wissen, entscheidend bei diesen Be
schlüssen mitwirken, und zweitens auch — und das
vom Verwaltungsrat her gesehen —, daß dieser
Verwaltungsrat als oberstes Kontrollorgan über die
beiden anderen Organe in seiner Mehrheit durch
Abgeordnete besetzt wird.
(Hört! Hört! — Zurufe von der CDU.)
Herr Kollege Endres, und dann stellen Sie sich mit dem
gleichen Pathos hier her und sagen: Wir haben das
damals schon immer gewollt, wir waren für eine Tren
nung dieser Organe.
(Abg. Endres: Sie müssen richtig zitieren,
so habe ich es nicht gesagt!)
— Herr Kollege Endres, ich habe Ihnen die Seite an
gegeben. Sie können mir erwidern, daß Sie ein paar
Seiten weiter etwas anderes gesagt haben nach dem
Motto: Was schert mich mein dummes Geschwätz von
gestern. — Ich glaube, es ist Oldenburg-Januschau, den
ich jetzt zitiere. —
(Zurufe von der CDU: Unerhört!)
Aber damit erwecken wir doch den Eindruck, daß hier
die Dinge aus Wahlgründen eine Färbung bekommen,
die der historischen Wahrheit nicht entspricht.
(Erregte Zurufe von der CDU.)
Man kann sich in den Ansichten über diese Fragen neue
Überlegungen zu eigen machen und den Standpunkt
wechseln, und wir von der Opposition sind sehr dankbar,
wenn Sie uns auf diesem Gebiete folgen. Aber dann nach
drei Jahren zu erklären, wo wir es hier schwarz auf
weiß haben. Sie hätten das damals auch schon gefordert,
das zwingt doch die Frage heraus —
(Unruhe und lebhafte Zurufe bei der CDU.)
— Herr Kollege Endres, lesen Sie es nach; ich habe es
Ihnen zitiert.
So, meine Damen und Herren, und nun darf ich etwas
zu der Frage sagen, die der Herr Fraktionsvorsitzende
der SPD-Fraktion hier angeschnitten hat, zur Frage der
Interessenkollision. Meine Damen und Herren, diese
Dinge sind ja im Zusammenhang mit Mißständen beim
Zahlenlotto aufgekommen, und da ich die Dinge vom
Zahlenlotto her kenne, glaube ich, daß es gut und richtig
ist, die Fragen hier offen anzusprechen.
(Zuruf.)
— Eben. — Da sind zwei Mißstände, die besonders in
der Öffentlichkeit und mit Recht diskutiert worden sind.
Das eine ist die Veranstaltung einer Traumnacht durch
den Kollegen Wille in Tempelhof. Meine Damen und
Herren, ich möchte hier nicht verraten, wer bei der
Traumnacht alles anwesend war.
(Zuruf: Sie bestimmt!)
— Ich war nicht dabei, nein, Herr Kollege John. — Aber
ich glaube, gerade diejenigen, die diesem Ereignis viel
leicht die kulturelle Bedeutung gegeben haben, hätten
dort nach dem Bericht des Rechnungshofs, der diese
Dinge beanstandet hat, zu überlegen gehabt, ob hier
nicht einmal ein ernstes Wort am Platze ist.
(Zuruf.)
— Ich sage es Ihnen ja. Sie werden sich über alles in
formieren dürfen, Herr Kollege Grajek. Sehen Sie, alle
diese Bewilligungen für kulturelle, soziale und karitative
Zwecke werden doch von der zuständigen Senatsverwal
tung genehmigt. Dazu hat doch der Herr Senator für
Volksbildung sein Plazet zu geben. Das haben Sie doch
alle vor drei Jahren gelesen. Haben Sie irgend etwas
getan, um dafür zu sorgen, daß diese Dinge etwas
strenger geregelt werden?
(Zurufe.)
Meine Damen und Herren! Es ist dann weiter hier
gesagt worden — das ist der andere Mißstand —, der
Bezirksstellenleiter Minor habe durch eine langwierige
Abrechnung der Spitzenbeträge die Gelegenheit erhalten,
11 000 DM zu unterschlagen. Meine Damen und Herren,
wer hätte diese Dinge, die Abrechnung Wille, um die
gestritten wird, und die Frage der Abrechnung Minor
prüfen können?
(Zuruf: Der Verwaltungsrat!)
-— Nein, das Organ, das für die Klassenlotterie diese
Geschäfte zu erledigen hat, der Vorstand. Und Sie
können dem Verwaltungsrat den Vorwurf machen und
können sagen: Warum habt ihr denn keinen Vorstand
gewählt in den letzten Monaten? Warum ist denn im
Jahre 1958, als die Sache Wille mit der zwölften Mah
nung hochkam, nichts geschehen? Das will ich Ihnen
sagen: Weil der Verwaltungsrat nicht wählen durfte
wegen des jahrelangen Tauziehens zwischen Toto- und
Lotto-Fraktion — hier die Barthelmänner und da die
anderen Männer —, hat sich der Senat eingeschaltet.
Der Senat von Berlin — das spreche ich hier aus; denn
wir stehen nun einmal als Verwaltungsratsmitglieder
hier, und der Kollege Grajek gibt uns durch seine
Zwischenrufe Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen —
hat diesem Verwaltungsrat gesagt, Herr Kollege Müller:
Mit Rücksicht auf die Fusion von Toto und Lotto sollt
und dürft ihr diesen Vorstand nicht besetzen! Der Senat
von Berlin hat monatelang den Verwaltungsrat gehin
dert, diese Dinge zu klären, und Sie können in dem
(Senator Lipschitz: Und Sie haben im
Hause ein Jahr lang geschwiegen!)
— Herr Kollege Lipschitz, Sie können
(Unruhe und Zurufe.)
Sie können in den Protokollen nachlesen, was die ein
zelnen Mitglieder, insbesondere, was ich zu dieser Frage
gesagt habe. Ich bin da auch nicht schüchterner gewesen
als hier.
(Abg. Dr. Waltzog: Sie waren jahrelang
schüchtern!)
— Herr Kollege Waltzog, ich werde Ihnen etwas sagen:
Diese Dinge sind nach der Debatte 1955 sehr energisch
vorgebracht worden. Aber da sind es Ihre Freunde und
andere gewesen, die gesagt haben: was heißt hier
(Zuruf von der CDU: Haben Sie es vorgebracht ?)
— Jawohl, Herr Kollege Müller!
(Erneuter Zuruf von der CDU: Wann denn?)
— Sie haben Pech; in den geeigneten Gremien, nachdem
wir 1956 gewählt worden sind. Aber da ist hier in diesem
Hause von den Kollegen gesagt worden: Der sogenannte
Lottoskandal und die Dinge sind
(Zurufe.)