richt über die Arbeiten der Kommission, soweit sie sich mit den Aufgaben der
Bibelgesellschaften berührten. Sie bestanden aus folgendem: 1. Vergleichung der
verschiedenen Bibelausgaben; 2. Berichtigung des Luthertextes durch den Grund⸗—
text; 3. Ersetzung veralteter und mißverständlicher Wörter; 4. Entfernung an—
—V
Kurz vor dem Erscheinen der »Probebibel« veröffentlichte der 1881 zum Vize—
präsidenten der Direktion gewählte Oberkonsistorialrat D. Kleinert einen Vortrag
über die revidierte Bibel, in welchem er aus den Geschicken des Bibeltextes die
Notwen digkeit einer Textrevision nachwies und daneben zeigte, wie die Kommission
getrachtet habe. bei ihrer Arbeit Pietät, viebe und Ehrerbietung gegen das Ererbte
und ehrwürdig Gewordene — mit der Beugung vor der Wahrheit, vor dem als rich⸗
tig Erkannten zu verbinden. Gleichzeitig erließ die Cansteinsche Bibelanstalt ein
Rundschreiben an die Bibelgesellschaften, welches unsre Direktion veranlaßte, den
Tochtergesellschaften die Kenntnisnahme der neuen Ausgabe zu empfehlen und
ihnen die Einreichung von Bedenken oder von Wünschen anheimzustellen. Was uns
im Lauf der näüchsten zwei Jahre an Urteilen über das Werk zuging, bezog sich aller—
meist auf die sprachliche Seite der Revision und veranlaßte die Leitung der Bibel—
gesellschaft den Wunsch kundzugeben, es möge die Sprache der Bibel nichts enthalten,
was nach dem Konsensus der Schulkundigen den Kindern als grammatischer Fehler
angestrichen werden müßte; zugleich beantragte sie die Einsetzung einer Kommission
für die sprachliche Seite des Wortlauts, gebildet aus wenigen Männern, die einer⸗
seits gelehrte Kenner der Sprachgeschichte, andrerseits anerkannte Meister der
gegenwärtigen Schriftsprache wären. Dieser Antrag ist berücksichtigt worden, doch
konnten die Absichten der Direktion auch auf diesem Wege nicht völlig erreicht
werden. Auf der Schlußkonferenz von 1890 nahmen die Bibelgesellschaften den
Text an. wie er seit 1892 vorgelegt und von da ab verbreitet worden ist.
Rückblick und Nachtrag. Als die Frage einer offiziellen Berichtigung der
Lutherbibel aufkam, war der Kultusminister Karl Otto von Raumer? Präsident
der Bibelgesellschast. Obwohl er in der schlichten Verehrung der Heiligen Schrift
aufgewachsen war. scheint doch die Vestimmtheit und Entschiedenheit. die seine
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