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Die Reise des Kurprinzen Joachim (II.) nach Nürnberg im Jahre 1522 und seine Rückreise ach Berlin im Jahre 1523

Volltext: Aus der Geschichte des Hauses Hohenzollern / Schuster, Georg (Public Domain)

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des Kurprinzen, einen Kasten oder mindestens eine „Schachtel“ 
mit Literalien und dem noͤtigen Schreibgeraͤt, wohl auch silbernes 
Tafelgeraͤt und die noͤtigsten Bettstuͤcke fuͤr den fuͤrstlichen Herrn 
geborgen haben, waͤhrend die Ruͤstwagen Kochgeschirr, Vorraͤte 
aller Art, aber auch die schweren Waffenstuͤcke des ritterlichen 
Gefolges mitfuͤhrten. 
Im Verhaͤltnis zur Kopfstaͤrke des Zuges — er bestand min⸗ 
destens aus 70 Personen — war die Anzahl der Wagen eine ge— 
ringe; es wird sich jeder auf das Notwendigste haben beschraͤnken 
muͤssen. Nichtsdestoweniger war den Berittenen zuweilen die 
Langsamkeit der Gefaͤhrte laͤstig, und zeitweilig trennte man sich 
von diesem Trosse. Dann war es geboten, daß zur Bedeckung 
und notwendig werdenden Hilfeleistung (etwa im Falle eines 
Radbruches) außer den Fuhrleuten noch andere Mannschaften 
den Wagen zugeordnet wurden. Dazu eigneten sich der Plattner, 
Meister Hans, der Buͤchsenmeister Lorenz und der Schmied. Und 
den ganzen Zug schlossen wieder zwei Einrosser, zu denen sich die 
Geleitsleute derjenigen Fuͤrsten gesellten, durch deren Gebiet man 
gerade zog. 
Der erste Tagesmarsch ging uͤber Erlangen bis nach dem 
Staͤdtchen Forchheim (etwa 7 Meilen oder 5 km) auf fast ebener 
Straße fortwaͤhrend durch das Gebiet der fraͤnkischen Hohenzollern. 
Es wird in Erlangen, wie in Baiersdorf, nur kleiner Empfang statt⸗ 
gefunden haben und nur kurze Rast gemacht worden sein. In 
Forchheim dagegen erwartete der Schulmeister mit seinen Kindern 
den hohen Gast und, gleichsam als ob er dessen Vorliebe fuͤr fest⸗ 
lichen Empfang und liebliche Musika gekannt haͤtte, sang er ihn so 
mutig an, daß er ein Geschenk von 6 Silbergroschen erhielt. Es 
war nicht allzuviel! Der Gesang muß den verwoͤhnten Ohren 
des Kurprinzen nicht melodisch genug geklungen haben, vielleicht 
war auch das Programm nicht besonders gewaͤhlt; kurz, das Trink⸗ 
geld fiel so knapp aus, daß nicht ein einziger Mann der Geleits⸗ 
leute des Bischofs von Bamberg, welche sich hier in Forchheim 
zum Antritt ihres Dienstes meldeten, mit diesem Betrage aus der 
Herberge haͤtte ausgeloͤst werden koͤnnen. Von ihnen hatte jeder 
bereits eine Rechnung von 8 Silbergroschen auflaufen lassen. 
Freilich ist auch anderen Orts dieser Kurrendegesang nicht hoͤher, 
teilweise sogar nur mit 5 Groschen bewertet worden. 
In Forchheim entwickelte sich bald ein lebhaftes Treiben. 
Es wurde der Kuͤche wie dem Keller von hoch und niedrig eifrig 
zugesprochen. Ein ungefaͤhres Bild von dem gewaltigen Appetit, 
den dieser erste Marschtag hervorgerufen hatte, kann man sich 
daraus machen, daß 16 Pfund Lachs, 14 Pfund Hechte, 300 Heringe,
	        
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